Reisebilder aus der Ukraine, der Slowakei, Rumänien und Osteuropa. Reflexionen zum Alltag, Reiseberichte, Kurioses und Interessantes vom Zusammenleben der Völker, Privates für Freunde und Bekannte...
Sonntag, 30. September 2018
Klöstertour
Schönes Wetter und Null Bock auf Korrekturen. Was tun? Ich rief Pauline an und die war gleich begeistert, sich die Moldau- Klöster zeigen zu lassen. Ich war nun freilich schon so oft dort, dass es mich an sich nicht mehr vom Hocker hauen sollte. Aber wenn man etwas vorzeigen und erklären soll.
Also fuhren wir gegen Mittag los. Die erste Station war wie immer Voroneț. Pauline stärkte sich dort mit einem Langos und wir fuhren weiter nach Moldovița. (Bild oben) Ich hatte einfach Lust, obwohl ich doch Sport machen sollte. Aber wie ist das nun? Soll Sport mein Leben verlängern, oder mein Leben sein? Es muss doch auch mal ohne gehen. Jedenfalls überquerten wir die 1968 fertiggestellte Straße von Câmpulung an ihrem höchsten Punkt (Bild zwei) und ich konnte endlich wieder drei Flaschen Wacholder- Schnaps erstehen. Lecker!
Die Klosterei endete mit Sucevița (Bild unten) Wir tranken dann noch einen Kaffee auf dem Gelände der "Potten Bäckerei" (Schwarze Keramik) und kehrten nach Hause zurück. Und da bin ich nun wieder und warte auf die Nachtruhe. Schnell ins Bett, denn morgen warten 80 Arbeiten auf mich. Ich werde sie nicht alle schaffen, aber wenigstens die 12. müssen wissen, wo sie stehen. Der Rest wird dann nach und nach abgearbeitet. In der Arbeitszeit sozusagen. Es muss ja auch ein freies Wochenende geben...
Donnerstag, 27. September 2018
Timisoara am 06. 09. 2018
Mein Schuljahr begann mit einem ZfA- Seminar in Timisoara. (Bild oben) Witzigerweise hatten wir Quartier in demselben Hotel, in dem ich fast zwei Monate vorher mit Uta abgestiegen war. Ich leitete meinen Workshop zur Debatte zur Zufriedenheit der Teilnehmer und nahm ansonsten nicht an der Stadtführung, sondern an der Führung durch das Revolutionsmuseum teil. Der Film dort war sehr beeindruckend. Von den mehr als 1500 Toten der Revolte gegen Ceausescu kamen über zwei Drittel auf das Konto der Kräfte, die sich nach der Ermordung des Diktators um dessen Erbe zankten. Das wusste ich nicht. Den Rest von dem Museum kann man vergessen. Ich glaube halt nicht, dass "Gott beschloss, den Aufstand in Timisoara beginnen zu lassen" (Originalton der Führerin) und finde daher die orthodoxe Kapelle überflüssig, ja sogar pietätlos, denn es war die ungarisch- katholische Kirche, die den Aufstand unterstützte und nicht die wenig regimekritische orthodoxe. Auch dass Korea- wie Vietnamkrieg, die Invasion in der Schweinebucht und die Ermordung Allendes als Ruhmestaten im antikommunistischen Abwehrkampf gepriesen werden, darf man getrost anders sehen. Aber, wie gesagt, der Dokumentarfilm ist sehr sehenswert.
Missen- Wilhams am 03. 09. 2018
Wieder einmal bei Alfred und Berta. Wie schön, die alten Freunde aus ukrainischen Zeiten wiederzusehen und die Gastfreundschaft zu genießen, die schon sprichwörtlich ist. Von der Eifel in den Allgäu ist es schon ein ganz schöner Weg und man erfährt im Wortsinne die Größe Deutschlands. Aber ich kam problemlos an allen Baustellen vorbei und traf zum vereinbarten Zeitpunkt "auf der Alm" ;-) ein. Alfred öffnete die Weinflaschen, Berta tischte Käse, Suppen und Fleisch auf und schon war alles "wie immer". Neu war nur, dass ich auch einen der Ziehsöhne der beiden kennen lernte. Bisher war von ihm nur die Rede gewesen. Der junge Mann erinnerte mich sehr an Daniel...Am anderen Tag wanderten wir bei leichtem Nieselregen ein bisschen rund um den Ort und aßen auf der Königs- Alm frugal zu Mittag. (Bild oben) Das Wetter besserte sich und am späteren Nachmittag führte mich Alfred auf eine etwas unterhalb seines Hauses gelegene Alm, wo eine nette Bäuerin selbstgemachten Allgäuer Käse (lecker!!!) zu einem guten Rotwein servierte. So lässt es sich leben! Auch hier versprach ich, wiederzukommen. Ich hoffe, wir haben im nächsten Jahr Zeit für dieselbe Runde. Erst Eifel, dann Allgäu. Vorher kann ich die beiden vielleicht in Rumänien empfangen. Mal sehen, ob mein Chef sie mit ihrem Programm "Fridolin" einlädt...
