Vom "Wilden Feld" (UA) nach Cassovia (SK) und in die rumänische Bukowina

Reisebilder aus der Ukraine, der Slowakei, Rumänien und Osteuropa. Reflexionen zum Alltag, Reiseberichte, Kurioses und Interessantes vom Zusammenleben der Völker, Privates für Freunde und Bekannte...

Samstag, 12. August 2017

Mit Daniel in Gdańsk

Zwar habe wir schon einmal eine "Warschauer- Pack- Tour" gemacht, wie mein Herr Sohn die Reise zu benennen pflegt, aber in Gdańsk  waren wir noch nicht. Also sind wir, Daniel (Bild zwei) und ich von Wismar aus in die altehrwürdige Hansestadt Danzig gereist, deren Marienkirche die höchste backsteingotische Kathedrale der Welt ist. (Bild eins) Ich freute mich auf das Wiedersehen, denn bisher war irgendwie nie Zeit richtig dort zu bummeln und zu schauen. Dieses Mal gab es ausreichend Zeit. Wir übernachteten in einem kleinen Hotel oberhalb der Stadt und hatten so einen ganzen schönen sonnigen Tag Zeit.

Als erstes ging es auf den Zitadellenberg, von dem aus man einen schönen Blick über die alte Stadt, den Hafen, die Werften usw. hat. Es gibt dort interaktive Ausstellungen zur Befestigungsgeschichte und eine zum Gedenken an Johannes (Jan) Hevelius. Leider nicht gut besucht. Noch besser war der Überblick über die Stadt vom höchsten Punkt dieses Areals, das heute von einem Millenniums- Kreuz gekrönt wird.

Unterhalb dann die für mich kleine Sensation. Natürlich habe ich registriert, in welchem Maße sich der Umgang mit der deutschen Geschichte in Polen seit meinem Hoffmann- Projekt in den 90ern normalisiert und entspannt hat, dennoch freute ich mich über den "Friedhof der nicht existierenden Friedhöfe". Nach den vielen Jahren der Einebnung deutscher (und jüdischer) Gräber und des Verschweigens des deutschen (und jüdischen) Anteils an der Geschichte vieler polnischer Regionen ist das eine schöne Geste mit einem ergreifenden Text. (Bild drei) Es wäre sehr zu wünschen, dass das Beispiel in der Ukraine und in anderen osteuropäischen Ländern Schule macht. Freilich, die Deutschen können auch davon lernen! 

Dann besichtigten wir das Werftgelände mit dem Solidarność- Denkmal und etwas entfernt dem neuen Museum zum Gedenken an den Zweiten Weltkrieg, ehe es in die Altstadt und hier eben zum Hafen ging. (Bild vier) Kitschig oder nicht, aber irgendwie passt der Nachbau einer alten Fregatte in das Hafenbecken und zum Krantor, dem Symbol Danzigs. Zwei Stück gibt es von den Schiffen, die mich an den Nachbau des Flaggschiffs von Peter I. erinnerten, und sie laden zu Rundfahrten ein. Natürlich motorgetrieben!

Auch sonst gab es für mich noch viel zu entdecken. Dass Fahrenheit in der Stadt geboren wurde, war mir vorher nicht bekannt (oder ich habe es vergessen). Ich fand unweit der "Polnischen Post", die bei uns durch Günter Grass' Roman "Die Blechtrommel" bekannt geworden ist, ein kleines Museum, in dem an Daniel Chodowiecki und eben an den großen deutschen Sohn der Stadt erinnert wird. (Letztes Bild) Gut so! Natürlich fehlen auch die Hinweise auf den Pommern- Herzog nicht, der einst in dem Gebiet herrschten, ehe der Deutsche Orden ihn besiegte und die Kaufleute holte, die dann die Stadt zur Blüte führten. (Bild fünf)


Aber natürlich möchte ich nicht hinter das oben Gelobte zurück fallen: Der polnische Anteil an der Stadtgeschichte soll auf keinen Fall klein geredet werden. Immerhin hielten die Danziger bis zur letzten Teilung treu zur polnischen Republik und beim Einmarsch der Preußen gab es noch vor Kościuszko einen Tage anhaltenden Aufstand deutscher und polnischer Seeleute mit mehreren Toten und vielen Verletzten. Dieser Fakt ist trotz meiner Dissertation bis heute weitgehend unbekannt/ unbeachtet geblieben (woran man sieht, was solche Qualifikations- Arbeiten heute wert sind ;-) ), und kann hier als gutes Beispiel für die "Symbiose" der Nationen dienen, die einst in der Stadt gelebt wurde. Und natürlich ist der Wiederaufbau eine Großtat polnischer Bauleute und Restauratoren. Könnte man sonst solch historisches Flair genießen? (Bild sechs)    

