Reisebilder aus der Ukraine, der Slowakei, Rumänien und Osteuropa. Reflexionen zum Alltag, Reiseberichte, Kurioses und Interessantes vom Zusammenleben der Völker, Privates für Freunde und Bekannte...

Sonntag, 2. September 2012

Grudziaz



Rückreise. Ich wollte unbedingt einige meier polnischen Freunde sehen und fuhr daher über Grudziaz (Graudenz) und Ciechicinek nach Kosice. Klar, das ist der direkte Weg ;-) Aber egal, Freundschaften bestehen nur, wenn man sie auch pflegt. Natürlich wurde ich weder von der Gastfreundschaft bei Wiesia noch bei Miros ettäuscht. Wir hatten zwei schöne Abende. Interessant fand ich die Sanierungsarbeiten in Grudziaz, wo ich einen Vormittag Zeit hatte, allein durch die Stadt zu ziehen, in der mit Euromitteln Erstaunliches aus der ehemals verfallenden historischen Bausubstanz "rausgekrazt" wird. Bald gibt es hier ein sehenswertes Städtchen, das sowieso malerisch an der Weichsel (Bild oben) gelegen ist. In der restaurierten Altstadt (hier die öffentlichen Speicher der alten Ordensstadt (Bild Mitte links) kann man die sprichwörtliche Meisterschaft polnischer Restaurateure und Bauleute schon bewundern. Rings um die Reste der Stadtbefestigung (Bild Mitte rechts) und den deutlich am Straßenverlauf erkennbaren Stadtwall sind Promenaden mit viel Grün angelegt. Bewohner und Touristen wird es freuen. Zum ersten Mal sah ich die am Hochufer der Weichsel gelegenen Ruinen der alten Ordensburg. Sie wird als Ruine erhalten. (Bild unten) Ja, es ist schon erstaunlich, wie sehr sich Polen in den 12 Jahren meiner Abwesenheit verändert hat. Gut, dass die Veränderungen nun auch die Provinz erreichen. Bei all den Problemen mit niedrigen Einkommen und Arbeitslosigkeit kann die Restaurierung der Städte doch ein Signal sein. Sie schafft Arbeit und Freude. Wer lebt nicht gerne in einer schönen Stadt?

Chernivci- Bratislava- Prag

Das Wetter war mittlerweile hochsommerlich heiß und Uta wollte nicht in die Wohnung in Kosice. Wenn wir schon mal wieder da sind, könnten wir uns auch Chernivci noch einmal ansehen. Warum nicht? Mit mir doch immer ;-) Wir genossen beide, keine Touristen sein zu müsse, die alles in kürzester Zeit abknipsen und dann wieder im Bus verschwinden. In einer schönen Stadt sein, die man kennt, brigt die Muße, abends auf der Kobylanska unterm Schirm zu sitzen und die Leute zu beobachten. Da hat man dann immer was drüber zu reden...

Die Tour nach Bratislava war dann eine Ochsentour von 12 Stunden Fahrt. Aber das Wetter blieb schön und so machte es mir wenig aus. Anderntags Stadtbesichtigung. Die Slowaken schimpfen auf ihre provinzielle Hauptstadt und vergleichen sie immer noch (neidvoll) mit dem weltläufigen Prag. Dabei hat die Beschaulichkeit der Altstadt unter dem Schloss (Bild oben) durchaus ihre Reize. Vor allem ist man nicht so üerreizt, so reizüberflutet wie in Prag, wo wir einen Tag später ankamen. Die imposante Donau- Brücke (Bild Mitte), der allerdings Teile der Altstadt - u.a. die Synagoge - weichen mussten, würde noch am ehesten nach Prag passen; der gemütliche Gulli- Mann (Bild unten) schiene dort allerdings deplaziert. Von Schweijkscher Gemütlichkeit ist rund um Wenzelsplatz, Karlsbrücke und Hradschin nichts mehr übrig. Ja doch, Prag war auch schön; der Abend auf einem "Moldau- Bootel" darf sogar "beschaulich" genant werden, aber davon ab sollte man lieber im Frühjahr oder im späten Herbst in die Metropole reisen. Und möglichst nicht mit dem Auto! Die Parkplatzsuche nervt schon ein bisschen...

