Reisebilder aus der Ukraine, der Slowakei, Rumänien und Osteuropa. Reflexionen zum Alltag, Reiseberichte, Kurioses und Interessantes vom Zusammenleben der Völker, Privates für Freunde und Bekannte...

Mittwoch, 19. September 2018

Urlaub- Raznov-Prejmer-Rupea-Sigisoara am 15.07.2018

Den Vormittag verbrachten wir noch in Brasov. Dann ging es nach Raznov, wo ich gehofft hatte, dass unser Quartier in unmittelbarer Nähe zur Burg sich befände. Bei booking.com hatte es so ausgesehen, die Meterzahl suggerierte ebenfalls Nähe. Leider waren die Meter in die Höhe bemessen und es stellte sich schnell heraus, dass die Burg unbewohnt und im Innern nur eine Touristen- Kulisse ist. Na ja, was heißt hier "nur"? Am anderen Tag sahen wir schon eine sehenswerte alte Festung, von der man kaum glauben kann, dass es eine "Bauernburg" war. Wenn es noch eines Beweises hinsichtlich des Reichtums der deutschen Siedlungen in Transsilvanien bedurft hätte, dann schaue man sich das "Dorf" (Bild oben) und die dazu gehörige und vom Dorf unterhaltene Burg (Bild zwei) an! 

Zunächst waren wir aber ein bisschen enttäuscht, denn wir fanden die Restaurants am Ort nicht gleich. Also zurück nach Brasov und noch einmal Essen und Aussicht bei Kolping genossen. Ich hatte sogar versucht, dort noch eine Übernachtung zu buchen, allein, es gab keine freien Zimmer mehr. Also zurück. Unser Quartier war einfach und da es wieder mal regnete und Uta ein Fußballspiel sehen wollte, war es am Ende ok. Anderntags ließen wir uns bequem mit der Standseilbahn zur Burg hoch befördern und staunten über die kleine "Stadt", die sich da oben einmal befunden hat. Die Wehrmauern sind wirklich mächtig und es gab alles, was man zur Verteidigung braucht!


Nach der Besichtigung ging es wieder auf Tour. Unser Ziel hieß Sigisoara/ Schässburg. Auf dem Weg gab es noch diverse Attraktionen, die aber so schlecht ausgezeichnet waren, dass wir die berühmte "Weiße Kirche" in Deutsch- Weißkirch (Viscri) nicht fanden. Jede dämliche orthodoxe Dorfkirche ist deutlich sichtbar ausgeschildert, bloß die UNESCO- Welterbestätten einst deutscher Siedler sind es nicht!


Sei's drum. Wir wollten nicht zurück, als wir bemerkten, daran vorbei gefahren zu sein. Immerhin hatten wir schon die Wehrkirch- Anlage von Prejmer (Tartlau) gesehen, die eindrucksvoll genug ist. (Bild drei) Sie steht mitten in der Siedlung und verließ sich wirklich nur auf die Wehrhaftigkeit der Mauern. Im Innern erstaunt die effektive Raumnutzung. Über die Holzgalerien und Treppen erreicht man Wohn- und Lagerräume (Bild vier), die Schule (Bild fünf), Stallungen usw. Fast alles ist an die Außenmauern gebaut, nur die Kirche steht im Zentrum und über der mehrfach gesicherten Toranlage erhebt sich ein repräsentativeres Wohngebäude, in dem sich heute eine Abteilung des Rathauses und ein kleines Museum befinden. Erstaunlich immerhin, wie wichtig Bildung damals genommen wurde. Draußen eine kriegerische Belagerung, aber die Kinder stören nicht- sie sollen lernen...

