Reisebilder aus der Ukraine, der Slowakei, Rumänien und Osteuropa. Reflexionen zum Alltag, Reiseberichte, Kurioses und Interessantes vom Zusammenleben der Völker, Privates für Freunde und Bekannte...

Donnerstag, 11. November 2010

Politik so durchsichtig wie die Wahlurne

Die Kommunalwahlen haben - sicher auch dank frisch gedruckter Wahlzettel , der Registrierung gefakter Wahlkommissionen usw. - zu einer Festigung der Machtpositionen des Präsidenten geführt. Der kann es sich nun schon mal erlauben, Kandidaten für das Amt des Generalstaatsanwalts wegen voraussichtlich "mangelnder Loyalität" zum Präsidenten nicht zu bestätigen. Soviel zum Thema Gewaltenteilung als Kriterium für Demokratie! Dass der Geheimdienst mit neuen Vollmachten ausgestattet ist und wieder "im Dunkeln" agieren darf, hat sich auch rumgesprochen. Bloß was hat das alles mit unserem kleinen DSD- Programm zu tun? Hm, so loyal sind wir vielleicht in der Tat nicht, dass uns die neuen Machthaber lieben sollten. Da kommt es schon mal vor, dass Schüler selbstständig denken lernen sollen und am Lack der Nationalheiligtümer Tschewtschenko oder "Rolle und Bedeutung der allein selig machenden ukrainischen Sprache" gekratzt wird. Ganz endet der Spaß wahrscheinlich bei solchen Initiativen wie "Jugend debattiert" als einer wirklich freien Form der ungesteuerten Meinungsäußerung durch junge Leute. Belorussische Verhältnisse? Wohl noch nicht ganz, aber die Richtung ist eingeschlagen...

Seit ein paar Tagen packe ich meine Sachen. Nach der Nichtverlängerung unserer Visa sind wir Touristen und haben illegal im Land gearbeitet. Das Außenamt verhandelt nun mit der ukrainischen Seite, heißt es. Mal sehen mit welchem Ergebnis. So könnte dies also der letzte Eintrag dieser Ukraine- Seite werden. Über die Macho- Sprüche, mit denen Männer ihren Frauen zur Geburt des SOHNES (zweites Bild) und nur in einem Falle zur Geburt einer Tochter (ganz neu) gratulieren, muss ich mich dann nicht mehr ärgern...

Samstag, 23. Oktober 2010

Vorkarpatenland

Von Chernivtsi aus fuhr ich dieses Mal über Sniatyn nach Horodenka, ein altes Schtetl mit Synagoge und den Ruinen eines einst wohl prächtigen polnischen Klosters, und von dort weiter nach Ivano. Aber nicht das Städtchen interessierte mich, sondern die Landschaft ringsherum. Der Umweg beträgt nur 10 km und schon früher nahm ich diesen Weg, um nicht immer dieselbe Strecke zu fahren. Besonders im Sonnenlicht übt die Kargheit der weiten Landschaft einen eigenartigen Reiz aus. Heute wollte ich versuchen, das alles auf ein Video zu bannen. Mein Chef hat Gelder für den Ankauf einer Video- Kamera frei gegeben und mit dem am Donnerstag erstandenen Exemplar einer Sony Handycam machte ich diverse Probeaufnahmen.

Dabei ist das Modell übrigens zu loben. Selbst ein absoluter Einsteiger in die Bedienung solcher Geräte hat mit der DCR- SR 68 keine Probleme. Man braucht wohl eine ruhige Hand, aber leichtes Tattern steckt das Gerät locker weg. Erst wenn man dem Maximalzoom nahe kommt, geht ohne Stativ nichts mehr. Egal, vom Video wird hier nichts zu sehen sein. Die Bilder müssen reichen.

Was sie zeigen ist natürlich gelogen. Gern würde ich das Bild oben für eine typische Steppenlandschaft ausgeben (so stelle ich mir Steppe vor!), aber natürlich gibt es doch Landwirtschaft. Allerdings stören die wenigen und jetzt verlassen daliegenden Handtuchfelder den Eindruck kaum.

