Reisebilder aus der Ukraine, der Slowakei, Rumänien und Osteuropa. Reflexionen zum Alltag, Reiseberichte, Kurioses und Interessantes vom Zusammenleben der Völker, Privates für Freunde und Bekannte...

Samstag, 12. November 2011

Wanderung von Kosicka Bela nach Kosice



 Wandern ist - so scheint's - nicht nur des Müllers, sondern auch des (geknechteten) Lehrers Lust! Freitag war Aufräumen, Einkaufen, Saubermachen dran. Abends zur Premiere eines Puppenspiels nach Motiven eines Poems von Maria Zwetajewa. Ich hatte ja ein paar Zeilen Text dafür eingesprochen. Zwiespältige Gefühle nach der Aufführung: Wer ist der Adressat von so etwas? Werden Erwachsene das annehmen? Für Kinder gab es auf alle Fälle zu wenig "action" und zu viel Kopflastigkeit. Schade, dass ich die Texte nicht verstanden habe. Die anschließende Premierenfeier war immerhin landeskundliche interessant. Allerdings saß der belorussische Regisseur am Ende etwas allein im Raum...

Sonnabend dann Korrekturen, Korrekturen, Korrekturen... Außerdem war die Woche vorzubereiten, da sich Michael und Sebastian angesagt hatten. Ich wollte unbedingt fertig werden, um doch mit Meike und Friedrich (Bild oben) das herrliche Herbstwetter ein wiederholtes Mal zu Fuß und in den Bergen zu genießen.

Sonntag gegen 10.00 sind wir dann auch los. Zuerst mit dem Taxi bis fast nach Kosicka- Bela (ca. 14 km). Da war ich schon mit dem Fahrrad. Nun aber ging es auf der anderen Seite in Richtung Kosice. Zwar haben wir die Burgruine, die es dort geben soll, nicht gefunden, aber der Weg war angenehm und wenig beschwerlich. Das Laub hatte schon solch dunkle rostrote bis magnesitgraue Farbe (zweites Bild v.o.) angenommen, wie man es selten sieht. Noch hatte kein Wind mit den Blättern gespielt und so sind sie in reiner "Vollkommenheit" am Ast verwelkt...

Die meiste Zeit liefen wir im Wald, erst gegen Ende kam freies Feld. Hinter der Wegbiegung (drittes Bild v.o.) lag Kosice im Tal. Wir schafften es noch bei Tageslicht. Die Sonne aber stand schon tief am Horizont und tauchte alles in einen goldenen Schimmer. (Letztes Bild) Was will man mehr von solch einem Tag? Zumal liebe Gäste zu erwarten waren...

Mittwoch, 2. November 2011

Allerheiligen in der Ukraine

Was für ein Herbst! All die Tage um die Wende vom Oktober zum November (!) gab es strahlenden Sonnenschein, allerdings Minustemperaturen nachts. Machte aber nichts, nachts liegt man ja im Bett ;-) Dafür kann man vom Auto aus die herrlichen Farben am Straßenrand genießen. (Bild oben) Die Reise gestaltete sich dieses Mal sehr angenehm. In Uzhorod standen bei der Einreise 5 oder 6 Autos vor mir - ich hatte mit Schlimmerem gerechnet. Immerhin sollten auch Slowaken Gräber jenseits der Grenze besuchen. Aber offensichtlich war das nicht der Fall. Bei der Ausreise aus der Ukraine war es noch sensationeller: In Ubla war ich der einzige Klient am Grenzübergang! Wann gab es das jemals vorher? Der Grenzübergang ist also nur zu empfehlen und die 60 km schlechte Straßen (zweites Bild von oben - hier ein gemäßigter Abschnitt, auf dem man sogar noch Auto fahren und dabei fotografieren kann!) nimmt man dann doch gerne in Kauf...

Sonst recht viel Neues für die eingerosteten ukrainischen Verhältnisse. In Lviv schlägt die Euro 2012 nun doch zu: Überall aufgerissene Straßen, in denen das Pflaster neu verlegt wird. Die Straßenbahn fährt künftig auf vorgegossenen Betonplatten, die um die Schienen herum mit Kleinpflasterimitaten dem Straßenbelag angepasst sind. Das sieht gut aus und wird das Fahrgefühl sowohl der Straßenbahninsassen als auch das der Autofahrer erheblich verbessern! Vor einigen Hotels stehen schon Aufsteller oder wehen Bespannungen, die verkünden, man sehe sich 2012 hier wieder. Leider wird auch das verkommene, dafür immer preiswerte "Lviv" renoviert! So schlief ich dieses Mal bei dreifachem Lärm und von unfreundlichem Personal umgeben (nun, das ist nichts Neues!) für den doppelten Preis. 's wird halt alles besser :-( 

Davon ab gibt es aber auch noch den ganzen alten Unsinn: "Lernen deine Kinder auch meine Sprache?" - muss der alte Schewtschenko im Stil sowjetischer Propaganda- Plakate (drittes Bild v.o.) immer noch fragen. Da ist es in der Slowakei wirklich entspannter...

