Reisebilder aus der Ukraine, der Slowakei, Rumänien und Osteuropa. Reflexionen zum Alltag, Reiseberichte, Kurioses und Interessantes vom Zusammenleben der Völker, Privates für Freunde und Bekannte...

Sonntag, 27. Mai 2012

Bela Kosicka- Kosice

Wandertag. Eine gute Tradition schon. Meike, Friedrich und ich fuhren mit dem Taxi nach Kosicka Bela (20 Euro= mindestens 8 zu viel...- ich war Schuld!). Von dort ging es bei gutem Wetter (Bild oben) zu unserer "Gulasch- Kneipe". Gleich zu Anfang waren fast 500 Höhenmeter Steigung zu überwinden, aber dann ging es auf einem Kammweg ohne weitere Erschwernisse bis zur "chata". Dort gab es auch den erwarteten Gulasch. Eher eine Gulasch- Suppe, die von den Kollegen für zu fett befunden wurde. Ist Fett ungesund? Klar. Aber es kommt halt auf die Lebensweise an. Bei entsprechender körperlicher Betätigung schadet es wohl weniger als enzymbehandelte, sojagestreckte und aromatisierte Zivilisationsprodukte made in Germany. Denke ich. Heute jedenfalls war Fett erlaubt, denn die Strecke fraß Kalorien! ;-)

Dann verließ uns das Wetter, aber nicht das Glück. Wir konnten den Gewitterguss (Bild Mitte) unter einem Schutzdach abwarten, das just neben uns auftauchte, als der Regen einsetzte

Später hielt das Wetter und es ging über Waldwiesen (Bild unten) und durch lichte Wälder bis Bankov. Von dort nahmen wir den Bus zurück, denn 20 km waren wir sicher gegangen. Genug für heute. Der Tag klang im "Med Malina" aus, unserem Lieblingsrestaurant in Kosice. Man isst dort gut: Von russischen Pirogi über polnisches Bigos bis hin zu slowakischen Haluski ist alles im Angebot, was die regionale Küsche bietet. Man kann sich über Geschmack und Preis nicht beklagen...

Samstag, 26. Mai 2012

Abschlusstag


Vielleicht sah es nicht so aus, aber es war doch viel Arbeit und es waren auch lange Tage. Vergessen habe ich, dass ich am Dienstag nach dem Ende des arbeitsreichen Tages mit Mirka (Bild oben links) Einkaufen und dann mit anderen Schülern ihrer Klasse aus der Trebisovska noch zum Lagerfeuer war. Lubka (Bild oben rechts) spielte Gitarre und es war ziemlich gemütlich, obwohl Konversation für die Schüler immer anstrengend und für mich doch auch irgendwie Arbeit bleibt. Es läuft eben nicht so wie unter Muttersprachlern. Trotzdem: Es war schön und den Organisatoren sei gedankt!

Mittwoch abend widmete ich mich "meinen Jungs" von der Opatovska (Michal und Dominik). Mirka und Gabriela waren auch mit bei "Bruno", einem Schweizer, der uns in seiner Bar bediente und erst 23.00 Uhr raus schmiss. Anderntags stand ich um 06.30 Uhr auf...

Am Donnerstag kamen wir eh spät nach Hause. So war ich Freitag ziemlich kaputt, aber trotz abschließendem Gruppenfoto (Bild unten) war die Arbeit nicht zu Ende. Bis 0.35 Uhr schnitt ich eine erste Film- Version zum Thema "Wir im Projekt. Tag 1" zusammen, damit wir auf dieser Basis im Juni mit dem technisch- dramaturgischen Part weiter machen können. Dann sind zwei Filme dran. Ein Erinnerungsfilm über uns und der Resultatfilm über die Karpatendeutschen. Mal sehen, ob wir das alles schaffen!  


Kezmarok- Käsmark

Nach Kezmarok fuhren wir mit dem Zug. Die Fahrt dauert knapp 2 Stunden. Wir hatten einen Termin mit Herrn Wagner, dem Vorsitzenden des Karpatendeutschen Vereins dortselbst. Nebenbei sollten allerdings auch Interviews mit Passanten geführt werden. Würde das klappen? Es klappte. Die Leute waren freundlich und Gabriela von der Srobarova (Bild oben) sprach die Leute so clever an, als habe sie nie was anderes gemacht. Mädchen müsste man sein...