Die Straße zieht sich in größerer Entfernung als die Hauptstraße am Karpatenrand hin, aber bei dem klaren Wetter heute waren die Gebirgszüge deutlich zu sehen. Die Gipfel sind bereits schneebedeckt. Kein Wunder, starete ich doch gestern in Ivano bei minus 3 Grad! Auch heute kletterten die Temperaturen in der Mittagszeit und in praller Sonne nicht über 9 Grad. Ob das den Kürbissen gefällt, die ich vor einer altertümlichen und nicht eben gut in Schuss seienden, aber doch gepflegten und frisch gekalkten "chata" fand? Da müsste ich mal die Pflenzenkenner fragen...

Montag, 18. Oktober 2010

Herbst

Melancholische Jahreszeit, in der man nicht gern allein ist. Wer es nämlich ist, fühlt sich schneller einsam als sonst. Mag sein, die galizische Landschaft mit den oft beschriebenen endlosen und menschenleeren Weiten trägt mit dazu bei. Man kommt sich klein und den Himmeln ausgeliefert vor. Wie eine Metapher steht dafür die schnurgerade Landstraße nach Kiew, jenem Ort, wo Schicksale entschieden werden. Dort liegt jedenfalls mein Reisepass und liegt und liegt. Erst hieß es, die ukrainische Seite sei sich nicht im Klaren über den Typ Visum, den wir nun erhalten sollen; jetzt ist klar, es geht überhaupt um unsere Akkreditierung. Die neue Regierung unter Janukowitsch scheint ausländische Hilfe im Bildungssektor, zumindest wenn sie denn aus dem Westen kommt, wirklich nicht gerne zu sehen, Nach all dem Hickhack um unsere Arbeitsgenehmigungen nun das. Ohne den diplomatischen Status wird es wieder schwerer, ungeschoren an den Wegelagerern der Miliz vorbei zu kommen, steht man wieder wie ein Nichts vor den allgewaltigen Beamten der Arbeitsämter und Bildungsverwaltungen. Ohnehin wäre es gut, als Ausländer wenigstens das ihn als offiziellen Gast legitimierende Dokument in der Tasche zu haben. Da tröstet das Bild der sich rot färbenden Blätter an den Bäumen am Straßenrand. Wenigstens die tun, was sie immer taten...

Ob sich die jungen Athleten ähnlich fühlten, die am letzten Wochenende in Ivano Frankivsk zu Wettkämpfen im Gehen antraten? Beachtet wurden sie jedenfalls nicht und so gingen sie mutterseelenallein im Regen durch die verlassenen Straßen. Außer für Fußball gibt es wohl für wenig andere Sportarten (Wintersport mal ausgenommen) Begeisterung.

Czernowitzer Tage im Herbst

Solange ich in Chernivtsi gewohnt und gearbeitet habe, hat mich das Gefühl nicht los gelassen, mitten in einer großen Theaterkulisse "Gast" zu sein, in der die "einheimischen" Menschen bloß Statisten sind. Ukrainische Pelzmäntel, die Schapkas im Winter, die Platikbeutel schwenkenden "Shopperinnen" bauchfrei und mit Miniröckchen - das alles wirkte zwischen all den hochherrschaftlichen Häusern der alten Herrengasse (Kobylanska) oder am Theaterplatz (Bild 1) irgendwie deplaziert, nicht dorthin gehörig, obwohl es das alles so oder so ähnlich im multikulturellen Czernowitz sicher gegeben hat. Nicht zuletzt war es die auffällige Abwesenheit von Kultur (verstanden als Lesungen, Theater- Aufführungen, Straßenfeste usw.), von Abend- und Nachtleben, die den Eindruck verstärkte, als flüchteten die Bürger nach ihrem Tagesgeschäft in ihre vier Wände, um von der Stadt, von der fremden Architektur und der allgegenwärtigen nicht- ukrainischen Geschichte (als Nationalgeschichte interpretiert) Ruhe zu haben.

Hat sich etwas geändert? Zumindest scheint es, als ändere sich etwas. Im Zuge der 600- Jahrfeier ist Bewegung in die Stadt gekommen, die sich jetzt sogar sichtbar auf dem Straßenpflaster zu den vielen Sprachen bekennt, in denen sie regional und weltweit ein Begriff geworden ist. Und das Jiddische fehlt nicht! Einen weiteren Höhepunkt erlebte diese neu anmutende Atmosphäre anlässlich der den Czernowitzer Tagen vorausgehenden Dichterlesungen zu Ehren Paul Celans. Sonst kaum zur Kenntnis genommen, sollen dieses Mal erstaunlich viele junge Leute den an Celan erinnernden Autoren gelauscht haben. Klar erfüllt es mich mit ein klein wenig Stolz, wenn ich en passant erwähne, dass mir dieses von Absolventen "meiner Schule" berichtet wurde, von jungen Menschen also, denen ich einst mühsam den Sinn der Rede vom "Mutterland Wort" (Rose Ausländer) beizubringen versuchte.