In Ivano wie immer freudiger Empfang. Dieses Mal habe ich ein paar meiner Absolventinnen getroffen, wobei mir das Wiedersehen mit Bohdana besondere Freude bereitete. Sie nahm einfach das Thema wieder auf, bei dem wir uns vermutlich das letzte Mal getrennt haben. Wie kann eine andere Gesellschaft als die heutige aussehen? Wie kann man Mensch bleiben in einem Medizin- System, das nur noch vom Geld regiert wird? Warum sind Eltern in der Ukraine wie sie eben sind usw. usf. Schön, dass wir das noch besprechen können und dass wir uns herzlich verabschieden, obwohl sie - wie immer ;-) - mit mir streiten will...

Bei Konovalovs auch herzlicher Empfang. Taras ist da; Julia ist erkältet und konnte nicht kommen. Und so schwatzen wir bei Bier und Rotwein, bei Adzhika und Helenas Salaten, als wäre ich nie weg gewesen. Aber dann muss ich doch wieder abfahren! Manchmal erscheint es mir regelrecht unwirklich, wie vertraut mir die Karpaten (fünftes Bild v.o.- Grenzland) sind, wie "alltäglich" die Fahrten über das fremde Land... Fremd? Nun ja, ich zuckele hinter einem Beerdigungszug her (viertes Bild v.o.), den man nicht überholen darf, weil man sonst früher in der Grube landet als der Tote. Das ist fremd, weil mich der Zeitverlust ärgert, und doch auch vertraut, weil ich schon weiß, warum kein Ukrainer an so einem Zug vorbei fahren würde...

Den großen Zeitgewinn an der Grenze nutze ich für einen Abstecher ins slowakische Land. Ein Wegweiser - die gibt es freilich in der Ukraine nicht - schlägt mir Inovce vor, wo es eine Holzkirche (Bild unten) geben soll. Die gibt es auf der anderen Seite auch, aber in Inovce steht wirklich ein schönes Exemplar in sehenswerter Umgebung. Wieder überwältigen mich die Farben des weiten Landes. (Zweites Bild v.u.) Irgendwo dahinten liegt die Ukraine. Hier aber ist die Slowakei und es ist auch schön. In ein paar Jahren wird mir die Gegend hier so vertraut sein wie die drüben. Drüben? Ach ja, da gibt es immer noch Grenzen in Europa...

Sonntag, 23. Oktober 2011

Slata Itka- Kosice

 Der Tag begann nicht so vielversprechend: Entgegen der Wettervorhersage sah es ziemlich grau und ganz nach Nieselregen aus. Egal, es war abgemacht. Auf dem Weg zum Bahnhof traf ich meinen Kolln. Burrichter und gemeinsam warteten wir auf unsere Kollegin vom DAAD aus Presov. Mit dem Taxi ging es dann nach Slata Itka, ca. 20 km von Kosice entfernt. Dort angekommen stiegen wir auf ca. 800 m, wobei etwa 400 Höhenmeter zu überwinden waren, wie Friedrich - unser des Weges kundiger Führer und gewiefter Kartenleser - zu berichten wusste. Das Wetter blieb mies, neblig und ziemlich feucht, aber doch regenfrei. Nach dem Aufstieg wanderten wir entspannt auf einem gut ausgeschilderten Waldweg (Bild oben) auf eine Waldhütte (zweites Bild von oben) zu, deren Restauration vielleicht geöffnet haben könnte...

Sie hatte geöffnet und bot Erbsen- Suppe, Krautwickel und Hirschgulasch. Der Hirschgulasch mit so einer Art von Nockerln schmeckte nicht schlecht, obwohl (oder weil?) die Küche mehr als rustikal aussah. Offensichtlich wurden die Speisen auf einem mit Holz befeuerten Herd zubereitet.

