
Die Fahrt auf der neuen Trasse von Kiew bis Dubno lief "wie geschmiert".
Danach allerdings begann das Elend des Landwegs über Ternopil nach
Ivano- Frankivsk. Es dauerte und dauerte und mein Auto ächzte sogar noch
im ersten Gang, wenn es sich durch die knietiefen Löcher quälen musste.
Wer soll in dem maroden Land die Mittel aufbringen, die nach dem
jahrelangen Verschleiß nun notwendig wären, SOLCHE Verkehrswege
wenigstens halbwegs wieder befahrbar zu machen? Man fragt sich wirklich,
warum die Leute dort Autos kaufen. Eselkarren sind auch nicht
langsamer! :-( Jedenfalls wäre ich lieber Landwege gefahren, wie man sie am Hochwasser fühenden Dnistr (Bild oben) findet.

Die Landschaft ist das, was Goethe "lieblich" genannt hätte. Ich mag sie. Ansonsten wird in Ivano- Frankivsk wieder viel gebaut. Rings um das Zentrum herum steht ein Kran neben dem anderen. Auf dem Platz vor dem "Weißen Haus" die Reste des Protestlagers. (Bild zwei) Auch hier die Wand mit den Bildern der Toten. (Drittes Bild) Ganz links das jüngste Bild eines erst vor Kurzem seinen Verletzungen erlegenen Opfers. Alles blutjunge Kerls- jedenfalls die meisten...


Aber dann kam der Abend bei Juri und Elena. Sergej kam später hinzu.
Auch Taras und Julia waren da. Wie schön, alle zu sehen! Leider ist auch
Julia nur da, um die Dokumente für eine ständige Ausreise nach Litauen
klar zu machen. Dorthin war sie mit ihrem Mann nach Drohungen gegen ihre
Familie geflohen. Taras denkt über die Auswanderung in die USA nach.
Ira und Anja fehlten sowieso, sie haben vorerst in Deutschland
"Zuflucht" gefunden. Juris "Geschäft" (Sicherheitsanlagen) geht
schlecht, denn der Staat vergibt zwar nach wie vor Aufträge, zahlt aber
schon seit Monaten kein Geld. Elena merkt die herannahende Krise auch
schon: Seit einigen Wochen brechen ihr immer mehr Tennisschülerinnen
weg- der Mittelstand spart! Also wird ihre Schule ihr zum September
kündigen. Auf dem Grill lagen schon nicht mehr die gewohnten
Fleischstücke, sondern nur noch die ansonsten eher verschmähten
Grillwürste aus dem Supermarkt. Was soll man sagen? So geht es los. Dann
spüren die kleinen Läden den Kaufkraftrückgang, dann die Restaurants,
denen die Kunden wegbleiben, schließlich trifft es die im Tourismus
Beschäftigten und so bildet sich die Abwärtsspirale aus, die man "Krise"
nennt. Da nutzt auch Patriotismus nix. (Viele Autos tragen ukrainische Flaggen- Bild vier.) Was kann auch ein Poroschenko da schon tun? Und wird er etwas (für die Menschen) tun
wollen? Nein, hier hilft kein höheres Wesen...


Anderntags machte ich noch einen kurzen Spaziergang durch meine Lieblingsstadt in der Ukraine. Gegenüber dem Hotel "Pid Templem" (dem besten, das ich in der UA bisher kennengelernt habe!) ein neuer Lückenbau. (Zweites Bild von unten) Früher gab es hier die Ruine eines Hauses im historistischen Stil- niedriger als das neue, was wohl der Grund war, warum es weichen musste. Im Ganzen ist der neue Bau aber gelungen. Jedenfalls passt er sich ins Ensemble des Platzes ein. Das ist ja die Spezialität von Ivano. Hofentlich bleibt es so. Dann wird die Stadt mit jedem Jahr schöner, was man ihr und den Bewohnern wünschen will! Ich jedenfalls stand auf dem Boulevard und wollte nicht zurück. Ja, Kosice ist auch schön, aber irgendetwas ist hier anders. Es werden wohl die Menschen sein...
Die Rückreise verlief dann ohne Probleme mit einem schnellen Grenzübertritt. Nur die Straße bis Striy ist (auch) ein Elend. (Bild unten) Ich brauchte über zwei Stunden bis Striy, wo ich früher in 1,5 Stunden schon in Drohobych war!
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