Na ja, grins. Daniel interessierte sich mehr für das Bier am Abend, das wir unweit der alten Mühle (vorletztes Bild) zu uns nahmen. Essen ist ziemlich teuer geworden (ein Steak um die 20 Euro) und auch der Bierpreis (4 Euro für 0,5l) ist ziemlich "westlich", aber dafür schmeckte es immer gut und war immer auch gemütlich gemütlich. Schade nur, dass ich trotz einiger "Ausflüge" in Wohngebiete keine Kneipen fand, wo der Kellner nach seinem Job für die Touristen das verdiente Geld umsetzt. Es fehlt das Spektrum von preiswert bis nobel und wir fanden nur den für Touristen gedachten Service. Schade, aber eben auch "wie überall". Über Brodnica, wo wir Wiesia und Tomas trafen und abends in Bachotek einer Band zuhörten, ging es dann zurück. Schöne drei Tage!

Freitag, 4. August 2017

Möckernsche Umgebung

Gestern bin ich mit dem Wind nach Delitzsch fast einen dreißiger Schnitt geradelt und zurück - gegen den Wind - vielleicht noch einen fünfzehner. Jedenfalls hing mir die Zunge zum Hals raus, als ich zu Hause ankam. Da ich am Tag vorher in etwas mehr als drei Stunden über Halle und Merseburg gefahren war, musste Erholung sein. Warum nicht nachschauen, wo die vielen Wege und Brücken abseits der Luppe bzw. über sie hinweg hinführen? Dabei wollte ich den Auwald in seiner ganzen Ausdehnung kennen lernen, was auch gelang. Auf der einen Seite war immer die Straße von Wahren nach Schkeuditz, auf der anderen immer Böhlitz- Ehrenberg. Dazwischen aber liegt der Wald und in ihm viele kleine Seen. Es ist halt "mokry" (nass) rund um Möckern, das so seiner slawischen Bezeichnung gerecht wird. Apropos slawische Bezeichnung: Am interessantesten war der Weg nach Lützschena, was soviel wie "am Flussbogen gelegen" bedeuten soll. Hm, ich höre nix, aber es stand auf einer Tafel an der Kirche, deren Fundamente 1000 Jahre alt sind. Direkt aus den Zeiten der Ostexpansion Ottos also. Die Käffer ringsherum - auch Gunsdorf als Ortsteil von Böhlitz hat eine Kirche romanischen Ursprungs (Bild unten) - wurden wohl vom Bistum Merseburg errichtet und unterstanden diesem. Dass es dort Kirchen gibt, schon klar... Aber ein Schloss und einen Schlosspark (Eingang- Bild eins) hätte ich in Lützschena nicht erwartet. Seit bald 20 Jahren wohnen wir hier, doch das blieb uns bisher verborgen! Dabei sind es kaum 7 Kilometer bis dahin.

Der Park ist sicher zu DDR- Zeiten nicht besonders gepflegt worden, jedenfalls gibt es diverse Attraktionen nicht mehr und einige Sockel am See mit dem kleinen Tempel (derselbe Stil wie in Wörlitz!) deuten auf verloren gegangene oder zerschlagene Skulpturen hin. (Bild zwei) Ein ähnliches Schicksal traf wohl die altarförmig gestaltete Pieta (Bild drei), die vielleicht einmal in Marmor ausgeführt war, heute aber nur noch als Malerei auf Leinwand zu bewundern ist. Wenn man achtlos vorüber geht, fällt das aber gar nicht auf. Ich erkannte den "fake" erst, als ich fotografierte! Wirklich sehr kunstvoll. Wer das auf sich genommen hat? Oder ist es eine Fotoarbeit nach einem im Museum ausgestellten Original? Keine Ahnung...

