Trotzdem war es dort schön. Ein Schäfer trieb seine Herde zum Fluss und auf der Gegenseite sammelten sich Wildvögel zum Abflug gen Süden. (Bild vier) Ein bisschen Hoffnung auf mehr Auslauf machte mir die Hängebrücke (Bild fünf), die ich heute nur begutachtete. Sie scheint fest und wenn es auf der anderen Seite noch Wege gibt... Demnächst werde ich das mit Jogging- Schuhen an den Füßen überprüfen. Angler waren jedenfalls genug am Ufer.
Reisebilder aus der Ukraine, der Slowakei, Rumänien und Osteuropa. Reflexionen zum Alltag, Reiseberichte, Kurioses und Interessantes vom Zusammenleben der Völker, Privates für Freunde und Bekannte...
Samstag, 19. November 2016
Von der Suceava über Botosani nach Gura Humora
Eigentlich wollte ich nur Wege finden, die man joggen oder mit dem Rad befahren kann, aber dann trug es mich doch noch ein bisschen in der Gegend rum. Den schönen Blick auf das kaum "Altstadt" zu nennende Zentrum von Suceava, das durch die Burgruine im Vordergrund (Bild eins) etwas Ehrwürdiges bekommt, hatte ich beim Joggen ausfindig gemacht. Da "oben" laufe ich also rum.

Gestern fand ich in der nahe gelegenen Siedlung, die ich schon zwei Mal auf unterschiedlichen Straßen durchquert hatte, die Straße abwärts zum Fluss "Suceava". Ich lief ein bisschen auf das Wärmekraftwerk zu, das man im Hintergrund sieht (Bild zwei), aber man kommt dann doch nicht weit, weil ein wassertechnisches Bauwerk den Durchgang versperrt. Daher nahm ich mir vor, heute die andere Seite zu erkunden. Auf dem Spaziergang heute entstanden die Bilder. Es sieht weit und einsam aus, gibt aber kaum mehr her als 15min langsames Jogging. (Bild drei)
Trotzdem war es dort schön. Ein Schäfer trieb seine Herde zum Fluss und auf der Gegenseite sammelten sich Wildvögel zum Abflug gen Süden. (Bild vier) Ein bisschen Hoffnung auf mehr Auslauf machte mir die Hängebrücke (Bild fünf), die ich heute nur begutachtete. Sie scheint fest und wenn es auf der anderen Seite noch Wege gibt... Demnächst werde ich das mit Jogging- Schuhen an den Füßen überprüfen. Angler waren jedenfalls genug am Ufer.

Ich fuhr dann mit dem Auto über den Fluss zur anderen Seite der Stadt, um den Bahnhof und den Flugplatz ausfindig zu machen. Ich fand beide, war dann aber schon so weit draußen auf der Straße nach Botosani, dass ich sie einfach weiter fuhr. Irgendwann sollte ich alle Städte in der Umgegend kennen, auch wenn die nicht als "sehenswert" gekennzeichnet sind. Botosani jedenfalls erwies sich als absolut nicht sehenswert. Der Platz mit dem Weltkriegsdenkmal (WK I) ist das einzige Altstadtareal (Bild sechs) und daneben gibt es noch vereinzelte Gebäude historischen Zuschnitts. (Bild sieben) Die Stadt scheint ansonsten kaum kleiner als Suceava, hat aber wirklich gar keinen Charme. Zu allem Überfluss fand ich außer ein paar Stampen, aus denen Lärm wie kurz vor einer Schlägerei drang, auch keine Restaurants und musste hungrig weiter fahren. Wahrscheinlich sind welche in den Shopping- Zentren, die es zu Hauf gibt, aber darauf hatte ich keine Lust.
