Vom "Wilden Feld" (UA) nach Cassovia (SK) und in die rumänische Bukowina

Reisebilder aus der Ukraine, der Slowakei, Rumänien und Osteuropa. Reflexionen zum Alltag, Reiseberichte, Kurioses und Interessantes vom Zusammenleben der Völker, Privates für Freunde und Bekannte...

Freitag, 20. April 2018

Geburtstagsnachfeier in Stirbat

Kaum angekommen, packte ich erst einmal meine Geburtstagsgeschenke aus. (Bild oben) Alles sehr lieb. Unter anderem hatte Helmut mir eines seiner Bilder eingepackt. Nun habe ich einen weiteren Original- "Bistika"! ;-)

Am Dienstag musste ich die Wohnung in Schuss bringen und ein bisschen an den Unterricht der Woche denken. Abends traf ich Mircea auf ein Bierchen und wir vereinbarten meine Geburtstags- Nachfeier im Latino für den Sonnabend. So passierte es auch. Gutes Essen und schöne, weil freundschaftliche Atmosphäre- ein guter Geburtstagsabschluss. Abschluss? Das Wetter war sommerlich geworden und Mircea schlug vor, unser geplantes Grillen auf seinem "Landsitz" in Stirbat gleich am Sonntag zu zelebrieren. Einverstanden. Ich würde auch den 24jährigen Whisky mitbringen, den sie mir geschenkt haben. So was Edles muss man doch gemeinsam probieren!

Am Sonntag wartete ich auf dem Parkplatz vor meinem Haus auf den Kleinbus, den Mircea organisiert hatte. Gelegenheit, den Eingang der Wohnung "meiner Freundin" (Bild zwei) zu fotografieren, also jener deutschsprechenden Frau, die ganz am Anfang meines Hierseins gedolmetscht hatte, als eine ältere Dame meinen vorderen Stoßfänger demoliert und das Nummernschild abgefahren hatte. Jeden Tag begrüßen wir uns seither mit einem fröhlichen "Servus" und sie fragt: "Was machst du?" Manchmal gebe ich ihr die Schokoladengeschenke meiner Schülerinnen und so kommen wir gut miteinander aus. Ihr Mann ist sichtbar vom Alkohol gezeichnet und beide bessern ihre kleine Rente durch "stoppeln" auf. Sie holen also alles Verwertbare aus unseren Müllcontainern. Auch keine Sieger der Geschichte...

Dann kam der Bus und wir fuhren samt Schwiegermutter und Lennard, unserem Freiwilligen, auf das "Gut". (Drittes Bild- stehend: Lili) "Gut" passt schon, denn dort stehen hunderte Obstbäume, die von den Erben des Dreifamilienhauses gemeinschaftlich bewirtschaftet werden. Mircea war Grillmeister. (Bild unten). Ich hatte Thüringer mitgebracht und Lili sorgte für frischen Käse, Lauch und anderes Gemüse. Lecker. Apropos: Mircea sieht nur auf dem Foto so "böse" aus- sonst ist er ganz lieb. ;-) Wir halfen noch beim Gießen und gegen 16:00 Uhr ging es zurück. Jetzt war die Geburtstagsfeierei wirklich zu Ende!


Rappbodetalsperre

 
Schon im Sommer des letzten Jahres hatte unsere Hausärztin und Utas Turnerfreundin Claudia ihren 60. gefeiert und die Turner schenkten ihr ein "gemeinsames Wochenende mit Nervenkitzel". Nun war es so weit. Man hatte sich auf den Freitag, den 06. 04., geeinigt, und die Gruppe (Bild zwei) traf sich oberhalb der Rappbodetalsperre. Geplant waren ein "Seilflug" (Bild unten) über das Auslaufbecken der Talsperre (Bild oben) und gemeinsame Wanderungen im Harz. Ich erlebte nur den ersten Teil mit und bannte das Geschehen aufs Foto, weil ich dann zurück musste, um anderntags früh aufbrechen zu können. Das Panorama dort oben ist schon schön und der "Flug" wurde von den Aktiven euphorisch kommentiert. Ich hatte wenig Lust dazu, denn einerseits brauche ich kein Adrenalin und andererseits fürchte ich immer um meine Ohren. Einen Hörsturz habe ich hinter mir und der Tinnitus, der zunächst zurück blieb, ist nur dank Iwan weg. Doch wo ist Iwan? Lebt er noch? Ich weiß es nicht. Deutsche Ärzte können jedenfalls nicht helfen- das weiß ich...

