Reisebilder aus der Ukraine, der Slowakei, Rumänien und Osteuropa. Reflexionen zum Alltag, Reiseberichte, Kurioses und Interessantes vom Zusammenleben der Völker, Privates für Freunde und Bekannte...

Sonntag, 31. Januar 2010

Reise nach Kiew

Vom 25. bis 27. 01. hatte der Chef zusammen mit dem Goethe- Institut ein JDI- Seminar (Jugend debattiert) in Kiew angesetzt. Da ich noch Passangelegenheiten an der Botschaft zu erledigen hatte und außerdem von Drohobych nach Drohobych fahren wollte, wählte ich als Verkehrsmittel das Auto. Warum auch nicht? In den DSD- Prüfungen hatte ich doch gelernt, dass Leute Extremsport machen, um der Langeweile des bürgerlichen Alltags zu entkommen. Gut, die einen machen also bungee jumping und ich fahre bei minus 28 Grad Auto in der Ukraine. Kommt aufs Gleiche raus - man weiß nicht, ob man heil ankommt ;-) Davon ab war es nicht so dramatisch. Der schlimmste Teil ist immer noch der Abschnitt Stryy- Drohobych (siehe Bild oben). Hier ging mir der linke Hinterreifen kaputt. Wie sich später zeigte, steckte der Spike eines nagelbewehrten Winterreifens als Dorn im Profil! Ich kam mit einigen Malen pumpen bis Drohobych, wo die Reparatur glückte. Es war nur arg kalt an den Fingern, denn so ein mitteleuropäischer Lederhandschuh ist für solche Arbeiten alles andere als geeignet. Geschenkt! Problematischer ist die Suche nach einer geeigneten Stelle, an der man halten und (sicher) wieder anfahren kann. Das wusste ich aber schon von diversen Pinkelpausen ;-)

Die Straße Lwiw- Kiew hingegen war frei und trocken gefroren. Man sieht nun doch, dass hier einmal eine Autobahn für Fußballfans entstehen soll- die alte Straße ist als ein Streifen der Doppelspur fast durchweg erneuert und also gut zu fahren. Die zweite Bahn zeigt auch schon Kontur...

Dennoch hatte ich ein paar Schreckminuten, als das Gaspedal nicht mehr kam. Aber der Gasbowdenzug war auf Höhe Olesko (Geburtsschloss Jan III. Sobiesky) nur eingefroren und gab doch nicht den Geist auf. Als in der Nähe von Kiew die Temperaturen auf minus 15 stiegen, ließ er sich wieder dazu herbei, normal zu funktionieren. Das Blinkrelais, das wenig später ausfiel, tat mir diesen Gefallen allerdings erst nach einer Nacht in einer warmen Garage...

Apropos warme Nacht. In Kiew angekommen fand ich das Hotel nicht, denn es lag wegen eines Stromausfalls total im Dunkeln. Aus nämlichem Grund kam ich etwas von der geräumten Fahrbahn ab, nur 20 cm in die Mondlandschaft des Eispanzers eines Garagenwegs! Nur 20 cm... Aber die Räder drehten durch und nichts passierte. Bei dem Versuch, nach den Gründen zu sehen, haute es mich gleich nach dem Öffnen der Tür aufs Eis. Muss gescheppert haben wie ein Sack Geweihe als die Knochen aufschlugen! Nach mehreren Versuchen, mich mit Hilfe einer Decke zu befreien, war klar, dass ich ohne Hilfe nicht weiter kommen würde. Zwei junge Männer halfen und verrieten mir auch, dass ich genau vor dem gesuchten Hotel sei. Na schön! An der Rezeption war es stockfinster und ich wurde mit einer Taschenlampe ins Zimmer geleitet. Im Schein des Netbook- Displays zog ich mich aus- Wasser gab es auch keins, weshalb die Heizung ebenfalls nicht ging. Nachts um halb eins war es dann so kalt, dass ich zwei Pullover aus der Tasche kramte, zwei Hosen anzog und das Jackett drüber. So hatte ich noch nie im Leben eine Nacht verbracht! Aber gegen Morgen kamen Strom, Wasser und Wärme wieder und die restlichen Tage ging es, wenn man mal von den laut die Türen zuschlagenden und nachts im Flur rumbrüllenden Gästen absieht.