Im Baedeker nicht erwähnt - vielleicht hatte das Nachschlagewerk mit der Häufung sehenswerter Wehranlagen und Kirchen Probleme (!) - ist die Burg Rupea (Reps), die als "siebenter Stuhl" galt und der Verwaltung der Szekler- Gebiete diente. Wir sahen die Burg (Bild sieben) und waren sofort interessiert. Absolut keine Enttäuschung! Beinahe spiralförmig führen die Wehrmauern den Besucher in die Höhe. Oben sind nur ein paar kleine Bauten erhalten, die aus der Ferne größer aussehen, als sie sind. Sie stehen halt auf hohen Felsen!

Dann erreichten wir schon bald Sigisoara und bezogen unser lauschiges Zimmer in einer wirklich romantischen und toll sanierten und eingerichteten kleinen Altstadtpension. (Bild acht) Vor dem entscheidenden Finalspiel der Fußball- WM wollten wir noch schnell etwas essen, was trotz einsetzendem Regen auch gelang. (Bild neun- Zugang zur Altstadt innerhalb des Mauerrings) Das weitere Foto- Shooting vertagten wir dann. Und damit hatten wir Recht, denn am anderen Tag kam die Sonne heraus und wir konnten in Ruhe die schöne kleine Stadt mit ihren Attraktionen abschreiten und ins Bild setzen. Aber dazu im nächsten Blog mehr.











Dienstag, 18. September 2018

Urlaub- Sinaia und Targoviste am 14. 07.2018


Von Brasov aus wollten wir nach Sinaia und ich wollte das "Sinaia- Tal" sehen, das mir seit 1973 (!) als besonders "romantisch" in Erinnerung war. Links und rechts türmten sich steile Hänge und zwischendurch schlängelt sich eine schmale Straße- so hatte ich das im Kopf. Wahrscheinlich hatte ich Uta auch neugierig auf diese landschaftliche Sensation gemacht. Sie fand immerhin im Baedeker einer Straße, die grün - also als landschaftlich besonders schön - gekennzeichnet war. Und so stürzten wir uns ins Abenteuer "Sinaia", von dem ich annahm, dass wir wandern und Täler, Wasserfälle etc. zu sehen bekämen...

Die Berge waren schon beeindruckend. Aber nicht wirklich anders als die vorher auch. Man lebt vom Holzeinschlag, im industriellen wie im privaten Maßstab. Das ist schnell zu sehen. (Bild eins) Wir kamen nach Sinaia, sahen den Riesenstau und fuhren weiter, weil wir ja DAS TAL noch nicht gefunden hatten. Und so fuhren wir und fuhren und sahen...- nichts. Jedenfalls nicht das, was ICH zu sehen hoffte.

Stattdessen kamen wir in die Walachei und beschlossen, wenn es schon kein "Tal" gibt, wenigstens noch die ehemalige Hauptstadt der Region anzusehen. Begeisterung löste das Straßenrandbild nicht aus. Vielleicht hatte man sich "Rumänien" eher so und eben nicht so wie in Transsilvanien vorgestellt. Die Dörfer ärmlich uns ziemlich chaotisch, Müll und verfallende Industriebauten (Bild zwei) am Straßenrand. Targoviste selbst ist alt, aber man sieht es kaum. Den größten Teil der Stadtfläche nehmen Neubauten im "sozialistischen Stil" ein. (Bild drei) Vor diesen Bauten befindet sich allerdings ein ganz netter Park mit den Resten eines alten Klosters. Aber das war auch schon das Sehenswerteste in der Stadt, in der Ceausescu und sein Weib wie Ratten abgeknallt wurden (man hätte sich ein öffentliches Gerichtsverfahren schon gewünscht!). Immerhin erinnern Ölförderanlagen am Straßenrand an die Quelle einstiger Hoffnungen auf Reichtum (Bild vier). Sie waren sogar noch in Betrieb. Ich kannte das Bild schon aus Drohobych, wo ebenfalls Pumpen im amerikanischen Stil scheinbar wahllos in der Landschaft rumstehen. 