Am Sonnabend früh fuhr ich dann wieder ab, erreichte Košice gegen 18.00 Uhr und traf Remmer um 19.00 Uhr im med malina. Schöner Abend. Anderntags aßen wir zusammen zu Mittag im Colonial und dann fuhr ich nach Medzev, wo ich einen schönen Abend mit Helmut, Jana und Jutta verlebte. Ein schöner Geburtstag, obwohl ich "auf der Durchreise" war...

Am Montag Abend kam ich ebenfalls ohne Probleme in Suceava an. Ein bisschen fürchtete ich um das Auto, weil es Kühlwasser verliert. Wahrscheinlich Kopfdichtung. Aber es hielt durch und wartet nun auf die Reparatur, weil ich so nicht nach Kiew fahren will...



Merseburg

Nach den nicht so freundlichen Ostertagen, wir hatten sie zu Hause verbracht und waren nur am Sonntag zu den Schwiegereltern nach Freiberg gefahren, kam die Sonne raus und wir beschlossen spontan einen Ausflug. Da auch Regen angesagt war, wollten wir nicht weit weg und kamen so auf das nahe gelegene Merseburg, an das sich niemand mehr richtig erinnerte, obwohl es nur eine halbe Stunde entfernt ist. (Na ja, ich war im Sommer mit dem Rad da...)

Das Burgensemble sieht von Ferne imposanter aus; ich weiß nicht, warum es aus der Nähe nicht ganz befriedigt. Vielleicht ist es die Verputzung, die nicht wirklich zum romanischen Stil passt? (Bild oben) Naumburg wirkt da ganz anders. Aber wie dem auch sei. Das Innere des Doms mit dem Kreuzgang ist schon beeindruckend und das Museum in den "Katakomben" (Bild zwei) sehenswert. Natürlich zog es die Germanisten zur Präsentation der Merseburger Zaubersprüche. Aber wir schauten uns auch den Film an, der sehr informativ ist. 

Draußen vor der Burganlage ist der schöne Park der Blickfang. (Bild unten) Alles andere hat uns nicht wirklich vom Hocker gehauen. Nur das kleine Restaurant auf dem Burgberg ist sehr empfehlenswert. Sonst hat die Moderne das Städtchen nicht wirklich geschont. Jenseits des historischen Areals gibt es nichts Sehenswertes mehr. Auf der Rückfahrt hielten wir an der Domholzschänke an, die für Uta nur ein Mythos war. Ich habe auch das erste Mal dort "Rast" gemacht, während ich sonst nur mit dem Rad daran vorbei fahre. Es war gut. Als wir aufbrachen, begann es zu regnen. Aber nun war das auch egal. Ein schöner Tag.


Heimfahrt zu Ostern

Das Auto hatte den Test ja bestanden und bis auf die Delle in der rechten vorderen Felge (Schlagloch!) kamen wir unbeschadet bis Leipzig. Unterwegs nutzte ich eine Pinkelpause, um das Ehrenmal zu fotografieren, das kurz nach der ungarischen Grenze am Weg nach Košice liegt. Gekämpft wurde also um alle Höhenzüge (nicht nur bei Dargov), die den Weg nach Budapest versperrten. In meiner Košicer Zeit hatte ich das Denkmal nie gesehen; ich war mit dem Fahrrad nie dorthin gekommen. Nach einer Übernachtung kam ich problemlos nach Leipzig, wo ich sogar noch ein Stündchen schlafen konnte, ehe wir nach Halle zur Dreigroschenoper aufbrachen. Seit langem mal wieder lebendiges Theater! Es war mein Geburtstagsgeschenk und ich habe es genossen, wiewohl über die Aufführung Einiges zu sagen wäre, das nicht durchweg aus Komplimenten bestünde. Sei's drum Es war dennoch ein Erlebnis. Wie lange war ich schon nicht mehr im Theater? Drei Jahre? Vielleicht sogar vier... 