Der Rest war dann wenig spektakulär. Iwan fand, dass mein Herz ihm Sorgen mache- ich fand das dann auch. Aber was tun? Ich schlug noch zwei Mal hin und versaute mir meine Wechselhosen allesamt, so dass ich zuletzt die zerknitterten Büchsen anziehen musste, die schon eine Nacht im Bett hinter sich hatten! es hat wohl keiner bemerkt, jedenfalls hoffe ich das...

Die Rückfahrt war dann anstregender als die Hinfahrt, weil ein Schneesturm übers Land fegte, der die Schneeschwaden so über die Fahrbahn trieb, dass selbige vom umgebenden Weiß nicht mehr zu unterscheiden war. Fast 200 km ging das so, aber dann war auch das überstanden und ich landete in einem gemütlichen Hotel, in dem wieder nur die Gäste von Übel waren. (Und dabei meine ich nicht, dass es dem Mädel im Zimmer links von mir nachts und morgens und dem im Zimmer rechts von mir vier Mal in der Nacht "gut ging". Mann, was für eine Kondition!) Noch eine Nacht in Drohobych im Hotel, dieses Mal als einziger Gast in himmlischer Ruhe, und dann war ich wieder "zu Hause".

Mittwoch, 20. Januar 2010

Weihnachten?

So sieht es also aus im tief eingeschneiten und bitterkalten Ivano! Seit gestern haben wir wieder Schnee in größeren Mengen. Der sonst von mir gelobte Winterdienst scheint dieses Mal doch kein Salz mehr zu haben, streikt oder wartet das Ende des Schneefalls ab. Oder ist es zu kalt für das Salz? Immerhin haben wir tags so um die minus 14 und in den nächsten Tagen soll das Thermometer nicht über minus 17 klettern und nachts deutlich bis unter minus 20 fallen! (oben links: Eingang zu "meinem" Haus)Wie dem auch sei, die Folgen sind fatal: Unter der festgefahrenen Schneedecke friert der vorherige Matsch zu einer festen Eisdecke und besonders an Kreuzungen sowie vor Fußgängerübergängen, also überall dort, wo die Autos bremsen müssen, ist es höllisch glatt. Dasselbe trifft auch für die Fußgängerwege zu. Überall Eis unter dem neuen Schnee! Hoffentlich ist die Lage außerorts besser...

Aber ob ich überhaupt die Stadt verlassen kann? Mein Nachbar versuchte, sein Auto frei zu schaufeln (Bild Mitte: Blick aus meinem Fenster) - es ist ihm nicht gelungen und er gab auf, als "maschina" dann auch nicht ansprang. Bisher hat mich mein Opelchen damit nicht enttäuscht. Aber ohne Hilfe des Schnee schiebenden Hausmeisters und einiger Schüler, die mir den nötigen Schub geben, werde ich den Schulhof nicht verlassen können...

Na ja, vielleicht hilft mir ja der Weihnachtsmann!? Was in Deutschland zu früh beginnt und am Ende nur noch nervt, geht hier nicht vor dem Jahreswechsel los, will aber dann gar nicht mehr aufhören. Kaum hat man das "bellende Gejingle" der einschlägig bekannten englischen Weihnachts- Kaufhaus- Hymne hinter sich gelassen, holt sie einen hier wieder ein, wo sie immer noch täglich im Radio erklingt. Immer noch ziert ein großer Weihnachtsbaum, der zu nächtlicher Stunde silberglänzend erstrahlt, den zentralen Platz vor der Post und immer noch dreht dort der Weihnachtsmann seine Runden. Den Kindern gefällt es, wie man sieht, und es stört sie aus merkwürdigen Gründen gar nicht, dass der alte Knabe in Coca- Cola- Rot selbst in der Ukraine schon seit mehr als 10 Tagen abgewirtschaftet haben sollte. Vielleicht gibt er ja dem Osterhasen die Klinke in die Hand? Ein paar überlagerte (deutsche) Exemplare vom letzten Jahr werden im Supermarkt um die Ecke immerhin schon angeboten...