Jedenfalls gehört das Ganze zu einem Parkweg, der direkt zum Familienfriedhof derer von Sternburg führt. Aha, daher also Sternburg- Bier! Das habe ich auch nicht gewusst! Das Gräberfeld ist als solches noch erkennbar, auch wenn die Steine entfernt sind. Reste eines Denkmals sowie einer Trauerkapelle sind noch als Ruine erhalten und vielleicht enthält die zugemauerte Gruft die Gebeine der Schlossherren. Das war also Landeskunde vor der Haustür! Im Innern der beiden hier erwähnten Kirchen soll es übrigens Kunstwerke aus dem 15. Jahrhundert geben, in Lützschena einen Flügelaltar, der zur Wiederaufstellung sogar dem Museum entrissen wurde. Hm, einerseits ist es gut, das Dinge, die einst zum Gebrauch geschaffen wurden, heute auch daran erinnern dürfen. Andererseits ist es schade, denn viele Gläubige dürfte die Gemeinde nicht mehr haben, Hoffen wir, dass sie an möglichst vielen "Tagen des offenen Denkmals" ihre Schätze zeigt!  

Dienstag, 1. August 2017

Wörlitz und Wittenberg

Wir hatten Besuch. Kirstin war da und weil die was mit Gärtnerei und Parks und so was am Hut hat und wir schon lange nicht mehr da waren, schlug ich Wörlitz als Ausflugsziel vor. Gesagt getan. Bei schönem Wetter und hohen Temperaturen ließen wir uns die "Mutter aller deutschen Landschaftsparks" (UNESCO- Welt- Kulturerbe), ein Werk der Dessauer Landesherren, wieder einmal gefallen. (Bild oben)

Auch ohne die Hinweise der Ausstellung zu dem von Winckelmann ausgehenden Wandel von Stil und Geschmack um die Mitte des 18. Jahrhunderts kann man hier auf Schritt und Tritt die ganz und gar nicht mehr barocke oder dem französischen Gartenkunstideal entsprechende Verquickung von Antike- Begeisterung (Bild zwei- Diana- Tempel) und englischem Landschaftspark bemerken. Die Umbauten am Schloss, das vorne von einer - damals modernen - klassizistischen Fassade geschmückt wird (Bild drei), hinten aber ganz frühbarock daher kommt, zeigen die Finanznot des Bauherren, der als Fürst seine Brötchen im Dienste Preußens verdienen musste. Wie dem auch sei. Ein schöner Park mit vielen geradezu romantischen Eckchen. Ein Beispiel ist die Blumengestaltung an der Kunstkate beim Ausgang. (Bild 4)

Nach dem Rundgang und einem kleinen Mittagsimbiss blieb noch Zeit für Wittenberg, das sehr schön restauriert ist und zum Reformations- Jubiläum einige neue Höhepunkte bekommen hat. Die Boulevard- Gestaltung mit dem frei gelegten kleinen Bachbett in der Mitte ist sehr gelungen. (Bild 5)

Neu war mir der Cranach- Hof, ein zu DDR- Zeiten völlig verfallenes und verwahrlostes Areal hinter dem Cranach- Haus. Dort gibt es eine Malwerkstatt, eine kleine Druckerei und eine Skulptur, die an einen der beiden Cranachs erinnert. Vielleicht an den älteren Lucas. Luther, zu dessen Wohnhaus wir natürlich auch gingen (Bild sechs), interessierte uns allerdings weniger. Überhaupt scheint, was die Öffentlichkeits- Arbeit anbelangt, Katharina von Bora ihm den Rang abzulaufen. Das soll wohl Modernität ausstellen und ein bisschen ablenken vom Verrat an den Bauern und dem ziemlich miesen Verhältnis Luthers zu den Juden. Immerhin beschäftigte sich eine Ausstellung in der Stadt mit dem Alltag in der DDR und mit dem dort gepflegten Atheismus. Hier wurde denn auch an Müntzer erinnert, der in Wittenberg studierte und dann Luthers erbitterter Gegner wurde. Ein bisschen erinnert ihr Zerwürfnis schon an das gespannte Verhältnis der modernen Sozialdemokratie zu kommunistischen bzw. konsequenter sozialistischen Richtungen. Reform oder Revolution? Aber diese Frage tauchte im heutigen Kontext natürlich so nicht auf.

