Reisebilder aus der Ukraine, der Slowakei, Rumänien und Osteuropa. Reflexionen zum Alltag, Reiseberichte, Kurioses und Interessantes vom Zusammenleben der Völker, Privates für Freunde und Bekannte...

Donnerstag, 13. September 2018

Urlaub- Drobeta Turnu Severin 09.07.2018

Timisoara fiel am Morgen regelrecht ins (Regen)Wasser. Unterwegs ebenfalls Regen, Regen, Regen. Aber die Landschaft war zunächst ohnehin nicht berauschend. Dann allerdings stieg die Straße zur Donau hinab und dort wurde es sehr schön. Leider kann man das wegen des schlechten Wetters auf den Bildern nicht wirklich sehen und wir hatten natürlich viel weniger davon, als ich bei der Planung des Urlaubs gehofft hatte. Und dann fanden wir auch noch den Decebal nicht, der als Europas größtes Felsenmonument gilt. Das müsste doch groß genug sein!

So fuhren wir zunächst am "Eisernen Tor" vorbei zum Hotel nach Drobeta. Der Staudamm selbst beeindruckte mich nicht so sehr, eher schon der Donaudurchbruch "als solcher". (Bild zwei) Ein kurzer Rundgang durch die Stadt, auf der Suche nach etwas Essbarem, zeigte, dass wir dort wenig verpassen. Immerhin gibt es ein prächtiges Theater. (Bild drei) Das Essen in der einzigen sichtbaren Kneipe war dennoch gut und der Regen ließ etwas nach. Also noch mal los und den Decebal gesucht. Wir fanden ihn dann etwas abseits der Hauptstraße. (Bild oben) Wie kann man bloß den Stolz einer Nation auf die Niederlage eines (aus Sicht der Römer) Halb- Barbaren gegen Trajan gründen, bloß weil der die Daker als "ältere Brüder" bezeichnet haben soll? Auf das "älter" geht dann auch der Wahn zurück, Rumänen hätten Rom gegründet (um das etwas zu überspitzen). Jedenfalls findet sich in jeder größeren Stadt an prominenter Stelle eine Kopie der Kapitolinischen Wölfin, die an diese Großtat erinnern soll. Geht's noch? Weil da sprachhistorisch noch was nachweisbar sein soll, behaupten die Verfechter der Kontinuitätsthese, dass Rumänien also seit mehr als 2000 Jahren Bestand hatte und damit das älteste europäische Volk sei. Gut. Ceausescu war paranoid. Klar. Aber kann man das nicht langsam mal erkennen und ändern? Der Entwurf jüngerer Historiker aus Cluj für ein neues Geschichtslehrbuch wurde jedenfalls in Bucarest abgebügelt. Politiker sind also doch die besseren Historiker, was stimmen mag, da sie - wie oft zu sehen - in der Tat "ewiggestrig" sind!

Abends verstärkte sich der Regen wieder, was aber nicht so schlimm war, weil Uta die Übertragung der Fußball- WM sehen wollte, was dann auch geschah. Am anderen Tag stellten wir fest, dass es noch eine interessante Festung (Bild unten) zu sehen gibt, die einst die Donau- Enge vor den Türken schützen sollte. Spannend fand ich, dass die Römer just an der Stelle eine Brücke über die Donau errichtet hatten, deren Reste bei Niedrigwasser noch zu sehen sein sollen. Di Jungs hatten wirklich was drauf! ;-)



Dienstag, 11. September 2018

Urlaub- Timisoara am 08.07.18

Wir kamen am frühen Abend in Timisoara an und durchquerten die Stadt zunächst erst einmal auf der Suche nach einem guten Restaurant. Das Wetter war durchwachsen und ich hoffte auf besseres Fotolicht am anderen Tag. Aber das Fotoshooting fiel dann aus- wegen Regen.

So blieb es bei ein paar Impressionen aus einer schönen Stadt, die ihr Gepräge in der Spätzeit der Habsburger Monarchie erhielt und unübersehbar von Aufstieg des ungarischen Bürgertums kündet. Die Monumentalität der Kirchen (Bild oben- Kathedrale am zentralen Platz) wie der öffentlichen Gebäude und der Bürgerhäuser in den Straßen (Bild Mitte) zeugen von Reichtum und kommunalem Wohlstand. Insgesamt erinnert die Stadt eher an Pest als an andere, kleinere ungarische Städte. 