Samstag, 16. Januar 2010

Sonnabend Abend Kneipe, weil es zu Hause viel zu ausgekühlt war. Sonntag dann mit Hochdruck an den Präsentationen gearbeitet, die - um die 50 immerhin - nun im Minutentakt eintrafen. Ärgerlich all die Leute, die an den schon korrigierten Arbeiten noch dieses und jenes geändert und in meine Korrekturen neue Fehler eingeschrieben hatten. Dascha war inzwischen in der Stadt Fahrkarten kaufen. Dann noch einmal kurz ein Kneipenbesuch und ich brachte sie zum Zug. Fahrkarten gab es noch für den Sonntag- für den Montag nicht mehr. Da reisen alle die, die dann sagen, Sonntag hätte es keine Karten gegeben. So jedenfalls Daschas Kommentar. Und so war ich wieder allein...

Montag die letzten Arbeiten in Ivano. Gesessen bis in die Nacht. Dienstag dann die "Kampffahrt" nach Drohobych, wo ich hin musste, weil mit den Prüfungen der Höhepunkt des Jahres anstand. Aufgestanden um 06.30 Uhr kam ich zuerst nicht vom Schulhof, dann nicht von der Straße, die vom Räumdienst mit einer Schneewehe von der Hauptstraße abgetrennt war. Erst gegen 09.00 hatte ich das Stadtgebiet von Ivano hinter mir. Auf der Landstraße war Salz gestreut, das langsam anfing, die ca. 50 cm Schnee in "Brühe" umzuwandeln. Da wurden selbst Überholmanöver mit 40 km/h zum Abenteuer, da das Heck des Omegas auf dem glatten Grund bei jedem Widerstand, also immer dann, wenn die Reifen mal griffen, machte, was es wollte. Ab Kalusz, also nach etwa 36 km, wurde es etwas besser und ich konnte die Reisegeschwindigkeit auf Spitzenwerte von z.T. 50 km/h erhöhen ;-) Allerdings war 30 km vor Striyy wieder Schluss. In den Waldlagen festgefahrene und überfrorene Schneedecke. Schleichen war angesagt. Ab Striyy dann Horror live. Die Region Drohobych ist wohl wirklich bettelarm. Jedenfalls hatte man gar nichts gemacht und ich schlitterte durch Schneewehen und über Glatteisflächen immer den LKW- Spuren hinterher. Zwei Mal dachte ich, der Omega schafft die Anhöhe nicht und ich müsste Schneeketten anlegen. Das hätten die am Rand "Gestrandeten" auch besser tun sollen. Es lagen diverse Ladas (vermutlich sommerbereift) im Straßengraben. Die Lage besserte sich auch in der Stadt nicht. (Las ich heute fuhr, war es an den Kreuzungen auf der fest gefahrenen Schnee- und Eisdecke stellenweise so glatt, dass der Omega selbst bei Tempo 30 nicht zu bremsen war- er blieb einfach nicht da stehen, wo er stehen bleiben sollte und ich rutschte auf die Kreuzung!)

Na ja, ich traf um 13.00 Uhr ein und hatte dann Stress bis in die Nacht. Am nächsten Tag klappte anfangs nicht alles, aber dann bekamen wir die Prüfungen über die Bühne. Von 23 Kandidatinnen mussten zwei die Segel streichen. Knapp 10 % also... Einen Tag später in Ivano traf es 5 aus einer Klasse- 7 von 53 ist also "meine Bilanz". Na ja, es hätte schlimmer kommen können...

Leipzig- Abreise

Sieht man das, wenn einer wieder mal vor der Abfahrt steht? Angekommen am 23. 12. denkt man an Abfahrt- die Nächte werden kürzer dann... Der Mensch hat doch ein Beharrungsvermögen und sich los reißen fällt schwer, wenn man noch nicht satt ist von der Langeweile deutschen Alltags! Es war doch erst der 08. 01. 2010!

