Reisebilder aus der Ukraine, der Slowakei, Rumänien und Osteuropa. Reflexionen zum Alltag, Reiseberichte, Kurioses und Interessantes vom Zusammenleben der Völker, Privates für Freunde und Bekannte...

Sonntag, 12. April 2015

Noch einmal: Vom Dargovský priesmyk über Slansky hrad nach Košice

Ich wollte es doch wissen! Wie ich seit heute weiß, war ich gestern ca. 15 km zu Fuß unterwegs, hatte dabei aber nicht wirklich was gesehen. Dieses Mal wollte ich mit dem Rad die Gegend erkunden und das gelang auch. Zunächst bin ich über Ťahanovce nach
Košická Nová Ves durch den Wald und dann auf die Hauptstraße nach Košické Oľšany. Zwar ist der Seitenstreifen breit genug, aber der Verkehr und was einem die Autos so ins Gesicht blasen/ aufwirbeln ist doch elend. Aber immerhin kam ich so relativ schnell nach Svinica, wo ich mir die Zeit nahm, endlich mal die als Architekturdenkmal ausgewiesene Reformierte Kirche (Bild oben) in Augenschein zu nehmen. Beeindruckend. Schade, dass nicht geöffnet war.

Der Anstieg zum Dargov- Pass war dann gar nicht so schlimm, wie ich mir das vorgestellt hatte. Nur 5km und nicht zu steil. Dafür hatte ich gestern beim Wandern kein Gefühl für den Daueranstieg auf dem Passweg entwickelt. Mit dem Rad wurde es doch anstrengend, denn es ging vielleicht 12 oder 15 km nur bergan! Aber zu sehen gibt es doch etwas! Etwas unterhalb dieser urtümlichen Baumriesen (Bild zwei) findet sich nämlich ein Steinhaufen, der auch Backsteine eines ungewöhnlichen Formats enthält. Ein eher unprofessionelles  Blatt, eingesteckt in eine Klarsichtfolie und an einen Baum genagelt, vermeldet, hier habe ein "Lovecký zámok" gestanden. Zamok? Naja, vielleicht eine Jagdhütte? Bei genauerem Hinsehen schien es mir, als könne man noch Fundamentreste eines Turms (Bergfried?) erkennen. Aber sonst liegt der Ort wehrtechnisch eher unspektakulär. Ich bleibe also bei meiner Interpretation "Jagdhütte". ;-)  Na, sei's drum.

Dann ging es kilometerweit bergab und in null komma nix radelte ich an der weithin sichtbaren Ruine von Burg Slanec vorbei. Besichtigung beim nächsten Mal! ;-) Über Bohdanovce und ein paar andere kleinere Nester näherte ich mich Kosice dann von Süden. (Bild 3) Dort war ich noch nie. Verführt durch ein Ankündigungsschild bog ich nach Nižná Myšľa ab, wo es einen Archäologie- Park zu bestaunen gäbe. Leider stand nur an der Straße ein großes Schild, im Ort war es den Bürgern offensichtlich nicht wichtig genug, auf ihre lokale Sehenswürdigkeit hinzuweisen. Ich fand nur Zigeunersiedlungen, sonst nichts. :-( Aber immerhin bot sich am Übergang über den Hornad ein schönes Bild auf die backsite von Košice IV. (Bild vier)

Die Industrialisierung, in diesem Falle handelt es sich wohl um geflutete Kiesgruben, hat auch Spuren hinterlassen. Rings um den kleinen See, von dem man auf die Werksanlagen von United Steel blickt, stehen tote Bäume. Ein eher gespenstischer Anblick. Umso mehr freut sich das Auge dann über einen kleinen Kirchplatz in Čaňa (?), an dem sich u.a. das im letzten Bild zu sehende Haus im altungarischen Stil befindet. Von dort gelangte ich dann auf den "Südring" der Stadt und geradewegs nach Haus. Am Ende war ich etwas über 5 h unterwegs gewesen und hatte ca. 85 km in den Beinen. Aber es geht mir gut- ich hab's wirklich (!) nicht übertrieben!

 





Samstag, 11. April 2015

Dargov- Pass

Ja, der Mann ohne Begleitung ist faul und wäre am liebsten zu Hause bei seinen Büchern geblieben... Bei 22 Grad und strahlend blauem Himmel? Das denn doch nicht! Und so nahm ich all meine Initiative zusammen und lenkte mein superbes Fahrgerät zum Dargov- Pass. Dort kann man in zwei Richtungen auf einen Gipfelwanderweg einbiegen, der wohl in Richtung Ungarn mindestens bis Trebisov und Richtung Polen über Presov hinaus reicht. Es ist dies auch ein Radwanderweg.

