Reisebilder aus der Ukraine, der Slowakei, Rumänien und Osteuropa. Reflexionen zum Alltag, Reiseberichte, Kurioses und Interessantes vom Zusammenleben der Völker, Privates für Freunde und Bekannte...

Donnerstag, 5. Dezember 2019

Alle Jahre wieder...

Zwischen der schriftlichen und der mündlichen Prüfung lag - wie immer - eine intensive Phase harter Arbeit mit Korrekturen der Präsentationen und der Präsentationstexte sowie mit abendlichem Konversationsunterricht. Klar, das hat auch Spaß gemacht, weil ich meinen Schülern endlich etwas näher kam und diese sich davon überzeugen konnten, was sie für einen klugen und anregenden Lehrer mit seinen Ideen und seinem Wissen bisher eher ignoriert haben. ;-) Selbstlob! Jedenfalls habe ich nun einen Fan- Club aus Informatik- Spezialisten, die immer noch einen Abend mehr über psychologische, soziologische, philosophische, pädagogische und theologische Aspekte ihres künftigen Tätigkeitsfeldes hören wollten und die es nicht fassten, dass ich zu allem immer noch Neues zu sagen hatte. Dabei musste ich natürlich dafür sorgen, dass der Diskussionsanteil und der Anteil freien Sprechens der Kandidaten möglichst hoch blieb bzw. wurde. Bei aller Freude über die Resonanz und dem Spaß an der sich langsam herausschälenden Intelligenz meiner Jungs - doch, sie sind klug, wenn sie mal nachdenken können und nicht nur pauken müssen (!) - blieben es doch Deutsch- als Fremdsprache- Abende und damit Zusatzstunden weit nach Unterrichtsende. Ich merkte erst nach dem mündlichen Prüfungen, wie fertig ich nach alledem war. Dafür hatte es sich gelohnt. Seit Langem mal wieder ist keiner durchgefallen, vier Schülerinnen und ein Schüler haben 24/24 geschafft und bis auf drei Kandidatinnen haben alle auf C1- Niveau bestanden. Da stehe ich in diesem Jahr sehr gut da! :-)

Aber das ist ja gar nicht der Anlass des Posts. In der knappen Zeit zwischen dieser oder jener Prüfungsaktivität auch am Wochenende gelang es mir doch, meinen Adventskram abzustauben und aufzustellen. Aber dazu ihn zu genießen, komme ich erst jetzt. Seit heute bin ich wieder ein (prüfungs-) freier Mann! Ein Tässchen Kaffee in der Hand, ein Gläschen Whisky dazu und im Radio "Maria Farantouri sings Odysseia"...- so muss Advent sein!     


23.12.- DSD II Prüfungen SK

Einsam und verlassen liegt die Aula am Abend davor. Alles ist bereit und am nächsten Tag schreiben 26 Schülerinnen und Schüler aus Suceava und Radauti den schriftlichen Prüfungsteil zum DSD II. Die schriftliche Arbeit wird in Deutschland bewertet und ich habe keine Ahnung, wie gut oder wie schlecht meine "Schäfchen" abgeschnitten haben. Vorbereitet waren sie gut und im Gegensatz zu manchem Kollegen habe ich sie auch auf das Thema "Flucht- und Migration" getrimmt. Es sollte also geklappt haben. Bei Lese- und Hörverstehen habe ich schon mal drauf geschielt: Da liegen alle durchweg im hohen C1- und sicheren B2- Bereich. Alles gut also. Hoffe ich...

Samstag, 9. November 2019

05.11.- Übergabe der DSD I- Diplome

Ja, so läuft das. Das NCPR Suceava hatte europaweit die meisten Anmeldungen zum DSD I - sagte der Chef. Soweit die positive Seite. Die negative lautet leider: Das NCPR Suceava hatte auch die höchste Durchfallerquote in Europa. :-( Nur etwas über 60% der Kandidaten hatten bestanden und ich bekam den entsprechenden Rüffel. Natürlich zählt nicht, mit wie vielen Schülern du gearbeitet hast. Es gibt nur Zahlen, Quoten, Erfolge...

Sei's drum. Für die Erfolgreichen hatten wir eine kleine Feier in der Aula organisiert. Der Schulleiterin, die kurz anwesend war, war es immerhin nicht so wichtig ihre Schüler persönlich zu beglückwünschen. Sie meldete sich zum Physik- Unterricht ab, also zu einem wirklich wichtigen Fach, das nicht ausfallen darf. Nun, das kenne ich schon. Ana (Blid oben rechts) hat souverän durch die Veranstanltung geführt. Klar, sie spricht und schreibt fast muttersprachlich. Das gibt es also auch hier. Am Ende das obligatorische Gruppenfoto auf der Treppe vor unserem Haupteingang. (Bild Mitte)

Meine (halbe) Lieblingsklasse, die 11f, (Bild unten) lud mich dann noch zum Gruppenfoto (mit Chef- rechts außen und hinten). Die auf dem Bild zu sehen sind, sind motiviert und angenehm. Einige von ihnen werden sicher im nächsten Jahr das DSD II erfolgreich bestehen. Aber die andere Hälfte... Ok, das ist wie beim DSD I. Alle treten an, aber die Hälfte fällt durch. Und stört sich nicht dran- das stört mich am meisten...