Wir blieben jedenfalls den Traditionen unserer Herkunft treu und vermieden es, den Einladungen zum Besuch eines der  vielen Begegnungsstätten (Evangelischer Weltbund, Augsburgische Kirche usw. usf.) zu folgen. Nicht, dass mir der Dialog mit Christen, zumal mit solchen, die für ganz vernünftige Ziele eintreten, nicht am Herzen läge, aber hier ging es wohl weniger um einen solchen Dialog als vielmehr um die (wenigstens versuchte) Mission, die beispielsweise als Hoffnung daher kam, ich könne doch noch meine "Berufung" erkennen, wobei mir die "Berufungsfabrik" helfen wollte. Das aber ist mein Ding nicht und ich habe durchaus mit ein bisschen Schadenfreude zur Kenntnis genommen, dass trotz des hohen Aufwands der Luther- Dekade deren Erfolge (zumal im Osten) weit hinter den Erwartungen zurück geblieben sind. Dass freilich bei der allgemeinen Unaufgehobenheit in einer Gesellschaft, deren gesichtsloser Massencharakter beim hilflosen Einzelnen zunehmend irrationale Ängste frei setzt, esoterische, autoritäre und sonstwie chaotische Sekten auf Kosten der großen Kirchen Erfolge feiern, ist mir nicht gleichgültig. Ohne die Rolle der Kirchen als womöglich staatstragend zu feiern, sind sie doch gegenüber dem Bodensatz verblödender Spiritualität das bei weitem kleinere Übel und in ihren Möglichkeiten, Menschen zu humanistischem Handeln zu mobilisieren, nicht gering zu schätzen. Und so haben wir Luthers Wohnhaus (sechs) doch besucht und ich habe ein bisschen darüber nachgedacht, ob Weber zu Recht behauptet, der Kapitalismus käme aus dem Geist des Protestantismus, oder ob es nicht vielmehr doch umgekehrt war: Der Geist des Protestantismus ist der Geist des aufkommenden Kapitalismus. Wie dem auch sei: Ein Dualismus ist es ohnehin nicht gewesen.      

Jedenfalls hat die Stadt durch das Jubiläum gewonnen und sieht nun auch auf ihrer der Elbe zugewandten Rückseite ganz ansprechend aus. (Bild sieben)

Der ehemalige Bunkerberg ist mit diversen verspiegelten Gängen, Überdachungen und Brücken neu gestaltet und lädt zur Besinnung ein. Die wollte nicht wirklich kommen, aber wir genossen es trotzdem, die Wege über der Stadt entlang zu gehen.(Letztes Bild) Den Abschluss des Besuchs bildete dann die Besichtigung der Pfarrkirche mit dem Abendmahlbild von Cranach. Seit langem zum ersten Mal gab ich einem alten Bettler, der am Kirchenportal saß, zwei Euro als "milde Gabe", denn es empört mich jedes Mal, wie willig die Menschen für den Erhalt von "Gottes Haus" spenden und wie gedankenlos sie danach an ihrem "Nächsten" vorbei gehen. Klar, die Kirchen sind zu erhalten als Aufgabe aller, die Kultur und Tradition noch für wichtig erachten, aber trotzdem bleibt Fakt: Nicht Gott braucht ein Haus, sondern der Bedürftige auf den Stufen davor! In diesem Sinne freute uns abends das gute afghanische Essen samt der Freundlichkeit des Personals und hier eben der Umstand, dass diese wenigstens bleiben dürfen und ein Dach überm Kopf gefunden haben. Wer es nicht kennt: Das Restaurant "Hindukusch" in Leipzig/ Möckernsche- Straße ist sehr sehr zum empfehlen!

















Dienstag, 25. Juli 2017

Leipzig- Triathlon am Kulkwitzer See

Wie jedes Jahr waren wir auch dieses Mal zum Triathlon nach Göhrenz an den Kulkwitzer See bzw. zu Gabi und Wolfgang eingeladen, die - auch wie jedes Jahr - eine kleine Garten- Party zu Ehren unserer aktiven Triathleten ausrichteten. Das Wetter war optimal- sonnig mit leichter Bewölkung, nicht zu heiß und nicht zu kalt. Sportfreund Werner (Bild zwei, drei und vier) fand sogar die Wassertemperatur angenehm (22 Grad). Ich fand immerhin witzig, dass er in Radler- Hosen geschwommen ist.