Als ich in Ivano abfuhr, überlegte ich noch, welche Lebensmittel ich im Kühlschrank zurück lassen könnte. Es sind ja nur ein paar Tage, die man nicht da ist. Unwirklich erscheint die Idee, zwei Tagen später 1600 km weiter westlich zu sein. Und dann? Dann ist alles umgekehrt. Aus den 10 Tagen wird ein Zeitabschnitt, der - an sich kurz, viel kürzer erlebt als Weihnachtsfeste vor 40 ;-) Jahren - doch alles entrückt, fern und unwirklich werden lässt. Freilich haben sich Schüler gemeldet, hat man Präsentationen für die mündlichen Prüfungen korrigiert - das Internet macht es möglich und zwingt zugleich, nun auch zwischen den Feiertagen zu arbeiten (eine Premiere!) - aber doch war die Ukraine so unendlich weit weg. ungefähr so weit weg wie Deutschland, wenn man - von Leipzig erst eine Tagesreise entfernt - den blau- gelben Schlagbaum passiert hat...

Egal. Da ich nicht allein zurück fuhr, wir hatten schon in der Ukraine geplant, ein "Fuhre" zusammenzustellen, hatte das Abschiednehmen am Tag vorher noch die Komponente des Leipzig- Vorzeigens. Zuerst traf Dascha ein, die Leipzig schon kannte und die es als Hauptstädterin (Kiew!) höchstens mit dem gerade erlebten Berlin verglich. Nicht so doll... Dann kam Katharina, die mit 8 Jahren schon mal hier bei Verwandten war. Die lässt sich sowieso nix anmerken, ganz cool, höchstens wird klar, wie sehr sie sich auf Marta, die Freundin aus Lwiw (Lemberg) freute. Was, deutlich zu sehen (Bild oben), auf Gegenseitigkeit beruhte. Marta freute sich aber wohl auch über Leipzig. Warum sollte sich die Leonbergerin (Leo- Löwe- Lew- Lwiw...) auch nicht wohl fühlen in der Stadt des Löwen- Wappens? Das Viech, das sie hier so lieb hat, gleicht in der Tat den Skulpturen ihrer Heimatstadt. Sie hatte überdies Silvester in Wien verbracht und sich dann kaum an Berlin gewöhnen können. Na ja, Lemberg als galizisches Wien...- da ist ein bisschen was dran. Vielleicht kam ihr das altehrwürdige Leipzig vergleichbar museal und ein bisschen weniger unübersichtlich als das vielgesischtige Berlin vor? Im "Coffe- Baum" immerhin dürfte sie sich an Wien erinnert gefühlt haben...

Den Abend verbrachte ich packend und die "Bande" spielte am langen Tisch. Es war ziemlich "kuschelig" in unserer kleinen Hütte, in der so ziemlich jeder freie Fleck besetzt bzw. mit Gepäck belegt war. Anderntags ging es dann los. Schnee ab Altenberg bis Bratislava. Ziemlich glatte Autobahn- 6 Fahrzeuge hatten es nicht geschafft und lagen im Graben bzw. hinter den Leitplanken. An der tschechisch- slowakischen Grenze winkte die Polizei die LKWs aus dem Verkehr. Die Autobahn wurde also gesperrt. Wir hatten aber das Schlimmste hinter uns. Bis Budapest Regen. Den Tag darauf Frühlingswetter: strahlender Sonnenschein und Temperaturen bis 14 Grad (in Mukaczewo!) Erst ab Drohobych, wo wir Katharina absetzten, kam Nebel auf. Ab Lwiw, wo Marta von ihrem Freund in Empfang genommen wurde, "dicke Suppe". Bei teilweise spiegelblanker Fahrbahn (überfrierender Regen) und Sichtweiten zeitweise um die 20 m ahnte Dascha kaum, wie hart wir oft am Abgrund schwebten. Der Omega schlingerte wie auf hoher See, lag aber doch stabil in der Linie, die uns "nach Hause", also in die eiskalte Bude nach Ivano brachte. Und da bin ich nun wieder...

