Vom "Wilden Feld" (UA) nach Cassovia (SK) und in die rumänische Bukowina

Reisebilder aus der Ukraine, der Slowakei, Rumänien und Osteuropa. Reflexionen zum Alltag, Reiseberichte, Kurioses und Interessantes vom Zusammenleben der Völker, Privates für Freunde und Bekannte...

Dienstag, 10. Oktober 2017

DSD I- Diplomübergabe in Suceava und Radauti

Heute um 13.00 Uhr erreichten mein Chef (Bild oben links) und die Leiterin der Presse- und Kulturabteilung der Deutschen Botschaft Bukarest (im Bild oben rechts) Suceava und hatten die lang ersehnten Diplome zum Deutschen Sprachdiplom der KMK Stufe I im Gepäck. Da wir 70 Diplome zu übergeben hatten und die Gäste schon eine Stunde später weiter nach Radauti wollten, wo auch noch einmal 40 Schüler/innen auf ihre Diplome warteten (Bild unten), fiel das Programm kurz aus. Medea sang zwei deutsche Lieder und dann riefen wir die Schüler/innen klassenweise nach vorne und übergaben die Diplome, die immerhin die Prüfungen zum rumänischen Abitur im Fach Deutsch ersetzen. Für die 12. Klasse (Bild oben) ist der Abstand zu den Prüfungen im DSD II, die Ende November stattfinden, arg kurz, aber vielleicht schaffen wir das doch. Die 11er (Bild zwei) haben hingegen noch ein bisschen Zeit. 

In Radauti war ein bisschen mehr los. Nach einer schönen kurzen Feier mit Schüleransprachen, einer Präsentation zur Geschichte der europäischen Nachnamen, in der neben denjenigen der Bukarester Gäste auch "Steffen" vorkam ;-) , erhielten die Schüler/innen einzeln die Diplome. Angelica (im Bild unten links neben meinem Chef) hatte sich wirklich Mühe gegeben. Dann aßen wir richtig gut im besten Lokal der Stadt zu Abend und schon ging es wieder zurück.

Mal sehen, wie das im nächsten Jahr wird. So viele Kandidatinnen werde ich so schnell nicht wieder haben. Leider...

Montag, 2. Oktober 2017

Constanta

Dieses Mal führte mich mein Rundgang um die Landspitze herum. Auch hier alte Pracht, aber leider stehen die Häuser leer und verfallen. (Bild oben). An der Marina (Bild zwei) funktioniert wenigstens ein nobles neues Hotel. Fünf Sterne. Welche Firma? Hab ich vergessen. Die sehen sowieso alle gleich aus. Vor dem Hotel fuhren die Auto übrigens bereits durch das Wasser, das von den Brechern stammte, die über die Mole spülten...

Was war das einmal für eine Stadt, die heute so heruntergekommen und zerbaut wirkt? Als ich das alte Casino (Bild drei) gewahrte, wusste ich es. Das Gebäude liegt an einer Promenade und ist hinten von zwei Seiten vom Wasser umspült. Hat man es deswegen aufgegeben, weil das Salzwasser dem Putz, den Fenstern und Türen etc. so zusetzt? Immerhin ist es aber das Wahrzeichen der Stadt und ein schönes Motiv! Doch zeigt es sich wie der Rest- aufgegeben und verwahrlost. Wie schade!

Vom Casino aus schaut man dann auf den Hafen mit seinen Erdölterminals, einer wohl eher schlecht als recht funktionierenden Werft und den Kaianlagen voller Kräne der Marke "TAKRAF". Bei dem Wind arbeitete natürlich nichts und die Riesentanker lagen allesamt am Horizont auf Reede.

Das Stück Promenade vor dem Casino ist doch angenehm. Viel Grün mit Eminescu- Denkmal und einigen Erinnerungsorten, die an gesunkene Schiffe und ertrunkene Mannschaften erinnern. Ein Blick auf das tobende Meer machte schnell klar, wie so etwas möglich ist. 

