Slowakische Schüler/innen bekommen eine Aufgabe, wobei eine von 36 als Antwort schrieb:"Don't give a shit". Die anderen 35 äußerten sich. In Situation A ist die Frage, ob eine junge Frau in sehr teuren Designerklamotten, die zu einem wichtigen Vorstellungsgespräch zu einem Star- Architekten geht, ohne Rücksicht auf Geld und Karriere ein Kind retten sollte, das in einem Teich zu ertrinken droht. Von den 35 Schüler/innen waren 33 bedingungslos dafür und nur zwei meinten, sie könnte versuchen, Hilfe zu holen, um ihre Klamotten zu schonen und den Job zu kriegen. In Situation B kommt die junge Frau nach Hause. Sie hat den Job. Im Postkasten findet sie einen Spendenaufruf. Sie kann mit 100 Euro ein Kind in Afrika 6 Monate lang vor dem Hungertod bewahren. Soll sie es tun? Von den 35 Schüler/innen waren 3 dafür; 32 hatten Einwände und meinten - zugespitzt - "sie soll nicht 100 Euro für schwarze Kinder geben. (Maros). Dabei muss man wissen, dass in der Slowakei mit den "Schwarzen" auch Zigeuner gemeint sind... Die meisten waren jedoch dagegen, weil man ja nicht wisse, ob das Geld auch ankommt. Aber es gab auch die Meinung, dass das ganz allein ihre Entscheidung sei, ob sie sich selbst etwas kaufen will, oder ob sie eben Geld spendet: "Wir können sie nicht richten." (Gabriela) Eine Schülerin meinte: "Wer von uns würde 100 Euro nur so einem Kind in Afrika geben? Ich meine: Keiner von uns." (Tania) In der Variante C, in der dann gefragt wurde, ob sie das Geld geben solle, wenn das Kind eines Nachbarn sich auf der Afrika- Safari verletzt hat und der Nachbar um Hilfe bittet, waren dann wieder 32 von 35 der Meinung, sie solle helfen und das Geld sofort überweisen, "weil sie jetzt mehr Verantwortung fühlen muss." (Nicole) "Ich denke, dass wir den Kindern in Afrika helfen sollen", so Adriana, die als eine der wenigen für Hilfe plädierte, "aber dem Kind eines Nachbarn zu helfen ist ein bisschen natürlicher." Natürlich klingt u.a. auch so: "Wenn es das Kind des Nachbarn ist, kann der die Hilfe vielleicht zurück geben." (Ivana) Wir hätten eben "keinen persönlichen Kontakt und wir denken, das betrifft uns nicht" (Matus). Nur eine Stimme von 35 sprach sich ganz singulär und bedingungslos so aus: "Das bedeutet für unsere globalisierte Welt, dass jeder krank werden kann und wir müssen versuchen, jedem zu helfen." Auf Nachfrage bestätigte Daniel, den Sinn des Modalverbs richtig erfasst zu haben. Ja, wir MÜSSEN es wenigstens versuchen! Allerdings steht der EINEN WELT, deren Kiwi und Bananen wir so selbstverständlich konsumieren wie ihr Öl und die Produkte indonesischer Billigarbeiter, kein Bürger dieser Welt gegenüber. Wir haben Konsum- und Wutbürger, Patrioten und Nationalisten, Touristen und Liebhaber afrikanischer Tierserien...- bloß Weltbürger haben wir nicht! Leider.
(zu den Übungen vgl. http://www.srf.ch/kultur/im-fokus/filosofix)
Reisebilder aus der Ukraine, der Slowakei, Rumänien und Osteuropa. Reflexionen zum Alltag, Reiseberichte, Kurioses und Interessantes vom Zusammenleben der Völker, Privates für Freunde und Bekannte...