Wismar im Urlaub

Wismar im Winter. Ein paar Tage vorher hatte noch Schnee gelegen. Endlich mal wieder weiße Weihnacht an der Küste! Doch dann verflüchtigte sich die weiße Pracht und übrig blieb einfach ein klarer kalter Wintertag, der die Wismar- Bucht am 26. 12. in tiefer Ruhe erstarren ließ. Das Wasser lag wie mit Blei übergossen da und kein Kräuseln störte den Eindruck einer fast erhabenen Stille, die das Kreischen der Möwen mühelos in sich aufnahm...

(Ansicht der Holzwerke vom Wendorfer Strand aus)

Merkwürdig, wie das halbe Jahrhundert, das ich nun schon auf der Erde wandele, die Wahrnehmung verändert: Ganz früher schien es unmöglich, dass sich der vertraute Anblick der Steilküste je ändern würde. Irgendwann um die Zeit der Oberschule herum irritierte zwar die Rück- Verlegung des Küstenwanderwegs, der zu einem mit Asphalt überzogenen Radweg ausgebaut wurde, am Gesamteindruck änderte das jedoch kaum etwas. Die Bäume wurden etwas größer- das ja. Aber sonst?

Heute nun ist alles merklich anders geworden. Von Jahr zu Jahr scheinen die Veränderungen schneller und schneller zu werden. Wo ist der Baum hin, von dem ich einst mit 8 oder 9 Jahren Mutsprünge vollbrachte? Die See hat ihn mitgenommen wie sie auch an dem Wurzelwerk der anderen Bäume in Ufernähe nagt. Längst verschwunden sind die alten Seebrücken und an die Treppen vom Strand die Küste hinauf erinnern nur noch die fremd und verloren weit vor dem Steilhang herum liegenden Betonsockel. Vor nicht allzu vielen Jahren waren sie in den Abhang eingelassen. Wann nur entfaltet die ruhige See diese Kraft?

An all das musste ich denken, als das Licht des Tages entschwand und für einen kurzen Augenblick ein unvergleichlich gleißendes Abendlicht erstrahlen ließ. Man denkt, Naturveränderungen benötigen "Äonen" um signifikant zu werden; jedenfalls scheint es so, wenn man jung ist und sich alles mit einem selbst und um einen herum so schnell ändert. Dann stehen Bäume wie für die Ewigkeit gemacht. Aber kaum wird der Alltag zäher und man denkt, um einen herum passiert kaum mehr etwas und man selbst scheint am ersten Tag eines neuen Jahres noch als der vom vorletzten, zeigen die Bäume an, wie unerbittlich schnell das Rad der Zeit sich dreht. Wir werden ihm nicht entkommen...

Samstag, 26. Dezember 2009

Heimfahrt zu Weihnachten

Aus vollem Lauf also ab in die Heimat Sonnabend war ich noch in Drohobych. Sonntag dann Sachen packen, mit Dasha zusammen die letzten (?) Geschenke kaufen. Geschenke? In den Regalen der einschlägigen Geschäfte warten die Souvenir- Artikel aus aller Welt- nur keine aus der Ukraine. Sogar die traditionellen handgestickten Tischdecken sind nun alle in makelloser Maschinenstickerei zu bekommen. Vorzugsweise bekommt man zu teuren Preisen den Krimskrams, der in Deutschland bei McGeiz oder in den 1- Euro- Läden rumsteht. Billiger Tünneff aus aller Herren Länder. So wurde die Einkaufstour - wie schon die vorigen - zu einer ziemlich frustrierenden und bei minus 16 Grad auch kalten Angelegenheit...

Montag kamen wir, die nach Berlin eingeladene Dasha und ich, gegen 10.00 "vom Hof", was stimmt, weil mein Auto auf dem Schulhof steht. Bis Striyy ging es noch. Ich kannte den Straßenzustand von der Fahrt nach Drohobych. Je weiter es dann aber in die Berge ging, um so mehr zog der Wind am Lenkrad. Schneeverwehungen zwangen immer wieder zu langsamerer Fahrt. Einige auf dem Dach liegende PKW und zwei an Anhängen "gekenterte" LKW mahnten zur Vorsicht. Der sich über die Salzbrühe legende Treibschnee machte die Bahn zusätzlich auch noch glatt. Im Bereich des Karpatenkamms dachte ich zeitweise, der Opel käme den Berg nicht hoch. Aber da nur wenige Fahrzeuge unterwegs waren, konnte ich es mit einem zünftigen Anlauf riskieren und irgendwie machte das Schlingern und Schlittern des Wagens sogar Spaß. Man soll es halt nicht allzu ernst nehmen...

