Wie sagte doch der neue Bildungsminister der Ukraine? "Unsere (die in der Ostukraine verehrten- F.S.) Helden sind in ihren (der Westukrainer - F.S.) Augen Verbrecher, ihre Helden in unseren Nazi- Kollaborateure und Terroristen." Der Mann mag sogar was Richtiges beobachtet haben, bloß so wird kaum zusammenwachsen, was zusammen gehört...
Reisebilder aus der Ukraine, der Slowakei, Rumänien und Osteuropa. Reflexionen zum Alltag, Reiseberichte, Kurioses und Interessantes vom Zusammenleben der Völker, Privates für Freunde und Bekannte...
Freitag, 21. Mai 2010
Der 8. Mai in Rot- Schwarz
Wie sagte doch der neue Bildungsminister der Ukraine? "Unsere (die in der Ostukraine verehrten- F.S.) Helden sind in ihren (der Westukrainer - F.S.) Augen Verbrecher, ihre Helden in unseren Nazi- Kollaborateure und Terroristen." Der Mann mag sogar was Richtiges beobachtet haben, bloß so wird kaum zusammenwachsen, was zusammen gehört...
Montag, 29. Juni 2009
Verkaufskultur und ihre Folgen
Trotz aller Vorsicht beim Einkauf hat es mich nun aber doch erwischt. Offensichtlich hatten die gestern "frisch" gekauften Kabanossi vom Typ "Mysliwskie", die auf ihrer Verpackung keinerlei Angaben über den Verfall tragen, doch länger als erwartet irgendwo in den hinteren Regalteilen gelagert, ehe sie von einer umsichtigen Verkäuferin endlich mal "nach vorne" gelegt wurden. Sie sahen ja auch noch gut aus und das wird gereicht haben, diese Aktion zu legitimieren!
Mir ist auch nichts aufgefallen. Die unseren Knackern ähnlichen Würstchen schmeckten wie gewohnt und bis 22.00 Uhr ging es mir gut. Dann aber setzten Magenkrämpfe ein, die trotz Mezym- Forte nicht nachließen. Einzige Linderung - Omas gute Wärmflasche! Durchfall kam etwas später. Ob meiner Bemühungen, endlich doch einzuschlafen, hatte ich das gegen 04.00 Uhr anfallartig über mich hereinbrechende Fieber gar nicht registriert. Von Schneestürmen und Eiswasser träumend begriff ich erst spät, dass der Schüttelfrost keine Kälte aus dem Traum war, sondern vom Fieber her rührte. Das kannte ich von Polen her, wo es mich schon einmal so erwischt hatte: Salmonellen! Kurz nach dieser Erkenntnis sckte ich - wie damals, als ich noch 40 Grad registriert hatte - einfach weg, ohne etwas unternehmen zu können. Aufgewacht bin ich dann gegen 13.00 Uhr und außer dem klatschnassen Bett war alles relativ normal. Ein bisschen kottrig fühlt es sich an, man hat Grummeln im Bauch.
Wenn sich die Anfälle nach Ablauf von 6 h wiederholen, hat es mich bös erwischt. Das wusste ich noch von damals, als ich vormittags brav ins Kolleg ging, nachmittags dann hingestreckt wurde. So hab ich heute die Bettwäsche gewaschen und dabei bang auf einen neuen Anfall gewartet. Nun sind die 6 h deutlich überschritten und ich habe schon zwei Mal was gegessen. Entwarnung also.
Was ist weiter zu tun? Der tägliche Nachhauseweg wird von jetzt an am Hotel "Nadia" und der dortigen Delikatess- Halle vorbei zum "Wopak" führen, wo ich nur noch Bier und Wasser kaufen werde, um es nicht so weit schleppen zu müssen. Mal abgesehen vom Sprachproblem ist Sich-Beschweren wohl aussichtlos. Es würde auch kaum was ändern. Beim Thema "Gesunde Lebensmittel" wussten jedenfalls viele der 20 Drogobycer Schüler von regelmäßigen Vergiftungen im Sommer zu berichten, weswegen sie dann "Produkte" ihrer Gärten bevorzugen. Wohl dem, der eine Datscha hat...