Ich versuchte zunächst, möglichst schnell auf den "Gipfel" (ca. 890m) und zu einem Rundblick zu kommen. Das klappte auch. Vorbei an Holzeinschlaggebieten (Bild oben) ging es zu einem Aussichtspunkt, von dem aus man die Straße in Richtung Kosice einsehen kann. Wieder absteigend erreichte ich - vorbei an Birkenhainen (Bild zwei) - den Wanderweg, der eigentlich eine Straße ist. (Bild 3) Wie weit ich ging, weiß ich nicht. An die zwei Stunden bewegte ich mich auf dieser Straße, die nicht eben mit Anstiegen glänzte. So wurde es mehr ein Spaziergang, denn eine (Berg)Wanderung. Aber ich erreichte keinen weiteren Ausblick; es ging immer im Wald und meist an einem Bach entlang. Das war natürlich auch schön, vor allem schön ruhig. Leider musste ich denselben Weg wieder zurück...


Mag sein, ich versuche morgen, dorthin mit dem Fahrrad zu kommen. Mich interessiert doch, wo man aus dem Wald hinaus kommt und die Bergkette verlässt. ;-) Ansonsten überall Spuren von Holzwirtschaft. Dabei muten einige der Fahrzeuge an, als stammten sie noch aus dem letzten Krieg. (Bild 4) Der Krieg ist allerdings gegenwärtig. Unweit des Parkplatzes erinnert eine Gedenkplatte an zwei Soldaten, die noch 1947 bei Minenräumarbeiten starben. Der Pass war strategisch wichtig, um schwere Waffen und Nachschub über die Berge zu bringen- deshalb gab es dort eine blutige Schlacht. Sicher sind auf russischer Seite weit mehr Soldaten gefallen, als auf deutscher, denn die konnten weit ins Land sehen, während die anderen den Berg hinauf stürmen mussten. Oder gab es massive Unterstützung aus der Luft? Ich weiß es nicht. Am Ende wurde der Pass genommen, wovon heute mehrere Panzer zeugen, die am Pass und unten im Dorf aufgestellt sind. Das Denkmal für die Kämpfer wird gerade saniert. Man bereitet vielleicht dem 08. Mai vor? Auch ein Kiosk hat oben geöffnet. Es gibt Eis am Stiel, diverse Getränke usw. Leider fehlt eine Toilette. Die würde den Eindruck eines interessanten Park- und Rastplatzes zwischen Uzhorod und Kosice komplettieren!





Montag, 6. April 2015

Berlin Lausitzer Platz

Mit Anka waren wir am Ostersonntag in Berlin verabredet. Sie hatte Plätze im "Barakka", einem marokkanisch- ägyptischen Restaurant mit Levante- Spezialitäten am Lausitzer Platz (Im Bild hinter der Kirche), reserviert und wir waren's zufrieden. Preiswert und sehr lecker, dabei urig eingerichtet. Es soll ziemlich gut besucht sein und abends käme es schon mal vor, dass die Gäste die Gerichte über die Tische zum Nachbartisch weiterreichen, weil alle Gänge zugestellt und für die Kellner unpassierbar sind. Da kommt Stimmung auf und so soll's sein. Abends in Leipzig. Ostermontag dann mit Paul Klee im Bildermuseum und dem Ostermarkt auf dem Markt. Langos für 4,- Euro und geschmeckt hat's nicht. Leider. :-( Dafür gab es aber eine interessantes Programm mit alter und Volksmusik (Traditionals).

Ostern- Wismar am Hafen

Zu Ostern waren wir also bei den Eltern in Wismar und da durfte ein Besuch am Hafen nicht fehlen. Das hat ja auch was mit Osteuropa zu tun, denn die meisten Holzschiffe - und damit sind keine Koggen gemeint ;-) - (Zweites Bild) kommen (immer noch) aus Russland. Es war am Freitag ganz schön was los und die Osterferien galten zumindest für den Holzhafen nicht. Wir nutzten die Gelegenheit, "Kultur" in Wismar zu erleben, und besuchten das Baumhaus im Alten Hafen, wo auch mächtig was los war. Die Hafenrundfahrten schienen bei kaltem, aber sonnigem Wetter gut ausgebucht zu sein. Im Baumhaus gab es Bilder von Lili Sommerwind, die nicht weiß, ob sie sich "Sommerwind" oder "Sommer Wind" schreibt. ;-) Ein Künstlername also. Einige Arbeiten waren farblich sehr gelungen und ließen auch die Möglichkeit zu, sich was drunter vorzustellen. (Bild oben) Andere galten mir eher als bloße Farbspielereien, von denen ich auch nicht alle in einer Kneipe oder über'm heimatlichen Kanapee aufgehängt hätte. (Mein Kriterium, ob Kunst "gebraucht" werden kann.) Aber sei's drum. Schön, dass man sich bemüht und im Baumhaus Künstlern die Gelegenheit schafft, sich zu präsentieren.

