Reisebilder aus der Ukraine, der Slowakei, Rumänien und Osteuropa. Reflexionen zum Alltag, Reiseberichte, Kurioses und Interessantes vom Zusammenleben der Völker, Privates für Freunde und Bekannte...
Donnerstag, 12. Juni 2008
Remont die vierte
Mittwoch, 11. Juni 2008
Jugend und Alter
Zurück zur Ukraine heute. Dass die „Jugend“ wirklich von so ca. 20 bis an die 60 heran reicht, das stieß mir bei dem Versuch auf, rüstigen Deutschlehrerinnen in meinem Alter und darüber hinaus, sie werden so im Schnitt 55 gewesen sein, die Bedeutung des Jahres 1968 klar zu machen! Ich referierte über die Entstehung der Jugendmode aus dem Wahn heraus, seinen Stars ähnlich seh
en zu wollen, skizzierte den Aufstieg eines Plattenbesitzer zum DJ und der dann einsetzenden Massenproduktion von Tonträgern und fand mich unversehens beim Begriff der „Generation“, die als „junge Generation“ hier erstmals in wahre Opposition zur „älteren und alten Generation“ tritt. Das alles sollte sensibel machen für die aus hiesiger Sicht etwas merkwürdige Art der Deutschen, in ihren Lehrbüchern immer Texte über „Randgruppen“, „Familienprobleme“, „Einsamkeit im Alter“ usw. abzudrucken. Und da passierte es! Mitten in meine schönste Entfaltung des Themas hinein stoßseufzte eine furchtbar nette, etwas füllige ältere Kollegin: „Du hältst uns also schon für alt? Bloß weil wir Goldzähne im Mund haben?“ – Fast kullerte eine Träne! Aber sicher doch, versuchte ich die Lage zu klären: „WIR hören doch alle keinen Hipp hopp mehr und Tragen keine ärmelfreien T- Shirts mit amerikanischen Aufschriften.“ … Es nützte nichts! Die Stunde war hin! Erregt debattierten die Kolleginnen die Frage des Alters um dann festzustellen, sie hätten doch einen Anspruch darauf, noch „jung“ zu sein. Und daran ändere meine hinterhältige Frage nach den Enkeln gar nichts. Natürlich hätten sie schon Enkel und sie seien stolz darauf, so junge (!) Großmütter zu sein. Na dann…- auf in die Disko!
Montag, 9. Juni 2008
Kiew und seine Nöte (III)
Wie dem abhelfen? Immer wenn es einem Volk in der Frühphase seiner nationalen Konsolidierung an einer eigenen nennenswerten Geschichte mangelt, kommt ein unermüdlich nach Ersatz suchender Historismus ins Spiel. Wie viele Geschichtslügen der so transportiert, darüber will ich mich hier nicht auslassen, die Deutschen haben mit ihrer Herrmann- Schlacht ein hübsches Beispiel vor Augen und sollten nur mildtätig lächeln, wenn sie hören, dass der populärste Ukrainer (jüngst erkoren) ein Fürst der Kiewer Rus ist; mir geht es vielmehr um die eigenartige Architektur in einem Land, das immerhin mit dem Gasprom- Gebäude in Charkiv ein großartiges und bis heute lebendiges Monument moderner Architektur der 20er Jahre vorzuweisen hat! Im Privaten drückt sich das in einer stillosen Suche nach Vorbildern aus, die meist irgendwo zwischen Versailles und mini- mundus, Legoland und „kleinem Erzgebirge“ in ein Schlösschen mündet, dessen Erkerchen und Winkelchen spätere Dachreparaturen eher früher als später wahrscheinlich machen. Im Rahmen einer Hauptstadt sieht das natürlich anders aus und wird Historismus pur, etwa so, wie die Polen nach 1945 Warszawa im historischen Stil wieder aufbauten. Im Falle von Kiew ging es zuerst um die Wiedererrichtung der von Stalin geschleiften oder untern seiner Nachfolgern als Warenlager u.ä. missbrauchten Kirchen, deren Substanz eigentlich kaum zu retten war. Hinzu trat der Neuaufbau der Kirche, in der Tschewtschenko (siehe oben) vor seiner Reise gebetet hat, der Kirche, die als älteste im Stadtteil Podil nach alten Stichen rekonstruiert wurde usw. Neu ist der Versuch, den Reichen ein ganzes Stadtviertel zu schenken (äh, die müssen die Wohnungen natürlich kaufen, d
Kiew und seine Nöte (II)
„
Also, mitten in der Altstadt, dort, wo man von der am Dnjepr- Ufer liegenden Vorstadt Podil die Touristen- Andenken- Meile Andrijewski- „Aufstieg“ in Richtung Oberstadt hinaufsteigt, eigentlich unweit des hübschen Bulgakow- Museums (der aber – pfui Teufel – Russisch und nicht Ukrainisch geschrieben hat!), gibt es zwei weitere Aufstiege. Einer führt auf den mit Bierzelt und Aussichtsplattform verunzierten Gipfel eines der unzähligen Hügel der Djepr- Böschung und ist also nicht weiter interessant. Aber der andere, die ungepflegte Treppe mit ihren fehlenden Stufen zeigt es an, erschließt einen vergessenen Teil der Vorstadt: den alten Friedhof mit seine
Oder ist das wieder nur „mein Blick“? Meine Freundin Dascha behauptet jedenfalls, dass sie – seit sie mit mir spazieren gegangen ist und sich meine Erläuterungen hat anhören müssen – au8ch schon überall Kondome sieht. Interessant ihr Fazit: „ich bin stolz auf mein Volk!“ Und, hat sie nicht Recht? Was kann liebenswerter sein als die ständige Suche nach einer Möglichkeit, sich lieb zu haben?