Montag, 29. Februar 2016
Freitag, 5. Februar 2016
Karl Kautsky: Ethik und materialistische Geschichtsauffassung
Aus Spaß Karl Kautskys "Ethik und materialistische Geschichtsauffassung" gelesen. Alles so vertraut. ;-) Zeigt, wie weit das, was "Sozialdemokratie" heißt, von seinen Ursprüngen weg ist. Zeigt auch, wie sehr die "klassenlose Gesellschaft" Wirklichkeit wurde. Bloß hat sie keine neue humane Formation gesellschaftlichen Lebens hervor gebracht. Statt der alten Klarheit herrscht nun Ratlosigkeit, da ohne "Klassenstandpunkte" die vertrauten Gegensätze obsolet geworden sind, aus denen sich die "Logik" von "Fortschritt" ergab. Wir sehen also Chaos und Endzeiterwartungen statt einer lichten Zukunft. Aus der einen sind wieder viele einander oft widersprechende Alternativen geworden. Da erscheint Kautskys 1906 geäußerte Vision schon deshalb als Menetekel, weil ihr erster Teil 1914 Wirklichkeit wurde (und so die Kraft marxistischer Analyse bewährte), ohne dass die Hoffnung ihres zweiten Teils eintraf (was auf die Verfehltheit teleologischer Implikationen von Geschichtskonzepten hinweist). Und gerade deshalb doch erinnernswert: "Die kapitalistischen Nationen des Kreises der europäischen Gesellschaft erweitern diesen dadurch, dass sie ihre Ausbeutungsgebiete erweitern, was nur auf dem Wege der Gewalt möglich ist. Sie schaffen also die Grundlagen eines künftigen Weltfriedens durch den Weltkrieg, die der allgemeinen Solidarität aller Nationen durch die Ausbeutung aller Nationen, die der Einbeziehung aller Kolonialländer... mit den schlimmsten Gewaltmitteln brutalster Barbarei." (Kautsky, 1906, S. 109 f.) - Sollte der andauernde (man ersetze nur "Kolonialländer" durch "ehemalige Kolonien") Zustand jemals in Richtung auf einen "allgemeinen Frieden" (Kant) überwunden sein, sollte also der dafür als Subjekt des WELTfriedens notwendige WELTbürger den tumben Nationalismus und die Rückwärtsgewandheit der heute Ausgebeuteten und Entrechteten überwunden haben, wäre "die Geschichte" wieder klar und folgte einer immanenten, aus Hoffnungen und Sehnsüchten der Menschen sich ergebenden "Logik", die Denker von Marx bis Bloch herausgearbeitet haben. Verfällt die Welt hingegen dem Chaos von Ressourcenkriegen, neuen durch soziale Katastrophen ausgelösten Völkerwanderungen oder einfach ihrer Entropie durch Überdehnung und Ressourcenmangel, siegt die andere "Logik", die auch eine Möglichkeit ist. Schlichtere Geister würden dann sagen: Das Böse hat über das Gute gesiegt. Manchmal lohnt es sich, die Welt schlicht zu begreifen!
Montag, 1. Februar 2016
Wieder mal Ukraine
Neues gibt es natürlich auch: Z.B. ein ganzer Laden für türkische Zuckerspezialitäten. ;-) (Bild Mitte) Und Altes? Altes gibt es auch. ;-) Unten im Bild Trembita- Spieler in Huzulischer Tracht. (Die "Trembita" ist die lange Rohrflöte da im Bild.) Immer noch sind sie dicht umlagert und sammeln richtig Geld ein. Man ist - so scheint es - trotz allem gern Ukrainer und stolz auf seine Traditionen. Zumindest in der Westukraine. Neuerdings ein bisschen mit Uncle Sams Wildwest- Romantik gemischt. Wie ich hörte, steigt die Zahl der Befürworter des persönlichen Waffenbesitzes. Und die Besoffenen grölen lautstark, dass Poroshenko ein "schwuler Sack" sei. Kaum jemand protestiert. Nun ja, seine Umfrage- Werte liegen noch bei 15%...
Samstag, 23. Januar 2016
Wintertag
Ganz unten im Bild der Weg weg vom Fluss hin zur Hauptstraße. Er führt an den Tennishallen vorbei, in denen Sommers wie Winters Betrieb ist. Und so ist es eben. Bei dem Einen raucht kein Schornstein, während der Andere sich nach dem Spiel unter der heißen Dusche erfrischt...