Nach der Stärkung ging es bei besserem Wetter, ab und an lugte die Sonne aus den Wolken, weiter auf Kosice zu und wir kamen an der Skistation (zweites Bild v.o.) vorbei, die ich schon auf meiner Radtour entdeckt hatte. Der Abstieg endete - für mich unerwartet - an einem Rast- und Minigolfplatz direkt oberhalb meiner Siedlung. Wir tranken dort einen doppelten Espresso und verpassten den Bus, der nur noch stündlich fuhr. Auf dem nun mir bereits bekannten Weg gingen wir also weiter bis zu dem Punkt unweit des Stadtrandes, den ich schon ein paar Wochen zuvor als "Einstieg" in das Wanderwegenetz ausgemacht hatte. 20 Minuten später war ich dann zu Hause. Wir sind vielleicht 10.15 Uhr losgewandert und waren gegen 17.15 Uhr am Ziel. Etwas mehr als 20 km können es gewesen sein. Dank an den Kolln. Burrichter, der die Idee hatte. Es war sehr entspannend und wird dem Schlaf förderlich sein- hoffe ich ;-)

Samstag, 22. Oktober 2011

Lesefüchse in Bratislava

Ein Projekt zieht um die Welt und kommt endlich in Bratislava an. Ganzschriften lesen in der Schule? Und dann noch auf Deutsch? Es muss für die Kolleginnen und Kollegen eine Qual gewesen sein, Teilnehmer zu finden und sie zu motivieren, ein "Lesetagebuch" zu schreiben und seine Ideen zum Buch auf ein Plakat zu bannen! Doch davon war in Bratislava nichts mehr zu spüren. Die Besten stellten ihre Leseergebnisse souverän vor und die Besten der Besten konnten sogar ein bisschen über die Qualität der Bücher streiten. Ich war nur als Gast geladen- mal sehen, ob ich mir so was in zwei Jahren antue. Nebenbei begleitete ich die Kandidatin aus Kosice (Kristina - zweite v.l.), die immerhin ein Sommerstipedium gewann und mir zusammen mit unserer Freiwilligen Natasha eine angenehme Reisebegleiterin war. Nun ja, 6 h hin und 6 h wieder her... Am Freitag sah es zudem noch ganz danach aus, als sollten wir 6 h im Gang stehen. Gefühlte DDR 1985! Aber dann wurden in der 1. Klasse noch ein paar Sitze frei und ich kam doch noch in den Genuss, meine Reise selbst zu bezahlen - eine Karte kostet 17,60 (die hatte ich zurück bekommen), aber der Zuschlag für uns 3 noch einmal 24 Euro. Aber wir konnten sitzen!

Freitag, 21. Oktober 2011

Serbien- Subotica

 Die Arbeitswoche endete voller Stress, denn es sollte doch Zeit geschaffen werden für einen Besuch bei Alfred und Berta in Subotica/ Serbien. Also galt es die laufenden Arbeiten zu beenden und wenigstens den Montagsunterricht vorzubereiten. Für andere Freunde, für Facebook usw. blieb daher mal wieder keine Zeit. Das scheint mein neues Schlagwort zu werden: Keine Zeit, keine Zeit...

Egal, am Freitag ging es los. Man glaubt kaum, dass es quer durch Ungarn bis in dessen Nachbarland nur 450 km sind. Aber so war es und ich erreichte nach 4,5 h gemütlicher "Benzinsparfahrt" (auf dem Dach schaukelte wieder mal mein Fahrrad!) die ungarisch- serbische Grenze. Misstrauisch beobachtete ich die Schlange vor mir - in die Ukraine hätte ich nun 3- 4 h gebraucht -, aber in knapp 30 min war ich "drüben". Unmittelbar nach der Grenze ein paar verfallenen Häuser, die zu verlassenen Siedlungsteilen gehörten. Ist das Serbien? Nein, schon bald sah ich Hinweisschilder auf ein Erholungsgebiet, auf einen Zoo usw. Die Autobahn ist ok. Ich rufe Alfred, meinen Vorgänger in Ivano- Frankivsk an, er erklärt mir den Weg. "Immer geradeaus, an unendlich vielen Ampeln vorbei bis zum Hotel blablabla und dann links rum. Da steh ich." Und so war es auch: 15 min später lagen wir einander in den Armen. Schön, dass es solche toleranten und großzügigen Menschen (noch) gibt wie Alfred und Berta! (Bild oben)