Eine Weile überlegte ich, in Suceava etwas zu essen, aber dann entschloss ich mich doch weiter zu fahren. Ich wollte nach Gura Humora, einem bekannten Ferienort, wo auch ein Radmarathon stattfindet und Skigebiete sein sollen. Da gibt es sicher was zu essen. Fromme Hoffnung. Pensionen gibt es wirklich viele, aber sonst nur Pizzerias. Es ist auch nix los dort. (Bild unten)
Daher fuhr ich weiter in Richtung des historischen Höhepunkts im Ort, einem der Moldau- Köster mit UNESCO- Welterbestatus. Auf der Straße dorthin gab es einige Ski- Ausleihstationen, aber was macht man dann mit den Dingern? Lifts oder Ähnliches sah ich nicht. Einstiege in die Berge auch nicht. Das erinnert an die Ukraine, wo man auch die Schleichwege kennen muss. Aber hier sah ich nicht mal Fortswege. Aber es reizte mich die Gegend zu erkunden und notfalls nach Radauti weiterzufahren, wo man essen kann, wie ich von früher her weiß.
Die gut ausgebaute Nebenstraße führte durch ein schönes Tal, das dann auch noch nach irgendetwas wie "Polana" hieß und also an die ukrainischen Bezeichnungen erinnerte. Am Rand standen mehrere Schilder, auf denen stand, das in dieser "Region" Europa- Gelder wüten, was die gute Straße erklärt. Dann tauchten Kirchen auf, deren Bauart so anders als die hier übliche ist, dass ich stutzte und messerscharf schlussfolgerte, im polnischen Minderheitengebiet angekommen zu sein. Und so war es auch. Gleich an der ersten hingen Plakate, die den "swieto otec Jan Pawel II." feierten, und später sah ich auch eine polnische Fahre an einer Laterne hängen. Kurze Zeit später war die Reise aber zu Ende. Vielleicht 7 oder 10 km vor Radauti endete die Straße im Schlamm und die dort Bäume ladenden LKW machten keine Anstalten zu weichen. Die Gebärdensprache, die wir dann brauchten, klärte mich auf, dass da ohnehin kein Durchkommen wäre. Warum auch immer. So musste ich zurück und schlug gegen 17.00 Uhr hungrig, aber nicht unzufrieden mit meinem Tag, am Lidl in Suceava auf. Einkaufen, was essen und dann Austrudeln- das war mein Tag. Morgen bin ich von dem Vater eines Schülers eingeladen, mir mit ihm die Umgebung anzusehen, da denke ich, geht es zu einem der zahlreichen Klöster. Daher konnte ich heute verschmerzen, nicht am Monastir in Gura Humora Station gemacht zu haben. Aber Hunger ist halt kein guter Reiseleiter! ;-)
Trotzdem war es dort schön. Ein Schäfer trieb seine Herde zum Fluss und auf der Gegenseite sammelten sich Wildvögel zum Abflug gen Süden. (Bild vier) Ein bisschen Hoffnung auf mehr Auslauf machte mir die Hängebrücke (Bild fünf), die ich heute nur begutachtete. Sie scheint fest und wenn es auf der anderen Seite noch Wege gibt... Demnächst werde ich das mit Jogging- Schuhen an den Füßen überprüfen. Angler waren jedenfalls genug am Ufer.
Dienstag, 8. November 2016
Beobachtungen
Naja, die Aussicht könnte netter sein (Bild vier und fünf), ist aber nicht so wichtiger. Schlimmer ist, dass ich wirklich keinen "Auslauf" habe. Das Zentrum ist klein und nicht mal wirklich zum Flanieren geeignet und sonst gibt es keine Wald- oder Feldwege, nicht einmal unbefahrene Nebenstraßen. Unter sportlichem Aspekt ist das ein ganz negativer Schlag ins Kontor. Aber ich werde außerhalb suchen. Die Berge sind am Horizont zu sehen. Wenigstens an den Wochenenden muss es was werden. Wahrscheinlich kaufe ich mir hier ein kleines Mountenbike und dann sehen wir weiter.