Das tat ich auch, denn nach der Stunde ohne Mütze fühlte sich die dumme Rübe etwas kalt an! :-)
Donnerstag, 7. Januar 2016
Terrorgefahr in Leipzig
Nein, liebe Freunde vom BND, Entwarnung: Der Typ in Ninja- Outfit ist weder der gesuchte Kofferbomber von Leipzig noch der Grapscher von Köln- Hauptbahnhof! Allerdings hat er eine - oben leider nur schlecht erkennbare - nordafrikanische Waffe: Original malisches (früher sagte man mal "malinesisches") Zierschwert! Also aufgepasst, vielleicht ist der Typ (auch wegen seiner linken Gesinnung!) ja doch gefährlich. Kurz, die Warnung passt: Mindestens einen Meter Abstand halten! ;-)
Mit DER Kopfbedeckung passt der Typ natürlich auch in die ATO- Zone zwischen Donezk und Luhansk. Bloß das Elch- Kerlchen auf der Mütze (Bild unten) sieht ein bisschen harmlos aus, oder? ;-) Wie dem auch sei. Das Rätsel löst sich, wenn man die Außentemperaturen, die weiße Schneedecke und den Wunsch, mit Tochter wenigstens auf die 6,5 km- Strecke zu gehen, in Übereinstimmung zu bringen sucht. Übrigens: 6,5 km nicht etwa, weil Anka nicht auch 10 schaffen würde. Geheimnis (ganz leise): Sie ist zu schnell für mich und ich habe Mühe, die 6.5 hinterher zu kommen! ;-) ;-) ;-)
Sonntag, 3. Januar 2016
Sungs Laden- ein zauberhaftes Märchen
Zu schön, um wahr zu sein. Oder doch nicht? Ein griesgrämiger Schulleiter, der es doch einst besser wusste, fürchtet während einer kleinen Erzählung aus dem Vietnam des Krieges in den satten Vor- Weihnachtstagen einer viel späteren Zeit, es könnte zu viel "kommunistische Propaganda" von der Bühne seiner Schule verbreitet werden und ihm kurz vor der Pension noch Ärger machen. Ein Jahr später steht er in Sungs Laden und glaubt kaum, dass DAS alles an seiner Schule begonnen hat...
Karin Kalisa baut Schritt für Schritt die schier unglaubliche Veränderung eines Ostberliner Kiezes zu einer Oase der Völkerverständigung und des neuen Miteinander auf, eines Miteinander, dem sich weder Zugewanderte noch Einheimische verschließen können. Nein, es gibt keine Rückschläge trotz (oder gerade wegen) der untergründigen Trauer, die mit Blick auf die Vergangenheit mitschwingt. Das ist märchenhaft. Ein Märchen (für Erwachsene) also? Ja, aber ein so zauberhaft, so poetisch in unserer prosaischen Zeit angesiedeltes, dass man es lieber glauben möchte als es scheitern zu sehen!
Poesie, sagt man, ist Poesie, weil sie in uns Saiten zum Schwingen bringt, von deren Existenz wir vorher nichts wussten, oder die wir vergessen haben. Verdrängt, würden Freudianer meinen, denn Kinder wissen (natürlich!) darum. Was wir verdrängt haben klingt leise an. Kalisas heimliche Hauptfigur, das Gravitationszentrum der Weisheit und Güte, Hién,eine alte Frau, die für ihre vietnamesischen Mitbürger Deutschkurse gibt, verzichtet nicht auf die alten Lehrbücher aus der DDR, will das Wort "Solidarität" nicht in verstaubten Ecken liegen lassen. Sie weiß um den Schindluder, der mit dieser Idee getrieben wurde, aber sie glaubt an ihre Substanz und weiß, wo sie in den Menschen verborgen liegt...
Was sich dann entfaltet, spricht das Kindliche in unseren Seelen an, die Sehnsucht nach Harmonie und den Sieg des Guten (und Vernünftigen) über das Böse- symbolisiert in einer alten und oft als Pfand gebrauchten Puppe und im wiederentdeckten vietnamesischen Puppenspiel. Und das Kindliche ist das Schlechteste nicht. Wie nebenbei gelingt es Karin Kalisa zu zeigen, was wir gewinnen könnten, wenn wir unsere Herzen fremden Kulturen und unsere Neugier den neuen Mitbürgern öffnen würden. Das ist große Literatur, die ganz leicht, ganz zart, ganz unprätentiös und wenn schon mit einer Moral, dann mit der eines Märchens in unsere Zeit kommt. Die Lektüre sei ausdrücklich empfohlen.
