Reisebilder aus der Ukraine, der Slowakei, Rumänien und Osteuropa. Reflexionen zum Alltag, Reiseberichte, Kurioses und Interessantes vom Zusammenleben der Völker, Privates für Freunde und Bekannte...

Sonntag, 9. Oktober 2011

Kosices Umgebung mit dem Fahrrad

Donnerstag nachmittag Saubermachen und Emails schreiben, Freitag Empfehlungsschreiben, DSD- Planungen, Bloggen, Sonnabend Korrigieren, Material zusamenstellen und Hörverstehensübungen brennen, Sonntag...- ja, am Sonntag war endlich ein Ausflug geplant und ich habe ihn auch durchgeführt. Gestern war ich schon mal los und bin die ca. 20 km von Kosice nach Kosicka Bela bergauf geradelt. Genauer gesagt geht es ca. 12 km bergauf, dann wieder bergab und dann geht es mal hoch und mal runter. Etwas langweilig war die Rückfahrt auf der gleichen Strecke, die - logisch - nun 12km nur bergab führte. Das wollte ich heute vermeiden und so schwenkte ich auf dem Bergkamm (Bild oben) nach links und fuhr eine Straße weiter, die sich noch einmal etwas bergan schlängelte. Ich kam an Ski- Lifts vorbei und weiß nun also, wo man im Winter zum Ski- Fahren hin kann. Juri, Ira, Anja- ihr könnt kommen ;-)

Dort oben fanden sich Wegweiser für Wanderstrecken und Radfahrrouten. Ich wählte eine, die 3.2 km lang sein sollte und die auf einem gut gepflegten Waldweg weiter bergan führte. An einer Quelle mit Schnitzfiguren vorbei ging es steil hoch. Der Wald endete dann aber und der Weg führte bergab. Kurz darauf ein beeindruckendes Panorama mit Kosice im Hintergrund. (Bild 2)

Nun wusste ich, dass ich heute wirklich die Chance habe, einen Rundweg zu entdecken. Über ein paar Dörfer (Vysny Klatov) führte der Weg ins Tal (Nizny Klatov). Dort schwenkte ich noch einmal bergauf und wurde belohnt. Nach dem Aufstieg zu dem Dorf Hylov wurde links in einem tief eingeschnittenen Tal ein See oder Stausee sichtbar. Neugierig geworden, suchte ich den Zugang und fand eine wunderschöne Landschaft im Abendlicht! Goldener Herbst pur!

Ich denke, ich war so an die 40 km unterwegs und das in ca. 4 Stunden! Nicht schlecht...

Freitag, 7. Oktober 2011

Zigeuner

 Ein Slum mitten in Europa! Auf dem Weg von Kosice nach Michalovce muss ich jeden Mittwoch an diesem Hüttendorf vorbei, in dem schon früh am Morgen mächtig was los ist. Jede Menge zerlumpter Kinder streben in die Stadt, begleitet von einigen Erwachsenen. In der Stadt sieht man dunkelhäutige Menschen Hilfsarbeiten als Straßenkehrer u.ä. verrichten; neben den arbeitenden Mitgliedern der Volksgruppe fallen aber sofort die am Straßenrand sitzenden Gestalten auf, die schon früh am morgen mit Bierflaschen in der Hand am Straßenrand sitzen. Integrationsprojekte aller Art sind spurlos an einem Volk vorüber gegangen, das einst seine Rolle spielte als Pfadfinder, Gaukler, Schmied oder Erzähler von einer weiten Welt. Als seit dem 18. Jahrhundert Eisenbahnen, Theater und Zeitungen nebst der industriellen Produktion von Eisenwaren die Zigeuner ihrer Existenzgrundlagen beraubten, ging es mit dem Volk,das sich - aus welchen Gründen auch immer - nicht anzupassen bereit war, bergab. Hugo und seine Romantikerkollegen konnte in der Renitenz gegen ein bürgerlich- rationales Weltbild noch ein Moment von Freiheit erkennen; heute bedeutet Freiheit = Elend. Daran konnte auch der Sozialismus, können diverse Sozialprojekte heute nichts ändern. Man sieht es an den verwohnten und demolierten "Neubauten" (Bild unten), in die man das fahrende Volk einst einwies. Ich muss noch herausfinden, warum gerade diese Menschen so widerstandsfähig gegen alle Veränderung sind...

