Reisebilder aus der Ukraine, der Slowakei, Rumänien und Osteuropa. Reflexionen zum Alltag, Reiseberichte, Kurioses und Interessantes vom Zusammenleben der Völker, Privates für Freunde und Bekannte...

Freitag, 26. Juli 2024

2024-07-11 Melk und die Schallaburg


Nachdem wir uns noch einmal Wien angesehen hatten, Anka wohnt direkt am Belvedere und das ist natürlich günstig, schauten wir im Wetterbericht nach, wann es wo regnet. In Wien Regen, in Melk nicht. Also los. Von der Autobahn aus hatten wir Melk schon des Öfteren gesehen. (Bild Mitte) Wir wollten denn auch nicht in die Abtei, die in ihrem Protz auf mich so abstoßend wirkte, wie ich es mir gedacht hatte, sondern in die Stadt. Dort gab es in der Tat schöne Ecken, obwohl das Gesamtensemble nicht so ganz dolle ist. 

Dafür entschädigte uns die Schallaburg. (Bild unten) Man soll eben doch ab und an den braunen Hinweisschildern folgen. Dieses Mal hat es sich absolut gelohnt, denn ohne den Tipp wären wir sicher daran vorbei gefahren, da das Objekt sonst nicht unter die "Top- Sehenswürdigkeiten" gelistet ist. Dabei ist das gut erhaltene Ensemble wirklich ein Musterbeispiel eines gelungenen Renaissance- Umbaus einer alten Burg. Die Terrakotta- Einfassungen in der Hofgalerie sind wirklich sehenswert und auch witzig. (Bild oben) So gibt es ein "Arschgesicht", das Anka auffiel. Unten im Hof stehen Rohre, durch die man weitere Kuriositäten sieht, wenn man hindurchschaut. 

Auch Garten und Ausstellung sind sehenswert. Man erfährt einiges über die Reformation und reformiertes Schulwesen in Österreich, Dinge, die ich nicht wusste. Ich war bisher der Meinung, dass die Gegenreformation hier schneller und gründlicher gewütet hättet. Hat sie aber nicht. Wieder was Neues erfahren.  

2024-07-09 Sternberk

Ein weiteres braunes Hinweisschild auf der Autobahn, das mich immer fasziniert hatte, wies nach "Sternberk". Leider begingen Anka und ich einen Fehler insofern, als Anka auf Google- Maps ein "Sternberg" fand, das beinahe 200 km von Jihlava entfernt liegt. Mir kam das merkwürdig vor, dass man dafür auf der Autobahn Reklame machen sollte, aber wer weiß? Also fuhren wir über kleine Landstraßen übers tschechische Land nach Sternberg, wo uns auch eine sehenswerte Kirche (Bild unten) und eine Burg begrüßten (Bild oben). Nur war die viel kleiner als auf den Bildern und als wir nachschauten wurden wir gewahr, dass wir nach "tschechisch Sternberk" hätten fahren müssen. Na, egal. Hier war es auch schön und wir haben das Land abseits der großen Städte und Straßen gesehen. Das ist doch auch was. In Sternberg selbst sah es allerdings mit der touristischen Versorgung schlecht aus und wir mochten nicht in die geruchsintensiven Kneipen gehen, in denen die Leute ihr Mittagsmenü verspeisten. Zum Glück fand sich aber oberhalb der Burg noch eine Pension, die ein zwar eingeschränktes, dafür aber äußerst schmackhaftes Mittagsangebot hatte. Mit derart beruhigtem Magen haben wir es dann bis Wien geschafft. Sogar einkaufen konnten wir am Straßenrand, mussten wir auch, denn in Österreichs Hauptstadt hat nach 18:00 Uhr rund um den Hauptbahnhof kein Supermarkt mehr offen. Da muss man sich umgewöhnen...

2024-07-08 Jihlava

Anka hatte uns nach Wien eingeladen und wir starteten gemeinsam ab Leipzig, da sie ohnehin von einer ihrer vielen Konferenz- Reisen dort vorbeigekommen war. Wir wollten aber nicht durchfahren und machten Station in Jihlave (Bild unten- Marktplatz), wo Gustav Mahler seine Kindheit und Jugend verbrachte. (Das Mahler- Haus ist unweit des Platzes vor der alten Stadtmauer, Bild oben, auf dem auch eine Statue an ihn erinnert.) 

Wir hatten einen schönen Nachmittag beim Stadtgang und aßen im Gartenrestaurant unserer Pension hervorragend zu Abend. Nun haben wir also auch das Geheimnis hinter diesem braunen Hinweisschild auf der Autobahn (sonst fahre ich immer nur vorbei) gelüftet. Wenn man nun noch den sozialistischen Einkaufskasten auf dem Markt abträgt, wird die Stadt noch schöner. Aber solche Sünden hat Jihlava mit Lübeck oder Regensburg gemein. Nichts spezifisch "Sozialistisches". Dumme Moderne eben, die von "stadtangepasstem Bauen" nichts wissen wollte. 