Am 23. 08. - 10 Tage nach dem Beginn der Osteuropa- Reise - war unser Urlaub dann Geschichte. Für Uta begann die Vorbereitungswoche und ich fing an, die Sachen zu packen,,,  


Klettern am Dovbush- Wandern am Hoverla

Uta hatte sich eine Kletterpartie gewünscht und meine jungen Freunde Taras, Ira und Anja waren sofort bereit, das zu organisieren. So ging es am Morgen des 17. 08. zu den Dovbush- Rocks ;-) Während ich seinerzeit nur eine Strecke absolviert hatte und auch Dasha an der zweiten Wand scheiterte, meisterte Uta sowohl Wand 1 (Bild oben und zweites Bild von oben) als auch Wand zwei. Naja, mit tatkräftiger Zughilfe von Anja, aber eben doch!

Der Tag klang, wie konnte es anders sein, mit einem Fischgrillen in Juris Privat- Koliba aus. Das Wetter hatte sich gebessert und versprach sommerlich zu werden. Und so kam es am nächsten Tag, an dem wir zum Hoverla ausfbrachen. Allerdings nahmen wir nicht die Route den Berg hinauf, sondern erstiegen etwas abseits einen Wasserfall. Natürlich muss man sich auch hier zunächst einmal stärken. (Drittes Bild von oben) Juri, auf dem Bild stehend, fand - wie immer - keine Ruhe. Kann der Mann überhaupt sitzen? Wenn abends alle müde in seiner Koliba sitzen, teilt er das Bier aus und bereitet das Shashlyk am Grill...

Der Aufstieg war schön. Interessant dann der Abstieg über unwegsames, im Wortsinne wegeloses Gelände. Sergej und Juri stritten noch etwas über den besten Weg, als der Dritte Wandersmann, Biologe und Karpatenkenner, schon fast unten angekommen war. Wir folgten ihm über Moosmatten und einen Grasbewuchs, der weich wie Schaumstoff, dafür aber glatt wie eine Plasikfolie war. (Drittes Bild von unten) Ich schaffte es, einen kleinen Steinschlag auszulösen, der nicht ungefährlich war. Jedenfalls sah ich mit einiger Besorgnis den großen Brocken hinterher, die auf den Biologen und seine Frau zurollten. Zum Glück passierte nichts.  

Bei klarem und sonnigem Wetter hatten wir berauschende Ausblicke von vielleicht 1800 m Höhe weit ins Land. Juri zeigte mir all die Berge, auf denen wir gemeinsam zu Fuß oder mit dem Rad gewesen waren. Er zeigte mir auch noch diejenigen, auf die wir hätten noch steigen oder fahren können, wen ich länger geblieben wäre. Wehmut. Ich nahm mir vor, dass wir das alles noch schaffen. Wozu im Urlaub irgendwohin in eine Stadt reise, mit der einen nichts außer musealem Interesse verbindet, wenn man stattdessen mit liebgewordenen Meschen auf Berge steigen kann? Vielleicht auch, weil die Freiheit da oben (wirklich) grenzenlos ist...

Nicht weit weg grüßte der Hoverla, mit etwas über 2000m der höchste Berg der Ukraie (Bild unten). Wozu dort noch einmal hinauf? Wie ein Ameisenzug schlägelten sich die Touristengruppen den schmalen Pfad entlang und über allem glitten zwei Drachensegler dahin, die also auch dort oben irgendwo ihre "Basis" haben mussten. Lange bleibt eben kein Paradies ein Paradies. Wenn es da oben irgendwo einen Gott gibt, dann zeigen die Berge anschauliche, wie nicht er die Meschen, sondern die Menschen ihn aus seiner Höhe vertreiben...