Presov und Bardejov

 Presov ist von Kosice aus das nächste Ausflugsziel. Über die Autobahn ist man in 20 min da. Dass man es hier mit der zweitgrößten Stadt der Ostslowakei zu tun hat, sieht man mindestens am Sonntag dem hübschen Renaissance Zentrum nicht an. So leer ist sonst nur...- ja, was? Mir fällt kein Vergleich ein! Um die Mittagszeit strömten die Leute in hektischer Eile aus ihren Kirchen nach Hause; manche Omas liefen regelrecht, so schnell es die wackeligen Beine hergaben, an den heimischen Herd, wo vielleicht das Hühnchen in der Pfanne schmorte und wo sicher der etwas weniger kirchengläubige Opa ungeduldig und fordernd auf sein Mittag wartete! Binnen weniger Minuten waren die Straßen leergefegt und niemand war mehr da. Ich hatte Durst und suchte einen Kiosk mit Wasser, ein kleines Geschäft, einen Stand, ein... Es gab aber nichts. Ein oder zwei rustikale Restaurants hatten geöffnet, aber es saß niemand unter den Sonnenschirmen. Ich wollte eigentlich nichts essen, suchte nur Wasser, und landete dann zielsicher in so einem blöden Nobel- Italiener, wo mir die Kellner meine Bestellung mit weißen Handschuhen brachten. Da, in einem Innenhof, gab es dann außer mir noch ein paar Kunden...

Von Presov aus ist es nach Bardejov nicht weit. Hier dasselbe Bild! Ich war mit einer Reisegruppe voller russischsprachiger Provinzler, die aufgebracht von den Preisen im einzigen Restaurant am Marktplatz einen Supermarkt suchten, um sich - ich nehme mal an - mit Vodka, Zwiebeln und Speck zu verproviantieren. Aber so was hatte hier erst Recht nicht geöffnet ;-) Bardejov jedenfalls ist wirklich hübsch anzusehen. Der vergleichsweise riesige Marktplatz kündet von der Macht und dem Reichtum einer Zeit, als es sich die Tuchmacher leisten konnten, eine also extralange Stadtmauer um diese Freifläche zu ziehen. Mag sein, sie brauchten den Platz zum ausspannen ihrer Tücher ;-) Mitten auf dem Platz das Rathaus. Dahinter die beeindruckende Kirche mit gleich 15 gotischen Altären! Man rühmt den Schnitzer nicht umsonst: Das ist sehr sehenswert!

Auf dem Rückweg beschloss ich noch den Aufstieg zu einer weithin sichtbar auf einem Berg vor Presov liegenden Burgruine. So hoch wie der Weg drumherum dann lang war, schien mir der Herrensitz gar nicht gelegen. Aber dann latschte und latschte ich und bekam zwischendurch das Gefühl, eher in Presov als auf dem Hügel anzukommen. Aber dann stand ich doch oben und wurde durch die Aussicht belohnt.

Levoca und Krasna Horka

 Auf dem Weg von Bratislava nach Kosice kommt man, so man die Autobahn bis Zilina wählt und von da Richtung Poprad fährt, unweigerlich an Levoca vorbei. Ich besuchte die Stadt aber nicht auf dieser Reise, sondern ein paar Wochenenden vorher, als ich irgendwie noch Zeit für "Tourismus" hatte. Leutschau ist von der Renaissance und von deutschen Bürgern bzw. den Kultur- und Wirtschaftskontakten zum deutschen Sprachraum geprägt. Erfolgreiche einheimische Händler schafften es in Kooperation mit den Fugger zu überregionalem Einfluss. Den alten Glanz lässt die Stadt, deren komplett erhaltene Stadtmauer zu Recht oft erwähnt wird, an vielen Stellen bis heute ahnen. An der Bastion (Bild oben) sieht man, was es da einst zu verteidigen gab: Reichtum!

Interessant auch das Renaissance- Rathaus. Es macht eher den Eindruck einer historistischen Kopie und kommt eigentlich gar nicht mächtig und repräsentativ, sondern eher etwas neckisch daher. Auch in Levoca kommt man durch diverse Durchgänge von einer Straße in die nächste. (Am Ende des Durchgangs im Bild in der Mitte sieht man Teile des Rathauses.) Aber die Stadt hat sichtlich Mühe, ihre Pracht zu erhalten. Abseits des Zentrums sieht es nicht so gut aus. Offensichtlich arme Leute wohnen hier in Häusern mit gewölbten Zimmern, die totschick sein könnten, für jemanden, der kein Geld für neue Fenster und eine ausreichende Heizung hat, aber eine Belastung sein müssen. Viele Häuser stehen auch leer. Die Jugend zieht weg, was soll man hier arbeiten, zurück bleiben leere Hüllen vergangener Größe. Schade drum. Der Stadt wären Touristen zu wünschen, aber selbst dafür müsste eine ansprechende Infra- Struktur erst geschaffen werden.