2024-07-01 Torun

Alles Reminiszenzen: Wir wollten mit Dorota (Bild mit Uta) noch einmal nach Torun, wo wir früher so oft spazieren und Mittag essen waren und wo Anka später noch einmal für ein Jahr zum Erasmus- Austausch gewesen ist. Es lohnt immer wieder, die alte Deutsch-Ordensritter- und Hansestadt zu besuchen, in der die Polen in Sachen Restaurierung hervorragende Arbeit leisten. Nicht einmal einen Sack haben sie vergessen an das Seil vom Turm zu hängen! So kann man sehen, "wie es früher war", als die Weichselkähne, von Bromberg, Danzig oder Krakau kommend, vor den Toren der Stadt entladen wurden! Mittag gab es in Ankas Lieblings- Pirogarnia. Lecker. Dann fuhren wir nach Ciechocinek zurück, verabschiedeten uns von Dorota (nicht ohne sie nach Leipzig einzuladen) und zogen "um die Ecke" in das neue Haus von Miras und Dorota II. Auch dort hatten wir einen schönen Nachmittag und Abend und genossen den verdienten Wohlstand unserer Freunde. Allerdings tritt Miras nun etwas kürzer, ist vom Management seiner Firma ins Controlling gewechselt, weil der Dauerstress seiner Gesundheit nicht gut tat. Mögen die Kontrolluntersuchungen negative Ergebnisse zeitigen! 

2024-06-30 Włocławek und Ciechocinek

Wir nutzten den freien Vormittag ohne Budzynskis zu einem Stadtrundgang. Nichts Neues. Uta wollte noch einmal "Tama" (Staudamm) mit Kreuz (für'n Papst) sehen und von dort fotografierte ich bei flimmernder Hitze die Silhouette der Stadt. (Bild) Erinnerungen. In Ciechocinek haben wir dann Dorota besucht, die nun ohne Zbyszek zurechtkommen muss. Er fehlte. Ansonsten haten wir einen schönen Nachmittag und Abend. Zum Glück gab es ein Gewitter, das ein bisschen Abkühlung für die Nacht brachte.

2024-06-29 Lichen

Kaum war Uta aus Bulgarien von ihrer Klassenabschussfahrt zurückgekehrt, brachen wir nach Polen auf, wo kranke, ein bisschen vereinsamte und hoffentlich von schwerer Krankheit Genesene auf uns warteten. Leider erreichte uns auf der Autobahn die Mitteilung, dass uns Christina - unsere ehemalige Chefin und Freundin - nicht empfangen könne. Es ging ihr schlecht und tags darauf musste sie ins Krankenhaus. Wir nutzten die Zeit für einen Abstecher nach Lichen, wo die größte Kirche Polens steht. Uta kannte das noch nicht und also sind wir hin. Kommentar: "Ein nicht ganz fertig gewordener Peters- Dom Nr. 2". (Bild unten) Das stimmt wohl. Ich hoffe nur, das Original ist geschmackvoller. Das hier ist katholischer Kitsch, errichtete für die Predigt des "polnischen Papstes". Hier gewöhnt man sich daran, dass Maria und Gott Polen waren. 

Aber nicht alles ist Kitsch. Vieles ist einfach Kirchenpolitik. Zur Erinnerung an die "polnischen Helden und Opfer" des Zweiten Weltkriegs (Juden sind keine umgekommen) passt das Fehlen der deutschen Fahne auf dem Gelände, das ansonsten die britische und US- Flagge zeigt und auch diejenigen diverser orthodoxer Länder wie der Ukraine oder Rumänien. (Bild Mitte - zu sehen auch das Denkmal für Jan Pawel II.) Die Kirche folgt also immer noch gnaden- und vergebungslos der PiS- Linie vom "Erzfeind Deutschland" (oder gibt sie weiterhin vor). 

Voller bunter Kinderbildchen von Maria und Jesus etc. ist " Golgota". (Bild unten) Wahrscheinlich kann man sich ein Kreuz ausleihen und das dann auf den Knien rutschend den Berg raufbugsieren. Ok, wer's braucht... Wir nicht. Wir hatten eher Freunde an dem grünen Park, der schöne Stellen hat. Kann man sich alles angucken; man kann es auch lassen.

2024-07-22 Wismar bei Frege und Hasse

Abgekommen bin ich wenig später zu den Eltern nach Wismar aufgebrochen. Dort hatte Vater als Dankeschön für die vor vielen Jahren in der Bürgerschaft ausgesprochene Anregung, mit Gottlob Frege endlich einen der Großen aus Wismar angemessen zu ehren, eine biografische Skizze über Freges Wismarer Jahre bekommen. Grund genug auf den Friedhof zu gehen, um das Grad in Augenschein zu nehmen. Die Grabstelle (Bild Mitte) war schon in den 90er Jahren wiederhergestellt worden. Damals sind auch einige Verkehrswege nach Frege benannt worden. Nun war ich also da und habe das Grab gesehen!

Wenn man schon einmal da ist, schaut man natürlich auch nach anderen Ehrengräbern. Die meisten gehören diversen Architekten, die in der Stadt öffentliche Gebäude errichtet haben. Ich fand aber auch die Grabstelle von Sella Hasse, der bedeutenden expressionistischen Künstlerin, die in Wismar gewirkt und sich dann dorthin vor den Nazis zurückgezogen hat. (Bild oben) Früher wohnten wir ganz in der Nähe der Sella- Hasse- Straße, weswegen mir der in Deutschland nicht mehr so ganz populäre Name geläufig war. 

Interessant, dass genau gegenüber dem Frege- Grab noch Grabplatten der eingeebnete Grabstelle "Steffen" zu finden waren. Wer hat di da vergessen? Es handelt sich um die Grabplatten der Großmutter und einer Tante von Vaters Seite- wenn ich das richtig behalten habe. Ansonsten ist die Grabstelle nicht mehr da und es gibt in Wismar kein Angedenken mehr an meinen Großvater, die Oma sowie Onkels, Tanten und meinen zu früh verstorbenen Cousin. Naja, was sind Steine? Gedenken lebt im Kopf der Hinterbliebenen oder gar nicht. So mag es also sein und bleiben wie es ist.