Die eigentliche Attraktion in Targoviste ist das als Ruine gut gesicherte Schloss des Vlad Tepes. Hier also hat "Dracula", also Vlad, der Sohn des Drachen (Draculae), gelebt und regiert.  (Bild fünf) Verglichen mit der Zitadelle in Suceava, immerhin ehemalige Hauptstadt der Moldau, ist der Bau doch groß. Irgendwann mag also auch die Walachei eine reiche Gegend gewesen sein. Heute ist sie das ganz sicher nicht und wenn man in Rumänien irgendetwas nicht gesehen haben muss, dann ist es diese Region, die in Deutschland nicht umsonst übel beleumundet ist.

Ausnahmen von der allgemeinen Tristesse bilden natürlich die Klöster, deren eigentümliche Ornamentierung nebst Baustil auf osmanische Einflüsse verweist. (Bild sechs) Natürlich darf man das nicht so laut sagen, denn es ist natürlich ur- rumänisch! ;-) Dieses Kloster steht in Sinaia und wir besuchten es auf der Rückfahrt, als die meisten Touristen endlich das Feld geräumt hatten. Natürlich wollten und mussten wir "Peles" sehen- das Schloss des ersten rumänischen Königs und später repräsentativer Aufenthaltsort von Ceausescu. Na ja, was sonst?

Hm, was soll man dann zum Stammschloss der rumänischen Könige sagen? Man erwählte damals einen Würtemberger zum Chef und so sieht Peles auch aus! (Bild sieben) Rumänisches Nationalmuseum usw. usf. Aber das ganze Ensemble ist einfach nur "Schwabenland (Bild acht). In schöner Landschaft gelegen zeugt es wohl von der Sehnsucht seiner Bewohner nach einem Zuhause, das nicht wirklich "Rumänien" war. Sogar die Außen- Wand Malereien zeigen deutsche Landsknechte in der Uniform des Dreißigjährigen Krieges! Rumänische Motive? Fehlanzeige. Vielleicht innen, wo wir der vorgerückten Zeit wegen nicht mehr waren. Lustig das Denkemal der Königin: Wo sonst gibt es ein Bronzedenkmal einer friedlich strickenden Landesmutter? ;-)

Gut. Alles in allem war die Anlage sehenswert und der Tag hatte so einen schönen Abschluss, obwohl ich DAS SINAIA- TAL nicht gesehen hatte. Wo ist es hin? Aufklärung folgt...






Montag, 17. September 2018

Urlaub- Brasov am 13. 07.2018

Brasov/ Kronstadt. Wo anfangen? Die Auswahl der Bilder ist nur eine kleine Auswahl und vieles bleibt notwendig unterbelichtet. Mehr noch als für Sibiu trifft hier zu, dass die Stadt in ihrer spätmittelalterlichen und Renaissance- Gestalt "eingeschlafen" ist. Ein derart geschlossenes historisches Stadtbild ist in Europa - Osteuropa sowieso - äußerst selten. Hinzu kommen die in weiten Teilen intakte Stadtbefestigung, die unzähligen Kirchen diverser Religionsgemeinschaften und die einfach traumhafte Lage in mehreren Tälern zwischen grünen Bergen.

Wir begannen unseren Stadtgang unterhalb des Kolping- Hotels und stießen als erstes auf einen Friedhof aus dem Ersten Weltkrieg, der Grabsteine mit Namen unzähliger Nationalitäten enthielt. In der Stadt der Siebenbürger Sachsen wohnten und lebten also ganz unterschiedliche Völkchen und das weitgehend friedlich. 

Die mittelalterliche Stadtbefestigung mit ihren Türmen und Mauern gibt es ebenso wie die Bastionen aus der Zeit der Renaissance und auch ein klassizistisches - eher Triumphtor - ist vorhanden. (Bild oben) Unweit dieses Stadtausgangs, der eigentlich in so etwas wie eine Neustadt bzw. eine ehemalige Ackerbürger- Vorstadt (mit der ältesten rumänischen Schule auf einem Kirchengelände) führt, findet sich die große Synagoge. (Bild zwei) Ein Holocaust- Denkmal im Hof erinnert an die dunklen Kapitel der Stadtgeschichte, ansonsten gab es dort reges Leben.

