Reisebilder aus der Ukraine, der Slowakei, Rumänien und Osteuropa. Reflexionen zum Alltag, Reiseberichte, Kurioses und Interessantes vom Zusammenleben der Völker, Privates für Freunde und Bekannte...

Freitag, 26. Juli 2024

2024-07-01 Torun

Alles Reminiszenzen: Wir wollten mit Dorota (Bild mit Uta) noch einmal nach Torun, wo wir früher so oft spazieren und Mittag essen waren und wo Anka später noch einmal für ein Jahr zum Erasmus- Austausch gewesen ist. Es lohnt immer wieder, die alte Deutsch-Ordensritter- und Hansestadt zu besuchen, in der die Polen in Sachen Restaurierung hervorragende Arbeit leisten. Nicht einmal einen Sack haben sie vergessen an das Seil vom Turm zu hängen! So kann man sehen, "wie es früher war", als die Weichselkähne, von Bromberg, Danzig oder Krakau kommend, vor den Toren der Stadt entladen wurden! Mittag gab es in Ankas Lieblings- Pirogarnia. Lecker. Dann fuhren wir nach Ciechocinek zurück, verabschiedeten uns von Dorota (nicht ohne sie nach Leipzig einzuladen) und zogen "um die Ecke" in das neue Haus von Miras und Dorota II. Auch dort hatten wir einen schönen Nachmittag und Abend und genossen den verdienten Wohlstand unserer Freunde. Allerdings tritt Miras nun etwas kürzer, ist vom Management seiner Firma ins Controlling gewechselt, weil der Dauerstress seiner Gesundheit nicht gut tat. Mögen die Kontrolluntersuchungen negative Ergebnisse zeitigen! 

2024-06-30 Włocławek und Ciechocinek

Wir nutzten den freien Vormittag ohne Budzynskis zu einem Stadtrundgang. Nichts Neues. Uta wollte noch einmal "Tama" (Staudamm) mit Kreuz (für'n Papst) sehen und von dort fotografierte ich bei flimmernder Hitze die Silhouette der Stadt. (Bild) Erinnerungen. In Ciechocinek haben wir dann Dorota besucht, die nun ohne Zbyszek zurechtkommen muss. Er fehlte. Ansonsten haten wir einen schönen Nachmittag und Abend. Zum Glück gab es ein Gewitter, das ein bisschen Abkühlung für die Nacht brachte.

2024-06-29 Lichen

Kaum war Uta aus Bulgarien von ihrer Klassenabschussfahrt zurückgekehrt, brachen wir nach Polen auf, wo kranke, ein bisschen vereinsamte und hoffentlich von schwerer Krankheit Genesene auf uns warteten. Leider erreichte uns auf der Autobahn die Mitteilung, dass uns Christina - unsere ehemalige Chefin und Freundin - nicht empfangen könne. Es ging ihr schlecht und tags darauf musste sie ins Krankenhaus. Wir nutzten die Zeit für einen Abstecher nach Lichen, wo die größte Kirche Polens steht. Uta kannte das noch nicht und also sind wir hin. Kommentar: "Ein nicht ganz fertig gewordener Peters- Dom Nr. 2". (Bild unten) Das stimmt wohl. Ich hoffe nur, das Original ist geschmackvoller. Das hier ist katholischer Kitsch, errichtete für die Predigt des "polnischen Papstes". Hier gewöhnt man sich daran, dass Maria und Gott Polen waren. 

Aber nicht alles ist Kitsch. Vieles ist einfach Kirchenpolitik. Zur Erinnerung an die "polnischen Helden und Opfer" des Zweiten Weltkriegs (Juden sind keine umgekommen) passt das Fehlen der deutschen Fahne auf dem Gelände, das ansonsten die britische und US- Flagge zeigt und auch diejenigen diverser orthodoxer Länder wie der Ukraine oder Rumänien. (Bild Mitte - zu sehen auch das Denkmal für Jan Pawel II.) Die Kirche folgt also immer noch gnaden- und vergebungslos der PiS- Linie vom "Erzfeind Deutschland" (oder gibt sie weiterhin vor). 

Voller bunter Kinderbildchen von Maria und Jesus etc. ist " Golgota". (Bild unten) Wahrscheinlich kann man sich ein Kreuz ausleihen und das dann auf den Knien rutschend den Berg raufbugsieren. Ok, wer's braucht... Wir nicht. Wir hatten eher Freunde an dem grünen Park, der schöne Stellen hat. Kann man sich alles angucken; man kann es auch lassen.

2024-07-22 Wismar bei Frege und Hasse

Abgekommen bin ich wenig später zu den Eltern nach Wismar aufgebrochen. Dort hatte Vater als Dankeschön für die vor vielen Jahren in der Bürgerschaft ausgesprochene Anregung, mit Gottlob Frege endlich einen der Großen aus Wismar angemessen zu ehren, eine biografische Skizze über Freges Wismarer Jahre bekommen. Grund genug auf den Friedhof zu gehen, um das Grad in Augenschein zu nehmen. Die Grabstelle (Bild Mitte) war schon in den 90er Jahren wiederhergestellt worden. Damals sind auch einige Verkehrswege nach Frege benannt worden. Nun war ich also da und habe das Grab gesehen!