Neben allen möglichen Konfessionen haben auch verschiedene Nationalitäten ihre Spuren im Stadtbild hinterlassen. Immer noch künden eine deutschsprachige Buchhandlung und das deutsche Theater vom Einfluss der Banater Schwaben. Die orthodoxen Rumänen haben sich ebenfalls monumental ins Stadtbild eingeschrieben (Bild unten), das auch ansonsten mit diversen Denkmälern und Gedenkplatten an die Rolle Timisoaras in der Wende von 1989 erinnert. Leider handelte es sich dabei um keine "friedliche Revolution", sondern um eine blutige Auseinandersetzung zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften, die zunächst mit Panzern anrückten und sie auch einsetzten. Ausgelöst wurden die Unruhen durch einen ungarischen katholischen Pfarrer, der sich öffentlichkeitswirksam seiner Strafversetzung widersetzte und so die Bewegung los trat. Die Mehrzahl der Toten gab es im Land allerdings erst nach der Hinrichtung des Diktators und seiner Frau, die das harte Vorgehen von Armee und Miliz befohlen hatte. Insgesamt sollen es mehr als 1500 gewesen sein...   


Urlaub- Klosterneuburg und Krems am 07.08.18

Am 06.08. brachen wir in Leipzig auf und fuhren über Tschechien nach Wien, wo wir am Stadtrand ein Quartier gemietet hatten. Wir wollten Freund Lutze treffen und den "Heurigen" probieren. Aber erst einmal wurden wir in eine leerstehende Villa umgeleitet, da die sicher gemütlichere Pension im Zentrum "überbucht" war. Na gut. So schlecht war es dann ach wieder nicht. Nur die gemeinsame Toiletten- und Badbenutzung mit den dann doch noch hinzu gekommenen Nachbarn war weniger angenehm.

Da Lutz aus der Slowakei kaum und in Österreich noch ein Theater besucht hatte, also später kommen würde, sahen wir uns anderntags das ganz in der Nähe befindliche Kloster Neuendorf (Bild oben) an. Die Anlage, die im Türkenkrieg standgehalten hatte, ist schon beeindruckend. Mehr als die barocken Außen- Anlagen faszinierten mich allerdings die romanisch- gotische Klosterkirche. (Zweites Bild)

Weiter ging es nach Krems, das von allen historischen Orten noch am besten zu erreichen war. Warum hat mich das Städtchen nicht so begeistert? Ich weiß es nicht. Eigentlich war der "Piaristensteig" (ein überdachter Treppenweg auf den Berg zur Kirche - Bild drei - hinauf) ganz nett und die Stadt hat einige gemütliche Ecken und eine hübsch herausgeputzte Altstadt. (Bild vier) Vielleicht war mir das alles zu sehr "geputzt"?

Dann kam Lutz und wir stiegen die Hänge oberhalb Wiens hinauf. (Letztes Bild) Vorbei ging es an mehreren Weinbergen, auf denen samt und sonders Schänken für einheimische Besucher und Touristen standen. Wir mieden diese Einrichtungen, vor denen z.T. Reisebusse standen, und suchten einen abgelegenen Heurigen- Wirt, von dem Lutze wusste. Schließlich fanden wir das Etablissement und waren begeistert. (Vorletztes Bild) Vollends zufrieden waren wir, als trotz des böigen Windes die Sonnenschirme gegen die brennende Sonne aufgespannt wurden und wir uns an der Selbstbedienungstheke Stärkung geholt hatten Dann ließen wir uns den Heurigen schmecken und er schmeckte wirklich gut. Zuerst wollte ich den Wein nicht wirklich mit Wasser mischen und trank beides getrennt. Dann merkte ich aber schnell, dass es angesichts der frühen Zeit (gegen 18.00 Uhr), der Temperaturen und des Vergnügens zu trinken, besser wäre, das edle Getränk doch zu verdünnen. Da der Heurige als junger Wein ohnehin spritziger als der in Flaschen verkaufte ist, schmeckte diese quasi Weinschorle hervorragend...

Grund genug jedenfalls, ein Viertelchen nach dem anderen aus der Karaffe zu trinken und dann erst eine und dann noch eine usw. Karaffen hinzu zu bestellen. Was soll ich sagen? Die Zungen wurden schwerer, aber was macht das schon? ;-) So jung kommen wir nicht wieder zusammen und mit Lutze gibt es immer viel zu erzählen. Also trank ich und trank und merkte erst im Gebüsch, dass mir das Zeugs doch tatsächlich zu Kopfe gestiegen war! Gebüsch? Nun ja. Vielleicht hatte ich mich zu schnell erhoben; jedenfalls fand ich mich genauso schnell im Gebüsch hinter meiner Bank wieder. :-( Zur Ehrenrettung sei dann gesagt, dass ich mich allein wieder berappeln konnte und es von da ab wieder problemlos ins Taxi und ins Bett schaffte. Am anderen Tag sprach der leichte Druck auf dem Kopf allerdings deutlich von dem, was wir am Abend davor getrunken hatten. ;-) Bis Timisoara schaffte ich es dennoch problemlos. Wir frühstückten, brachten Lutze zum Bahnhof und fuhren dann über Ungarn nach Rumänien. (Übrigens kostete uns das falsch eingegebene Kennzeichen des Autos 128 Euro Strafe für das Befahren der Autobahn ohne gültige Maut! Also: Aufpassen, was die Vignettenverkäufer so machen!)