Trier am 01. 09. 2018
Ich besuchte unseren ehemaligen Chef und jetzigen umtriebigen Pensionär Hans- Georg Salm in Gondenbrett in der Eifel und da uns das gemeinsame Interesse an der Jugend und Bildung von Karl Marx zusammengeführt hatte, führte Hans- Georg mich durch Trier. Ein Jahr zuvor hat er die interessante Abhandlung "Die Lehrer von Karl Marx" herausgebracht und so wandelten wir nun auch auf deren Spuren und mussten also das alte Gymnasium besuchen. (Bild oben) Durch diese Türen, vorbei an der barocken Säule, ist Marx also als Jugendlicher täglich in sein Schulhaus gegangen.

Außerdem besuchten wir die beiden schlechten Sonder- Ausstellungen zum Marx- Jubiläum, die sichtlich so konzipiert waren, dass Nicht- Marx- Kenner möglichst nichts über den Politiker, Ökonom und Sozialwissenschaftler/ Philosophen Marx erfahren. Allenfalls könnte er ihnen danach als "Philantrop" etwas sympathischer sein. Wie ein Kuratoriumsmitglied der LINKEN den Ausstellungsmachern die Bildershow durchgehen lassen konnte, in der Saddam Hussein und Muhammar al Gaddhafi als "Kommunisten" vorgestellt werden, sympathischer- aber auch fälschlicherweise zusammen mit bspw. Patrice Lummumba und Salvador Allende, verstehe ich nicht. Aber man muss vielleicht nicht alles verstehen. Zum Glück gingen wir doch noch ins Marx- Haus, wo eine sehr lobenswerte Exposition gut in Leben und Werk von Marx einführt.
Daneben interessierte mich natürlich das historische Trier als Ort. Einmal waren wir mit Uta schon da gewesen, aber irgendwie hatte ich fast alles vergessen. Mit einem sachkundigen Führer sah ich nun endlich die alte Konstantinische Kaiserhalle, sozusagen die erste offizielle christliche Kirche Europas. (Bild zwei) Und was für eine! Die Römer waren schon tolle Kerle. Wie klobig, wenn auch auf andere Weise beeindruckend, sieht daneben der mittelalterliche Dom in seiner Düsternis aus. Es ist, als sollten hier das "Licht des antiken"gegen die "Düsternis" des frühen christlichen Geistes gestellt werden.
Auch sonst ist Trier sehenswert. Vor allem von der gegenüberliegenden Mosel- Seite aus hat man einen phantastischen Blick über die leider im Krieg schwer zerstörte und also nicht komplett wiederhergestellte uralte Stadt. (Bild unten) Am Abend hatten die beiden altgedienten ZfA- Lehrer dann noch viel nachzubereiten und zu erzählen. Hoffentlich komme ich noch oft hierher zu Besuch!

Außerdem besuchten wir die beiden schlechten Sonder- Ausstellungen zum Marx- Jubiläum, die sichtlich so konzipiert waren, dass Nicht- Marx- Kenner möglichst nichts über den Politiker, Ökonom und Sozialwissenschaftler/ Philosophen Marx erfahren. Allenfalls könnte er ihnen danach als "Philantrop" etwas sympathischer sein. Wie ein Kuratoriumsmitglied der LINKEN den Ausstellungsmachern die Bildershow durchgehen lassen konnte, in der Saddam Hussein und Muhammar al Gaddhafi als "Kommunisten" vorgestellt werden, sympathischer- aber auch fälschlicherweise zusammen mit bspw. Patrice Lummumba und Salvador Allende, verstehe ich nicht. Aber man muss vielleicht nicht alles verstehen. Zum Glück gingen wir doch noch ins Marx- Haus, wo eine sehr lobenswerte Exposition gut in Leben und Werk von Marx einführt.