Um 14.35 Uhr ging es los mit dem Gruppenstart zum Schwimmen. (Bild eins) Werner ist im Jahr drei Mal im Wasser, wie er meinte: Im Urlaub in Griechenland und auf Puerto Ventura und eben zum Leipzig- Triathlon. Also ist er kein begnadeter Schwimmer- aber Letzter war er dieses Jahr nicht. Kaum aus dem Wasser, legte er los. (Bild zwei)

Seine Spezialität ist das Radfahren. (Bild drei) Dieses Mal beschleunigte er sein Rennrad auf immerhin etwas über 47 km/h. Und das mit 70 Jahren! (Ich bin froh, wenn ich auf meinem Bock mal kurzzeitig 42 km/h schaffe!) Also holte er mächtig auf und konnte nie den Vorteil einer Gruppenfahrt genießen, da er ja immer alle anderen hinter sich ließ! ;-) Ich bin froh, ihn so schön erwischt zu haben. In den anderen Jahren war er immer schneller als ich mit dem Fotoapparat.

Laufen (Bild vier) ist auch nicht so seins, aber dennoch sah er frischer aus als so manch jüngerer Teilnehmer und schnell war er auch. Gratulation! Bestimmt hat es wieder zum Sieg in seiner Altersklasse und zu einer guten Gesamtplatzierung gereicht!

Natürlich hatten auch wir einen Anteil an der guten Leistung. Was wäre ein Wettkampf ohne Fans und Anfeuerung? ;-) Als alles zu Ende war, pflückte Uta (Bild fünf) einen wilden Blumen- Strauß für unsere Tafel. Dazu hatten wieder alle beigetragen, so dass es von Danielas Petersiliensalat über Utas Auflauf bis hin zu selbst gebackenem Brot (Beate) und Wolfgangs Grillsteak alles gab. Getränke sowieso. Gabi hatte den Kuchen gebacken, der schon am Nachmittag vor dem Wettkampf Abnehmer fand.

Bevor es aber so weit war, stiegen die Hobby- Schwimmer noch einmal in den See. Daniela, "klapperdürre" und also für Kälte anfällig, zog im Eiltempo davon (Bild unten ganz klein vor dem Segler) und knappe 20 Minuten später am anderen Ufer mit blauen Lippen aus dem Wasser. Uta und Gabi kamen mit frischen Handtüchern, kamen aber erst, als auch Claudia und Beate das Ufer erreicht hatten. (Davon gibt es - da FKK - keine Bilder!)

Der Abend verging mit den üblichen Gesprächen und - wie gesagt - gutem Essen. Erst nach 22.00 Uhr fuhren die Gäste davon, und das, obschon es merklich kühl geworden war. Nichts mit "lauen Sommernächten" dieses Jahr. In der Nacht setzte dann auch der Regen ein, der immer noch anhält. Sommer? Gab es früher...





Mittwoch, 19. Juli 2017

Mit dem Twin-City-Liner von Bratislava nach Wien

Drei Flyer = drei verschiedene Informationen. Wann fährt er denn nun und von wo? Wir standen am Sonntag vor dem Ticketschalter, der allerdings geschlossen hatte, und sahen nur den Aushang, dass an diesem Tag zumindest kein Schiff ankommen würde. Technische Probleme. So konnten wir nicht sehen, wo die Kähne ablegen oder ankommen und beauftragten unseren sehr netten Rezeptionisten damit, das Problem für uns zu lösen. Kaum aus Wien zurück hatten wir die Informationen und die Tickets. Für knapp 120 Euro kann man also zu zweit die Donau rauf und wieder runter schippern. Gut, es war Urlaub und also haben wir gebucht. Anderntags, Montag, den 17. 07., verzichteten wir also auf ein ausgiebiges Frühstück und suchten den Anleger. Ein Glück, dass wir so früh da waren, denn die Ticketbude, die wir im Auge hatten, war nicht die richtige: "It's not our companie!" Ups? Ok, eine nette Studentin, die Gäste für Stadtrundfahrten "einfangen" wollte, half uns weiter und wir fanden den richtigen Steg.

Nun waren es aber doch noch 30 min und mir war nach Kaffee. Also rein in die nächste offene Tür. Dort kam der Chef (?) und fragte, was wir wollen. Dumme Frage: "Coffee, äh, Kawa po prosim." - "Kawa?" - Er wollte wissen, ob wir Polen wären. Nein, Deutsche, die ein bisschen Polnisch können. Oh, super, er hätte zwar noch geschlossen, würde uns aber gerne zwei Kaffee machen. Seine Angestellten oder Kumpels, die auf der Terrasse saßen, stellten schnell zwei Stühle und einen Tisch auf und schon standen die beiden "Americanos" vor uns. Die Gesellschaft konnte sich kaum einkriegen, dass Deutsche in Polen und der Slowakei und Slowaken und Polen in Deutschland arbeiten. Wir lachten gemeinsam und genossen die Freundlichkeit.