Freitag, 28. Oktober 2016
Suceava erlaufen
Was das zu bedeuten hat, erfahre ich vielleicht demnächst im Regionalmuseum, einem wunderschön ausgewogenen traditionellen Bau. (Bild eins) Etwas weiter unterhalb der Straße brüllt das Leben im Zentrum der Stadt. Das ist modern und voller Leben, aber nicht wirklich ansehenswert. (Bild zwei) Im Sonnenlicht geht es aber. :-)
Ganz modern hingegen das Gitter an einer architektonisch herausragenden modernen Kirche. Wirklich ein schöner Bau und eine tolle Schmiedearbeit. Wie in der Ukraine gibt es davon viele hier. Auch an Privathäusern. Das könnte in Deutschland kaum jemand bezahlen!
Oben auf dem Areal der Burg findet sich auch noch ein "Skansen", also ein die bäuerliche Kultur der Bukowina darstellendes Freilichtmuseum. Das liegt irgendwie passend an einem großen Friedhof und demonstriert so, wie tot die Tradition auch hier ist. Ich werde vielleicht mal hin gehen, verspreche mir aber nix davon. Viel zu viele solcher Museen habe ich in Polen und der Ukraine, auch in der Slowakei, schon gesehen. Die Städte sind ungarisch oder deutsch geprägt, was also für die Traditionsbildung nicht in Frage kommt, Deshalb hat man so viel Wert auf die ländlich- bäuerliche Kultur der slawischen oder rumänischen Volksteile gelegt. Aber die machen nun mal nicht viel her. In Czernowitz schreit die Groteske geradezu zum Himmel, wenn man den Ukrainern Nationalgefühl anhand der Hütten am Rand einer österreichischen Metropole von Weltgeltung beibringen will. Und hier wird es nicht anders sein. Man hofft, dass sich solche Verklemmungen bald legen. Ich werde mein Bestes tun. Als die Finnen stolz auf Nokia waren, brauchten sie keine "finnische Geschichte". Das ist alles. Nur Menschen, die im Elend leben, brauchen das Opium einer wenigstens "großen Geschichte". Wenn es den Leuten gut geht, ist es ihnen egal, wie ihre Vorväter lebten und dachten. Ob das immer gut ist, sei mal dahin gestellt, aber im Prinzip ist es eine gesunde Einstellung. Legt man sie zugrunde, versteht man den Blödsinn, den Pegida & Co. bei uns veranstalten. Aber denen geht es halt oft nicht gut. Und siehe da- sie suchen ihr Heil in einer imaginierten Vergangenheit "deutscher Größe". Schafft den Leuten Arbeit und Wohlstand und das Gespenst löst sich von alleine auf! Da mögen die Herren Schäuble und Thierse reden was sie wollen...
Ankunft in Suceava- Etwas Neues beginnt!
Etwas erschreckend fand ich, dass Parolen wie "Bessarabien gehört zu Rumänien" (Bild fünf) öfter zu finden sind. Man wird also dem NATO- Aufmarsch gegen Russland nichts entgegen setzen und den EU- Beitritt Moldawiens (das korrupt und arm ohne Ende ist und wo fast 50 % der Bevölkerung gegen einen "Anschluss" stimmen) befürworten. Im Fernsehen laufen übrigens Sendungen, die sich mit der Sprachenfrage beschäftigen. Ein großes Problem aus rumänischer Sicht besteht darin, dass viele Moldawier kein Rumänisch bzw. nur einen ähnlichen Dialekt sprechen, also die Schriftsprache nicht beherrschen. Mein Problem sind die russischen Truppen dort, aber das scheint man - wie in Polen - nicht ernst zu nehmen. Ich muss noch raus kriegen, ob es auch Rumänen gibt, die glauben, im Falle eines Krieges in Moskau bald eine Siegesparade abhalten zu können. (Solchen Quatsch hörte ich sowohl in Polen als auch in der Ukraine!)
Egal. Weite Teile der Stadt sind ziemlich hässlich, denn unter Ceausescu hat man auch nicht eben viel Wert auf architektonische Schönheit gelegt. Grotesk die nun wirklich großen Kirchen in den Neubaugebieten, die aber alle voll sind. (Vorletztes Bild) Überall Administration und Konsum- keine wirkliche "Arbeit", Verständlich, dass die Leute arm sind. Mihai meinte, für die Wiedererrichtung einer Kirche hätte man 5000 (!) Papiere mit Stempeln, Unterschriften etc. benötigt. Oh je...
