Reisebilder aus der Ukraine, der Slowakei, Rumänien und Osteuropa. Reflexionen zum Alltag, Reiseberichte, Kurioses und Interessantes vom Zusammenleben der Völker, Privates für Freunde und Bekannte...

Montag, 9. Januar 2023

19.10.2022 - Frostiges Chisinau

In der Moldau wird die Wärme nicht zugeschaltet, wenn man sie braucht, sondern wenn der Termin dran ist. Ohnehin stand zu erwarten, dass auch der in diesem Jahr später sein wird, weil die Moldau unter der durch die Kürzung russischer Gaslieferungen entstandenen Gaskrise leidet. Nun ja, 13,9 Grad Wohnungstemperatur (Bild oben) sind wenig angenehm, vor allem morgens, wenn man aus dem kuscheligen Bett raus und ins kalte Bad soll...

In der Schule war es in meinem "Eisloch" womöglich noch kälter. Der Krankenstand schnellte nach oben und die verbliebenen Aufrechten saßen in ihre Straßenkleidung eingemummelt vor mir. (Bild Mitte: Amelia, Alexandrina und Arina) Die Mädchen konnten aber nicht mitschreiben, weil die Finger zu klamm waren.

Wie motiviert man sich unter solchen Verhältnissen? Zumal von überall neue Anforderungen auf mich einstürmten. Der Makeathon soll nun starten, das LT Eliade soll DSD- Schule werden und ich den Schreibkram machen, der da mehr als reichlich anfällt, die DSD- Prüfungsvorbereitung geht in die Schlussphase, die Pilotprüfungen sind zu organisieren und die Prüfungspläne/ Protokolle sind zu erstellen usw. usf.. 

Ja, wie motiviert man sich? Man geht am Wochenende frustriert in die Kneipe, wenigstens ein gutes Mittagessen zu genießen, und trifft seine Schüler, bleibt länger und hat einfach einen guten Nachmittag. Mit Petru (Bild unten im Vordergrund) macht es immer Spaß, er hat sein Deutsch sehr verbessert, und Laurentiu (Bild unten hinter mir) ist einfach ein kluger und netter Kerl. Beide sind in der 11. Klasse und wir haben uns mühelos drei Stunden lang über Quanten und Philosophie, KI und die Schule und auch sonst über Gott und die Welt unterhalten. Das ist meine Freude und das hält mich hier. 

 

15.10.2022 - Deutschlehrertagung in der Moldau

Lust hatte ich keine, aber ich habe mich dann doch von Irina, der Präsidentin des Moldauischen Verbandes der Deutschlehrer, breit schlagen lassen und einen Workshop übernommen. Irgendwas zur Lyrik Brechts im DaF- Unterricht. Brecht ist in ganz Osteuropa kaum bekannt und sowieso nicht populär. Der Beitrag kam an und brachte mir Einladungen an drei Universitäten ein, an denen die Studierenden das unbedingt hören sollten...

Dann gab es so etwas wie eine Runde Grußworte mit Programm (Bild oben- die kleine Sängerin stellte uns ihre private Schule, das da Vinci war Gastgeber, vor). Während Ullrich Kinne von der Deutschen Auslandsvertretung redete und den Kolleg/innen jede Unterstützung ihrer Arbeit versprach, mich dabei mehrfach erwähnend, machte es "biep" am Smartphone und ich war Entlassen. Meine Chefin teilte mir mit, dass mein Vertrag mit der ZfA nicht verlängert wird. Trotzdem muss die Arbeit weitergehen. (Bild unten junge Kolleg/innen vom LT N. Gogol bei der Gruppenarbeit) Obwohl wenig motiviert ließ ich mich dazu überreden, mit drei Kolleginnen nach Rumänien zur dortigen Deutschlehrertagung zu fahren. Ohne mich und meine Auto würden sie den Tagungsort von der Moldau aus nicht erreichen. Was macht man nicht alles...

Sonntag, 8. Januar 2023

08.10.2022 - Eröffnungsseminar in Bukarest

Dieses Mal gab es kein Geld mehr für ein Tandem- Seminar, d.h. die Ortsktäfte wurden nicht eingeladen. Ich musste also allein von Chișinău nach Bukarest reisen, was allerdings problemlos war. Angekommen trafen wir uns in einem Restaurant in der Nähe des Hotels, in dem ich nach dem guten Essen ein Tiramisu bestellte. Wie groß war mein Erstaunen, als ein Tisch herangerollt wurde und der Kellner sich verschiedenen Zutaten zuwandte. (Bild oben) Am Tisch zubereitetes Tiramisu hatte ich bisher noch nie irgendwo bekommen. Die Zeremonie war sehr interessant, das Ergebnis allerdings eher durchschnittlich. Das hatten wir schon besser.