Am Sonnabend sind wir dann zum Stadtrundgang aufgebrochen, denn im "Welterbehaus", das sich heute dort befindet, wo früher die Gaststätte "Kurpjanka" war, sind wir noch nicht gewesen. Ja, das haben sie schön gemacht. Das alte Bürgerhaus ist interessant saniert, denn selbst "Teil" der Ausstellung. Bis hinten in den Anbau (Kemmhaus? - Google kennt den Ausdruck nicht und ich weiß nicht, ob das Wort von Kammer oder Kemmenate kommt...) hinein ist die Baugeschichte des Hauses von der gotischen Zeit bis hin zu seiner Nutzung als Versammlungsraum des Kulturbundes der DDR dokumentiert. Sehr anschaulich ist im Garten hinter dem Haus in Form eines Brunnens gezeigt, wie die alte "Wasserkunst" betrieben wurde, d.h. wo die Wasserversorgungsleitungen entlang liefen, die schon vor hunderten von Jahren die reichen Bürgerhäuser zentral mit Frischwasser versorgten. (Drittes Bild)

Vor dem Essen beim Griechen im Keller der Marienpassage - sehr (!) zu empfehlen - schafften wir noch einen Besuch in der von mir favorosierten Wismarer Kirche (Zum hl. Geist). Wie immer fand ich den Blick ins "Hospital" (Bild vier) interessant, das zwar sehr viel kleiner als das Hl.- Geist- Spital in Lübeck, aber deswegen nicht weniger eindrucksvoll ist. Auf jeden Fall "gemütlicher". ;-) Man hatte allerdings immer vor Augen, was einen erwartet, wenn man den Kirchenraum betrat. Jedes Mal, wenn ich das Fragment des Totentanzes sehe, frage ich mich, ob die Seelen nun gequält, hoffnungsfroh oder hilfesuchend zum Herren rufen, der - so scheint's - hoch zu Ross daher kommt. Naja, das kann vielleicht jeder für sich entscheiden.

Am Nachmittag waren wir noch im Bürgerpark spazieren, also dort, wo aus einem sowjetischen Militär- Übungsgelände (Panzerstrecke) im Rahmen einer Landes- Garten- Schau ein Park entstand, der nun am Rande des Tiergartens übrig geblieben und dessen Höhepunkt ein Aussichtsturm  ist. Von oben bietet sich ein herrliches Panorama über die alte Stadt, das ehemals "Neubaugebiet" benannte Wendorf mit der Schiffbauhalle (Bild unten) bis hin nach Proseken, dessen Kirchturm unübersehbar am Horizont auftaucht.

Samstag, 21. März 2015

Mit Roman und Ksenia in und um Kosice

Es ist immer schön, wenn man sehen kann, was mit den Menschen passiert, die man früher mal unterrichten durfte. Dieses Mal hatte ich die Möglichkeit, Roman (Chernivci) aus Perkupa in Ungarn (Bild Mitte) abzuholen und einen Tag mit ihm und seiner netten Freundin (Bild oben) zu verbringen. Die beiden nehmen in Perkupa an einem Kreativ- Camp im Rahmen von Erasmus+ teil. Für eine Woche sind sie da und genießen die freie Zeit und die Möglichkeit, für wenig Geld mal wieder ins "europäische" Ausland zu kommen. Für mich war der Kurztrip (57 km) insofern interessant, als ich mit dem ungarischen Grenzland zur Slowakei eine Gegend kennenlernte, die mehr mit der Ukraine als mit der EU zu tun hat. Verfallene Häuser und ein paar "Hundehüttensiedlungen", in denen Zigeuner wohnen. Nachts auf der Rückfahrt war es dort stockfinster- nur in den größeren Nestern gab es so etwas wie Rudimente einer Straßenbeleuchtung. Aus den Fenstern drang gegen 22.00 Uhr kein Schimmer Licht! Das sieht traurig aus. Naja, wir gingen jedenfalls bei schönem Wetter ein bisschen im Tal von Zadiel spazieren und fuhren dann nach Kosice. Nach einem frugalen Mal im "Colonial" fuhr ich die beiden zurück. Schön, dass sie da waren. Schade, dass sie nicht öfter kommen können. Grenzen bleiben Wunden im Fleisch der Völker und diese werden dagegen anrennen, solange es sie (das eine wie die anderen) gibt. Da kann "Europa" seinen Reichtum abschotten wollen, wie es will. Wenn wir Reichtum nicht teilen und damit überall möglich machen, werden wir Frieden nicht sichern können. Man kann auch nicht die Ukraine zum Abnehmer von Rüstungsgütern aufbauen und sich dann wundern, wenn die Einwohner dieses gebeutelten Landes dort weg wollen. Roman wird jedenfalls nicht "mit der Waffe in der Hand" die Interessen der USA und der ukrainischen Oligarchen durchsetzen. Ich wünsche den beiden, dass seine Weigerung eine Chance bekommt!

