Produktion von Heißwasserbereitern (im Volksmund: Boilern) verdient. Er müsste schon ein richtiger Depp sein, wenn das Amt dem Geschäft nicht auch hier zu Gute käme. In Kiew ist die Warmwasserversorgung öfter mal unterbrochen, weil die Leitung defekt ist oder das Kraftwerk einen Schaden hat. Auch kommt es vor, dass ab der 10. Etage der Strahl immer dünner wird und endlich versiegt, weil immer neue hübsche 26-Geschosser an die alte Leitung gehängt und mit Pumpwerken ausgestattet werden, die den Altbaubewohnern sozusagen das Wasser abgraben. Aber prinzipiell gibt es warmes Wasser. Das ist in Chernivci anders, obwohl es hier lange Zeit prinzipiell auch warmes Wasser gab und eigentlich immer noch geben könnte. Nachdem sich aber viele Bürger der immer öfter vorkommenden Warmwasserausfälle wegen (ein Schelm, wer jetzt schon böses denkt!) einen privaten Boiler geleistet haben, blies der Bürgermeister zum demokratischen Generalangriff. Demokratie bedeutet „Mehrheit entscheidet“, so dachte er vielleicht, und setzte dann mal eben im Stadtrat durch, dass in allen Straßenzügen, in denen 70% der Haushalte über einen privaten Heißwasserbereiter verfügen, die zentrale Versorgung mit Warmwasser eingestellt wird. So geschehen auch bei mir, weshalb es nun im Winter in Bad und Klo öfters mal ziemlich frisch ist, denn dort erfolgte die Heizung bisher über eine Leitungsschleife der Warmwasserleitung. Aber ich will nicht klagen. Zwar ist mein Boiler nicht Schuko- gesichert und von einer wasserfesten Steckdose kann nicht die Rede sein – nein, aus der mit irgendeiner Litze angeschlossenen
Steckdose steigt schon mal Rauch und die Plastik ist hie und da etwas angeschmort – aber ich habe warmes Wasser. Und will hier etwa jemand bei eingestecktem Boiler duschen? Da sei Gott vor (und das Vertrauen auf IHN scheint den meisten Ukrainern als Lebensversicherung im Haushalt auszureichen), was übrigens auch das Öffnen der Waschmaschine betrifft, die ebenfalls an dieser Steckdose hängt. Die alte Oma aus dem 6. Stock hat, glaube ich, keines- und das riecht man nun. Der Nachbar schräg über mir hat einen Boiler gekauft – billigstes Produkt, ein hiesiges also – konnte sich aber den Anschluss nicht leisten. Seit ich ihm die 30 $ vor zwei Monaten vorgestreckt (?) habe, grüßt er mich besonders freundlich. Und riechen tut er auch nicht. Ob er seinen Bürgermeister noch riechen kann? Ich vermute, er hat sich über diese Zusammenhänge noch nie Gedanken gemacht und wird sich auch keine machen. Heute ist Ostermontag- der Tag, an dem die Mädchen hier traditionell mit Osterwasser bespritzt werden, was ihnen die ewige Jugend bescheren soll. Netter Brauch. Denkt jemand daran, wo überall in der Welt daran gearbeitet wird, aus ehemals freien Natur- oder Gemeinschaftsgütern immer noch ein bisschen mehr privaten Profit herauszuschlagen? Und das nicht nur in der Dritten Welt…
Reisebilder aus der Ukraine, der Slowakei, Rumänien und Osteuropa. Reflexionen zum Alltag, Reiseberichte, Kurioses und Interessantes vom Zusammenleben der Völker, Privates für Freunde und Bekannte...
Montag, 28. April 2008
Wasser: Großstadt oder Dorf?
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