Das Gespräch mit Herrn Wagner war ebenfalls ergiebig. Seine Grundaussage, dass Kezmarok bis 1945 eine multiethnische Stadt war, in der Ungarn, Polen, Deutsche und Slowaken einträchtig miteinander auskamen, erinnerte mich stark an Czernowitz. Auch das Pochen auf die Tatsache, dass hier immer Deutsch gesprochen wurde, kam mir irgendwie bekannt vor ;-) Unverholen auch der Stolz auf die deutsche Architektur der Stadt (Bild Mitte), die deutschen Handwerkstraditionen (die Zunftzeichen haben sich an vielen Häusern erhalten). Bis heute findet in Kezmarok jährlich ein Treffen der europäischen Handwerkskunst statt. 

Wir waren dann noch im Museum, in der berühmten Artikularkirche und am Schloss. Neu war mir immerhin, dass die Holzdecke mit Hilfe schwedischer Matrosen errichtet wurde. Damit ist auch die Bullaigenform der unteren Fenster erklärt ;-) Auch in Kezmarok holte uns endlich der Regen ein (Bild unten: Michal und Mirka unter einem Schirm). Aber da hattenn wir es schon fast geschafft...


Metzenseifen

Am Mittwoch trafen wir uns früh und fuhren mit dem Bus nach Medzev (Metzenseifen). Um 10.00 Uhr hatten wir einen Termin an der frisch renovierten und angenehm anzusehenden Grundschule. Die Deutschlehrerin war so nett, unsere Schüler mit ihren Schülern allein zu lassen, so dass sie ihr erstes Interview auf Slowakisch und Deutsch führen konnten. (Bild oben- Dominik, Michal, Michaela und Kamila) Danach gab es ein interessantes Interview mit dem Direktor, der sehr bedauerte, dass man in Metzenseifen nicht mehr - wie früher - schon im Kindergarten nur Deutsch spricht. Die Frage nach Diskriminierungen zu sozialistischen Zeiten verneinte er, verwies uns ansonsten aber an einen Lokalhistoriker. Sein Mantakisch (so die Bezeichnung für den örtlichen Dialekt) machte den Schülern großen Spaß! Seine Stellvertreterin bedauerte sehr, dass man nun auch viele Roma- Kinder hätte aufnehmen müssen. Allerdings lernen die kein deutsch. Warum eigentlich nicht?

Weiter ging es zum Schuster- Haus. Dr. Rudolf Schuster ist deutschstämmig, stammt aus Metzenseifen, hat sich allerdings bei den bisherigen Volkszählungen offiziell nicht als Deutscher erklärt (so jedenfalls Herr Wagner, der Vorsitzende des Karpatendeutschen Vereins in Kezmarok/ Käsmark). Wäre er sonst nicht zum ersten Staatspräsidenten der neu gegründeten Slowakischen Republik gewählt worden? Wer weiß...


Sein als Museum eingerichtetes Elternhaus enthält neben altem Mobiliar (Bild Mitte) und technischen Gerätschaften die - so wurde uns gesagt - weltgrößte Sammlung von historischen Filmkameras. (Bild unten) Unter den Exponaten Geschenke von Schröder, Kutschma und weiteren Staatsmännern. Im Hof steht ein restaurierter und funktionstüchtiger Eisenhammer aus dem 14. Jahrhundert. Die Deutschen kamen ja einst zum Zwecke der Eisengewinnung in diese Gegend. Dann begann es zu regnen und wir brachen den Tag ab. 


Filmprojekt an der Srobarova

Am 22. 05. trafen wir (je 3 Schülerinnen und Schüler aus den Gymnasien Opatovska, Srobarova und Trebisovska, die Kulturweit- Stipendiatin Natasha - Bild unten neben mir - , mein Kollege Friedrich und ich) uns am Gymnasium Srobarova zur Konzipierung unserer Filmprojektwoche.

Das Geld stammt aus dem Minderheitenfonds und daher sind wir gehalten, einen Film über die "Karpatendeutschen in der Slowakei" zu drehen. Warum nicht? Das Thema ist immerhin interessant und eine erste Umfrage unter den Projektbeteiligten offenbarte nicht gerade fundiertes Wissen über die Problematik der Geschichte und Gegenwart der deutschen Minderheit in der Slowakei. Nicht einmal Ulrika und Michal (Bild Mitte), die deutschstämmige Verwandte haben bzw. aus solchen Familien stammen, wissen wirklich etwas.Also begannen wir mit der Internet- Recherche.