Urlaub: Krakow- Kosice- Lwiw

 Am 13. 08. brachen Uta und ich auf in den Urlaub. Erste Station war das schöne, leider ziemlich verregnete Krakow. Über Kezmarok fuhren wir dann nach Kosice, wo es auch nichts mit dem von mir erhofften Bierchen unterm Sonnenschirm wurde. Bei durchwachsenem Wetter erreichten wir dann am 15. 08. Lwiw. Die Fahrt geing über Uzhorod, wo ich endlich mal Muße hatte, den hässlichen "Palast" am Grenzübergang zu fotografieren. Früher Wohnhaus des Eisenbahnministers (?) ist er nun eine Casino. (Bild oben) Abends in Lwiw in der "Goldenen Rose". Das Gelände der alten Synagoge ist eingezäunt und auf einer Tafel finden sich die Entwürfe einer Memorialbebauung, die den Schandfleck an der alten Stadtmauer ersetzen soll. Gut so. Mal sehen, wie die Erinnerung an eien bedeutenden Ort osteuropäischen Judentums in der Stadt der Nationalisten und eines weit verbreiteten Antisemitismus aufgenommen wird...

Anderntags hörte wenigstens der Regen auf. Zum ersten Mal bestieg ich mit Uta und Marta, Absolventin aus Drohobycz, die uns führte, den Rathausturm. Ja, ein schöner Anblick bietet sich von da oben. (Bild unten) Abends kamen wir dann in Ivano an.

Kamen und Unna

Anfang August verschlug es mich zu einem polnischen Freund nach Kamen im Ruhrgebiet. Kamen = wer denkt da nicht an die slawische Wurzel für "Stein"? Aber sei's drum, mich interessierte mehr das sagenumwobene "Unna", der - wie mir scheint - heimlichen polnischen Hauptstadt in Deutschland. Schon in den 90er Jahren hatte ich in Polen über das "UN" auf den Nummernschildern so vieler Austos aus Deutschland gestaunt und langsam gelernt, dass deren Insassen oft nur bruchstückhaft Deutsch sprachen. Hier, in Polen, wo sie ihre Verwandten besuchten, waren sie wirklich "zu Hause". Tomek, dessen Eltern zu dieser Generation ausgewanderter Polen gehöre, zeigte mir bereitwillig die Stadt, die (oben) auch schöne Ecken hat. Insgesamt allerdings überwiegt die Tristesse gesichtsloser Betonneubauten aus den 60ern und 70ern. Sozialismustypisch war das also nicht wirklich! Und obwohl ringsherum Dönerbuden, Autoaufbereitungen und andere Indizien neuer Armut das Stadtbild prägten, finden sich auch alle Anzeichen von Reichtum. Billig sind die Yachten jedenfalls nicht, die in der Marina am Kanal vertäut sind! Egal: Gut, dass ich dort nicht wohnen muss.   


Ilow im Juli


Eigentlich gehören hierher keine Urlaubsgeschichten aus Deutschland. Aber da es sich bei dem Geschichtslehrpfad im Örtchen Illow bei Wismar um einen kaum bekannten "begehbaren" Beitrag zur Geschichte der Slawen und der Deutschen handelt, sei hier eine Ausnahme gemacht.

An einem schönen Tag Mitte Juli erkundete ich jedenfalls, was es in meiner alten mecklenburgischen Heimat Neues gibt. Ich stieß neben dem "Steinzeitdorf" bei Klütz auch auf das Klanghaus in Ilow. In einigen Gebäuden des ehemaligen Gutes haben sich Künstler eine Bleibe geschaffen und es sind auch ferienwohnungen im Bau. Vom Gut geht ein malerischer Pfad zu den Resten des slawischen Burgwalls. Als wäre der Weg durch die sumpfigen Wiesen und bewaldeten Hügel nicht an sich schön genug, hat jemand ganz zum "Ambiente" passende Stelen am Wegrand postiert. Sie bezeichnen jeweils einen Moment des Verteidigungskampfes der slawischen Einwohner unter Niklot gegen die andrängenden Deutschen aus dem Reich. Schlachten und Burgen, die Taufe und die Einsetzung Pribislaws als Herzog im Reich - das sind einige der geschilderte Stationen, die gleichsam aus der urwüchsigen Landschaft aufzusteigen scheinen. Wer immer die kleinen Kunstwerke geschaffen haben mag, ihm gebührt Dank.   