Das "Besuchsprogramm" begann mit einem Apperitif, Käse und Obst auf der Terrasse ihres Hauses. Rosengarten vor der Tür und Stilmöbel im Innern, Gästezimmer derer zwei... Was will man mehr? Nachdeem wir Bertas köstlichen Gulasch genossen hatten, ging es ab in die Stadt. Anfangs war ich skeptisch, denn die Einfahrt deutete eher auf "sozialistische Architekturtristesse" hin, aber das erwies sich als ganz falsch. Subotica hat ein nettes historisch- historistisches Zentrum, das österreichisch- ungarisch anmutet. Und so ist es bis heute: In der ungarischen Schule Ansprache auf Ungarisch, in der Kneipe um die Ecke in perfektem Deutsch. Das Bier in der Bar ein paar Straßen weiter bestellten wir dann auf Englisch. 

Klar, bei Alfred gibt es Wein und für mich nicht den schlechtesten! So endete unser erster Abend noch einmal auf der Terrasse bei Wein und Käse! Am nächsten Tag war ich neugierig auf die Stadt bei Tageslicht. Wir hatten bei schönem Herbstwetter eine Radtour geplant und begannen sie im Zentrum. Das Rathaus (Zuckerbäcker- Märchen- Jugend- Historismus- Stil oder so ähnlich) ist sehr originell (zweites Bild von oben). Der Platz davor einfach schön. Sehenswert auch die Kathedrale (drittes Bild v.o.). Unweit davon befindet sich der saubere und von Obst und Gemüse in allen Farben strotzende Markt. Alfred brauchte einen Duschschlauch und während wir vor einem einschlägigen Stand noch überlegten, wie wir nach dem Ding fragen sollten, legte uns der Verkäufer schon zwei Schläuche vor: "Ein Meter zwanzig oder ein Meter sechzig?" Deutsch ist bei der älteren Bevölkerung wirklich noch überall präsent! Einfach Klasse auch die Ruine der Synagoge (viertes Bild v.o.). Toll, dass sie renoviert wird. Die Stadt hätte das Geld nun zusammen sagte uns ein Passant vor dem noch verschlossenen Eingangstor.

Dann ging es über Land. Wir waren wohl an die 60- 70 km unterwegs, was angesichts des quasi "ungarischen" Tieflands (Alfred wusste, dass das pannonische Meer einige Meter unter Null liegt!)  kein Problem war. Die Vojvodina, Haupstadt eben Subotica mit ca. 150 000 EW, ist sowieso sehr ungarisch geprägt und die "Kornkammer" Serbiens. Zunächst besichtigten wir das von mir schon vom Auto aus erspähte "Erholungsgebiet", das sich als See mit Park entpuppte. Die Bebauung im Stil des 19. Jhs wirklich sehenswert. Hoffentlich erhält man dieses Ambiente und baut nichts "Modernes" dazwischen! Promenade (Fünftes Bild v.o.).

Dann ging es über Land und über die Dörfer. Weingüter überall (letztes Bild). In den Dörfern kleine Häuser, aber moderne Technik. Da kraucht keiner auf den Knien über den Acker wie in der Westukraine. Ob es den Leuten deswegen besser geht? ich weiß es nicht. Rein "äußerlich" aber hatte ich einen guten Eindruck. Und das Essen in einem der vielen Restaurants war einfach köstlich, so köstlich wie der Wein... Am Sonntag brach ich dann wieder auf. Vielen Dank Alfred und Berta!

Ein Glück, dass ich auf der Rücktour das Krachen über mir noch rechtzeitig bemerkte! Voller Freude über das Wiedersehen mit Zsu, Gabor und Csabi in Niekladhaza hatte ich ganz das Fahrrad auf dem Dach vergessen und war einfach - wie immer - in den Hof von Zsuzsis Haus gestartet. Leider beträgt die lichte Höhe von Gabors Torkonstruktion nur ca. 2,50 m - zu wenig für mein 28er Crossrad auf dem Dach eines Omega :-( . Aber die Konstruktionen nebst Rad erwiesen sich als stabil und es ist weiter nix passiert :-) . Nur das Dach hat nun eine Delle an der Stelle, an der das Pedal des umgekippten Rades auf die Karosse traf. Spät abends war ich dann erschöpft aber glücklich wieder in kosice. Ein schönes Wochenende, obwohl es eine neue harte Woche einleitete...