Samstag, 31. Mai 2008
Friedhöfe
e Tragik fassbar, aber doch auch unverständlich. Wenig Geld wäre vonnöten, die Wege begehbar zu halten und die Friedhofssynagoge (Begräbnishalle) in Stand zu setzen. Sollten das die (meist nach Israel ausgewanderten) Hinterbliebenen nicht aufbringen können? Auch institutionalisierte Träger von Gedächtniskultur scheinen sich um den hiesigen Friedhof nicht zu kümmern. Er ist zwar als „historisch“ und schützenswert ausgewiesen, aber die allerorts spürbaren Versuche, die Stadt zu ihrem 600jährigen Jubiläum auf Vordermann zu bringen, gingen bisher an den eingestürzten Mauern und überwucherten Gräber der einstigen Mitbewohner vorbei. Juden gehören offensichtlich nicht einmal als historische Tatsache zur Geschichte der Ukraine. In der Schule feiert man Bohdan Chmelnitzky als so etwas wie einen Staatsgründer (welchen Staates?); dass in den Kosakenaufständen der erste Genozid an Juden verübt wurde, ist unbekannt. Unbehaglich ist das Thema allemal, denn wenn man jemanden daraufhin anspricht, kommt oft Antisemitisches zu Tage. Gegen Juden direkt hat dabei kaum jemand etwas, aber hierher gehören sie doch nicht (sollen nach Israel gehen). Oder man ist eben einfach stolz darauf, keinen Juden in der Familie zu haben, und hat man einen, dann ist es sicher der davongelaufene Schwiegersohn (typisch Jude!). Anders als in
Deutschland, und vielleicht auch anders als man es sich angesichts des viel geschmähten Antisemitismus in der Sowjetunion vorstellt, funktionierte die Integration der Juden auf den öffentlichen Friedhöfen zumindest in Chernivci allerdings problemlos. Angesichts der vielen jüdischen Namen, der hebräischen Schriftzeichen, der Davidsterne und bisweilen auch der jiddischer Verszeilen (siehe Foto) auf den Gräbern offensichtlich stadtbekannter und daher auch etwas abgesondert beigesetzter Persönlichkeiten (Theaterleute, Mediziner, Musiker, Professoren usw,) fragt man sich schon, ob das zu ihren Lebzeiten ebenso selbstverständlich war. Vielleicht ja, denn auf meine Frage, ob mein verehrter Kollege Zuckermann wegen seines Namens nicht manchmal Probleme mit den Schülern oder Eltern hätte, antwortete die stellvertretende Direktorin Frau Banar im Brustton der Überzeugung: „Felix ein Jude? Ach was, das ist doch unser Felix!“ Wobei die Betonung auf „unser“ lag…
Die öffentlichen Friedhöfe also. Auffällig und ungewohnt für deutsche Augen sind die in die meisten Grabsteine eingelassenen Fotos. Oft finden sich neben den Grablegen auch Bänke und Tische, die am Tag des Totengedenkens genutzt werden, an dem man sozusagen noch einmal mit den Toten isst und trinkt und sich (und ihnen) das Neueste erzählt. Waren die Grablegen und die Steine zu früheren Zeiten sichtbar standardisiert und wenigstens in der Größe von eher schlichtem Format, so treibt die neue Freiheit heute auch hier merkwürdige Blüten der Geschmacklosigkeit hervor. Bänke und Tische sind nun aus Granit oder Marmor und gehören zu einem Ensemble, das mal einem griechischen Arkadengang ähnelt, mal von Einfriedungen im Stile der Renaissance umgeben und gemessen an der Bedeutung der begrabenen Person im Leben auf jedem Fall zu gewaltig daher kommt. Oft treten einem nun die hier Bestatteten in Lebensgröße (als Turner am Reck oder als 16jährige Ballerina in Pose) entgegen oder es findet sich auf der Rückseite der Steine ein dezenter Hinweis a
uf die Todesursache (den Lebensinhalt?) des Verblichenen. Oder was sonst soll der in einer Serpentine kurvende Mercedes zu bedeuten haben?
Ein besonderes Kapitel sind aber die Kindergräber. Wie geht man mit solch einem Verlust um? Kann man es ertragen, bei jedem Friedhofsbesuch an ein lachendes Gesicht erinnert zu werden? Offensichtlich ja, denn nicht selten finden sich Skulpturen, die auch die Kleinen in ihrer ganzen Zartheit und Zerbrechlichkeit (Zerbrochenheit?) darstellen. Dabei ist das alles ziemlich bunt und meist gar nicht sehr feierlich, jedenfalls überdecken die vielen leuchtenden Plastikblumen auf den Plastikkränzen jeden aufkommenden Anschein von Düsternis. Schwarze Schleifen finden sich auf frischen Gräbern; auf denen älteren Datums leuchtet ein mehr oder weniger neues Kranzimitat mit roten, blauen, gelben oder weißen Blumen, oft in den Nationalfarben blau- gelb. Die sind im Straßenbild und auch auf den Friedhöfen bzw. rundherum als Farbgebung der Bänke, der Buswartehäuschen, der Zäune oder Eingangstore so allgegenwärtig, dass man meinen könnte, die Regierung habe einen Rabatt für himmelblau und quittegelb verkündet. Möglich wär’s immerhin…
Mittwoch, 14. Mai 2008
Kommt ein Vöglein geflogen…
Nun steht der Abwicklung der Sache nichts mehr im Wege. Da mein Auto in der Garage auf bessere Tage wartet, schnappe ich mir ein Taxi und suche am Busbahnhof einen weißen Transporter mit der Aufschrift „Möbel- Unger“. Das klingt immerhin vertraut und solide und so ist es dann auch. Zwar muss der schlafende Fahrer erst geweckt werden, aber dann bekomme ich ohne Umschweife und weitere Nachfragen nach einem Ausweis oder ähnlichem mein Paket und kann es stolz mit dem Taxi in die Schule fahren. Ob eines solchen Luxus erstaunt mein Direktor etwas – er steht wie immer rauchend und als gutes Vorbild für seine Schüler am Eingang – doch mich lässt das kalt: Insgesamt nur eine Stunde Aufwand und etwa 3 Euro für das Taxi. Das bezahlt ein Bundesprogrammlehrer (wie so Vieles andere) doch locker aus seiner eigenen Tasche, oder?