Wenn man schon einmal da ist, schaut man natürlich auch nach anderen Ehrengräbern. Die meisten gehören diversen Architekten, die in der Stadt öffentliche Gebäude errichtet haben. Ich fand aber auch die Grabstelle von Sella Hasse, der bedeutenden expressionistischen Künstlerin, die in Wismar gewirkt und sich dann dorthin vor den Nazis zurückgezogen hat. (Bild oben) Früher wohnten wir ganz in der Nähe der Sella- Hasse- Straße, weswegen mir der in Deutschland nicht mehr so ganz populäre Name geläufig war. 

Interessant, dass genau gegenüber dem Frege- Grab noch Grabplatten der eingeebnete Grabstelle "Steffen" zu finden waren. Wer hat di da vergessen? Es handelt sich um die Grabplatten der Großmutter und einer Tante von Vaters Seite- wenn ich das richtig behalten habe. Ansonsten ist die Grabstelle nicht mehr da und es gibt in Wismar kein Angedenken mehr an meinen Großvater, die Oma sowie Onkels, Tanten und meinen zu früh verstorbenen Cousin. Naja, was sind Steine? Gedenken lebt im Kopf der Hinterbliebenen oder gar nicht. So mag es also sein und bleiben wie es ist.  

Mittwoch, 24. Juli 2024

2024-06-12 Brutalismus in Satu Mare


Der Aufbruch aus Chisinau klappte samt Grenzübertritt problemlos. Ich kam früh in Suceava an und konnte noch etwas ruhen, ehe ich zu Tanases ging. Wie immer hatte Lili hervorragend gekocht...

Anderntags waren wir auf der Bank, weil ich die Verlängerung meiner Karte bzw. ihre Umwandlung in eine Visa- Card betreiben musste. Beim Mittagessen überraschte uns dann ein apokalyptischer Guss, der allerdings nicht ewig dauerte.

So kam ich doch noch trockenen Fußes zum "Latino", so mich die Kolleg/innen vom "Petru Rares" erwarteten. Wie immer war es ein kurzweiliger und angenehmer Abend. Sie schenkten mir ein schönes kleines neues Portemonnaie. 

Am Mittwoch ging es dann weiter nach Satu Mare. Auch dort kam ich früh an und und nutzte die Gelegenheit, mich in Gegenden umzusehen, in die ich sonst noch nicht gekommen war. Der Platz vor dem Rathaus und das Ratshochhaus selbst (Bild unten) ist wirklich von einer erschreckenden Brutalität. Der ganze Platz (Bild oben) ist so abweisend wie die Diktatur, die ihn errichtet hat, zu den Menschen gewesen ist, die sie nur einschüchtern, aber nicht wirklich gewinnen konnte. In der DDR waren die Bauten einfallslos, aber eine solche architektonische Demonstration von Macht hat sie nicht hervorgebracht. Zum Glück.   

2024-06-07 Kirschen vor dem Fenster

Warum musste ich meine Sachen packen, um aufzubrechen? Die Kirschen auf den zwei Bäumen vor meinen Fenstern wachsen direkt in diese hinein. Man brauchte die Fenster nur öffnen, um sie zu pflücken. So eine Pracht! Noch nie habe ich Bäume voll mit solch großen Früchten gesehen. Leider noch unreif, als ich die Wohnung verließ. Es wird wohl ein gutes Obstjahr in der Moldau.  

2024-06-07 Abschiedsgrillen

Bevor ich nach Hause fahre, sollte es noch einen privaten Abschied geben. Dazu wurden der jüngst gekaufte Grill reaktiviert und der nötige Proviant gekauft. Vor allem natürlich ausreichend Bier, das Petru hier wegschleppt. (Bild oben). Naja, der Mann ist Boxer und nahm es als Training...

Wie immer hat Tolja den Part des Grillmeisters übernommen. Er machte seine Sache gut, während Gheorghe und der andere Petru mit mir die Weltprobleme "lösten". Cristian hörte wie immer still zu und Cosmina lieferte den weiblichen Part mit der nötigen Fröhlichkeit. Schließlich ist Philosophie nicht alles, auch wenn Kants 300. Geburtstag Thema war. 

So ging es von 18.00 Uhr bis 00.00 Uhr munter zu und ich staunte wieder, was man als Deutschlerner alles aus sich und den sprachlichen Mitteln herausholen kann, wenn es interessant ist und die Atmosphäre stimmt. Nach ein paar Bier hat sich sogar Tolja an der Diskussion beteiligt, durchaus besser und verständlicher als bei seinem letzten (gescheiterten) Auftritt zum DSD I. Vielleicht sollte man mündliche Prüfungen überhaut abends und beim Grillfest abhalten? Ich wäre dafür...