Oder wäre die „Lösung des Wohnungsproblems“ doch die bessere Lösung?
Kiew und seine Nöte (I)
Unzweifelhaft populär auch ein Boxer: Klitschko mit Namen. Was macht so ein Mann in der Politik? Mögen es andere „analysieren“, fest steht, dass er – unterstellen wir ihm edle Absichten – sowieso nur hätte „edel“ scheitern können. Mit starker Hand gegen Korruption- das war sein „Programm“. Bloß wem wollte er die Nase einschlagen in seinem Rathaus? All den freundlich lächelnden Mitarbeitern der Administration, ohne die er nie hätte auch nur einen Schritt unternehmen können? Denen sicherlich nicht. Irgendwelchen „Großen“… - vielleicht Aber es wären doch die „Kleinen“ gewesen, an denen er scheitern musste. Freilich, Menschen sind ja nicht durch und durch schlecht und kommen schon gar nicht korrupt auf die Welt. Sie verdienen nur einfach zu wenig und haben sich an diverse Nebenverdienste gewöhnt, denn nur mit diesen können sie ihre Familien durchbringen und das Auto unterhalten, mit dem sie allmorgendlich die Straßen zustauen. Klitschko ehrlich unterstützen würde bedeuten, sich selbst arm zu machen. Von wem kann man, kann ein Millionär wie dieser Ex- Profi DAS verlangen? Die Mittel, all diesen subalternen Mitarbeitern durch ein stattliches (monatliches) Geldgeschenk den Anti- Korruptions- Kurs zu versüßen hat er schließlich nicht. Also ist der Milliardär dran, der zwar im Traum nicht daran denkt, in Sachen Korruption etwas zu unternehmen, aber der immerhin Geldgeschenke machen kann…
Geldgeschenke? Nun ja, Wahlkampf ist eine lukrative Sache für die Zeitungen, die endlich ein Thema haben und
So freut sich auch der kleine Mann immer mal wieder auf die turnusmäßig stattfindenden Wahlen, die ihn a
Sonntag, 8. Juni 2008
Remont die dritte...
Ja, ein Handy allein schafft eben doch keinen modernen Menschen und – was meinen chosjain anlangt – so möge er weiter glauben, dass man bei einem Boiler aus Metall keinen Schuko- Stecker braucht, weil die Erdung ja über den Wasserstrahl erfolge. Anfrage an Sender Eriwan: „Stimmt das?“ Antwort: „Im Prinzip ja. Ist nur dumm, wenn sie gerade unter dem Strahl sitzen!“ Aber ob das so schlimm ist? Ein Spion weniger…
Montag, 2. Juni 2008
Das Wandern ist des Müllers Lust…
usste ich, dass ich auch dieses Mal wieder einem Trugschluss aufgesessen bin. Solche Wege sind bestenfalls temporäre Transportwege für die Holzfäller; sie enden auf einer Rodung und verwahrlosen dann in dem Maße, wie das Gebiet nicht weiter bewirtschaftet wird. Für die Naturlandschaft ist es natürlich toll, dass sich die Ausbeutung der Natur nur auf straßennahe Zonen beschränkt, für den Wandervogel ist es aber ein Ärgernis: Man fährt an herrlichen Ausblicken in die Berge vorbei und findet buchstäblichen keinen „Eingang“; nicht mal Trampelpfade wie rings um den Hoverla, den höchsten Berg der Ukraine! So sehr ich auch suchte, es wurde nichts. Alle Wege enden an irgendeinem Gehöft oder irgendeiner Bergwiese, von der aus dann nichts mehr geht.
Wanderkarten soll es übrigens geben. Mein Nachbar meinte, in den ausgesprochenen Wintersportgebieten hinter Jaremcha gäbe es auch ausgedehntere Wanderwege, Ich fand aber am Karpatenrand keine und die Karte, die ich am Eingang des Wyshnicaer Distrikts am Straßenrand sah, verzeichnete 3 Touren im ganzen Gebiet. Zwei davon begannen in Wyshenka, dem Ort, den ich schon einmal durch Zufall gefunden und dessen Bergtour (ca. 1,5 h) ich schon einmal gegangen war. Die Taltour auch, aber eben unvollständig.
n Deutschland geben – so menschenleer wie am Anfang. Insgesamt sah ich in 6 Stunden 3 Angler, eine Reiterin, eine Mercedes- Familie beim Picknick, ein Holzfahrzeug mit Arbeitern und zwei Trottel mit solchen geländegängigen, als Vierradfahrzeug umgebauten Motorrädern, die unnötigerweise die Stille mit ihrem Gedröhn für einen Moment störten. Aber die sah ich dann nicht wieder.
Ziemlich weit hinten gab es dann doch Wege, die vom Hauptweg abbogen und in die Berge führten. Einen erklomm ich und wurde für meine Mühe mit einem herrlichen Blick auf di8e umliegenden Hänge belohnt. Wahrscheinlich führen andere Wege zu den kleinen Häusern auf der gegenüberliegenden Seite. Wo der Weg endet, konnte ich trotzdem nicht herausfinden, denn nach ca. 3 Stunden beschloss ich umzukehren. Da der LKW, der sich vor mir durch den Fluss quälte, irgendwoher gekommen sein musste, vermute ich mal, dass der Ausgang auf der anderen Seite an der an der Straße nach Putyla liegt. Mal sehen, vielleicht schaffe ich das beim nächsten Mal!
Zurückgekehrt zum Eingang des Tals ließ ich mir jedenfalls die frischen Tomaten und das Zwiebellauch schmecken, das in einer dem „grünen Tourismus“ verpflichteten Gastwirtschaft im Blockhausstil zum deftigen Schaschlik gereicht wurde. Schaschlik, ja, das können sie hier…