Im Vorkarpatenland ging es dann. Nur von Mukacevo bis zur ungarischen Grenze waren die Straßen kaum geräumt. Da es ab 15.00 Uhr finster wurde, steuerte ich gegen 19.30 das erste Hotel auf ungarischer Seite an. Normalerweise fährt man so 4 h (vielleicht 4, 5 mit der Wartezeit an der Grenze); wir waren also etwas über 8 unterwegs gewesen...

Viel besser wurde es am nächsten Tag zunächst nicht. Bis Niekladhaza Schneeverwehungen und Schneeglätte. Man konnte so 60 bis 80 km/h auf der Autobahn fahren. Nur das Überholen führte regelmäßig zur Herzattacke. Spätestens ab Budapest bis Brno dann strahlend- schönes Winterwetter. Es rollte. In den tschechischen Bergen dann Nebel und nasse, teilweise matschige Fahrbahnen. In Prag verlor ich in Dunkelheit und Nebel an einer Ausfahrt kurz die Orientierung, was eine kleine Altstadtrundfahrt mit Verkehrsstaus, Umleitungen etc. nach sich zog. Wegen der Dunkelheit und des einsetzenden gefrierenden Regens verließ ich die Autobahn Richtung Dresden und übernachtete am Straßenrand.

Anderntags waren die Straßen geräumt und bis Altenberg lief es prächtig. Schlagartig hinter der deutschen Grenze Schnee und Eis auf der Bahn. Winterdienst? Es kamen uns die ersten Fahrzeuge entgegen- so gegen 11.00 Uhr! Von Dresden bis in die Spreewaldgegend ging es dann wieder. Allerdings nahmen die Abschnitte mit festgefahrenen Eisspuren zu. Die Landstraßen über Beeskow bis Frankfurt/ Oder waren gefährlich glatt. Überholen teilweise unmöglich. Nur in den Städten guckte einen die schwarze Asphaltdecke an. Ab Frankfurt - wo wir Anka abholten - ging es gut. Gegen 16.30 stieg Dasha in Berlin in Michas Auto um. Sie werden zusammen Weihnachten und Sylvester feiern. Viel Spaß!

Die Autobahn Richtung Norden war nur feucht. Hier und da zwangen einige Nebelbänke zu langsamerer Fahrt. So schaffte ich es am dritten Tag sogar noch zum Abendessen bis Wismar, wo Weihnachten begann. Heute bin ich sogar schon erholt... Nun ja, das war Ironie und meint, dass man doch langsam älter wird und das an der Zeitspanne merkt, die man zur Rekreation braucht. Egal: Es ist Weihnachten und alles ist gut. Allen Freunden und Bekannten, die das lesen, ein frohes Weihnachtsfest und schöne, erholsame Urlaubstage über den Jahreswechsel. Prosit Neujahr!

Mittwoch, 14. Oktober 2009

Nachträge

Also, es wird mal wieder Zeit, etwas zu schrieben. Zu viele Leute beschweren sich schon, dass sie von mir weder etwas hören, noch etwas sehen. Warum? Die Antwort könnte trivialer nicht ausfallen: Die liebe Arbeit!

Anfangs hielt mich das Super- Wetter davon ab, wenigstens abends, wenn ich frei war, etwas zu posten. Die sommerlichen Temperaturen lockten einfach unwiderstehlich in einen der vielen Biergärten in Ivano. Dann aber merkte ich, wie sehr Nachmittage fehlen können. Durch die Fahrerei nach drohobych ist es ja nicht mehr so, dass man aus der Schule kommt und ein bisschen Unterricht vorbereitet, korrigiert usw. Die zwei Tage sind komplett verloren und dazu der Donnerstag eigentlich auch, da ich hier am Nachmittag am Kopierer stehe und das Material vorbereite. Vorbereitet werden muss die ganze Woche am Dienstag und Mittwoch, wenn ich wenigstens Sonntag und Montag frei haben will...