Mittwoch, 7. Mai 2008
Von (Gold)Medaillisten und Wundern
Heißt das nun, dass es gar keine Leistungen mehr gibt? Nein, von den Schülerinnen und Schülern, die ich kenne, hat wohl eine Mehrzahl ihre Medaillen durch fleißige Lernarbeit in den ersten 10 Klassen erworben, ca. 30 % werden sie kaufen können (ganz schlechte Schüler haben doch keine Chance- das würde sogar hier zu sehr auffallen!). Doch setzt sich dieses „System“ an den Unis fort, weshalb man am Ende doch in vielen Fällen einen guten Arzt trifft, immer öfter aber auch einen, der Zähne anbohren nur deshalb darf, weil seine fehlende Eignung aus leicht einsichtigen Gründen kein Hinderungsgrund für die Berufsausübung mehr ist. Wie sich das im Falle von Installationen, angeklebten Kacheln und schlecht reparierten Autos im Alltag widerspiegelt (hier können alle Männer alles- aber eben nur schlecht!) habe ich schon oft beschrieben. Warum es immer noch Menschen gibt, die trotzdem etwas zu leisten imstande sind, ist mir manchmal schleierhaft. Dass es sie aber dennoch gibt, macht Hoffnung- hier wie anderswo. Ich drücke meinen Schülerinnen und Schülern und mir selbst die Daumen, dass möglichst viele von „meinen“ Absolventen sauber bleiben und den schwierigen, nicht den leichten Weg zu Ende gehen.
Dienstag, 4. März 2008
Manieren
Ein anderes, den deutschen Lehrenden irritierendes Problem, ist das besonders in Erkältungszeiten absolut nervige ständige Schniefen im Raum. Mann hat nun mal kein Taschentuch und Frau würde ihr "Tempo" niemals in der Öffentlichkeit benutzen. Drängt es nun zu sehr, so sehr, dass Mann auf der Straße mit einem Druck an den Nasenflügel einen gekonnten "Rotz" auf die Straße hinlegen würde, folgt im Unterricht die brave Frage: "Darf ich mal raus?" In der Schule behelfen sich so Mädchen und Jungen. Wie die Frauen das auf der Straße "erledigen", habe ich noch nicht gesehen. Diskretion funktioniert also. Umgekehrt irritiert es die Schüler allerdings auch sehr, wenn ihr konservativer Lehrer zum Schnupftuch greift und nur leicht abgewendet im Klassenraum diesen offensichtlich streng verpönten Akt durchführt. Soll man sich besser anpassen? Genau hier beginnen die wirklichen, weil praktischen Probleme des Multikulti...
Apropos: Natürlich spielen die schon besprochenen Mentalitätsunterschiede auch bei den Manieren eine große Rolle. Die Erziehung kritischer und einander im Team helfender junger Menschen stößt schnell an Grenzen, die ein Schüler meiner 10. Klasse heute so formulierte:
"Für mich sind gute Manieren:
1. Niemals einem anderen seine Fehler sagen.
2. Niemals in fremde Angelegenheiten meine Nase reinstecken.
3. Allen helfen, wenn ich kann.
4. Höflich und herzlich sein.
5. Die Etikette einhalten."
Kritik jeder Art gilt so sehr als unhöflich, dass sie nur als martialisches Zusammenbrüllen vom Chef akzeptiert (und praktiziert) wird. Sonst lobt man einander mit dem Satz "Alles, was X gesagt hat, war gut." - "Y ist meine Freundin. Wie kann ich ihr sagen, was ich nicht gut fand?" Und weil Y die Freundin ist, darf sie abschreiben, kriegt sie den Kassiber zugesteckt, sagt man ihr vor usw. Alles andere wäre weder hilfsbereit noch "höflich und herzlich". Nur mit der Etikette ist es so eine Sache. Klar, man weiß, welche Geschenke es an welchen Feiertagen für die Lehrer geben muss und wieviel Geld im Umschlag (vor der Prüfung abzugeben) höflich ist... - bloß die Frage, ob man der Veteranin des Weltkrieges im O- Bus einen Platz anbieten soll oder nicht, da sind die jungen Männer und Frauen schon unsicher geworden. Mädchen übrigens finden es schade, dass die Männer heute nicht mehr aufstehen, wenn eine Dame den Raum betritt. Ob sie es, wenn sie älter sind, auch fertig kriegen, einem Mann, der beide Hände voller Einkaufsgut hat, einfach die Ladentür an den Kopf zu schmeißen, vielleicht aus Wut darüber, dass er sie ihrer sonnenbebrillten Schönheit nicht aufgehalten hat? Aber vielleicht bin ich da zu böse und wenigstens das ändert sich noch, wenn irgendwann auch hier die Männer nicht bloß den Wodka kaufen gehen, sondern auch die Kartoffeln nach Hause schleppen...