 






Donnerstag, 5. Juli 2018

Michalovce

Warum sind die Farben gelb und blau als Wappen- und Stadtfarben in der Ostslowakei so verbreitet? Keine Idee. Aber auffällig ist es schon, dass in der Nähe zur Ukraine dieselben Farben bevorzugt werden. Man sieht sie auf dem "Herzchen" am Kreisverkehr unweit "meiner" Autowerkstatt. (Bild eins)

Michalovce ist eine kleine Stadt. Ich hatte einen Vormittag Zeit, mich noch einmal umzusehen, denn der abendliche Termin mit Sascha lag hinter mir (grillen, trinken, grillen, trinken... - und lachen!) und der Mittagstisch mit Ludka noch vor mir. Also machte ich einen kleinen Rundgang.

Die kleine Stadt ist eigentlich ganz nett und sogar ein bisschen lebendig. Gute Restaurants fehlen allerdings seit "U Swejka" geschlossen hat. (Das Restaurant im Prager Stil befand sich am Ende der Straße auf Bild zwei unter der Kuppel. Jetzt ist ein Casino drin...) Schade. Übrig geblieben sind nur Pizzerien und Döner- Buden, dazu ein paar gute Cafés und Eisbuden. Sonst nichts.

Mein Weg führte natürlich zum Ende des Boulevards, dorthin, wo das alte Burggelände mit dem später darauf errichteten Schloss sich befindet. (Bild vier) Heute ist dort ein Museum. Auf dem Gelände der Burg soll sich der älteste Sakralbau der Ostslowakei befunden haben. Die Grundmauern sind erhalten und damit man sich vorstellen kann, wie die Rotunde aussah, gibt es daneben ein Modell. (Bild drei)

Ganz nett auch der Nachbau eines steinzeitlichen
 Siedlungshauses. (Letztes Bild) Der Rest der alten Burg (ein Turmfragment) wird gerade restauriert. Ich saß zu ihren Füßen auf einer Bank und las Arthur Schnitzlers "Casanova" mit wenig Begeisterung. Der Sinn des Ganzen hat sich mir nicht erschlossen, obwohl mir die Sprache - wie immer - gefiel. Aber das Psychologische hat ganz gefehlt...


Füzér Var

Bei Zsuzsi war es schön. Wir haben wieder einmal ausführlich geschwatzt und guten Rotwein getrunken. Anderntags ging es weiter nach Michalovce, wo ich Sascha und Ludka, meine Kolleginnen aus der Zeit in der Slowakei, besuchen und meine Auto- Scheibe reparieren lassen wollte. Aber auch dieses Mal hatte ich Zeit und beschloss also eine Burg zu besuchen, die im ungarisch- slowakischen Grenzgebiet unübersehbar von ihrem Berg herunter leuchtet. (Bild eins) Dazu musste ich zwar von der Hauptstraße abbiegen, aber das sollte sich lohnen.

Von der Füzér Var hat man einen fantastischen Blick über die Landschaft, durch die ich auch fahren muss, wenn ich von Kisvárda kommend nach Kosice weiter fahre. Sehr schönes Land! (Bild zwei)   

Von unten sieht die Burg sehr groß aus, was sie aber nicht ist. Es gibt zwei Verteidigungsringe und also zwei Tore, aber nur kleine steinerne Gebäude. (Bild drei) Wahrscheinlich dienten früher Holzbauten dem Fußvolk als Quartier.