Dienstag, 18. Oktober 2011

Klara- ein Nachtrag

Ja, Klara gehört auch in die Klasse, aber sie war bei unserem Stadtgang nicht dabei. Hier ihr "Steckbrief":

"Ich heiße Klára Lobová. Ich bin siebzehn Jahre und ich wohne in Michalovce mit meiner Mutter, meinem Vater und Bruder. Ich bin sehr groß, habe braune, lange Haare und braune Augen. In meiner Freizeit höre ich am liebsten Musik (vor allem von Frauen), tanze, fotografiere oder lese die Bücher (Remarque, abenteurliche Bücher, Biographien). Ich tanze in der Folkgruppe Zemplín. Im Sommer schwimme ich und mag zu Film- oder Musik- Festivals mit meinen Freunden gehen. 
In der Zukunft  möchte ich in Frankreich leben und möchte etwas mit Film studieren, aber meine Eltern widersprechen. Ich interessiere mich für Landschaften, Musik und Franzoesische Sprache. Dort gibt es eine schöne Kultur. Ich habe einen älteren Bruder, Peter. Wir haben eine super Beziehung. Wir sprechen viel über unser Leben und gehen zusammen zu Festivals. Ich habe festgestellt, dass Schule und Deutsch schwierig sind. Ich habe Probleme mit der deutschen Sprache, aber ich hoffe, es wird besser. Ich werde versuchen, mich zu verbessern. Herzliche Grüsse, Klára."
Na, das hat sie doch gut gemacht und nun wissen wir ein bisschen mehr über das Leben und die Träume junger Slowakinnen. Mal sehen, ob wir in Zukunft Filme von Klara zu sehen bekommen ;-)

Mittwoch, 12. Oktober 2011

Ausflug in Michalovce I

Da stehen sie also, die Schülerinnen und Schüler "meiner" Klasse II G des Pavol- Horov- Gymnasiums Michalovce. Auf dem Programm stand der versprochene Stadtgang mit anschließendem Kaffee- Besuch ;-) Und das am Tag des Gründungsjubiläums des 1989 eröffneten Gymnasiums! Hier ein Text vom Michal Hezely (auf dem Bild der Dritte von rechts):"Das Gymnasium Pavol Horov ist die größte und älteste Schule hier in Michalovce (meiner Meinung nach die Beste). Sie ist nach dem Dichter Zemplins Pavol Horov benannt, dessen Büste vor der Schule Regen, Schnee und Staub fängt ;-) Das Gymnasium besuchen ca. 900 Schüler. Es hat zwei Turnhallen, eine kleine - die alte - und eine große - die neue - Turnhalle, eine kleine, aber wirklich klitzekleine Kantine (da passen vielleicht 40 Leute rein und das Warten auf Plätze lohnt sich die meiste Zeit nicht, weil das Essen meistens... - tja, unappetitlich ist) und noch einen Schulhof. Das Schulgebäude ist dreistöckig und hat viel zu viele Treppen! Der Alltag wiederholt sich meistens: In die Schule voller 'Freunde' watscheln, die Große Pause und dann ab ins Büfe! Danach heißt es sich langweilen bis zum Schulende!"
Soviel also zur Schule. Bei leichtem Nieselregen gingen wir los, die Stadt zu erkunden, genauer: Mir die Stadt zu zeigen! Michalovce? Michalovce liegt 60 km von Kosice in Richtung Ukraine. Hier ein Stadtporträt von Dominika (zweites Bild v.o.) und Klara:

"Michalovce ist eine ostslowakische Stadt, die am Fluss Laborec liegt. Es ist das industielle und kulturelle Zentrum von Niederzemplin. Diese Stadt ist nur ein paar Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. 40 000 Einwohner leben hier. In der Nähe sind manche Erholungsmöglichkeiten, z.B. die Seen Zemplinska Sirava und Vinne und auch der erloschene Vulkan Vihorlat. Seit ein paar Jahren besuchen sehr viele Touristen diese Orte."

Weiter geht es mit Ivanna (drittes Bild v.o.) und Miroslava (viertes Bild v.o.):

 "Die erste Information über Michalovce kommt aus dem 13. Jahrhundert. In Michalovce hat die reiche Familie Sztaray gelebt, die ein Schloss gebaut hatte. In diesem Schloss gibt es heute das Museum über die Natur und Archäologie. Neben dem Museum gibt es hier viele alte Gebäude... Dazu gehört auch unser Gymnasium. Das ist die älteste Schule in Michalovce. Sie war in 1922 gegründet."