Dahinter dann die Altstadt. Die erste Häuserzeile mit Leuchtturm, österreichischem Konsulat und einigen alten Villen ist gut in Schuss. Dann aber kommen Straßenzüge, die so aussehen wie die Bewohner, wobei es durchaus möglich ist, dass die Trostlosigkeit der Straßen auch den Charakter der Bewohner geprägt hat. Die "Freuden des Alltags" scheinen jedenfalls eher kärglich. (Bild vier) Wie früher in wohl fast allen "sozialistischen Altstädten" wohnen nicht gerade die Begüterten in den alten Häusern und so fehlt es an Mitteln, sie instand zu setzen bzw. zu halten.

Statt sich also um die alte Substanz zu bemühen, wenigstens heute könnte man deren touristischen Wert und ihren Beitrag zu einer lebenswerten Umwelt doch erkannt haben, baut man die dummen Glasfassaden austauschbarer Kapitalsymbole (auch hier eine Bank- Bild fünf) gleich neben die Moschee, die davon kündet, wer hier lange Zeit das Sagen hatte. Die Moschee kann gegen einen Obulus man betreten, was wohl davon zeugt, dass sie nicht wirklich mehr als Gotteshaus fungiert. Die wenigen verbliebenen Muslime dürften sich eher in die vielen kleinen an diversen Straßenecken zwischen neuere Häuser eingeklemmte alte Bethäuser zurückgezogen haben.

Sonst gibt es einen großen leeren Platz mit dem archäologischen Museum - davor eine Statue des Ovid. (Bild sechs) - und zwei Straßen mit Restaurants und Bars für jeden Geldbeutel. (Letztes Bild) Auch sind die Häuser alles andere als in Schuss, aber man ahnt das Gewühl des Sommers und stellt sich also eine im Ganzen belebte und touristische Atmosphäre vor. Meine Kolleginnen schwärmen natürlich von der Stadt. Na klar. Das Meer ist schon eine tolle Sache. Davon ab leide ich vielleicht auch an der "Vergleicheritis". ;-) Doch was kann man schon anderes sagen, als dass Odessa wirklich in einer ganz ganz anderen Liga spielt? Einzig einen so schönen Stadtstrand hat die ukrainische Metropole nicht zu bieten.

Dann begann unser Seminar. Den ganzen Sonnabend brachte ich auf workshops zu. Und am Sonntag ging es dann zurück. Gegen 12.00 Uhr fuhren wir los und gegen 21.00 Uhr hatte ich alle Kollegen zu Hause abgeliefert. Mann, war ich da kaputt. Das Alter? Oder die Strecke, deren Ereignislosigkeit so schlaucht? Vielleicht beides...

Fahrt nach Constanta

Anderntags stieg ich erholt in mein Auto und hoffte auf mehr Abwechslung und ein paar Sehenswürdigkeiten. Freilich umsonst. Von den Städten und ihren verfallenen Industriesilhouetten schweige ich lieber ganz. Da möchte man wirklich nicht wohnen. Vor allem die Industriestädte sahen aus, wie an Ceausescus Schreibtisch entworfen. Nichts Gewachsenes. Nichts Tröstliches - jedenfalls nichts, was man vom Auto aus hätte erspähen können.

Landschaftlich bestätigt die Walachei auch allen Stereotypen, die man in deutschen Landen so pflegt. Was stellt man sich unter "Walachei" vor? Ödnis und Leere und vielleicht ab und an ein Brunnen für die Pferde! Pferde sah ich nicht, aber Brunnen gab es in regelmäßigen Abständen entlang der Straße. (Bild oben). Auch sonst ist alles wie im Klischee: Endlose Felder und ein Land so flach, dass Ungarns Puszta wie ein abwechslungsreiches Hügelland wirkt und die ostfriesische Küstenlandschaft wie ein touristisches Highlight! Bis zum Horizont ein leeres Irgendwo ohne Menschen und Bewegung. Nur in den Melonenfeldern sah ich Menschen, ganze Familien zumeist, die ihre Ernte einbrachten und in Dacia- Kombis aus alter Zeit verluden, um sie auf den nächsten Markt zu fahren Den nächsten? Also 60 oder 100 km weiter...