Die Video- und Licht-Installation, mit der ein österreichischer Künstler über dem Kino die alte Synagoge wieder auferstehen lassen wollte, fiel zwar ins (Regen)Wasser, aber meinen Kollegen Zuckermann und den alten, aus früheren Zeiten übrig gebliebenen Max Schickler (er war einer unserer Hauptinterviewpartner im Film "Bukowina Style") hat es berührt. Den selingen Herrn Schlamp allerdings konnte die Nachricht nicht mehr erreichen; er ist nun doch noch vor seinem 100-sten verstorben.

Auch während der Czernowitzer- Tage ging es bunt zu. Man hatte sich bemüht, der schön heraus geputzten, aber immer noch etwas abgelegenen Kobylanska (Herrengasse) durch viele Straßenveranstaltungen etwas Flair zu verleihen. Die Czernowitzer sind immerhin stehen geblieben und haben den rumänischen Straßenmusikanten (Bild 2) gelauscht. Mitten in die Darbietung von Moldawiern (Bild 3) - denke ich - drängten sich plötzlich zwei alte Frauen, die in den Tänzen sichtbar gut beschlagen waren. Als sei dies ein Signal gewesen, mengten sich nun auch andere Umstehende in die Runde der Trachtenmädels und es wurde ein lustiger Tanz. Das von der österreichischen Partnerregion ausgerichtete Restaurant "Kärnten" hatte einen Freisitz eröffnet und vor dem "Kwant", einst ein polnisches Kellerrestaurant, stand eine Polin und präsentierte nationale Speisen ihrer Minderheit. Es hat Spaß gemacht, das alles zu sehen.

Nur das als Festgelände für die Veranstaltungen vor zwei Jahren geplante Areal um den See im Park am Hotel "Tscheremosch" ist immer noch nicht fertig. Man ahnt zwar, was es hatte werden sollen (und irgendwann sicher auch noch wird), aber sonst...- still ruht der See. Ich bin immer wieder gerne dort.

Montag, 11. Oktober 2010

Bergwanderung nahe Bukovel

Am Sonntag war es endlich so weit. Das Wetter spielte mit und so konnte es in die Berge gehen. Juri schlug den Gipfel vor, den wir bei meinem Geburtstag der Feuchtigkeit wegen nicht erreicht hatten. Diesmal gingen wir ihn jedoch von einer anderen - der als Wanderpfad sogar gut ausgezeichneten - Seite kurz vor Bukovel an. Wenige Meter hinter dem Abzweig, der von der nach Mukaczewo weiter führenden Straße nach Bukovel abgeht, geht es rechts steil den Berg hinauf. Der Weg führt über bewaldete Hänge (Bild 1), die hie und da von Bergwiesen und Geröllfeldern durchzogen werden. bis in die nur noch von Krüppelkiefern und Buschwerk überzogene Hochgebirgszone. Bis dahin war der Aufstieg nicht eben beschwerlich und wir legten ihn in ca. 2 Stunden zurück. Vor dem entscheidenden Stück zum Gipfel gab es eine zünftige Rast mit Butterbrot und Obst.

Dann ging es weiter. Kaum hatten wir die Waldzone hinter uns - die Buschwerk- Zone setzte übergangslos ein - kam Nebel auf. Richtig dicke Suppe! Aber Juri meinte, hier führen alle Wege nach Oben und wo "oben" ist, wäre auch nicht zu verfehlen. Also stiegen wir weiter bergan und hatten uns schon bald aus den Augen verloren. Sei es, dass Elena etwas langsamer war, sei es, dass ich in dem Geröllfeld voller großer Gesteinsbrocken den besten Aufstieg erwischt hatte, ich kam als Erster oben an. Eine Madonnen- Statue empfing mich mit geöffneten Armen. Wenn das nichts ist! Dann sah ich Juri in der milchigen Brühe auftauchen (Bild 2). Ein bisschen war ich froh, denn ob ich allein den Abstieg auf der anderen Seite gefunden hätte...