Dann ging es los. Das Schiff, ein moderner Katamaran mit zwei 1000- PS- Motoren, die das Gefährt auf bis zu 70 km/h beschleunigen sollen, lag erstaunlich ruhig und vibrationsfrei auf dem Strom und da wir gut saßen, konnten wir die Landschaft genießen und Fotos machen. Als erstes natürlich die Donau- Brücke in Bratislava (Bild oben), deren Café wieder offen ist. (Soll etwas schwanken da oben!) Erstaunlich fanden wir, dass es noch "Fischer" an der Donau geben soll; wir hatten gedacht, es seien Hobby- Angler mit ihren Datschen. (Bild zwei)

Nach Devin, der alten Grenzburg, die auch hier fälschlicherweise als "traditionelle Grenze zwischen der Slowakei und Österreich vorgestellt wurde - wie sollen meine Schüler/innen je begreifen, dass das Heute eben NICHT wie Gestern ist und jenes etwas kompliziertere Bezüge zur Gegenwart hat, als sich das dämliche Nationalstaatsgehudel träumen lässt, wenn sie immer wieder diesen Quatsch hören? - und Hainburg auf Österreichischer Seite wurde es allerdings ein bisschen eintönig. Nein, langweilig wird so ein Fluss nicht, es kommen ja Lastkähne und Passagierschiffe vorbei, die Wälder und Sanddünen an den Ufern sind immer mal ein bisschen anders, aber wirklich spannend ist die Reise auch nicht. Apropos Devin: Die Burg ist natürlich die traditionelle Grenze zwischen Ungarn und Österreich und auch wenn die Slowaken schon den Gedanken hassen, sie gehörten immer zu Ungarn und haben sich daraus erst 1918 lösen können. Wirklich selbstständig ist ein slowakischer Staat erst seit rund 15 Jahren und da spielte die Burg Devin (siebtes Bild) längst keine Rolle mehr...

Egal. Interessanter wurde es erst wieder nach der Einfahrt in den Donau- Kanal, der fast bis ins Zentrum der Stadt führt. Immer wieder fährt der Schiff unter Brücken hindurch (Bild drei) und man kann langsam miterleben, wie sich aus einem Flussarm eine Promenade entwickelt. Zuerst ist es nur ein Weg, der von Joggern, Kinderwagen- Muttis und Gassi- Gehern genutzt wird, aber dann wird ein befestigter Streifen voller Gastronomie, Musikbühnen u.ä. daraus. Die Hochhäuser (Bild sechs) stehen in respektvoller Entfernung von der alten Stadt und das ist auch gut so.

Die Fahrt ging mit ca. 50 km/h auch stromaufwärts recht flott vonstatten- nach ca. 2 Stunden (eine halbe Stunde Verspätung war dabei) erreichten wir den Anleger in Wien. Am zweiten Tag war "Wiederholung und Festigung" angesagt und wir konnten uns mehr auf die kleinen Gassen und Winkel konzentrieren, die am ersten Tag von den Schlössern und Palästen verdeckt worden waren. Leider bekamen wir in der interessant aussehenden Restauration auf Bild vier keinen Platz. Es standen Leute davor und wurden wie weiland in der alten DDR "platziert".

Ok, im vorigen Blogeintrag war vom Volksgarten die Rede, den wir am Montag erst wirklich genießen konnten. (Bild fünf) Im Hintergrund sieht man eins der imposanten Museumsbauten, mit denen die Kapitale einst sich selbst und die Macht der habsburgischen Herrschaft feierte. Es gibt natürlich Museen, Galerien und Ausstellungen ohne Ende und wer die Bildung noch braucht, Interesse oder Langeweile hat, wird hier sicher fündig werden. Wir brauchten nichts und Langeweile hatten wir auch nicht (Interesse schon, aber was interessiert einen nicht alles?) und daher bummelten wir nur so herum. Um 16.30 Uhr ging es schon zurück, dieses Mal in einem fast leeren Katamaran, und so war die Zeit schnell um. Bratislava grüßte mit seiner Fluss- Seite (vorletztes Bild) und der über der Stadt thronenden Burg. (Letztes Bild) Wir genossen den Tag und ließen ihn mit einem fantastischen Essen (noch nie war ein Schweinekotelett mit Nuss- Honig- Sauce! leckerer als hier!) ausklingen. Die Rückfahrt war dann unspektakulär, wenn auch etwas erschwert durch die nicht enden wollenden Dauerbaustellen auf der tschechischen Autobahn. Nun sind wir wieder hier...