Die Landschaft änderte sich erst in Küstennähe. Nun wurde es wieder hügeliger und einige Wasserläufe durchzogen tiefe Täler, die von der Autobahn Bukarest- Constanta in luftiger Höhe überquert wurden.

Constanta selbst sah bei der Einfahrt trostlos aus. Wie die davor gesehenen Städte eben. Allerdings wirkt alles etwas großzügiger. Die Häuser sind weiter von der Straße weg errichtet, so dass Magistralen entstehen, die man auch in den Außenbezirken von Odessa oder Kiew sehen kann. Von der Altstadt sah ich zunächst wenig. Aber ich begriff, dass sie auf der Landzunge liegen musste, auf der sich unser IBIS- Hotel befand. Richtig.Ich bezog mein Zimmer, ging in einem nahe gelegenen italienischen Restaurant etwas essen (lecker!!!) und dann auf Entdeckungstour.

Das Hotel liegt direkt am Strand, der sich bis zum Hafengelände erstreckt, sehr breit und schön sandig ist. Angenehm, dass die Urlauber von hier aus den Hafen nicht sehen. Er liegt hinter der Landzunge und ist von der Steilküste und der Stadtbebauung verdeckt. Sandig? Es war nicht zu übersehen, denn der Sturm peitschte nicht nur die See, sondern verwandelte die Sandfläche in eine Art Wanderdüne, die schon den Asphaltweg bedeckt hatte, der wohl für Versorgungsfahrzeuge angelegt wurde. (Bild drei)

Ich denke, die Windstärke betrug 10- 12 und hatte also Orkanstärke. Man konnte sich kaum auf den Beinen halten und die Gischt schäumte und spritzte über die Molen, die dem Schutz einer kleinen Marina mit netten Restaurants usw. dienten. Die Wellenbrecher (Bild vier) waren also mehr als nötig. Dass ich nicht - wie geplant - baden gehen konnte, muss nicht extra erwähnt werden. Leider.

Bereits der Blick vom Strand aus zeigt den stadtgeschichtlichen Reichtum. Man sieht historistische Hotelbauten (leider verfallen und zum Verkauf stehend - allesamt Spekulationsruinen) und sozialistische Hotelarchitektur, alte Häuser, über deren Dächer sich der Turm einer Moschee erhebt. Und dann gab es da noch den verbannten Dichter der "Metamorphosen". An ihn erinnern Denkmäler, Straßennamen und Restaurants.

Ich beließ es bei dem ersten Eindruck, ging ein Schläfchen machen und wollte im Anschluss die Altstadt erkunden. Das tat ich dann auch.

Focsani

Nach der Lektüre von Varuja Vosganians "Buch des Flüsterns" wollte ich gerne den Ort seiner Jugend und eben den der Handlung im Buch sehen. Außerdem waren mir 8 Stunden Autofahrt "in einem Ritt" zu hart. Also fuhr ich am Donnerstag nach dem Unterricht los und erreichte nach ca. 3,5 h Fahrt Focsani. Die Straße führte durch eine höhepunktlose Landschaft. Nur rechter Hand sah man am Horizont die Gebirgszüge der Karpaten; links nur eine Art "Steppe", die an Moldawien erinnert. (Bild oben - Die Wasserfläche stammt von einem Stausee)