Fährt man über das slowakische Paradies, dessen Straßen die Hölle sind (!), Richtung Roznava, kommt man an der gut erhaltenen Burganlage von Krasna Horka nicht vorbei. Leider war ich zu spät dran und konnte so das Innere nicht besichtigen. Aber man hat einen schönen Rundblick von dort oben und kann die Burg auf einem schmalen Pfad umrunden. Das tat ich denn auch, ehe ich nach Kosice zurück fuhr.

Bratislava

Wie kommt man auf den Weg von Bratislava nach Kosice? Man muss vorher in Bratislava gewesen sein! Nun, es wird mich öfter noch dorthin verschlagen, da hier unsere Fachberaterin/ Koordinatorin Frau Telge residiert. Zum ersten Mal war ich am 09.09. zum Einweisungsseminar dort; zum zweiten Mal eben jetzt zum Treffen am 03. Oktober...

Bratislava, das sicher im Schatten von Budapest, Prag oder Wien steht, gefällt mir dennoch ausnehmend gut. In der "Kleinstadt" (im Vergleich zu den genannten Hauptstädten ringsherum) entfalten Enge und Überschaubarkeit ein eigenes Flair. Am ehesten mag man es mit "Gemütlichkeit" umschreiben, wenn da nicht auch die vielen Touristen wären! Sie kommen zumeist aus Österreich und genießen das immer noch etwas niedrigere Preisniveau der slowakischen Hauptstadt. Bei sommerlichem Wetter sind in der Innenstadt kaum freie Plätze in den Restaurants und den vielen Freisitzen zu bekommen.

Die Innenstadt ist gut restauriert, wenn auch hier und da noch manch Bruchbude einen Investor/ Restaurator sucht. Mich hat es nicht gestört. Warum muss heute immer alles gleich morgen fertig (und langweilig) sein? Alte Städte sind gewachsen und waren selbst zu keiner Zeit "fertig" oder gar in einem bruchlos guten Zustand. Verfall kann stören, dann muss etwas getan werden, er kann aber zu einer alten Stadt einfach auch dazu gehören. Interessant, wie oft in slowakischen Altstädten, die Durchgänge und Hinterhöfe. Hier laden kleine Boutiken oder Kaffees zum Verweilen ein. Oft verklingt hier der Trubel von "draußen", denn die Touristen kommen mehr zum Essen und Trinken und wohl weniger zum Einkaufen.

Die Hauptstädter schienen mir in das gemütliche Bild zu passen. Ausgesprochene Hektik weder im Straßenverkehr noch sonst. Allenfalls die Taxifahrer sind "harte Burschen". Für die paar Meter vom Bahnhof in die Stadt verlangen sie Fantasiepreise von 15- 25 Euro (nachts). Ein paar Straßenecken weiter bekommt man dieselbe Fahrt für 8- 12 Euro angeboten. Auf dem Taxameter des bestellten Taxis zeigten sich dann 3,30 Euro als Fahrpreis. Als ich also einem "freien" Taxisten 5 Euro für dieselbe Route aushändigte, er hatte 10 haben wollen, musste ich mir dennoch wüste Beschimpfungen anhören. Klar, der "reiche Deutsche" als knausriger Tourist ;-) Aber das ist wohl nicht nur hier so...

Mittwoch, 5. Oktober 2011

Überraschung

 Da haben doch wirklich Leute meinen Blog gefunden und einen Kommentar geschrieben! Und dann noch einen Kommentar mit Wünschen! Aber warum eigentlich nicht? ;-) Immerhin kann ich ja der Familie, meinen Freunden und Kollegen, die immer mal wieder hier vorbei schauen, auch mal meine Schülerinnen und Schüler vorstellen. Schließlich sind das die Menschen, von denen ganz wesentlich abhängt, wie wohl man sich auf Arbeit (und also in einem fremden Land) fühlt...

Da die Klasse II G (10. Klasse) des Horov- Gymnasiums in Michalovce diesen Wunsch hatte, sind sie nun auch dran. Heute mussten sie ein bisschen was zu Michalovce schreiben- das erscheint also demnächst hier und alle Leser sind dann informiert, wo ich jeden Mittwoch einen Tag lang arbeite. Was später noch kommt? Lassen wir uns überraschen! Sympathisch sind die jungen Leute jedenfalls und wenn sie mir weiter Spaß machen und sie auch mit mir und der deutschen Sprache Spaß haben wollen/ können, dann wird daraus vielleicht eigenes Blog- Projekt. Und warum sollten Lehrer und Schüler nicht auch Freundschaft schließen? Wenn alles gut geht, sind wir ja noch mindestens 3 Jahre zusammen! Also, ich bin gespannt, wie sich die Sache entwickelt. Erst einmal "vielen Dank" an die IIG (siehe die Bilder). Das war eine gelungene Überraschung!