Nach den üblichen Besprechungen gab es zum Ende des Seminars noch einen Ausflug in die Umgegend. Da unsere Chefin Rumäniendeutsche ist, kennt sie sich gut aus und so wurde es ein Interessanter Trip zur  Grabkirche von Vlad Tepes (Dracula) und einem Schloss, das sich der oberste Verwalter des Landes zur Türkenzeit errichten ließ. (Zweites Bild - her nur die "Nebengebäude").

Ein bisschen peinlich war die Abendgestaltung. Der Schulleiter der privaten deutschen Schule Herman Oberth (Bild unten- die Kolleg/innen in der Schule) hatte für uns reserviert und ein großes Geheimnis um den Ort gemacht. Was war es denn nun? Als wir dort ankamen, wurde es das "Oktoberfest" (vorletztes Bild) mit original bayrischen Musikanten und Animateuren. Mein Entschluss stand sofort fest: Raus hier. Das stieß auf ungeteilte Zustimmung und so verzogen wir uns ins Zentrum, wo wir zwar nur Plätze in einer teuren Sushi- Bar fanden, den Abend aber doch nett und ohne Gejohle Bierströme beenden konnten. Am Sonntag fuhr ich dann zurück.   

So ein Wochenende ist schön. Aber es reißt aus den üblichen Arbeiten. Samstag und Sonntag sind die beiden Tage in der Woche, an denen ich ungestört korrigieren und die Materialien für die nächste Woche vorbereiten und drucken kann - ein Testsatz für das DSD II umfasst schnell mal 15 Seiten und muss 35 mal auf meinem privaten Kopierer vervielfältigt werden. Copy- Center wie sonst überall gibt es hier keine. Dazu kommen Arbeitsblätter für rund 100 Schüler/innen der 9. und  auch ca. 100 aus den 10. und 11. Klassen. Mein Papierverbrauch ist enorm. Aber was soll man tun? Wir haben kein Geld, um für alle Schüler Lehrbücher zum DSD mit den entsprechenden Aufgaben zu bestellen. So ist es dann.

01.10.2022 - Handysucht und Vergnügungen

Es wurde so hart wie erwartet. 35 DSD II- Kandidat/innen schlauchen ganz schön. Dafür sind die 9. Klassen sehr munter und machen viel Spaß. Spielverderber ist die Deutsche Auslandsvertretung, die mich mit einem "Makeathon" nervt, von dem niemand weiß, was es soll. Ich soll Schüler/innen stellen, die sich dann "creative" mit Vertretern (nur Männer) deutscher Firmen in Chisinau "vernetzen" und irgendein Projekt entwickeln. Ich versuche nach dem pädagogischen Sinn zu fahnden, dringe aber nicht durch. "Höheren Orts", also im Außenamt, meint man offensichtlich, dass 15- jährige Osteuropäer/innen wie die Deutschen frech und "kreativ" auf ältere deutsche Männer zugehen und denen mal eben so vorschlagen, was man so tun könnte. Na, mal sehen, was das wird...

Bei Frust hilft Süßes. ;-) Ich bin Diabetiker, aber ab und an darf ich, hat meine Hausärztin gesagt. Und ich habe die Erfahrung gemacht, dass die leckere "tort guguzi" (Bild oben) zumindest nach einem fetten Mittagessen (Mititei!) dem Zuckerspiegel nicht schaden. Gott, sind die Dinger lecker! 

Ansonsten hier noch eine Impression, wie man sie in den Restaurants hier oft findet. Die Eltern haben keine Zeit für ihre Kinder oder nehmen sie sich nicht. Die kriegen dann ein Smartphone vor die Nase und das wars. Wie man hier sieht (Bild unten), bemühen sie sich nach Kräften, es den Erwachsenen gleich zu tun. Schade. 

06.09.2022 - Erstes Klingeln mit Übergabe der DSD I- Diplome

Wie jedes Jahr begann das neue Schuljahr mit dem "Ersten Klingeln" für die 1. Klassen. (vorletztes Bild) Mit dem "Letzten Klingeln" für die 12. Klassen wird es enden. Aber bis dahin ist es noch ein langer und arbeitsreicher Weg. Auch in diesem Jahr haben wir die Eröffnung des Schuljahres mit der Diplomübergabe (DSD I) verbinden können. Aus Bukarest war meine Chefin angereist. Es war gleichzeitig ihr Antrittsbesuch. Und wie immer war der Leiter der Kulturabteilung der Deutschen Auslandsvertretung (Bild oben bei der Begrüßung mit Brot und Salz an der russischen Schule N. Gogol) anwesend.  