Focsani selbst ist nicht ganz so trostlos wie Roman, Bacau und andere Betonwüsteneien auf der Strecke. Wenigstens im Zentrum erinnern ein paar ältere Bauten an die vergangenen Zeiten. Mein Hotel lag dem Einheitsdenkmal (Bild zwei) gegenüber. Der zentrale Platz mit alter Kirche und altem Rathaus (Bild drei) war in ein paar Minuten erreicht. Es geht durch einen kleinen Park und über ein bisschen Boulevard und sieht nicht so schlecht aus. Wendet man sich allerdings vom Rathaus um und schaut auf die gegenüberliegende Seite des Platzes, packt einen das Grauen. Wenigstens gibt es ein paar Bäume, deren Grün das Einheitsbetongrau auflockert. Schlimmer als Grünau, Marzahn usw.? Anders schlimm. Die Bauten stehen hier nicht einzeln und frei wie in DDR- "Neubau"Gebieten, sondern säumen als endlose Reihe die Straßen. So bewahrt die Architektur zwar den Anschein städtischer Bebauung, aber die armen Bewohner haben nun alle "nach vorne raus" den Lärm der Magistralen. Kinder können vielleicht "hinten raus" zwischen den Garagen und in dem engen Raum bis zur nächsten Häuserzeile spielen, aber sonst ist da nichts, was Freude macht. 

Die Hauptattraktion der Stadt ist die alte armenische Kirche. Ich sah sie und hatte keine Lust mehr anzuhalten. Was auf den Bildern im Internet imposant aussieht, ist in Wirklichkeit ein kleiner gedrungener Kirchenbau, eingeklemmt zwischen Lidl und Kaufland an einem völlig charakterlosen Betonplatz. Das hat die Kirche nicht verdient! Schade...

Aber das Hotel war ok und das Frühstück ganz gut. Mein mit Käse und Speck gefülltes Schweinekammsteak geradezu lecker! ;-)



Donnerstag, 14. September 2017

Alma Vii/ Almen

Am Freitag Nachmittag war Exkursion in die Gegend angesagt. Essen sollte es unterwegs geben. Da waren wir gespannt. Nach ca. 30 min Schaukelfahrt mit dem Bus landete unsere Gruppe "jwd", wie der Berliner sagen würde. Nicht wirklich Bergland, aber mehr als Hügelland, nicht bewaldet, aber auch nicht kahl- so stellt sich die Gegend dar. Hätte Goethe sie "lieblich" genannt? Vielleicht...

Alma Vii ist jedenfalls eine als "Almen" von den siebenbürger Sachsen gegründete Siedlung mit ca. 700 Seelen und soll auch früher nicht mehr Einwohner beherbergt haben. Wie solch ein Dorf die ökonomische Kraft aufbringen konnte, eine derartige Wehranlage zu erschaffen und zu unterhalten, das ist schon interessant. (Bild oben) Die hiesige Wehrkirche aus dem 14. Jahrhundert, sie hat am Kirchturm Pechnasen, Wehrgänge und einen einzigen, vom Kirchenraum aus begehbaren und hoch gelegenen Zugang, ist als Protestantische Kirche mit Kanzel, Orgel und umlaufender Galerie ausgestaltet. Umgeben ist der trutzige Bau von einer mehrere Meter hohen und stabilen Mauer mit Wehrgängen (Bild zwei), die von einem  Uhr- und einem Torturm geschützt wird. Auch der Kornspeicher ist als Wehrturm ausgelegt. (Bild drei)

Die letzte Sächsin des Dorfes ist vor 10 Jahren gestorben, die anderen haben schon vor 20 oder 30 Jahren Rumänien in Richtung Deutschland verlassen. Auf der Burg war seitdem niemand mehr, nur ein paar Kirchenräuber versuchten, die Orgelpfeifen auszubauen und als Schrott zu Geld zu machen. Für die orthodoxe Mehrheitsbevölkerung heute ist die "Sachsenkirche" des Teufels und sie mieden sie. Dann aber kam eine vor allem von Norwegern betriebene Stiftung und mühte sich um den Wiederaufbau der Burg. Das Konzept sieht vor, nur regionale Möglichkeiten zu nutzen oder zu schaffen und nachhaltig zu fördern. So wurden eine Ziegelei und eine Handwerkergenossenschaft gegründet, deren Mitglieder ihre Ausbildung bei der Rekonstruktion der Burg erhielten. Heute sollen sie schwarze Zahlen schreiben und ohne den Burgbau existieren. Der zu diesem Zweck gegründete Frauenverein betreut auf der Burg und rings um sie herum mehrere Fremdenzimmer und sorgt bei Bedarf für das Essen. So kamen wir zu einem stimmungsvollen und wirklich schmackhaften Mittag in den historischen Räumen! (Das Personal übrigens bestand nur aus freundlichen und wieselflink fleißigen Zigeunerinnen!) Warum machen Norweger, Belgier und Niederländer so etwas, während "wir" Deutschen höchstens einen "Lidl" oder ein "Kaufland" in die Gegend gestellt hätten, damit die Rumänen auch dort unsere Produkte kaufen? Man sieht, es geht anders, wenn man will. Wir aber wollen nicht....

