Reisebilder aus der Ukraine, der Slowakei, Rumänien und Osteuropa. Reflexionen zum Alltag, Reiseberichte, Kurioses und Interessantes vom Zusammenleben der Völker, Privates für Freunde und Bekannte...

Samstag, 30. April 2022

18.04.2022 Debattenzirkel mit der 10. und 11. Klasse

Montags machen wir von 14.55 bis 15. 40 Uhr ein bisschen Diskussion, Argumentieren und Debatte mit der 11. (Bild oben vorne v.l.n.r. Maria und Michaela; Bild unten Vlada, Alexandra und Lidiana) und zwei Mädels aus der 10. Klasse (Bild oben hinten Michaela und Juliana) und am Donnerstag mit der 10. Klasse. Ich bin nicht zufrieden, weil man in nur 45 min so wenig machen kann, aber alle zwei Wochen etwas länger z.B. geht nicht, denn die Mädels haben Hunger und wollen nach Hause was essen. Trotzdem kommen sie und werden dafür mit Bananen, Schokolade und Waffeln verwöhnt. Kleines Dankeschön für engagierte Debatten. 

Dieses Mal zum Thema, ob ein Mädchen, das schon mit einem anderen Jungen geht, ihrem Freund kurz vor dessen Examen die Trennung verkünden, oder ihn lieber noch ein paar Tage belügen soll. Hat in der 10. Klasse nicht so gut geklappt, weil die Jungs das Thema doof und die Mädchen es noch nicht so spannend fanden. Aber den Mädels aus der 11. waren ganz bei der Sache und stritten noch auf dem Nachhauseweg auf Rumänisch weiter. So soll Schule sein.   

 

17.04.2022 - Kälte

Ich weiß nicht, wie "Frieren gegen Putin" funktionieren soll, aber knapp 15 Grad in der Bude sind auf die Dauer wenig angenehm. Seit dem 01. April ist ja nun Sommer befohlen, bloß hält sich der nicht dran. Selbst um die Mittagszeit ist die Bude noch so ausgekühlt, dass man den Elektro- Heizer in betrieb nehmen muss. Der allerdings wärmt die Luft, nicht aber die Füße! Habe aber bemerkt, dass ein Schal um den Hals auch gegen kalte Füße hilft! Merkwürdig, aber wahr. Trotzdem: Man möchte sich nicht vorstellen, wie Leute nächtelang bei 4 Grad in Metro- Schächten zubringen. Scheiß Welt! Dagegen ist die Kühle in meinen Zimmern dann wieder nichts...

Samstag, 16. April 2022

Weinfest

Ich merke, dass es zehrt, wenn man sich nur vom Zuhause zur Schule und von dort wieder nach Hause bewegt. Dazu kommt, dass das Drumherum nervt: Klassenbücher, Protokolle, Pläne, Unterrichts- Vorbereitungen, immer noch Corona- Nachholestunden vom letzten Jahr (am Freitag das letzte Mal!) und dazu die nervliche Anspannung in Sachen Ukraine. Ich fühle etwas, das ich bisher nicht kannte: Ich glaube, ich habe Burnout! Jedenfalls sehne ich die Osterferien herbei und hoffe, dass es keine schweren Angriffe auf Odessa gibt, weil dann der Strom der Flüchtlinge sicher wieder wachsen und die Grenzpassage erschweren wird. Zur Zeit dürfte es gehen, so dass ich plane nach Rumänien zu reisen. Wenigstens das. Aber immerhin habe ich mich heute aufgerafft, mal wieder die Nase an die Luft zu stecken. Ich kam zum Weinfest zurecht, habe aber nichts gekauft. (Bild) Mit dem Probieren ist es nicht so und was soll ich eine Flasche nach Etikett kaufen? Trotzdem tat es gut, sich einfach wieder einmal durch Leute zu schieben...

Geburtstag

Ach ja, Geburtstag hatte ich auch... Es gelang mir dieses Jahr mich ziemlich unsichtbar zu machen und bis auf wirklich alte Freunde hat kaum jemand meiner gedacht, was ich gewollt hatte und gut finde. Es nervt bloß!

Meine Kolleginnen wussten natürlich Bescheid und Angela (auf dem Bild vorne links) hatte einen leckeren Käsekuchen gebacken. Ich habe zwei Stück gegessen. ;-) Ansonsten hat Aliona nicht schweigen können und so kamen noch die Jungs von der 10 a zum Gratulieren. Am Montag überreichte mir Sofia einen Oster- Wein als Geschenk. Naja, mit den Kolleginnen war ich natürlich abends noch zum Essen. Es war lustig wie immer, nur ein bisschen getrübt dadurch, dass Anna sich durch Kritik an Russland und den Russen angegriffen fühlte. Zu Unrecht, wie ich meine, aber die Nerven liegen halt blank. Dabei ist zu bedenken, dass Anna in Odessa studiert und einen Ukrainer zum Mann hat. Es geht wirklich viel durcheinander in diesen Tagen...