Lana 8 - Studententheater vom Feinsten

Am Donnerstag spielten Studen/tinnen der PhilFak der hiesigen Universität auf Deutsch ein Stück ("Lana 8") frei nach E.E. Kisch. Der kleine Raum des Marionettentheaters in Kosice war fast voll und die anwesenden Schüler/innen u.a. vom Gymnasium Opatovska kamen auf ihre Kosten. Für Laiendarsteller brachten die jungen Schauspieler/innen das lange und anspruchsvolle Stück mit schöner Leichtigkeit und viel Slapstick über die Rampe. Jan König, im letzten Jahr noch Sprachassistent des DAAD, war wieder mit von der Partie und ich sah mit Dominik Schürger, einem Absolventen aus meiner Opatovska- Zeit, einen urkomischen alkoholisierten Maschinisten. Was für Talente in Menschen stecken, denen man so was als Schüler nie zugetraut hätte... Naja, aus Menschen werden Leute! Auch die beiden "Prostituierten" kamen sehr "echt" (und hübsch anzuschauen) daher. ;-) Danach waren wir mit den Kolleginnen noch in einem ostslowakischen Spezialitätenrestaurant, in dem es nur sauteures, allerdings in der Slowakei gebrautes, "american beer" und irgendein "ale" gab. Spezialitäten im Wandel der Zeit! :-(

Samstag, 7. März 2015

Kosicky hrad

Beim Auto kommt die gelbe Leuchte und da muss man doch mal sehen... Außerdem war schönes Wetter (5 Grad bei strahlend blaubem Himmel) und ich war noch nie auf der Kosicer Burg! Die Reste befinden sich unterhalb des von der Stadt aus sichtbaren Aussichtsturms (Bild oben) in ca. 460m Höhe. Viel ist nicht mehr zu sehen, da die Burg aufgegeben und von den Bürgern als Steinbruch benutzt wurde. Errichtet gegen die Mongoleneinfälle war sie kurzzeitig sogar Königsburg und der Fläche nach bedeutend. Ein paar Mauerreste sind andeutungsweise saniert und umschließen eine Freilichtbühne, auf der im Sommer was los sein soll.

Das ist ehe langweilig, aber man hat von oben einen fantastischen Blick ins Land und über die Stadt. Schön ist der Weg entlang der alten Wehrmauer (Bild zwei und drei) bis hin zum äußersten Wehrturm, der evtl. sogar allein stand und vielleicht als Wachturm benutzt wurde. Der Grundriss ist saniert und man sieht die mächtigen Mauern an der Basis und nur einen kleinen Hohlraum innen. Sonst ist die Anlage nur anhand der Geländemerkmale zu erahnen.

Vom Parkplatz zum Aussischtsturm/ zur Burg führt ein fester Weg. Wer ihn nicht gehen und seinen Kindern was bieten will, kann stattdessen einen kleinen Umweg machen und einen Pfad entlang wandern, der von diversen Schnitzfiguren gesäumt ist. (Bild unten) Das alles, also inklusive der Aufgänge zum Turm und der Umgänge oberhalb der Bühne mit Spielplatz, Versorgungshalle usw., ist wohl mit Mitteln des Kulturstadtjahres gefördert worden, denn es sieht neu aus und ist gut in Schuss.

Ich hatte ein bisschen Entspannung und versuchte danach eine Werkstatt zu finden, die mir den Fehlercode am Motor ausliest. Aber am Sonnabend ist da nichts zu machen. Alle größeren Autowerkstätten haben geschlossen. Denen geht es also nicht schlecht.