Dienstag, 4. Oktober 2011

Fahrt von Bratislava nach Kosice

 Es ist ja nicht so, dass ich in der Zwischenzeit nichts erlebt hätte. Aber aller Anfang ist schwer und bei so viel Organisatorischem blieb kaum Zeit für die Führung eines Blogs :-( Aber die Besuche in Presov, Bardejov und Levoca werden noch dokumentiert- versprochen ;-) Jedenfalls war die Zeit knapp, denn allerhand Dinge waren bis Anfang Oktober zu erledigen und ich hatte nicht einmal bis dahin Zeit, denn am 27. und 30. 09. hatte ich Arzt- Termine in Deutschland. Also fuhr ich am 23. 09. aus Kosice ab. Das Wochenende verbrachte ich in Wismar, mein Vater hatte eine Woche vorher seinen 75. Geburtstag gefeiert und da stand also ein Besuch noch aus. Dann Leipzig. Etwas Ärger gab es mit der Augenklinik in Halle, die des schönen Wetters wegen kurzfristig "Betriebsferien" ausrief. Aber dann fand sich doch eine Vertretung und meine Augen konnten untersucht werden.

Sonntag bin ich jedenfalls von Leipzig aus wieder zurück in die Slowakei gefahren. Im Prinzip schafft man die Strecke bis Bratislava in 6 Stunden, aber ca. 44 km Stau hinter Prag brachten mich um eine zügige Fahrt. Beidseitige Sperrung der Autobahn! Statt wie erhofft um 19.00 Uhr kam ich erst um 22.30 Uhr im UVS Bratislava an. Anderntags war dann ein Informationstreffen der deutschen Lehrer in der SLK. Ich lernte meine neuen Kolleginnen und Kollegen kennen und staunte nicht schlecht, eine ehemalige DAAD- Lektorin aus Donezk zu treffen, mit der ich über diverse gemeinsame Bekannte reden konnte. Abends dann Botschaftsempfang im Hotel Kempinski. Hm, links liefen Bilder der Leipziger Montags- Demos, rechts Hochglanz- Werbefilmchen des Hauptsponsors: BMW...  Wer will, mag es sich vorstellen und sich selbst seinen Reim drauf machen. Ach ja, mein Outfit (Neudeutsch, ich weiß!) passte einem slowakischen Botschaftsangestellten, der den Einlass machte, gar nicht. Sein Kommentar zu meinem Jacket mit Hose und Sweat- Shirt: "Das ist aber nicht höflich!" In der Tat hatten die Herren ringsherum die steifen Schwarzen an- wie es sich im Kempinski eben gehört. Aber ich war eigentlich nicht hauptsächlich im Kempinski, fand ich - da gehöre ich eh nicht hin (!) - sondern beim Empfang meiner Botschaft zu meinem Nationalfeiertag. Und so beschied ich den slowakischen Nörgler mit dem Satz: "Wie ich zu meinem Nationalfeiertag gehe, ist meine Sache. Und jemand etwas dagegen haben kann, dann ist es der Einladende. Aber ich glaube nicht, dass der Botschafter mich abweist. Es ist wohl auch in der Slowakei nicht üblich, Gäste ihres Aussehens wegen wieder auszuladen." Und so war es denn auch. Es hat dem Tag der Deutschen Einheit nicht geschadet, dass ich ihn ohne Kravatte begangen habe! :-)

Heute nun die Rückfahrt. Autobahn bis Zilina. Dann ein bisschen Landstraße. Um Poprad herum wieder Autobahn. Erst war es langweilig. Aber ab Trencin wurde das Terrain bergig und schließlich ging es in die Hohe Tatra. Eine schöne Strecke! Diverse Burgen am Straßenrand weckten mein Interesse, ließen sich aber wegen des Gegenlichts nicht gut fotografieren. Burg Trencin z.B. liegt sehr hübsch über der Stadt. Aber das Bild ist nicht gut geworden. Daher (oben) eine andere Ruine. Autobahn und Bahn folgen einem langen Tal. Stauseen und Flußläufe sind zu bewundern. Über bewldete Höhenzüge geht es dann hinauf bis über die Vegetationsgrenze. Ja, das war eine schöne Fahrt bei schönem Wetter. Ich komme sicher noch einmal dahin und gehe wandern- ganz bestimmt!