In umgekehrter Richtung, also stadtauswärts, ist der zentrale Platz jener vor der Kirche mit der rumänischen Schule. (Bild drei) Im Zentrum des Platzes steht übrigens ein stürmender Soldat; anders als bei uns sind die Heldendenkmäler selten im trauernden Gestus gehalten. Rumänen waren offenbar Sieger der Geschichte - Trianon mit einem Großrumänien als Ergebnis (Einschluss Transsilvaniens, Anschluss der Bukowina usw.) lässt grüßen.

Auf dem Weg zurück zum Marktplatz (Bild fünf) kommt man durch Gassen und kleine Straßen mit Hinterhöfen usw., die den mittelalterlichen Charakter der Altstadt deutlich zeigen. (Bild vier) Angesichts dieser Enge der Bebauung überrascht dann der - wie in Sibiu - überaus großzügige und Reichtum atmende Markt mit einem Rathaus im Zentrum. Das Bild fünf zeigt nur eine Seite des Marktplatzes, auf dem gerade irgendein Musik- und Lesefestival stattfand. Man verkaufte Bücher und CDs und es gab Gesang und Lesungen.

In den Seitenstraßen dasselbe rege Leben. Gaststätte reiht sich an Gaststätte und dem Touristen wird wirklich viel Auswahl geboten. (Bild sechs)

Außerhalb des inneren Stadtrings mit den Mauern gegen die rechte Bergseite (Bild neun) sind die alten Wallanlagen großzügig begrünt und es stehen dort repräsentative Bauten aus dem 19. Jahrhundert - Banken, ein Polizei- Hauptquartier usw. (Bild sieben) Man muss diesen Streifen hinter sich lassen und den kleinen Berg hinauf steigen, der eine Festung enthält, von der aus man das Tal und die Stadt und die vorgelagerten Gebiete im Schussfeld hatte. (Bild neun) Klar, von dort oben hat man einen fantastischen Blick über die Stadt. (Bild unten)

Neben der langgezogenen Befestigungsmauer zwischen zwei Bastionen (Bild acht) gibt es auf der gegenüberliegenden Seite der Stadt noch einen mehrgliedrigen Verteidigungsring entlang eines romantischen Baches (Bild acht), der wahrscheinlich auch zum Antrieb von Mühlen wie zur Wasserversorgung der Stadt genutzt wurde. Das besondere Problem der Stadtlage wird hier sichtbar. Unmittelbar hinter der letzten Mauer steigen die Hänge mehrere Meter hinauf und feindliche Armeen, die dort oben standen, konnten ungestört in die Stadt hinein schießen. Also gibt es oberhalb der Mauern auf dem Berg noch Wehrtürme und kleine Bastionen zur Vorfeldverteidigung. Dort kann man schön unter schattigen Bäumen spazieren gehen.

Wie groß allein die Teile der Altstadt sind erkennt man daran, dass wir wirklich den ganzen Tag kreuz und quer durch die Stadt wanderten. Uta schwächelte am Ende ein bisschen, obwohl wir natürlich Kaffee- Pausen einlegten, zu Mittag speisten usw. Dabei waren wir nicht einmal mit der Seilbahn den Berg hinauf gefahren und auch andere Attraktionen ließen wir aus. Museen haben wir keine besucht usw. usf. Das Stadtbild allein reicht aus, um sich unsagbar wohl zu fühlen, weswegen Uta Brasov auch zu ihrer Lieblingsstadt und den Besuch dort als den Höhepunkt des Urlaubs bezeichnet hat. Am Abend saßen wir dann wieder voll zufrieden auf der Kolping- Terrasse, aßen und tranken gut und genossen den Einbruch der Nacht.