Es war wirklich nichts mehr zu erkennen! Am Fuße der Madonna (Bild 3) stärkten wir uns noch einmal. Juri hatte einen zünftigen "Gipfelschluck" (Kräuterlikör) dabei und den ließen wir uns denn auch schmecken. Ob der magische Wirkungen hatte? Genau in dem Augenblick, als Juri in die Richtung zeigte, in der Bukovel liegen sollte, riss der Himmel auf, der Nebel verzog sich für ein paar Minuten und die Sonne brach durch: Vor uns lag Bukovel! Die Farben sind unbeschreiblich gewesen und das Foto (Bild 4) gibt sie nur in etwa wieder. Was für eine Szene auch! Juri zeigt auf einen Ort und wie von Geisterhand teilt sich die milchige Substanz wie einst das Rote Meer vor Mose und es zeigt sich unser Ziel! Nur wenig später war alles wieder in das unwirklich Weiß gehüllt...

Nebel gab es aber nur ganz oben, dort, wo kein Grün mehr zu sehen war. Schon wenige Meter weiter unten war der Spuk vorbei. Wir stiegen eben so ein Geröllfeld hinab wie das, auf dem wir hinauf kamen. (Bild 5) Der Abstieg blieb lange steil und führte dabei durch ein Waldgebiet voller Pilze. Ich "blindes Huhn" fand allerdings nur die ins Auge stechende Sorte: Fliegenpilze! Sie waren größer als Tennisbälle und fanden sich wohin man sah!

Endlich lichtete sich der Wald und gab manch schöne Aussicht frei. Irgendwann kamen wir an einem modernen Kirchengebäude vorbei, das entweder irgendeine Sekte dorthin gestellt hat oder das als Sanatorium, Tagungsstätte oder so dient. Von da ab wurde der Weg flach und als wir eine kleine Straße erreichten, die von hier nach Bukovel führt, sahen wir ein paar schmucke Villen größeren Ausmaßes (wenn man das so sagen kann). Mein allwissender Bergführer konnte auch diesmal Auskunft geben: es handele sich um die Villen von Ex- Präsident Justschenko und einiger Vertrauter aus früheren Tagen. (Bild 6) Gekauft und gebaut am Fiskus vorbei nebst einer Straße, die aus Staatsmitteln projektiert und extra gebaut wurde, um diesen abgelegenen Landstrich zu erreichen. Nun, alles wie früher. Wer die Macht hat, hat auch die Privilegien!

Samstag, 25. September 2010

Nebel

Wenn man nichts erlebt, muss man sich Themen suchen... Ein Thema, das mich allerdings bedrückt, sind die mittlerweile regelmäßigen Nebelfahrten von Ivano nach Chernivtsi. Vielleicht aufgrund des merkbaren Unterschieds zwischen dem wesentlich freundlicheren Klima in der Bukowina und dem vielleicht eher harschen Vorkarpatenklima um Ivano herum kommt es in der Senke bis Kolomea regelmäßig zur Bildung von Frühnebel. Und mit dem schlage ich mich nun herum. Dieses Mal war es schon recht extrem, zwischenzeitlich konnte man die berüchtigte"Hand vor Augen" kaum sehen. Spannend ist immer, was als nächstes sich aus dem milchigen Weiß schält- ein unbeleuchteter LKW oder "nur" ein Pferdewagen? Habe gut 40 min länger als sonst für meine Strecke gebraucht und bin also bei 3 h 10 min für die 140 km angekommen! Das nervt ganz schön, das man nach so einer Fahrt mit der eigentlichen Arbeit (6 Stunden Unterricht bis 16.00 Uhr) erst beginnt. Heute hatte ich jedenfalls solche Sehnsucht nach meinem Hotelzimmerbett und - ehrlich gesagt - auch starke Sehnsucht nach der dortigen Toilette (die Reise ist mir wohl auf den Magen geschlagen), dass ich mich kaum über meine 10. Klasse freuen konnte, die mit Eistee und selbst gebackenem Kuchen kam: "Herr Steffen, wir wollen mit Ihnen Tee und Kuchenparty machen." Gesagt hatte das Lena, 14 Jahre, die auch den Kuchen gebacken hat und die sprachlich als Einzige so was sagen kann. Gut, da freut man sich denn doch. Immerhin habe ich zwei Freitage "hart gearbeitet", um den Kleinen die Angst vor mir zu nehmen und ihnen ein bisschen Spaß an der Sprache zu vermitteln, vielleicht auch zurück zu geben. Es hat geklappt ;-)