Freitag, 16. März 2018

Ausfahrt


Braves Auto! (Bild oben) Auch beim kommenden Dieselfahrverbot mein bestes. Nachdem es nun seit dem 15. Januar unberührt auf der Straße gestanden und bis zu minus 25 Gard getrotzt hatte, war ich gespannt, ob der Motor anspringen würde. Starten- Brumm! Noch Fragen? Allerdings dauerte es eine Weile, bis die Bremsen wieder rund liefen und der Rost von den Scheiben runter war. Daher fuhr ich übers Land (Bild zwei) und testete "meine Strecke", die ich kurz darauf erstmals in diesem Jahr auch wieder mit dem Fahrrad befuhr. Draußen waren 12 Grad, also kein Problem.

Neues sah ich nicht, aber wie immer gab es einen schönen Blick über die Felder und Dörfer bis hin zum Karpaten-Rand. (Bild drei) Mal sehen, wann das Wetter wieder so gut sein wird, dass ich mit dem Rad bis in die Berge komme. Bei meiner "Normaltour" muss ich kurz vorher umdrehen. Der Scheitelpunkt meiner Strecke liegt ca. 30 km von "zu Hause" entfernt und mehr ist als Nachmittags- Ausflug einfach nicht drin. 40 km muss ich schon fahren, ehe ich in die Berge komme. Aber wenn ich mir mal wieder 120 km vornehmen kann, an einem Samstag vielleicht, dann könnte es klappen. Ich will in diesem Jahr unbedingt Sachen einpacken und in einer der kleinen Pensionen übernachten und dann weiter fahren. So könnte ich die "große Runde" schaffen und wäre zwei Tage "auf dem Bock".

Wie dem auch sei. Auf jeden Fall würde ich die Heimkehr in "meiner Stammkneipe" Old Times (Bild unten- das mittlere weiße Gebäude) begießen und nach den Anstrengungen ein schönes "piept de pui" (Hühnerbrustfilet) essen... Noch ist es nicht so weit. In der nächsten Woche fallen die Nachttemperaturen wieder auf minus 10 Grad. Aber trotzdem: Es muss doch Frühling werden!


Dienstag, 20. Februar 2018

Sonntagsspaziergang

Ich weiß: Ungewöhnlich lange mussten die treuen Leser meines Blogs warten, ehe etwas Neues erscheint. Aber was sollte ich zur Weihnachtszeit in Deutschland schreiben? Schön war's...

Kaum wieder hier angekommen, hielten mich die abschließenden Vorbereitungen zu den Prüfungen zum DSD II voll in Atem. 34 Kandidatinnen mit ihren Fragen und Wünschen (natürlich) zum letztmöglichen Termin- das schlauchte gewaltig. Dafür gab es nach den mündlichen Prüfungen noch im Prüfungsraum rührende Szenen der Dankbarkeit, die ich fast schon nicht mehr für möglich gehalten hätte. Da vergisst man schnell, was für Ärger mir das letzte halbe Jahr bereitet hat. Dankbarkeit auch nach der Verkündigung der sensationellen Ergebnisse: Nur vier Schülerinnen haben nicht bestanden und es gab mehr Prädikate auf dem Niveau C1 als auf B2 und sogar mehr C1 als Suceava unter meiner Vorgängerin vordem überhaupt Prüfungsteilnehmerinnen hatte. Auch angesichts der schlechten schriftlichen Ergebnisse an anderen Schulen, an denen die Kolleginnen offensichtlich mit dem Thema "Digitalisierung" etwas überfordert waren, können wir in Suceava zufrieden sein. Das ganze Team hat hervorragend gearbeitet. Das kann man wohl sagen.

In den folgenden Ferien hatte ich zu tun "wie der Leipzscher Rat" (wie meine Schwiegerleute so zu sagen pflegen). Eine Rezension für das Buch einer guten Freundin ging mir nicht so von der Hand wie gedacht und außerdem gab es viel Arbeit mit der Vorbereitung des neuen Semesters. Schließlich war auch noch Lennard zu begrüßen, der aus Bonn stammt und mein neuer Freiwilliger ist. Das verspricht ein bisschen mehr Abwechslung.