Kann man einzelne Bauwerke als besonders sehenswert qualifizieren? Natürlich dominiert die "schwarze Kirche" das Stadtbild. (Bild unten) Sie heißt so, weil sie nach einem Stadtbrand Verfärbungen behielt. Klar, sehenswert (auch von innen). Aber trotzdem bleibe ich dabei: Der Star ist die Stadt wie sie ist, als Ganzes und unteilbar - einfach schön. Also absolut eine Reise Wert und so wie ich das auch über Lemberg, Czernowitz, Kiew usw. immer sage: Wer Brasov nicht gesehen hat, sollte nicht behaupten, Europa zu kennen!










Sonntag, 16. September 2018

Urlaub-Transfarasan-Arges-Brasov am 12. 07.2018

Natürlich kann man von Sibiu nach Brasov (Kronstadt) bequem auf einer modernen Fernstraße fahren. Aber dann entgeht einem doch eine wesentliche Attraktion des modernen Rumäniens. Quer durch das Fagaras- Gebirge (Bild oben) ließ nämlich der weiland Diktator von Soldaten und Sträflingen eine Hochgebirgsstraße schlagen, die nicht zu Unrecht zu den schönsten Europas zählt. Wie viel Leid sich dort hinter jeder Kurve verbirgt, verliert sich allerdings im Nebel der Geschichte....

 Befahrbar ist die "Transfagarasan" nur in einem schmalen Zeitfenster etwa von Juni bis Oktober. Obwohl wir an sich herrliches Wetter hatten, zeigten Regen, Nebel und Wind auf dem Pass an, was einen dort in der kälteren Jahreszeit erwartet. Jetzt im Sommer war die Straße dennoch gut befahrbar und da sie für die schnelle Verschiebung von Militärgütern gedacht war, ist sie sogar für Radfahrer gut zu bewältigen. Wir sahen einige. Die vielen Serpentinen und scharfen Kurven (Bild zwei) sind ein El Dorado für Kradfahrer, von denen ebenfalls ganze Schwärme unterwegs waren. (Bild drei) Allerdings überschätzen sich wohl viele. Wir sahen einen Unfall, bei dem der Fahrer vielleicht mit den Fußstützen aufsetzte. Jedenfalls hatte es ihn aus der Kurve gedreht und seine Kumpels standen nun ratlos um den Krankenwagen herum. Es war nicht der einzige Motorradunfall, den wir in diesem Urlaub sahen... 

Der Abstieg (Bild vier) führte an einem Stausee (Vidraru) vorbei, der wirklich malerisch zwischen den Bergen liegt. (Bild fünf) Am Fuße der Berge liegt dann Curtea de Arges, ein ehemaliger Fürstensitz und wohl auch mal Hauptstadt der Walachei. Vom alten Fürstensitz ist nur noch die Kirche übrig (Bild sechs). Es soll noch eine prächtige Grabkirche geben, aber die haben wir uns wie das dazu gehörige Kloster geschenkt.

Ebenso stiefmütterlich behandelten wir Schloss Bran (letztes Bild), das als Dracula- Schloss vermarktet wird, obwohl Vlad Tepes dort höchstens mal zu Besuch war. Sieht wirklich aus wie das "Eltz" von Siebenbürgen und die Zahl der Reisebusse ist sicher mit derjenigen am Schloss Schwanstein vergleichbar. Nur ist Schwanstei größer und man fragt sich, wie lange man auf den Eintritt nach Bran warten muss; und wenn man drin ist, was sieht man dann zwischen den Menschenhaufen? Also beließen wir es bei dem Blick auf die Außenmauern.

An Burg Raznov vorbei, die wir uns aber als Extra- Programmpunkt aufheben wollten, ging es dann nach Brasov hinein, wo wir mit dem Kolping- Hotel die ideale Bleibe fanden. Hoch über der Stadt gelegen, also mit einem herrlichen Ausblick auf die Altstadt und die Zitadelle nebst den Stadtbefestigungen, bot das Hotel auch noch eine Terrasse mit sehr leckerem Essenangebot und einer prallen Weinkarte. Was will man mehr? Wir beließen es also am ersten Abend in Brasov beim Faulsein auf eben jener Terrasse. Schließlich hatten wir ja Urlaub und waren nicht auf der Flucht!