Daneben interessierte mich natürlich das historische Trier als Ort. Einmal waren wir mit Uta schon da gewesen, aber irgendwie hatte ich fast alles vergessen. Mit einem sachkundigen Führer sah ich nun endlich die alte Konstantinische Kaiserhalle, sozusagen die erste offizielle christliche Kirche Europas. (Bild zwei) Und was für eine! Die Römer waren schon tolle Kerle. Wie klobig, wenn auch auf andere Weise beeindruckend, sieht daneben der mittelalterliche Dom in seiner Düsternis aus. Es ist, als sollten hier das "Licht des antiken"gegen die "Düsternis" des frühen christlichen Geistes gestellt werden. Auch sonst ist Trier sehenswert. Vor allem von der gegenüberliegenden Mosel- Seite aus hat man einen phantastischen Blick über die leider im Krieg schwer zerstörte und also nicht komplett wiederhergestellte uralte Stadt. (Bild unten) Am Abend hatten die beiden altgedienten ZfA- Lehrer dann noch viel nachzubereiten und zu erzählen. Hoffentlich komme ich noch oft hierher zu Besuch!
Leipziger Brücken- Fest (der Kulturen) am 28. 08. 2018
Am 28. 08. durften wir auf keinen Fall das Leipziger Brücken- Fest verpassen, denn wir hatten uns vorgenommen, uns den chinesischen Beitrag anzusehen. Der Grund dafür ist, dass wir nun schon seit 1998 immer mal wieder zu "unseren Chinesen" vom Restaurant "Ni Hao" gehen. Dort haben wir uns zuerst mit der Besitzerin, einer Germanistin aus Nanking, angefreundet, die uns erst recht gewogen ist, seit Franziska dort perfekt mit Stäbchen isst. Zwar bedauert sie immer noch, dass unsere Tochter Japanologie und nicht Sinologie gewählt hat, aber so etwas wie einen gesamtasiatischen Stolz scheint es doch zu geben.
Später kam uns auch ihr Mann näher, der nur schwer Deutsch gelernt und - so glaube ich - China noch lange nachgetrauert hat. Er ist Musikwissenschaftler gewesen und hat eine Zeit lang auch an der Leipziger Musikhochschule Kurse gegeben. Am Anfang spielte er an den Wochenenden in seinem Restaurant auf traditionellen chinesischen Instrumenten, aber der Erfolg war nicht so berauschend. Jetzt fühlt er sich besser, denke ich, denn er ist "angekommen" und spielt mit einem klassischen Kammerorchester zusammen. Man kann schon die CDs kaufen. Jedenfalls ist Herr Lu (Bild oben am linken Rand mit seinem zweisaitigen Streichinstrument) - endlich wissen wir, wie er heißt - sehr umtriebig und engagiert im "Chinesisch- deutschen Freundschaftsverein", der auch das Fest ausrichtete. Er war für das Programm verantwortlich, das ziemlich populär daher kam, was aber dem Anlass angemessen war. Jedenfalls können Chinesinnen, karaokegestärkt, gut singen (Bild Mitte) und sowohl die Volkslieder als auch die Schlager klangen ganz gut. Ein schöner Tag im Klara- Zetkin- Park (Bild unten), in dem es vor allem an der Brücke trommelte und sang und brutzelte und vor Aktivisten mit Unterschriftensammlungen und Besuchern nur so wimmelte.Lüneburg am 23. 08. 2018
Wenn ich schon im Norden bin, dann muss ich auch Agnieszka besuchen, die ich in Berlin kaum noch antreffe. Außerdem kannte Franziska Lüneburg noch nicht und da gab es gleich einen zweiten Grund die schöne alte Salzstadt zu besuchen. Die beiden Akademikerinnen haben ja auch wenig Verständigungsprobleme, weil genügend gemeinsame Probleme, und so wurde es ein schöner Tag mit einem gelungenen Abend.