In dem Palas ist heute eine kleine Ausstellung, die ich mir aber gespart habe. Wie viele Burgen habe ich nun schon von innen gesehen? Im Prinzip gleichen sie von innen einander wie ein Aldi dem anderen. Kurz: Früher war auch nicht alles originell. Nur Lage und äußere Form sind freilich sehr vom Aldi unterschieden. Gott (resp. den Bauleuten) sei Dank! ;-)



Kisvarda in Ungarn


Von Satu Mare kann man über die Landstraße nach Nyékládháza fahren und das wollte ich tun, um Zsu zu besuchen, die mich schon seit zwei Jahren vermisst. Aber da ich vor 16.00 Uhr nicht erwartet wurde, hatte ich Zeit, in Kisvárda auszusteigen und auch etwas zu essen. Natürlich führte mich der Weg zuerst zum jüdischen Friedhof, den man von der Hochstraße aus sieht, wenn man in Richtung Slowakei weiter fährt. Er liegt kahl und verlassen an einem Berg und ist wahrscheinlich restauriert, indem man noch vorhandene Grabstelen wieder ausgestellt hat. Im Original dürften die Grablegen mit ihren Gedenksteinen dichter gestanden haben. (Bild eins)


Im Ort selbst fällt bei der Einfahrt ins Zentrum sofort die zur einst sicher zahlreichen jüdischen Gemeinde gehörende große Synagoge ins Auge. Sie wird renoviert und ist Museum. (Bild zwei) Leider konnte ich sie nicht betreten. 

Kisvárda ist ansonsten "kis", also klein. Es gibt eine historische Straße, die heute ein Boulevard ist und eine Ballung von Kirchen an der Kreuzung der Synagoge schräg gegenüber. (Bild drei) Auch ein kalvinistisches Konferenzzentrum nebst Kirche gibt es.

Der Boulevard ist nett, aber es gibt nur Pizzerias und Cafés. (Bild vier) Da wollte und konnte ich nichts zu essen finden. Zum Glück wurde ich an der Ausfallstraße fündig. Ein nettes Motel mit Terrasse lud zu gutem Essen ein. Lecker. Der Ort war auch nicht zufällig gewählt. Nur weil ich dort anhielt, fand ich noch die Burgruine, die dem Ort einst den Namen gegeben haben mag. (Letztes Bild) Wie man sieht, sollte es eine Art Wasserburg gewesen sein. Der See vor der Burg ist nett gestaltet mit Brücken usw. Sieht gut aus.

Heimreise: Satu Mare

Eine Woche voller Sport, Lesen und Abschied nehmen war vorbei, als ich mich langsam auf den Heimweg machte. Montag ging es los. Erst haben wir Lennards Sachen in meine Wohnung gebracht, da der Junge vor seiner Abfahrt noch ein Bleibe brauchte. Dann bin ich langsam los und stressfrei bis Satu Mare gefahren. Abends Lektüre des großartigen Ishiguro in der Pizzeria, die ich schon mit Hannes erkundet hatte. Der Deutsch sprechende Kellner war auch wieder da und erkannte mich! Das ist schon mal sympathisch!

Anderntags erkundete ich Szatmar, wie Satu Mare auf Ungarisch heißt. Diese Redeweise ist richtig insofern, als das historische Zentrum unverkennbar ungarisch geprägt ist. Allerdings fehlt es nicht an rumänischen "Dominanten", ergo an Hochhäusern, die das historische Stadtbild überragen. (Bild oben)

Unverkennbar war Szatmar ein religiöses Zentrum. Davon sprechen mehrere monumentale katholische Kirchen (Bild zwei) und diverse Klöster. Interessant an der Straße auf Bild drei ist, dass sie gepflastert ist. Ich fahre dort immer durch, wenn ich aus Ungarn kommend nach Suceava weiter fahre. Dieses Mal konnte ich in Ruhe die Atmosphäre mit dem Fotoapparat einfangen.

Sehr schön der zentrale Park (Bild fünf), der dem oben gezeigten Dom gegenüber liegt. An seiner rechten Seite (Bild vier) sticht ein monumentales Jugendstilgebäude ins Auge. Es ist mit bunten glasierten Ziegeln verziert, die Ranken- und andere florale Motive zeigen. 

Den Turm, der von weitem wie das Minarett einer Moschee anmutet (letztes Bild), fand ich erst im zweiten Anlauf im Hinterhof eines fast geschlossenen Gebäudekarrées. Wie sich herausstellte, ist er Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet worden. Als Aussichtsturm? Oder doch als Anklang an die osmanische Zeit? Das konnte ich nicht herausfinden, da die Inschriften auf Ungarisch waren. Egal. Satu Mare hat also ein paar hübsche Ecken, ist im Ganzen aber kein touristischer Höhepunkt. Ich habe es nun gesehen und das reicht. Weiter ging es nach Kisvarda in Ungarn, wo mich im Vorbeifahren immer schon der jüdische Friedhof gereizt hat. Ich wollte ihn unbedingt sehen.