Außerdem mussten wir in einem Schnellkurs die Kamerabedienung und ein paar Grundlagen der Kameraführung vermitteln. (Bild oben: Lucia von der Trebisovska beim Filmen einer Spielszene.) Zeit war knapp, denn am Mittwoch sollte es schon nach Medzev gehen. Ohnehin war die spannende Frage, was unser 400- Euro- Camcorder leisten kann...

Sonntag, 20. Mai 2012

Wanderung rund um Zlata Idka

Wir, Friedrich, Meike und ich, beschlossen, von Zlata Idka aus die uns noch unbekannte Seite der Berge zu erkunden. Waldiges Gebiet- bei Temperaturen um 25 Grad gerade richtig!

Der erste Ausblick bot sich, als wir den Bergrücken passiert und Richtung Kloster Jasov schauen konnten. Eine Weile folgten wir dann einem Weg parallel zur Straße nach Medsev. (Bild oben) Von dort kann man weit ins Kosicer Land sehen. (Bild Mitte)

Dann ging es bergan. Auf 1120m Höhe hatten wir den höchsten Punkt erreicht. Wir näherten uns der Chata "Erika" von der anderen, mir noch unbekannten Seite her. (Bei einer meiner letzten Radtouren war ich just an dem Anstieg gescheitert, den wir nun als Abstieg meisterten!)

Vorher öffnete siche aber noch einmal ein fantastischer Blick ins Land: Land? Wie groß/ klein ist dieses Land eigentlich? Ob man irgendwo hinter Presov auf einem Berg steht oder jetzt irgendwo hinter Kosice...- die Tatra bleibt allgegenwärtig. (Bild unten) Sind es noch 70 oder 90 km? Von da oben sieht es jedenfalls so aus, als wäre man in einer halben Stunde da ;-) . Aber das alles ist natürlich weit gefehlt. Wir selbst waren heute von 10.00 bis 18.00 Uhr stramm unterwegs und am Ende waren nicht nur meine Mitstreiter kaputt. Neue Fußsohlen bitte!!! :-)




Projektwoche Michalovce. Sechster Tag

Sechster und letzter Tag. Alles Mögliche musste zu Ende gebracht werden. Das Filmteam schnitt die letzten Szenen. Die in den letzten Tagen erstellten Plakate mussten "in Szene" gesetzt werden (Bild oben). Natürlich war die 10. Klasse mit ihrem "modernen Märchen" dran. Dieses Mal sahen wir voller Vergnügen Rapunzel in einer verkehrten Welt. (Bild zwei von oben). Hektik war angesagt!


Alle zusammen schauten dann "Babys", einen Dokumentarfilm über die Entwicklung von zeitgleich geborenen Babys in Afrika, der Mongolei, den USA und Japan. Eine ziemlich emotionale und anregende Sache. Warum bloß lachten die ärmsten und im Dreck aufwachsenden Babys am meisten, während das "Luxusbaby" made in USA ständig zwischen seinen uendlich vielen Spielsachen strampelte und schrie? Wer weiß, ob meine Theorien über "die Liebe" Anklang gefunden haben? Immerhin gab es sehr betroffene Gesichter und - als ich über die Beziehung von Eltern und Kindern sprach - auch Tränen. Am Ende des Kurses umarmten einige der "Kinder" ihre Lehrerin Alexandra, als würden sie eine Mutter verlieren, als würden sie nicht am Montag alle schon wieder in der Schule sein. Ein Mädchen wollte sogar bleiben, denn zu Hause warte niemand auf sie. Da sei sie allen egal....

Ja, in so einer Woche lernt man sich kennen  und auch Manches verstehen, das man vielleicht nicht unbedingt wissen/ verstehen wollte. Das Abschlussbild (unten) strahlte jedenfalls nicht nur Harmonie aus, es zeigt, was wirklich war. Ein tolles Team in einer tollen Woche! Danke an meine beiden Mitstreiterinnen Alexandra und Natasha (Zweites Bild von unten). Ich habe viel gelernt und wenn ich auch am Ende total fertig war, so will ich diese Woche doch nicht missen. Ich beginne, mich in der Slowakei wohl zu fühlen. Schuld sind - wie immer - die Menschen. Ist das nichts? Im nächsten Jahr bin ich wieder dabei- versprochen!