Dienstag, 3. Juli 2012

Chernivci und Ivano

 In der Woche passierte nicht viel und ich saß an meiner neuen Video- Schnitt- Software und probierte dies und das. Wir haben von den bisherigen Projekttagen schon so viel Material im Kasten, dass ich noch gar keine Übersicht habe, was man wozu verwenden kann. Besonders elend gestaltet sich aber die Suche nach passender freier Musik...

Da kam das Wochenende gelegen. Am 29. fuhr ich bis Nyekladhaza, weil meine Freundin Zsu Geburtstag gehabt hat und ich früher nicht fahren mochte. Am Freitag hatte ich sie für mich allein- da hat es sich gelohnt ;-)

Dann ging es Sonnabend weiter nach Chernivci. An der Grenze standen mehr Autos, als ich dort jemals gesehen hatte. Schweden, Tschechen, Slowaken, ein paar Italienier - vielleicht wegen dem Endspiel - Ungarn und Ukrainer. Normalerweise hätte das 7- 9 Stunden gedauert. Aber, wenn man will, geht es auch schneller. Dieses Mal musste gewollt werden und so hatte ich die Prozedur, die nicht einmal eine war, da man sich auf die Ausweiskontrolle beschränkte, in etwas mehr als einer Stunde geschafft. Dann quälte ich mich bis Chernivci, denn all die Autos wollten über die engen Straßen über Rakhiv nach Chernivci, Ivano usw. Überholen war fast unmöglich und so zog und zog sich die Fahrt. Ich wollte um 18.00 Uhr da sein; traf dann Lesia und Roman um 20.30 Uhr am Tschewchenko- Park...

Im Cheremosh spürte man die "Euro 2012"... Am Eingang des fast leeren Hotels saßen 3 Wachleute, die mich am Eingang aufhielten und ziemlich dümmlich fragten, was ich in dem Hotel wolle. Nun ja, was will man in einem Hotel... Die leicht erhöhten Preise rechtfertigt man mit erfolgtem "remont" und in der Tat gab es in meinem Zimmer neue Billigarmaturen. Nur warmes Wasser gab es leider - wieder mal - nicht :-( Dafür gab es aber eienen schönen Abend mit Roman, Lesia und Ihor.

Am anderen Tag trafen wir uns zum Frühstück in dem Cafe, in dem Roman arbeitet. Dieses Mal war Diana dabei und weil die sich so ukrainisch als es nur geht zurecht gemacht hatte, war ein Foto unausweichlich ;-) (Bild oben: ich, Roman, Lesia, Diana) Am Nachmittag war ich dann mit meinen Lieblingen aus dem letzten Absolventenjahrgang (Kolja, Lena, Ania und Evgenia) in einer Pizzeria. Abends dann Finalspiel der Fußball- EM mit Kolja und Olha im "Bierplatz". Ich war wirklich kaputt danach...

Montag zu Mittag Mittagessen mit Alisa. Dann Fahrt nach Ivano und dort abends Treffen mit den "üblichen Verdächtigen" (Taras und den Konovalovs). Juri und Helena hatten 100 km Bergradtour in den Knochen und waren hungrig. Klar, ein schöner Abend. Die Rückfahrt verlief ebenfalls problemlos. An der Grenze stand niemand! Bemerkenswert nur die Riesenflora am Straßenrand (Bild zwei und drei von oben). Die Gewächse sehen aus wie Mutationen nach Tschernobyl! Ein paar Kilometer weiter und sowieso auf slowakischer Seite haben die Pflänzlein dann wieder das auch bei uns bekannte Kleinformat ;-) Warum das Opelbild unten zu sehen ist? Wir werden uns nun wohl doch trennen! Nicht nur wegen des Rosts, sondern weil die Motorkühlung schon wieder Macken hat. Er ist eben in die Jahre gekommen und es lohnt nicht, noch mal etwas zu investieren. Der TÜV ist im Februar...