02.11. - Bukarest Jugend debattiert

Von Buzau fuhr ich morgens nach Bukarest. Um 12.00 Uhr passierte ich das Ortseingangsschild und 15 min vor 14.00 Uhr hatte ich dann endlich einen Parkplatz gefunden. Dazu musste ich einen Parkplatzlöwen, der nur stundenweise und nicht über Nacht vermietet, beknien und bebetteln, und bekam endlich doch für 180 Lei, also knapp 40 Euro, einen Platz für zwei Nächte. (80 war der Preis- 100 waren für ihn.) Wäre das nicht geglückt, ich weiß nicht, wo und wie lange ich noch da rum gekurvt wäre. Glücklicherweise lag der Parkplatz - ich kannte ihn, er war mir schon beim letzten Mal verweigert worden - nur ca. 10 min von der Schule entfernt, in der das Finale "Jugend debattiert in Rumänien" stattfinden sollte. Ich kam gerade noch pünktlich und konnte meine Jury einweisen. Dann liefen die Halbfinals. Richtig gut war nur eine Debatte; drei von vier Teilnehmerinnen stellten dann auch das Finalteam. Ich hätte sie alle genommen, aber meine Jurykollegen waren anderer Meinung. Anderntags bekam ich dann Recht; die gegen mein Votum bestellte Kandidatin versagte völlig und sagte gar nichts. Das habe ich in 15 Jahren Jdi noch nie erlebt! Gut, meine Eitelkeit ist bestätigt. ;-) Immerhin mache ich das nun schon 15 Jahre und habe doch langsam einen Blick für die Leistung der einzelnen Teilnehmer...

Nach dem Stress der Parkplatzsuche und den Wertungen für immerhin drei aufeinanderfolgende Debatten war dann das Hotel eine gelungene Überraschung. Für die Botschaft, die den Wettbewerb finanziert, sind das wahrscheinlich alles Peanuts resp. sie selbst würden nie in eine Drei- Sterne- Hotel gehen. Und so ließen sie sich das Drumherum was kosten. Die Restaurants waren exzellent und das Hotel- nun ja, man sehe selbst: SPA mit allem drum und daran. Allerdings hat es ein bisschen gedauert, bis ich den Whirlpool fachgerecht in Betrieb nehmen und mich entspannen konnte. (Bild Oben) Erlebnis? Eine Badewanne hätte es auch getan...

Raffiniert immerhin das Fenster (Bild zwei), durch das man - sich auf dem Bett räkelnd - womöglich der Frau oder Freundin beim Badespaß zusehen kann. Das musste ich dann doch mal fotografieren, denn bisher bin ich solchem (kleinen) Luxus immer aus dem Weg gegangen. Was brauche ich auf Reisen? Ein ruhiges Bett, womöglich ein Restaurant und sicher ein Bierchen. Das andere reizt mich nicht einmal dann , wenn es mir um's Geld nicht leid tun müsste. Nach dem Finale blieb ich noch und erkundete mit einem Kollegen die Gegend. Ganz nett. Ich gebe zu, Bukarest außerhalb des Zentrums- das kann sich mit Berlin vergleichen. Es gefällt mir immer besser. Gute Kneipen gibt es jedenfalls überall...




Sonntag, 3. November 2019

01.11. - Buzau und nicht Halloween

Nein, schön ist anders. Aber praktisch war's. Der Chef hatte am 01.11. um 14.00 Uhr das Halbfinale "Jugend debattiert in Rumänien" (unserem an Jdi angelehnten, botschaftsfinanzierten Wettbewerb) anberaumt und da ich keine Lust hatte, in der Nacht in Suceava abzufahren, gönnte ich mir eine Übernachtung in Buzau. Ich wollte eigentlich prüfen, ob die Stadt wirklich so hässlich ist, wie sie bei den Durchfahrten erscheint, und ich wollte Geld für die Übernachtung sparen- klar. Letzteres klappte ausgesprochen gut, denn 32 Euro/ Nacht waren angesichts des Komforts wirklich nicht zuviel. Ein kleines, sauberes, modernes, sehr geschmackvolles Hotel fünf Gehminuten vom Zentrum entfernt und trotzdem völlig ruhig gelegen, dazu ein Restaurant, dessen Angebot auch nicht zu kritisieren ist - was will man mehr? 