Urlaub- Sibiu am 11.07.2018

Auf dem Weg von Alba Iulia nach Sibiu zurück lag eine vom Reiseführer besonders erwähnte Bauernburg und weil es die erste Chance war, so etwas zu sehen (ok, ich hatte im vergangenen Jahr von Mediasch aus Alma Vii besucht), machten wir den Abstecher in ein kleines Dorf, an dessen Rand die Burg lag. (Bild oben) Fuchs weiß, wie die Burg heißt. (Uta weiß es bestimmt, die hat sich Notizen gemacht und außerdem den Baedeker bedient) Aber sie war wirklich beeindruckend und überdies ziemlich romantisch. (Bild drei).

Im Inneren des Wehrturms fand sich eine kleine Ausstellung mit Alltagsgegenständen. Nichts Besonderes, aber liebevoll gemacht. Die Instandhaltung zahlt eine deutsche Stiftung, wie am Eingang zu lesen steht; gebaut haben die Burg Siebenbürger Sachsen. Gut, jetzt wird sie gepflegt und verwaltet von rumänischen Behörden, das stimmt schon. Aber dass eine riesige rumänische Flagge - wie übrigens in ALLEN anderen Baudenkmälern dieser Art, so aufdringlich die Vereinnahmung in das Rumänisch- Sein der Region verkünden muss, fand ich dann doch etwas übertrieben. (Bild zwei) Komplexe? Manchmal kommt es einem so vor...

Zurück in Sibiu erkundeten wir die Stadt systematisch. Der erste Boulevard, auf den wir vom Hotel aus stießen, zeigte schon Pracht und Schönheit der alten und die Belebtheit der neu restaurierten "Hauptstadt Siebenbürgens". (Bild vier) Die Fläche der Altstadt ist beeindruckend, umfasst mehrere Plätze, unzählige Kirchen, Stadttürme und Stadtmauerfragmente, Kulturbauten, Klöster usw. Da nimmt es nicht Wunder, dass trotz des großen Aufwands, der aus Anlass des Kulturhauptstadtjahres getrieben wurde, noch nicht alles fachgerecht restauriert ist. Abseits der zentralen Plätze und Straßen finden sich Gassen voll der Patina vergangener Jahrhunderte. Sie haben mir beinahe besser gefallen, als die sanierten Teile, obwohl das bloß ein romantisches Gefühl desjenigen ist, der dort nicht wohnen muss. (Bild fünf) Trotzdem kam mir Sibiu/ Herrmannstadt eben dort nahe.

Die Altstadt gliedert sich in Ober- und Unterstadt und die "Lügenbrücke" ist ein Teil der Verbindung. (Bild sechs) Die Brücke führt auf einen prächtigen Renaissance- Platz (Bild sieben), auf dem ein Bauwerk ähnlich den Krakauer Tuchhallen steht. Irgendwie stimmt es schon: Das Glück des heutigen Touristen ist, dass Sibiu plötzlich seine Bedeutung verlor und so - wie in Deutschland die kleinen Hanse- Städte - "eingeschlafen" ist. Vor allem ist die Industriealisierung im Wesentlichen an der Stadt vorbei gegangen und da auch der "rumänische Decebal" offensichtlich wenig Lust verspürte, den Deutschen dort wieder auf die Beine zu helfen, blieb die Stadt eine vor Jahren sicher verfallene, aber eben doch eine Perle.