2022-04-01 Mündliche Prüfungen zum DSD I

Was für ein Hin und Her! Kaum hatte ich den Prüfungsplan fertig, kamen neue Termine des Ministeriums dazwischen. Vorprüfungen, Vergleichsarbeiten, Olympiaden- die Anforderungen überschlugen sich. Meine Kolleginnen saßen wochenlang jedes Wochenende bis spät abends über den Korrekturen unter Aufsicht von Klassenraum- Kameras, die direkt vom Ministerium aus abrufbar sind. Für mich bedeutete dies, die Prüfungspläne mindestens drei Mal umzuschreiben bis alles passte. Dann habe ich vom 28. 03. bis 01. 04. täglich von 08.00 bis 16.00 Uhr ohne Pause geprüft. Das schlaucht und am Ende ist man froh, von der diesjährigen Teilnehmerin an der Internationalen Deutscholympiade (Bild oben) am LT N. Gogol einen selbstgebackenen Kuchen "präsentiert" zu bekommen. Zucker hin und Zucker her - ich habe ihn probiert und er war gut! ;-)

Abends traf ich Josef Salanz und Kathrin, die DAAD- Besatzung in Chisinau, in einem Café in ihrer Nähe. Auf dem Weg dorthin kam ich an der russischen Botschaft vorbei und sah mir die "massiven Proteste" an. Nichts gegen die jungen Leute dort. Aber es sah doch sehr mickrig aus. Man will sich nicht exponieren, da man a) nicht weiß, was kommt und man b) die russischsprachigen Mitbürger nicht verprellen will. Inzwischen rollen ja auch Euro- Hilfsgelder und damit "professionalisiert" sich alles, meint, Korruption und Bereicherungssucht blühen. Das nimmt vielen jungen Leuten den Enthusiasmus. Was für ein Elend... 

2022-03-26 Bulle, der ich bin

Irgendetwas muss man ja tun, um sich fit zu halten. Die sitzenden Tätigkeiten den ganzen Tag über bekommen meinem Zucker gar nicht. Deshalb habe ich das Bier abgeschafft. Ein Glas Rotwein (0,1) muss als Gute- Nacht- Schluck reichen. Und ich fand ein bisschen Muskel- Aufbau angebracht, weil das Sitzen auf das Kreuz geht. Also habe ich trainiert und mein übliches Programm enorm gesteigert. Von 12 Hantelbewegungen pro Übung und 20 min bin ich auf 25 und etwas über eine Stunde hoch und von 4x 30 Zügen am Bauchmuskeltrainer auf 4x 100 oder mehr. Man sieht - wie früher auch - nichts von der neuen Bullizität. Aber die Folgen blieben dennoch nicht aus: Den Griff an meinem Gerät habe ich nun einfach so rausgedreht - er hielt der neuen Belastung nicht stand. ;-) Nun muss ich sehen, ob ich jemanden zum Schweißen finde... 

2022-03-19 Spaziergang durchs Wohngebiet

So richtig Ruhe will nicht einkehren. Zwar ist die erste Panik vorbei, aber nun stehen die Flüchtlinge an den Grenzen und einige meiner Schüler/innen sind aktiv mit freiwilliger Hilfe beschäftigt. Ich tue das meine, um mitzuhelfen. Aber vor den Geldautomaten bilden sich Schlangen und es gibt keine Euro mehr. An den Zahlstellen vor den Banken und vor der Post bilden sich Schlangen, weil die Leute an die Überweisungen ihrer Familienmitglieder aus dem Ausland kommen wollen. (Bild oben) Ich sehe das mit gemischten Gefühlen, denn noch habe ich zwar Euro für die Mietzahlungen, aber für die Vorauszahlung über den Sommer brauche ich frisches Geld. Meine Sofia hat auch Panik und will für drei Monate im Voraus bezahlt werden. Sie fürchtet, dass ich gehe...

Jedenfalls bin ich an dem Wochenende um den 19. 03. das erste Mal seit Wochen wieder einfach mal so draußen und spazieren gewesen. Höchste Zeit, denn das Sitzen und Streiten auf Facebook, Twitter & Co. zehrt an den Nerven. Sreiten? Nun ja, einige meiner ukrainischen Freund/innen begannen alle Vorurteile Putins gegenüber der Ukraine zu bestätigen: Nein, man soll gefangene russische Generäle nicht einfach so umbringen und schon gar nicht soll man damit warten, bis man ihre Kinder vor ihren Augen erschießen kann. Was da hoch kommt, ist dümmstes 19. Jahrhundert. Auf russischer Seite kämpft man ums "Reich", auf ukrainischer um den Nationalstaat. Mit Demokratie und so haben beide nix am Hut. Das zeigt sich u.a. am Personenkult um Selenskyi und an der völligen Verneinung alles Russischen, was mit der Überhöhung alles Ukrainischen Hand in Hand geht. Der Kosaken- Kitsch in meiner Timeline kann ermüden... 

Ansonsten geht es für manche Russen hier auch schon um "Heimat oder Tod" (Bild Mitte). Schmierereien sind in Chisinau selten; wenn es welche gibt, dann sind es russische nationalistische Parolen. Auf der anderen Seite gibt es eine enorme Hilfsbereitschaft, was die Aufnahme hunderttausender Geflüchteter und die Versorgung der Transitreisenden anbelangt. Und das, obwohl die Moldauer wirklich kaum was übrig haben, was schon im Straßenbild sichtbar wird. (Bild unten) Es war schönes Wetter und ich habe mich erholt. Man muss leben - trotz allem.