Ansonsten hat Buzau doch so etwas wie eine Altstadt. Es gibt ein paar repräsentative Bauten wie Gymnasien, Polizei usw. und ansonsten Kleinbürgerhäuser in historistischem Stil. Die waren allerdings eher schlecht gepflegt und ohnehin macht die Stadt nicht gerade einen wohlhabenden Eindruck. Die kleinen Geschäfte am Straßenrand erinnerten sehr stark an Kleinstadtläden in der DDR in den 60er Jahren. Keine modernen Regale, Präsentationen usw., sondern halt Rohre und Anschlüsse im Schaufenster und drinnen ein Raum, wo das alles irgendwo rumsteht.

Das eigentliche Zentrum besteht aus einem sehenswerten Rathaus (zweites Bild), einem riesigen Platz mit sozialistischer Einheitsarchitektur davor (Bild drei) und einem Platz, an dem zwei Großkirchen und der Palast des Episkopats stehen, (Bild oben) Dort wurde ich vom Wachschutz verjagt: Fotografieren verboten! Ok, offensichtlich weiß man um das Unchristliche des protzend zur Schau gestellten Reichtums des Klerus inmitten einer ansonsten nicht so arrivierten Stadtgesellschaft. Egal.


Der Rest der Stadt besteht aus monoton aneinandergereihten Wohnscheiben (letztes Bild), die in Zentrumsnähe ab und an durch modernistische Glasarchitektur (viertes Bild) etwas aufgelockert sind. Wenigstens wachsen in den Innenhöfen die Bäume schon in den Himmel- da ist es nicht ganz so trist. Deprimierend allerdings die Kinderknäste, sprich die überall eingezäunten Spielplätze (Bild unten) inmitten der "Autolandschaft" drumherum. Die Prioritäten der neuen Gesellschaftsordnung sind deutlich zu sehen.

Ansonsten nahte Halloween und in der ganzen Stadt lagen die Kürbisse rum. In Bukarest Scharen von wild bemalten Schülern und Jugendlichen auf der Straße. Ich habe mich schon gefragt, warum meine Schüler immer wieder meinen, "ihre Kultur" sei von Überfremdung durch die bösen Flüchtlinge und Migranten bedroht. Dass sie zu ihrem Traditionshemd sowieso nur noch in amerikanischen Jeans rumlaufen, fällt ihnen nicht auf und dass der Valentinstag so wenig eine rumänisch- orthodoxe Kirchentradition ist wie der Muttertag, wissen sie gar nicht. Und Halloween? Darüber denken sie - wie so oft - gar nicht nach...

Samstag, 5. Oktober 2019

Bukarest und Hauskonzert in der Residenz

Lag es am wunderschönen Spätherbst- Wetter (30 Grad!), oder daran, dass ich dieses Mal die hässliche Altstadt mit ihren allerdings hippen Kneipen und guten Restaurants (vorletztes Bild) zum Schluss besuchte... - ich weiß es nicht, aber Bukarest hat mir dieses Mal besser gefallen. Man findet abseits des als "Altstadt" ausgewiesenen Kerns schöne Straßen (Bild oben), in denen auch Leben ist. Im Umfeld unseres Hotels gab es jedenfalls jede Menge hübscher Kneipen, die durchaus an Kiez- Straßen in Berlin erinnern...

Wie beim letzten Mal gefielen mir auch die Stadtteile am Fluss. (Bild zwei) Dieses Mal habe ich mich auf die unweit vom Kanal gelegenen Parks konzentriert, die wirklich reizvoll sind und zu dem guten Eindruck dieses Mal nicht unwesentlich beigetragen haben dürften.

Wenn man einmal gelernt hat, das Durcheinander teilweise grotesker Architekturstile wenigstens "interessant" zu finden, kann man die Perlen wie das Athenäum durchaus wertschätzen. Was für ein schöner ausgewogener Bau! (Bild vier) Das kann man nach wie vor von der nun ihrer Vollendung entgegen gehenden Monumental-Kirche hinter dem Parlamentsgebäude, dessen Bau- Stil (?) Uta mal zutreffend als "Machtanspruchseklektizismus" charakterisiert hat, nicht sagen. Ekelhafter Kirchen- Protz, der bestrebt ist, es dem Protz der Kommunisten mindestens gleich zu tun! (Bild fünf) Wie viel notwendige Krankenhäuser hätte man mit dem Geld bauen und unterhalten können? Scheinheilige Bande!