Kurztrip nach Bratislava und Wien

Uta war noch nie in Wien und da wir zwischen zwei Umzugs- Aktionen in der Familie ein bisschen Zeit (und Urlaub sowieso) hatten, reservierte ich kurz entschlossen in Bratislava ein Zimmer (Hotel Virgo, Pannenka- sehr zu empfehlendes Hotel fast im Zentrum) und am Sonnabend, dem 15. 07., ging es los.

Wir kamen leidlich gut durch die Autobahnbaustelle Tschechien (nur bei Melnik mussten wir fast eine Stunde warten, bis sich der Stau aufgelöst hatte) und waren zur besten Abendbrotzeit in Bratislava. Uta hatte einen Reiseführer für Österreich besorgt und legte das Programm fest. Da es mir geraten erschien, mit dem Auto am Wochenende und nicht werktags in Wien aufzukreuzen, fuhren wir anderntags über die Landstraße gen Hauptstadt des weiland Habsburger- Reiches. Das klappte wunderbar und wir waren zum Mittag in Schönbrunn. (Bild oben)

Nach einem ausgiebigen Rundgang durch die Parks ging es weiter in die Innenstadt. Wir fanden einen kostenlosen (!) Parkplatz gegenüber der TU und in der Nähe des Karlsplatzes (Bild zwei- Karlskirche) und erkundeten kreuz und quer das Zentrum und die verschiedenen Teile der neuen und alten Hofburg mit Heldenplatz. Klar, Jandls Gedicht "Wien Heldenplatz" ist nun mal in unserem Ohr und Uta wollte unbedingt auch dort gestanden haben. Auf dem Bild drei sieht man die neue Hofburg vom Heldenplatz aus.

Wenn man schon bei Jandl ist... Also auch an Bernhard gedacht, an Claus Peymann usw. usf. Das Burgtheater! (Bild vier) Völlig egal Staatsoper mit Opernball und all diesem durchgeknallten Halligalli. Sowieso wird man überall von Flyer- Verteilern im Mozart- Look daran erinnert, dass Wien doch auch ein riesiges Museum voller Menschen ist, die auf den "Magister" Wert legen und sich beim "Doktor" schier einkriegen. Die Türschilder sind voller einschlägiger Grotesken und auch manch ältere "Dame von Welt", die mit ihrem Lorgnon die Austern mustert, sieht so gestrig aus wie viele der herausgeputzten Straßenzüge voller Palais der bekannten historischen Größen.

Schön, dass das Leben selbst die Kontrapunkte setzt! Chinesinnen (?) in Wien erstarren immerhin nicht vor dem Wind der Geschichte, der durch die Straßen zieht, sondern finden nur das gelungene Porträt "Ich vorm Stephansdom" wichtig. (Bild fünf) Freilich ist der Turm beachtlich- da muss man schon ein bisschen Akrobatik riskieren. ;-) Das Kirchenschiff mit den vielen Steinschnittarbeiten kann sich auch sehen lassen. Allerdings fragte ich mich doch, ob die Schlichtheit der Wandgestaltung dem historischen Original entspricht, oder ob nicht auch hier ursprünglich gotische Farbenfreude und entsprechende Bildprogramme walteten. Aber wir hatten keine Lust auf Krümelkackereien. Schauen und das Da- Sein genießen. Wozu Bildungsurlaub? Immerhin hat die historische Kulisse den Vorteil einer durch die Unmengen flanierender Touristen durchaus lebendigen Atmosphäre. Man muss auch neidlos anerkennen, dass Berlin vielleicht sexy, auf jeden Falls verschlampter und womöglich bei den Kreativen angesagter ist, Wien sich aber doch als die echte Hauptstadt eines Weltreiches präsentiert, das sie gewesen ist.