Auch in der Schule gibt es Probleme, weil meine Qualifikation keine rumänische Entsprechung kennt. Der Doktor ist hier weniger interessant als der "erste pädagogische Grad", der aber nur nach einer rumänischen Prüfung vergeben wird. Kann sein, man stellt mich ein und bezahlt mich als Berufsanfänger. Das wären fast 150 Euro weniger, als ich bekäme, wenn man meine Dienstjahre und die "höchste Qualifikation" anerkennen würde. Also muss man kämpfen, denn ich will 10 Jahre hier bleiben. Da lohnt es sich schon...
Helmut und Frank
Dann trafen ich Karin und Remmer (Bild oben links) im Cafe "Dominico" am Dominikaner- Platz in Kosice und wir blieben bis 16.00 Uhr. Da war ich mit meinem Freund Helmut Bistika (Bild oben Mitte) verabredet, der uns kurz vor dem Abbau noch durch seine neueste Ausstellung führen wollte. Karin und Remmer waren auch neugierig.
Ich war jedenfalls froh, meinen Projektpartner wiederzusehen und wir vereinbarten gleich, dass ich für seine nächsten Vorhaben Texte liefere. Spannend. Ich bin ja weder Experte noch Kunstkenner noch habe ich so etwas studiert etc. Aber wir haben halt einen gleichen Nerv und schwingen auf einer Wellenlänge. (Wie man sieht- letztes Bild) Und sowieso gab es in der Ausstellung nicht nur Sachen, die provozieren und zum Nachdenken anregen sollen, sondern auch Bilder, die einfach nur gefallen. Sie sind originell und trotzdem ästhetisch in dem guten alten Sinn. Das heißt, der Mann spinnt nicht nur, er kann auch etwas. Er kann sogar Publikum haben, wenn er will. ;-) Ich wünsche ihm, dass er sich langsam aber sicher durchsetzt und bald auch Erfolge genießen kann. Die letzten Ausstellungen waren ja schon in Wien und Prag. Es muss werden und ich drücke die Daumen!
Kosice im Herbst
Dann allerdings kam die wichtigste Etappe meiner Reise. Kosice, wo ich noch ein paar Dokumente abzuholen hatte. Außerdem wollte ich meinen Kollegen und Freund Remmer besuchen und mit ihm und Karin, die ich sehr mag, noch Zeit verbringen. Und das taten wir auch. Am Sonntag fuhren wir zum Sirava und besuchten zunächst den See in Vinne. (Bild oben) Jetzt mit herbstlicher Laubfärbung war das ein schöner Anblick! Karin (Bild zwei) war ganz zufrieden und fotografierte alles.
Die Festungen Silberberg (Srebrna Gora) und Glatz (Klodzko)
Jedenfalls passierte die ganze kriegerische Geschichte, die der Stadt endlich das Genick brach und sie von ihrem Lebensnerv abschnitt, in den allerchristlichsten Zeiten tumben Friedensgequassels, das die Oberen (wie heute?) nie ernst nahmen. Die lebten so oder so komfortabel und konnten ihren Reichtum sicher über die Zeiten retten. Jedenfalls zeugt der Bischofssitz (Bild unten) nicht eben von Bedürftigkeit. Gezeigt werden sollte sicher auch der Triumph der Gegenreformation über den Protestantismus, der einst auch in Glatz eine feste Basis hatte. Man erkennt halt die friedensstiftende Mission des Christentums auf Schritt und Tritt! Egal, es war ein toller Tag und ein absolut lohnenswerter Ausflug. Wer mal in die Gegend kommt, sollte einen Besuch der erwähnten Sehenswürdigkeiten nicht auslassen! Vielleicht hilft das sogar den Einwohnern, die nicht eben vom Tourismus verwöhnt sind, wie es scheint. Jedenfalls gibt es wenig Kneipen und Cafes;diejenigen, die es aber gibt, sind wirklich empfehlenswert! Also, auf nach Klodzko! Es lohnt sich!
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