In der schon beschimpften Altstadt, in der sich in Sachen Restaurierung allerdings viel tut, aß ich zum wiederholten Male im marokkanischen Restaurant. Und wieder war es so lecker! Der beste Humus ever und auch am Fladenbrot kam ich nicht vorbei. Dazu diese schöne Schärfe... Ich komme ins Schwärmen... ;-)

Abends war dann Empfang in der schönsten Residenz, die einem deutschen Botschafter im Ausland zur Verfügung steht (denke ich). Das imposante Gebäude (Bild drei) beherbergt Wohnräume und Säle, u.a. einen, der als Konzertsaal taugt. Dass er wirklich taugt, stellten die Sänger der Gruppe "Adorabilis" (ehemalige Thomasser) aus Leipzig (Bild unten) wohltönend unter Beweis. Die Gruppe beeindruckte gesanglich, stimmtechnisch und mit dem Witz des Repertoires, in dem sie auch englische Pop- Musik in Thomaner- Vokal- Fassung überzeugend zu interpretieren wusste. Drei Songs der Prinzen waren auch dabei.

Insgesamt ein toller Abend mit einer fast familiären Atmosphäre (ein wirkliches "Hauskonzert", wie es das gehobene Bürgertum früher zelebriert haben mag- und jetzt eben die Botschafterfamilie). Ich kam ins Gespräch mit den Angestellten der Botschaft, einer ehemaligen DAAD- Lektorin, die in Lviv tätig war, mit den Sängern und auch mit Bürgermeister Jung, der sehr menschlich seinen Nachwuchs auf dem Arm hatte. Auch meine Schüler, die den Tag über allein unterwegs sein durften, waren wieder begeistert. Sie kamen auch auf ihre Kosten, als sich um sie herum eine "Jugendgruppe" bildete, da sich die drei anwesenden Kulturweit- Freiwilligen auch etwas vereinsamt vorkamen. Das Glück war vollkommen, als ich ihnen erlaubte, bis zwölf noch zusammen in eine Bar zu gehen.

Kleiner Wermutstropfen: Anderntags fuhr mir ein Bus den Spiegel vom Auto ab und verpasste mir eine tüchtige Schramme. Ausweichen konnte ich nicht, da auf dem Bürgersteig viele Leute unterwegs waren. Der Fahrer schimpfte, in Rumänien hätten Busse Vorfahrt. Ja, kann schon sein, aber nicht, wenn sie von hinten kommen! Ich hatte aber keine Lust auf Polizei, Protokolle, womöglich Gerichte usw. und suchte mir lieber eine Werkstatt für die Reparatur. Die dauerte 8 Stunden und so musste ich noch eine Hotel- Übernachtung in Falticeni und ein Abendessen für alle bezahlen, denn bei Regenwetter, stockfinsterer Nacht und völlig schwachsinnig rasenden Autos war mir um die Sicherheit der mir anvertrauten Jugendlichen bange. Macht aber nichts. Solange so was mit Geld zu lösen ist, ist alles gut. Ich stelle mir vor, der Bus wäre hinten aufgefahren und meinen Mädels wäre was passiert. Dann lieber so. Es sollte halt mal sein...

Tag der Deutschen Einheit in Bukarest

Dianira, Ioana (Bild unten Mitte) und Daria (Bild unten rechts) hatten als ersten Preis für den besten Kurzfilm im Minderheiten- Wettbewerb eine Einladung der Deutschen Botschaft Bukarest erhalten, am Empfang zum Tag der Deutschen Einheit teilzunehmen. Da Dianira nicht mitkommen konnte (künftige Medizin- Studentinnen lernen ein Jahr lang Tag und Nacht für die Aufnahme- Prüfungen!), war Ioana Todosi aus der 11. Klasse mit dabei (Bild unten links). Sie hatte mit einem Team aus der 11. Klasse ebenfalls einen beachtenswerten Filmbeitrag abgeliefert. Den Dreien hat es ausgesprochen gut gefallen, all die "hohen Herren" (Damen waren eher in niedriger Position anwesend) zu sehen. Besonders leuchteten die Augen, als Staatspräsident Ioannis den Saal betrat und eine kurze Rede hielt. Dazu gab es ein Bild mit dem wirklichen nahbaren deutschen Botschafter Cord Meier- Klodt. Das Ambiente im noblen Radisson Blue (Bild oben) tat sein Übriges. Ausgerichtet wurde die Veranstaltung gemeinsam mit der Partnerstadt Leipzig, was mich interessierte. Bürgermeister Jung hielt eine ansprechende Rede und forderte dazu auf, sich aus "erster Hand" über den Leipziger Herbst zu informieren. Er hätte dazu verdiente Leipziger Bürger mitgebracht. Ich kannte niemanden, außer Prof. Troebst. Der ist Osteuropa- Historiker und sicher kompetent, bloß zu Wende- Zeiten, war er sonstwo, aber nicht in Leipzig, wo er erst viel später Professor wurde. Und da ist es wieder, das Elend: Der Osten wird von Wessis erklärt. Der Bürgermeister war nicht dabei und sein Star- Referent auch nicht. Warum geht es offensichtlich NIE anders?