Donnerstag, 23. September 2010

Pid Kamien

Pid Kamien liegt auf dem Weg von Ivano nach Lviv und fällt durch die an den Ortseingängen gut sichtbar platzierten Findlinge auf, in die eine Plakette mit dem Wahrzeichen des Ortes (einer doppeltürmigen Kirche) eingelassen ist. Irgendwer muss den Ort "sponsern", denn es gibt einen neuen Straßenabschnitt und Bürgersteige, die von der ansonsten ärmlichen Kulisse merkwürdig abstechen. Die Kirche selbst sieht von Ferne imposanter aus, als sie ist, denn sie liegt auf einer Erhebung und überragt so die kleine Ortschaft. Von Nahem enttäuscht sie allerdings durch die unscheinbare Fassadengestaltung, die allerdings einer wenig sachgemäßen Restauration geschuldet sein könnte. Nur von Innen zeigt sich eine gewisse Pracht (oben links), die wohl andeutet, dass der Ort in seiner Geschichte bedeutendere Zeiten als die heutigen erlebt hat.

Hinter der Kirche findet sich ein Friedhof, auf dem alte und neuere Gräber durcheinander liegen. Polnische Namen finden sich zwar, sind insgesamt allerdings weniger häufig vertreten, als ich dachte. Vielleicht liegt das aber an den vielen Steinen ohne Inschrift. Früher evtl. vorhandene Bronze- oder Metallplatten hat wohl jemand systematisch entfernt. So sticht nur die Reihe der Heldengräber ins Auge, die wohl auch hier an Ermordete aus der Zeit des ukrainischen nationalistischen Widerstands gegen die Sowjetisierung erinnern.

Insgesamt nichts Besonderes also, aber nun habe ich auch dort einmal angehalten. Mein Freund Taras hatte von Konzerten gesprochen, die in den Ruinen einer Burg in der Nähe der Kirche stattfinden sollen, aber gemeint hat er wohl ein anderes Pid Kamien- der Name kommt noch öfter vor. Damit habe ich noch ein Ziel für weitere Exkursionen. Vielleicht im Sommer mit Taras zu einem dieser Konzerte?

Ziel der Reise war ein Kurzausflug nach Lviv, wo ich - wie immer, wenn ich dort nicht eingeladen bin - im Hotel "Lviv" nächtigte. Warmes Wasser gibt es immerhin stundenweise, aber sonst sind die nicht renovierten Zimmer (also die preiswerte Kategorie - ca. 20 Euro/ Nacht) eigentlich unzumutbar. Bloß, warum mehr zahlen, wenn die Lärmbelästigung des von allen vier Seiten verkehrsumfluteten Hotels überall gleich schlimm ist? Und so großartig unterscheidet sich der Standard nicht von dem hier vorgeführten, bloß eine derart von der Qualität ukrainischen "Trinkwassers" (Bild links) sprechende Badewanne hat man in der besseren Kategorie nicht. Naja, ich will ja dort nur ein paar Stunden ruhen und nicht wohnen- da geht es.

Von Lviv, wo gerade eine Art Buchmesse stattfand, ist sonst nichts Neues zu berichten. Auffällig die vielen Hochzeiten in der Stadt. Wer braucht bloß solche Autos? Wahrscheinlich alle die, die selbst keins haben, aber von einem "Hummer" träumen. Status ist eben alles und zeigen, was man hat (oder eben auch nicht hat!) gehört zum Alltag.

Wie immer angenehm hingegen das kulinarische Angebot der Stadt. Diesmal fand ich ein aserbaidshanisches Restaurant, über dessen innere Gestaltung man unter dem Aspekt deutscher Gemütlichkeitsauffassungen vielleicht streiten kann, über dessen Speiseangebot man aber nicht maulen darf. Das war seit langem mal wieder ein Plof zum Träumen! Und mit einem Preis von 2,50 Euro sollte man zufrieden sein.

Auch sonst fiel mir hie und da etwas auf, was ich vordem so nicht zur Kenntnis genommen hatte. Das Denkmal des Erfinders der (hiesigen, vielleicht auch der Wiener) Gasbeleuchtung vor der Kneipe "Gasova Lampa" ist nicht zu übersehen. Übersehen hatte ich aber, dass er sich auch oben aus dem Fenster hängt, vielleicht um einen Passanten zu warnen, der in der noch unbeleuchteten Stadt in ein Loch stolperte. Anlass, an die Einführung des Gaslichts zu denken? Wer weiß...