Apropos: Im Roman entdeckt eine der Figuren die Schönheit diakritischer Zeichen, mit denen das lateinisch geschriebene Vietnamesisch die neun Tonhöhenunterschiede seiner melodischen Aussprache markiert. Dem C.H.Beck-Verlag und seinem Lektor sei gedankt, vietnamesische Namen und originalsprachliche Passagen in ihrer richtigen Form wiedergegeben zu haben. Es ist ein Gebot des Respekts UND STÖRT KEIN BISSCHEN! (Kalisa, Karin, Sungs Laden, München 2015)
Karin Kalisa baut Schritt für Schritt die schier unglaubliche Veränderung eines Ostberliner Kiezes zu einer Oase der Völkerverständigung und des neuen Miteinander auf, eines Miteinander, dem sich weder Zugewanderte noch Einheimische verschließen können. Nein, es gibt keine Rückschläge trotz (oder gerade wegen) der untergründigen Trauer, die mit Blick auf die Vergangenheit mitschwingt. Das ist märchenhaft. Ein Märchen (für Erwachsene) also? Ja, aber ein so zauberhaft, so poetisch in unserer prosaischen Zeit angesiedeltes, dass man es lieber glauben möchte als es scheitern zu sehen!
Poesie, sagt man, ist Poesie, weil sie in uns Saiten zum Schwingen bringt, von deren Existenz wir vorher nichts wussten, oder die wir vergessen haben. Verdrängt, würden Freudianer meinen, denn Kinder wissen (natürlich!) darum. Was wir verdrängt haben klingt leise an. Kalisas heimliche Hauptfigur, das Gravitationszentrum der Weisheit und Güte, Hién,eine alte Frau, die für ihre vietnamesischen Mitbürger Deutschkurse gibt, verzichtet nicht auf die alten Lehrbücher aus der DDR, will das Wort "Solidarität" nicht in verstaubten Ecken liegen lassen. Sie weiß um den Schindluder, der mit dieser Idee getrieben wurde, aber sie glaubt an ihre Substanz und weiß, wo sie in den Menschen verborgen liegt...
Was sich dann entfaltet, spricht das Kindliche in unseren Seelen an, die Sehnsucht nach Harmonie und den Sieg des Guten (und Vernünftigen) über das Böse- symbolisiert in einer alten und oft als Pfand gebrauchten Puppe und im wiederentdeckten vietnamesischen Puppenspiel. Und das Kindliche ist das Schlechteste nicht. Wie nebenbei gelingt es Karin Kalisa zu zeigen, was wir gewinnen könnten, wenn wir unsere Herzen fremden Kulturen und unsere Neugier den neuen Mitbürgern öffnen würden. Das ist große Literatur, die ganz leicht, ganz zart, ganz unprätentiös und wenn schon mit einer Moral, dann mit der eines Märchens in unsere Zeit kommt. Die Lektüre sei ausdrücklich empfohlen.
Apropos: Im Roman entdeckt eine der Figuren die Schönheit diakritischer Zeichen, mit denen das lateinisch geschriebene Vietnamesisch die neun Tonhöhenunterschiede seiner melodischen Aussprache markiert. Dem C.H.Beck-Verlag und seinem Lektor sei gedankt, vietnamesische Namen und originalsprachliche Passagen in ihrer richtigen Form wiedergegeben zu haben. Es ist ein Gebot des Respekts UND STÖRT KEIN BISSCHEN! (Kalisa, Karin, Sungs Laden, München 2015)
Opfer für die Wissenschaft ;-)
Der Tisch ist geschätzte 5m lang und reicht normalerweise locker für 12 Personen. Wie viele er jetzt beherbergt, ist mir unklar. Ein paar Hundert Angehörige Hirschberger Kaufmannsgeschlechter, und alle heißen Johann- Georg (oder so!), werden es wohl sein. Jedenfalls reiht Anka genealogische Abfolgen Blatt an Blatt...
Heute morgen konnte sie die Blätter noch zur Seite schieben, aber jetzt haben wir eingesehen, dass ein Wissenschaftlerhaushalt Opfer bringen muss: Der Katzentisch, normalerweise steht er auf dem Balkon und reicht kaum für zwei, muss nun reichen. Fragt sich: Wie lange noch? :-(
Aber was tut man nicht alles für die Aufhellung der Geheimnisse des schlesischen Fernhandels mit Weberei- Produkten? :-)
Aber was tut man nicht alles für die Aufhellung der Geheimnisse des schlesischen Fernhandels mit Weberei- Produkten? :-)
Abonnieren
Posts (Atom)