Nun kann man das alles restaurieren und da die neuen Bewohner die Stadt mit Leben füllen, ist es dort sehr angenehm. Es wäre interessant zu wissen, wie man mit dem Massenexodus der Sachsen nach 1990 umgegangen ist, wie die Eigentumsfragen gelöst wurden und welche Anstrengungen man unternehmen musste, den Weggang so vieler städtischer Beamter, Handwerker usw. zu kompensieren. Am liebsten hätte ich die Frau im Souvenirladen gefragt, die uns mit selbstbewusstem Deutsch bediente und auf die Frage, warum sie noch da sei, und alle anderen weg, nur vage was mit "Heimat" antwortete. Aber was heißt schon vage? Heimat ist Heimat und wenn sie so lebenswert und schön ist, stellt sich die Frage halt nicht so, wie im Falle der Auswanderung aus sozialistischen Blockwüsten.

Der zentrale Marktplatz mit Rathaus ist übrigens wirklich groß und prächtig und es finden sich diverse Stadtpaläste (Letztes Bild). Trotzdem suchten wir uns Kneipen in den Nebenstraßen und fuhren gut. Alles lecker und gut. Sibiu ist allemal eine Reise wert! Ich werde sicher noch ein paar Mal dorthin fahren.   





Donnerstag, 13. September 2018

Urlaub- Alba Iulia am 11.07.2018



Hermannstadt (Sibiu) musste noch warten. Erst mal sehen, wie viel Zeit wir für Alba Iulia brauchen würden, das ich unbedingt sehen wollte. Als befestigter Ort existiert der Platz seit der Römerzeit, evtl. noch länger. Der letzte Ausbau erfolgte unter den Habsburgern, was man im dritten Bild gut sehen kann. Unter dem Zeltdach römische Ruinen und im Hintergrund ein klassizistischer Bau.

Ansonsten Widersprüche über Widersprüche. Der heutige (und über lange Epochen) Hauptsitz der Orthodoxie (Bild oben und zweites Bild) teilt sich das Areal mit einer noch aus romanischer Zeit stammenden römisch- katholischen Kathedrale und beide Wahrzeichen der Religion stehen innerhalb einer nicht gerade von Frieden und Friedfertigkeit kündenden riesigen Militäranlage.

 Ich hatte den Fehler begangen, Uta bei sengender Hitze die Umrundung der Festung vorzuschlagen: Nach einer halben Ewigkeit hatten wir etwa ein Halbrund um die in mehrere Befestigungsringe und Bastionen (letztes Bild) gegliederten Außenwerke absolviert und waren froh, am Eingangstor aufgeben zu können, obwohl das sonst nicht meine Art ist. Immerhin bekamen wir so einen Eindruck von der immensen und liebevollen Arbeit, mit der die früher sicher tristen Bauwerke begrünt und mit kleinen parkähnlichen Anlagen mit Teichen, Fontänen und Sitzgelegenheiten aufgelockert wurden. Das wäre jedenfalls eine tolle Joggingstrecke! Zu den Dimensionen ist noch zu sagen, dass sich im Inneren der Festung im Prinzip eine ganze Kleinstadt befand und dass das Ganze durch großzügige Freiflächen für Exerzierübungen, Paraden usw. eben weitläufig ist.

Sehr gelungen und passend fand ich übrigens das Denkmal an einem der beiden Hauptzugänge zur Festung: Ich finde, das walzenförmige Gebilde könnte "Kriegsmaschine" heißen und zeigt recht drastisch, wie diese alles unter sich begräbt und zermalmt. (vorletztes Bild) Keine Idee, ob es noch der sozialistischen Zeit oder dem Zeitgeist heute verpflichtet ist. Ist auch egal. Ich finde es gelungen und an so einem Ort überaus passend. Sonst nämlich würden die vielen Kirchen und die schick restaurierten Kasernen nebst den Straßen mit den Unteroffiziershäusern einfach zu glatt und zu museal wirken. Man kann leicht vergessen, dass hier für Kriege gebaut wurde...

Dann ging es nach Sibiu zurück. Aber wir hatten noch Zeit genug unterwegs abzuzweigen und Befestigungsanlagen aus ganz anderer Zeit zu bewundern. Aber dazu im nächsten Eintrag mehr.