Aber auch Peter (fünftes Bild v.o.), Petra (sechstes Bild v.o.) und Roman (siebtes Bild v.o.) haben noch etwas zu sagen:

"Wir haben viele Denkmale. Auf dem Hügel Hradok ist die Kapelle "Geburt der Jungfer Maria". Sie ist sehr wichtig für Michalovce. Sie war die erste Kirche in Michalovce. Neben der Kirche ist unser Museum von Zemplin. Im Stadtzentrum ist das alte Rathaus. Ein großes Denkmal in Michalovce sind der Judenfriedhof und der Friedhof der Roten Armee. In Michalovce gibt es viele Sportclubs. Wir haben den Fußballclub MFK Michalovce, den Eishockeyclub HK Dulla, den Handballclub Ivventa und den Volleyballclub FBK Michalovce. In der Freizeit ist es gut, im Zempliner Einkaufszentrum einzukaufen. Hier gibt es viele Geschäfte für Essen, Kleidung usw. Für einen Ausflug ist sehr gut die Burg von Vinne - das ist ein toller Platz für Touristen. Für Rekreation und Schwimmen und Urlaub sind der Zemplinska Sirava und der Vinne- See besonders zu empfehlen."

  
Soweit also die Schüler. Einige der erwähnten Sehenswürdigkeiten haben wir heute besichtigt, wenn auch die Qualität der Fotos eher mau ist- es regnete! Von der Schule aus gingen wir auf den nahe gelegenen Boulevard. Wir stießen auf die Fußgängerzone an einer Kreuzung, an der mehrere Gebäude im Stil des Historismus so etwas wie ein kleines "historisches Zentrum" bilden. Dahinter - das wusste Dominika, deren Großvater zur jüdischen Gemeinde gehörte - stand einst die im Krieg zerstörte Synagoge. Unweit davon steht allerdings noch ein altehrwürdiges, seinem Äußeren nach unschwer als "jüdisch" zu identifizierendes Gebäude, in dem heute ein Laden untergebracht ist. Sonst ist der Boulevard eher modern. Ein Blickfang ist das unweit des historischen Rathauses gelegene Areal eines Wasserspiels mit einer Skulptur "Frühling" im Zentrum. (Achtes Bild v.o.) Modern, aber durchaus sehenswert! Überhaupt macht der Boulevard, obwohl relativ stillos, doch einen angenehmen Eindruck.

Dann ging es am Krankenhaus und dem Kaufhaus vorbei den Boulevard abwärts. Am Ende, hinter dem Busbahnhof, stießen wir dann auf das erwähnte Schloss. (Zweites Bild v.u.) Es ist offensichtlich mehrfach umgebaut worden. Der heutige klassizistische Bau ruht wohl auf älteren Fundamenten und könnte einst wie eine Burg ausgesehen haben. Jedenfalls wird das Portal von zwei gestutzten Turmrümpfen flankiert. Insgesamt ist es aber viel kleiner, als ich gedacht hatte. Hinein gehen konnten wir leider nicht, denn es fand darin gerade der Tag der psychiatrischen Pflegeeinrichtungen der Region statt.

Hinter dem Schloss steht dann die älteste Kirche Michalovces. (Letztes Bild unten) Auch von ihrem Alter ist nicht mehr viel zu sehen, denn nach einer Zerstörung wurde sie - evtl. auf den alten Fundamenten - in einem schlichten barockisierenden Stil wiederaufgebaut. Hier ist die Domäne von Roman, der sich römisch- katholisch bekennt und hier als Ministrant Dienst tut.

Dann mussten wir den Rundgang leider abbrechen und vor dem Starkregen fliehen, der nun einsetzte. Die Schüler waren vielleicht sogar froh, denn Tee trinken ist doch allemal besser, als von dem Deutschen ständig nach Dingen aus der Geschichte befragt zu werden und dann noch auf Deutsch antworten zu müssen. ;-) Aber sie haben sich wacker geschlagen, das muss man sagen. Michal spricht sowieso fast fließendes "Jugenddeutsch", Dominika kann viel erzählen und kennt die jüdische Geschichte, Ivana war die Spezialistin für Baustile und Miroslava konnte auch dies und das zu den Religionen sagen. Ihr Vater ist Pfarrer. Von Peter erfuhr ich etwas vom Fußball- er spielt im Club. Roman, das habe ich schon gesagt, war der Mann der Kirche und auch Jakub, der sehr mit dem Deutschen zu kämpfen hat, gab sich Mühe, mit mir zu reden. So muss es sein. Das war eine gute Sache. Weiter so!