Alles war nun vorüber, als sich draußen zum Schnee die Sonne meldete. Ich musste am Sonntag raus und die Sonne genießen. Außerdem wollte ich prüfen, ob die Wege schon ein sicheres "Geläuf" zum Joggen abgeben. (Leider nicht, denn es schneit immer wieder.) So ging ich meine Jogging- Strecke zum Friedhof hoch, vorbei an der kleinen Straße mit dem Bizz- Cafe, in dem ich jeden Donnerstag mit Mircea ein Bierchen trinke. (Bild oben)

Das zweite Bild zeigt die Kirchen/ Kapellen auf dem orthodoxen (links) und dem neuprotestantischen (rechts) Friedhof. Wenn ich dort bin, ist der Berg geschafft und die ersten 15 min sind um. Der Weg führt mich dann auf der anderen Seite wieder hinab zu einem Dorf am Fluss, wo ich - wenn es das Wetter hergibt - ein Stück am Fluss laufe, ehe ich umkehren und die Straße zurück laufen muss.

Zum ersten Mal war ich aber auf der den christlichen Friedhöfen gegenüber liegenden Seite (von wo aus die Fotos aufgenommen sind), um den neuen jüdischen Friedhof zu suchen. (Der alte befindet sich fast vor meiner Haustür.) Ich wusste von Mircea, wo ich suchen muss, und fand das Gräberfeld mühelos. (Bild 3) 

Wenn schon Friedhof, denn schon. Sonst laufe ich nur außen herum, dieses Mal war ich drin und fand auch gleich die Grabstätte des um die Stadtentwicklung wie die Stadtarchitektur verdienten Bürgermeisters Ritter de Loges. (Bild 4) Der orthodoxe Friedhof grenzt an das Gelände des Bucovina- Freilicht- Museums, so dass sich über die Gräber hinweg ein stimmungsvolles Bild ergbt. (Bild 5) Außer den rumänischen gibt es übrigens eine Menge deutscher und polnischer Grablegen mit Inschriften in den entsprechenden Sprachen. (Bild 7) Auch ein paar historische Gräber sind erhalten. Zu diesen zählt das Eisenkreuz, auf dem eine Tafel verkündet, dass hier vier österreichische "Avionisten" (Flieger) begraben sind. (Bild 6) Vom ersten Weltkrieg? Mag sein. Ein schöner Tag mit schönem Wetter in meiner kleinen (Wahl-)Heimatstadt.





Samstag, 9. Dezember 2017

Das Beste an der dunklen Jahreszeit...

Zwar war ich heute noch einmal auf dem Rad (das letzte Mal?), aber prinzipiell ist nun doch Adventszeit und man wartet auf Schnee und Eis. Auf jeden Fall wird es früh dunkel und der Mensch kämpft mit leichten Depressionen, vor allem dann, wenn er immer allein zu Hause sitzt.

Da hilft ein bisschen ursächsische Weihnachtsgemütlichkeit beim Überstehen der letzten Tage bis zur Heimfahrt! Und das sogar ganz unabhängig davon, dass die meisten Produkte aus China kommen. Immerhin haben sich die Asiaten vor 27 Jahren, als ich die Pyramide im Bild 1 im Otto- Versand kaufte, noch Mühe gegeben, der Tradition gemäß zu arbeiten.

Heute freilich macht die Amerikanisierung und mithin der Re- Import europäischer und vor allem deutscher Weihnachtstraditionen alles kaputt. Die Überfülle der Lichter stört nur noch und vor allem nervt das grellblaue Licht, das sich überall in Osteuropa als Straßendekoration durchgesetzt hat. Statt Wärme und dem, was man "anheimelnd" nennt, abstoßend kaltes Licht. Wer kam bloß auf diese absurde Idee? Oder ist es - dann wäre es genial - Widerspiegelung des Zeitgeistes?

Wie dem auch sei. Ich leiste mir den versnobt- konservativen Luxus brennender Kerzen und guter Musik aus meiner Hi-Fi- Anlage. (Bild 2) Auf dem Sofa sitzend genieße ich einen starken Kaffee und dazu einen (!) kleinen, dafür aber feinen Whisky (18jähriger Knockando!). Da kann man es aushalten! ;-)  Ab und an stecke ich auch die "Puppenkerzen" auf meiner kleinen Pyramide an. (Bild unten) Sie begleitet mich nun schon über 50 Jahre und zeigt der heutigen Konkurrenz immer noch, wie fein, exakt und schön Handarbeit vor dem Einbruch der Massenproduktion gewesen ist!