Dabei sind manche Dinge sehenswert, weil das Geld vergangener Zeiten eine Großzügigkeit z.B. im Bereich der Gestaltung von Parks erlaubte, die anderswo in deutschsprachigen Landen so kaum zu finden ist. Das ist wirklich schön, dass rings um das historische Zentrum Bürgerparks (z.B. der Volkspark) und Grünflächen aller Art zu finden sind, die zum Spazieren gehen und Sonnenbaden einladen und dazu auch fleißig genutzt werden. Andere Dinge sind hingegen bloß protzig- imperial und beim Vergleich der Gestaltung von Fontänen (Schönbrunn) und diversen Figurenensembles schneidet der Zwinger mit seinem Märchenbrunnen besser ab. Macht und Geschmack passen halt nicht immer zusammen.

Immerhin lustig und beeindruckend die Gestaltung eines Obelisken in Schönbrunn, der auf altägyptisch macht, aber eine Fake ist, wie man neudeutsch sagt. Die interessanten und original anmutenden Hieroglyphen sind der freien Fantasie des Baumeisters entsprungen, denn die Bilderschrift ist erst später durch Papillon entziffert worden. Da sage noch einer, fake- news seien eine Erfindung von heute! Daran konnten also auch die ehrwürdigen Traditionen der alten Wiener Universität (Uta, die also wirklich mit war!, steht auf dem vorletzten Bild im Innenhof eines Ensembles mit Jesuitenkirche, dessen Klosteranhang nach den Josephinischen Reformen wohl zur Einrichtung der Universität herhalten musste) nichts ändern.  

Natürlich waren wir auch bei Mozart, haben uns aber von dem Touristentrubel fern gehalten. Siehe oben. Man muss seine Musik nicht in Wien gehört und auch keine Mozart- Kugeln in der Stadt gegessen haben...








Montag, 10. Juli 2017

Grimma zum Zweiten

 Dieses Mal also bei Sonnenschein. Aus Wurzen kommend wirkt Grimma größer, städtischer, reicher. Das Rathaus (Bild oben) macht echt was her! Überhaupt ist der Markt sehenswert. Uns zog es natürlich zu Göschen, dessen Wohnhaus am Markt wir ohne Mühe fanden. Leider nicht zu besichtigen, weil privat. :-(

Ob die Druckerei, die wir fanden, allerdings DIE Druckerei ist, hat sich mir nicht erschlossen. (Bild zwei) Drinnen ist eine Ausstellung, aber die war leider geschlossen. Egal, ob von Göschen oder nicht, ein altes schönes Haus ist es sowieso.

Auch in den Nebenstraßen gibt es schöne Häuser, in denen man sicher gerne wohnt. (Bild drei) Allerdings hat auch Grimma das "Wurzen- Problem". Rund um den Markt gibt es ein paar Geschäfte, Restaurants und Cafes, dann nimmt das ab und die leer gezogenen Häuser nehmen zu. Schade.

Immerhin wird geheiratet und das ziemlich standesgemäß. (Bild vier) Auch das prestigeträchtige Augusteanum dürfte in der Schulzeit zur Belebung der Stadt beitragen. Ob die Schule allerdings so gut ist, wie sie berühmt ist, das sei mal dahin gestellt. Man müsste Absolventen oder Kollegen kennen und befragen, aber ich kenne niemanden von dort.

Von Grimma ist es nicht weit bis nach Nimbschen, dem Kloster, aus dem Katharina von Bora entlief, ehe sie die Frau an der Seite Luthers wurde. (Letztes Bild) Heute erinnert eine Tafel an der Ruine an diese Geschichte. Vom ehemaligen Zisterzienserinnen- Kloster ist sonst nicht mehr viel übrig. Ein bisschen erinnert das alles an Eldena, nur dass die Ruine von keinem CDF gemalt wurde.

Lachen mussten wir trotzdem. Schon früher machte man sich also Gedanken über die Gesundheit der in dunklen Klostergängen lernenden Schüler, weswegen den bleichen Gestalten einmal pro Woche ein Spaziergang im Freien verordnet wurde. Dazu auserkoren war das Gelände des zu Schulzeiten schon aufgehobenen Klosters Nimbschen. Die Sache war sicher gut gedacht, aber - wie so oft - vermutlich fantasielos umgesetzt. Was die Schüler davon hielten, verrät die Bezeichnung dieses wöchentlichen Ausflugs, der im schönsten Sächsisch "Nimbschenlatsch" lautet. ;-) Warum bloß musste ich dabei an Franziska denken, die kleinerweise meist die Nase voll hatte vom latschen und latschen und latschen!