Aber wer spricht von "frei" haben? Erst korrigierte ich wie ein Verrückter 250 Seiten eines Deutschlehrbuches für Architekten - ein Liebesdienst für meine stellvertretende Direktorin, deren Tochter das brauchte -, dann war Technik für 2 Schulen zu kaufen, es kamen Bücher, die abgeholt und inventarisiert werden mussten und und und. Ich hab schon vergessen, warum ich ab Mitte September so langsam begann, in die Abendstunden hinein zu arbeiten. Irgendwann stellte ich dann fest, dass es - wenn ich was wem schreiben wollte - immer schon 22.00 Uhr war. Und so blieb es, die Zeiten mal ausgenommen, in denen ich in Lemberg zur Weiterbildung und dann mit dem Chef nach Drohobych und Ivano unterwegs war.

Gab es denn gar nichts Interessantes? Nun ja, ein paar Dinge habe ich unternommen, ohne das Neues zu berichten wäre, weil ich überall schon gewesen bin. Einzig den "ukrainischen Vulkan" (Bilder links oben bis Mitte) - also, das ukrainische Internet behauptet in zwei Varianten die vulkanische Abkunft des gemeinten Phänomens - gilt es als Kuriosum herauszustreichen. Variante 1 spricht von einem "Ausbruch" des aktiven Vulkans Ende des 19. Jahrhunderts, Variante 2 sagt, er sei im Zusammenhang mit einem Erdbeben in Rumänien im vergangenen Jahrhundert "aktiv" geworden - ich aber glaube nichts. Mir fielen eher so Sachen wie "Erdpech", "Pechstein" und "Hollenschlund" ein, oder, um es weniger poetisch- historosierend zu sagen: Eine aktive, bis an die Erdoberfläche reichende Erdgasquelle. Immerhin blubbert es dort und gast und das Feuerchen schnauft und faucht wie Belzebub persönlich! Das Ganze ist übrigens unweit von Ivano bei Nadvirna. Man fährt kaum länger als 30 min bis dorthin.

War dann noch in Rogatin, einem Ort, durch den ich schon oft gefahren bin, ohne ihn eines intensiveren Blickes zu würdigen. Allerdings findet sich dort eine der ältesten Holzkirchen der Ukraine. (Bild gerade über dieser Zeile) Mit mir kam auch eine polnische Reisegruppe an, die ebenfalls vor der verschlossenen Tür des als Museum ausgewiesenen Gebäudes ihrer Reiseführerin lauschen musste, die das Ganze mit einem "Typisch! Wie immer!" quittierte. Es ist eine Filiale des Landesmuseums, die von Montag bis Freitag geöffnet haben soll. Na ja. so oft kommt eben keiner und das Gehalt des Personals dürfte nicht eben üppig sein. Würde man drin beten können, wäre die Lage wohl anders. Von Rogatin aus besuchte ich noch Swirsch (Bild links), das im Frühherbst ebenfalls prächtig anzusehen war. Sonst war, wie schon gesagt, nichts los und wenn es etwas gab, hab ich es momentan vergessen.

Jedenfalls hab ich Sehnsucht nach einer Verlangsamung der Zeit, wie man sie wahrscheinlich auf so einem staubigen Traktor erleben kann, der ohnehin für die Wege des Landes besser als mein Omega geeignet ist. Aber was soll's? Die Moderne ist unwiderruflich und ein "Zurück" gibt es nicht. Allenfalls könnte man aussteigen, aber wer kann das schon wirklich? Umsteuern täte not, aber dazu ist der Einzelne nicht berufen. Und so mache ich brav meine Arbeit an zwei Schulen. Rs hat ja auch was Gutes: Die Schülerinnen sind nett und danken einem die Arbeit. Wer kann sonst noch von Dank reden?