Zunächst machten wir aber in Lauenburg Station. (Bild oben) Es ist immer wieder faszinierend, wie dieses Kleinstädtchen der alten Askanier wegen das "Herzogtum Lauenburg" begründete und diesen Titel bis heute verteidigt. Man ist wirklich in 30 min an allen Sehenswürdigkeiten vorbei gekommen, was natürlich nicht gegen diese spricht. Es ist schön und gemütlich dort und wir aßen ganz gut mit einem angenehmen Blick auf die Elbe und den alten Raddampfer am Anleger. (Bild zwei)

Im Prinzip ist es in Lüneburg nicht anders, bloß eben größer und im Stadtzentrum "mächtig gewaltig", wie die Olsen- Bande gesagt hätte. ;-) Trotzdem mag ich auch dort die kleinen abgelegenen Nebenstraßen und Gassen, in denen es sich die Leute schön machen. (Bild drei) Immer mehr Häuser sind liebevoll restauriert und das hat schon was. (Bild vier) Insgesamt wirkt Lüneburg authentischer als Lübeck z.B. Ok, was dem Touristen das Authentische, das ist dem Zugezogenen das Provinzielle. Agnieszka jedenfalls sieht wenig Gutes an der Atmosphäre dort, vor allem dann, wenn sie es mit ihrem Sehnsuchtsort Berlin vergleicht. Egal, mir gefällt das Hanseatische und das gotische Flair der Stadt. Heimat prägt eben.
Ein bisschen "Klein- Berlin" gibt es aber doch zu sehen und promt führte uns die Neubürgerin dorthin. Und wirklich sitzt man in dem Biergarten an einem kleinen Gewässer sehr gemütlich. Da wir eine Japanologin am Tisch hatten, war es irgendwie witzig einen japanischen Chor zu erleben, der offenbar spontan und unbestellt auf der kleinen Bühne deutsche Volkslieder zum Besten gab. Wenigstens in Asien sind die also noch populär. Das Publikum dankte mit höflichem Applaus und wir zogen weiter, um den anbrechenden Abend im Zentrum am Kran zu verbringen. Danach blieben wir noch einen Tag in Wismar und fuhren dann nach Leipzig zurück.
Wismar am 22. 08. 2018
Von Polen aus fuhr ich nach Berlin, wo ich mich noch einmal mit Daniel traf. Am 18. 08. holte ich dann Anka und Franziska von Tegel ab, wo sie - aus Boston kommend - sogar pünktlich eintrafen. Zusammen sind wir nach Wismar gefahren, wo Anka aber nur einen Tag bleiben konnte. Franziska blieb mit mir bei den Eltern resp. den Großeltern. (Bild oben)
Natürlich gingen wir - wie so oft - auch dieses Mal wieder in Wendorf spazieren. Immer wieder "komisch", wie sehr sich der einst belebte Strand und Treffpunkt der Kinder und jüngeren Jugendlichen (dürften die heute überhaupt noch allen an den Strand?) geleert hat. Die als Badestelle konzipierte Seebrücke ist schon lange weg und der Strand verwildert. (Bild zwei) Ideal zum Spazierengehen. Und doch: Die Erinnerung hat immer noch etwas anderes vor Augen...
Dafür hat die Stadt Wismar unbestreitbar gewonnen. Freilich nehmen nicht alle zeitweiligen Bewohner - wie die Bootsbesitzer, die ihre Yachten vorübergehend in der Marina (Bild unten) platzieren - am Wohlstand teil. Für die chinesischen Kontraktarbeiter, die demnächst in der Werft schuften werden, liegt nur ein ausgemustertes Fahrgastschiff am Pier. Für sie müssen also Kabienen reichen, während wir auf hohem Niveau über steigende Mieten oder Grundstückspreise klagen. Aber sollten wir nicht klagen, bloß weil der chinesische Werftbesitzer seine Leiharbeiter noch mieser behandelt als die einheimische Wirtschaft die deutschen Lohnabhängigen? Überall gibt es Licht und Schatten, oder - wie es "da oben" heißt: War den een sin Uhl, is den annern sin Nachtigal...
Dafür hat die Stadt Wismar unbestreitbar gewonnen. Freilich nehmen nicht alle zeitweiligen Bewohner - wie die Bootsbesitzer, die ihre Yachten vorübergehend in der Marina (Bild unten) platzieren - am Wohlstand teil. Für die chinesischen Kontraktarbeiter, die demnächst in der Werft schuften werden, liegt nur ein ausgemustertes Fahrgastschiff am Pier. Für sie müssen also Kabienen reichen, während wir auf hohem Niveau über steigende Mieten oder Grundstückspreise klagen. Aber sollten wir nicht klagen, bloß weil der chinesische Werftbesitzer seine Leiharbeiter noch mieser behandelt als die einheimische Wirtschaft die deutschen Lohnabhängigen? Überall gibt es Licht und Schatten, oder - wie es "da oben" heißt: War den een sin Uhl, is den annern sin Nachtigal...
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