Urlaub- Hunedoara, Bran und Sibiu am 10.07.2014

Das Wetter blieb zunächst trübe, klarte dann aber immer mehr auf. Wir verließen Drobeta und machten uns auf den Weg nach Sibiu, diverse Abstecher inklusive. Da ich nur der Chauffeur, Uta aber die Frau am Baedeker war, habe ich mir die Klöster nicht alle gemerkt, die wir uns ansahen. Das oben im Bild zu sehende lag jedenfalls in den Bergen an einem steilen Berghang, was man hier gerade nicht sehen kann. Natürlich war die Kirche alt und es gab Wandmalereien, ringsumher fand aber lebendiges Klosterleben statt. Für mich, dem alte Kirchen immer noch wesentlich Museen sind, ist der Widerspruch immer wieder frappierend.

Sehr schön ein Kloster, das wir nicht gesucht, das uns aber gefunden hatte. Es lag mal eben so am Straßenrand und der Baedeker schwieg dazu. Solche Architektur (Bild zwei) soll nicht erwähnenswert sein? Merkwürdig...

Dann zweigten wir ab nach Hunedoara, der Stammburg des bedeutenden ungarischen Königs Matthias Corvinus, dessen Titulatur in Rumänien meist auf "Corvinus Rex" reduziert wird. Das ist zwar nicht falsch, vermeidet aber die Nennung des Fakts, dass heutige Kerngebiete Rumäniens jahrhundertelang (und auch noch nach Gründung des Staates Rumänien) zu Ungarn gehörte. Klar. Okkupation! ;-) Aber ich will hier nicht über Geschichtsbilder philosophieren...   

Bevor wir die Burg erreichten, faszinierten Uta die Zigeunerpaläste, die - wie immer - im Rohbau am Straßenrand standen. (Bild drei) Geld müssen die Sippen ja haben, die sich solche Witzbuden leisten können, dennoch werden die nie fertig, weil man andernfalls Steuern zahlen müsste. Und die gönnt so ein freier Zigeuner dem Staat, der nicht seiner ist, nun mal nicht. Diese Völkchen (im Gegensatz zur landläufigen Meinung sind die Gruppen kein Volk und sehen sich auch nicht so, akzeptieren aber meist die Bezeichnung "Zigeuner" als Oberbegriff) sind wirklich merkwürdig, schwer zu verstehen und wirklich auch "unerforscht". Ich habe nun schon so viele Bücher darüber gelesen und habe daraus nur gelernt, dass wir weder begreifen noch wissen, worin der Kern des "Zigeunerlebens" besteht... 

Dann aber Hunedoara! Was für eine gotische Feste! Ich dachte, alles wäre rekonstruiert und ein bisschen hingekitscht. Innen sah man dann, dass dieser Eindruck täuscht. Alles echt und nur sacht in Stand gesetzt. Und durchaus mächtig (Bild vier), was man von anderen Burgen in Ungarn selbst nicht sagen kann. In den riesigen Sälen innen Rüstungen, Fahnen, ein Prunkbett usw. Muss man gesehen haben, auch wenn zu sozialistischen Zeiten lieblose Industriebauten rings um das Areal errichtet wurden. Es war (und ist) eben nur ein Monument der ungarischen Geschichte. Was interessierte das die Quasi- Römer? Dafür wird nun wenigstens etwas getan, um die Burg zu erhalten und touristisch zu erschließen. Gut so. Den internationalen Souvenir- Kitsch made in China muss man halt hinnehmen.

Nach Sibiu ging es dann auf einem befahrbaren Teilstück der Autobahn (Bild unten), die später einmal von der ungarischen Grenze bis Bukarest führen soll, aber immer noch über weite Strecken nicht fertig ist. Freilich wird gebaut. Von Sibiu selbst sahen wir dann noch nicht so viel. Wir waren was essen und liefen erst einmal planlos durch die Oberstadt. Nicht schlimm, denn wir wollten hier ein paar Tage bleiben.