Nach der Eröffnungszeremonie versammelten sich die in den 10. Klassen verbliebenen Schüler/innen des letzten DSD- Jahrgangs im Festsaal der Schule, um nach einem kurzen Programm ihre Diplome in Empfang zu nehmen. Auf dem zweiten Bild sind meine Lieblinge aus der 10a Nicoleta, Bogdana und Madalina zu sehen, die gerade Schillers "Handschuh" mit verteilten Rollen rezitieren. Haben sie gut gemacht. 

Danach ging es weiter zum LT N. Gogol und von dort zum LT M. Eliade, wo uns ein ähnlicher Ablauf erwartete. Ich hatte meine Chefin den Kolleginnen vorzustellen und umgekehrt. Abends trafen wir uns alle in einem Restaurant im Zentrum, um das Kennenlernen weiter voranzutreiben. Es war ein schöner Abend und wir können weiter auf gute und kollegiale Zusammenarbeite hoffen.

Das wird auch nötig sein, denn nach dem DSD ist vor dem DSD. Und die Zahl der Anmeldungen steigt in beiden Kategorien beständig. Auch

deswegen, weil ich in den 10. Klassen wieder drei statt zwei Gruppen akzeptiert habe. Die Überstunden muss ich nun unterrichten, die darin geschriebenen Arbeiten korrigieren und am Ende eben auch mehr Schüler/innen auf die Prüfungen vorbereiten. Viel Arbeit, aber gut so. Besser, als wenn niemand Interesse hätte. Immerhin habe ich noch meine Kolleginnen, die tapfer mithelfen. (Bild unten)

29.08.2022 - Rückfahrt nach Suceava über Satu Mare

Am Tag vor der Abfahrt kamen Mircea und Alex nach Leipzig und wir waren trotz Regen noch auf dem Trödelmarkt, wo Alex wieder ein paar begehrte Münzen erstand.

Am 29. starteten Mircea und ich zeitig gen Satu Mare- immerhin 1100 km. Alex fuhr zurück nach Fürstenwalde, wo er als Dolmetscher Arbeit hatte.

Kurz nach der Abfahrt begann ein Pfeifen, das Fahrer und Mitfahrer ratlos machte. Ich dachte, wir müssten zurück und eine Werkstatt aufsuchen. Es klang, als würden die Bremsscheiben schleifen. Mircea telefonierte mit einem Freund, der Mechaniker ist, und der beruhigte uns. Das wäre der Dachgepäckträger. Ihm wäre es auch schon mal so ergangen. Der Dachgepäckträger? Ich hatte doch nur neues Gestänge gekauft, weil das alte nicht mehr passte... 

Da es ab etwa 90 km/h auszuhalten war, fuhren wir weiter, aber ich blieb unruhig. Die Fahrt war elend, weil 1000 km Dauerregen, der uns auch in Satu Mare zusetzte. (Bild oben) Auf der Fahrt nach Suceava hielten wir dann an einem Schreibwarengeschäft und umwickelten alle offenen Schlitze der Halterung des Trägeraufbaus. (Bild unten) Danach konnten wir die herrliche Laufruhe des Motors und des Fahrwerks endlich genießen! ;-)    

20.08.2022 - 98. Jahn- Turnfest in Freyburg

Der alljährliche Höhepunkt im Sportlerleben meiner Frau ist das Jahn- Turnfest in Freyburg, zu dem - wenn möglich - der ganze USC anreist. Auch in diesem Jahr hatten sie ein Ferienhaus gemietet und wir quartierten uns dort ein, frühstückten gemeinsam, feierten Abends zünftig mit Rotkäppchen- Sekt und Saale- Unstrut- Wein. 

Ich war zum ersten Mal dabei und beeindruckt von der Organisation, der Ernsthaftigkeit der Altersturner/innen sowie den beachtlichen Leistungen. Unser "Star" war natürlich Werner (Bild unten), der mit über 70 turnt, wie ich es nie gekonnt habe. Unglaublich, dass dem Mann die Muskelmasse kein bisschen schwindet. 

Ansonsten genoss ich die Wanderung rund um das Schloss, dem Wahrzeichen von Freyburg. (Bild oben)  Das interessierte mich natürlich besonders. Vielleicht nehme ich im nächsten Jahr wieder teil, ich meine: als Teilnehmer. Für die Nicht- Turner gibt es nämlich noch einen 2-, 5- oder 10- km- Lauf, dessen Niveau nicht so umwerfend war, dass ich mich blamieren würde. Volkssport eben. Das würde ich gerne mitmachen. Also, vielleicht bis zum nächsten Sommer, wenn das 99. Fest ansteht, falls bis dahin die politisch Korrekten nicht auch dieses Event vereiteln.