Nach dem Essen und der Kirchenburgführung konnten sich Interessierte im Korbflechten üben und die anderen (auch ich) wanderten zu den Köhlern. Was für eine elende Arbeit! Und gefährlich ist sie auch, weil immer wieder Arbeiter bei den notwendigen Abdeckarbeiten (siehe Bild 4) auf dem viele hundert Grad heißen Meiler ins Innere durchbrechen, womit jede Hilfe zu spät kommt. Der "Patron" stellt das Holz und berechnet genau, wie viel Holzkohle daraus werden muss. Schaffen die Köhler die Vorgabe nicht, bleibt der Lohn aus; schaffen sie alles wie vereinbart, reicht er zum Leben in einem Wohnwagen. (Bild 5) "Unsere" Köhlerfamilie bestand aus einem Mann und einer Frau, die alle 4- 5 Jahre den Platz verlassen und weiter ziehen, weil dann alles geeignete Kleinholz zu Holzkohle geworden ist.

Auf dem Rückweg ergab sich ein toller Blick auf die Burg von Almen (letztes Bild) und man konnte sich gut vorstellen, wie die Tartaren sie vor vielen hundert Jahren wahrgenommen haben. Erobert worden ist sie nie und die Skelette aus dem Inneren stammen wohl von einem Friedhof. Ob die Toten freilich besondere Würdenträger des Dorfes oder bei Kampfhandlungen Getötete waren, das wüssten die Archäologen nicht. So jedenfalls erklärte es uns die sehr sympathische und äußerst kompetente Führerin, eine Sächsin aus einem der Nachbardörfer, die nun die Frauen betreut, die für die Wohnungsvermietung und die Küche zuständig sind. Ob es Probleme gäbe? Natürlich. Aber man könne alles lösen, wenn man nur will, so die Antwort. Und in der Tat waren die meisten Häuser im Dorf frisch angestrichen und viele schon gut saniert. Müll wie in den slowakischen Zigeunersiedlungen? Hier gab es nicht einmal ein weggeworfenes Papiertaschentuch auf der Straße! Die Menschen haben das Dorf in Besitz genommen und füllen es nun mit eigenem Leben. Sie haben eine Perspektive und sind dankbar. Es geht also! Man muss nur wollen und machen!

Weiterbildung in Medias/ Mediasch

 Kaum angekommen holten mich die üblichen Arbeiten vor Beginn des neuen Schuljahres ein. Arbeitsvertrag abholen, Stundenplan eintreiben, Stoffverteilungspläne erarbeiten usw. Dabei gab es eine böse Überraschung, da ich nach einer jüngst beschlossenen Verordnung nun nicht mehr als "Doktor" bezahlt werden kann, weil das nur noch geht, wenn auf der Doktorurkunde das Fach drauf steht, das ich unterrichte. Ich bin danach aber Philosoph und nicht Philologe. Na gut, verzichte ich auf die 13%... Aber nein, ich soll die über's Jahr gezahlten Zuwendungen zurück zahlen! Wieso, die Regelung war doch vor einem Jahr noch anders? Ja, aber jetzt ist sie eben so... Gut, das bedeutet nun zwei Monate ohne rumänisches Gehalt leben. Man sieht, auch hier wird alles immer besser, aber nichts wird gut. Ende des letzten Schuljahres war sogar mal von Streik die Rede, weil die Regierungspartei in den Wahlen die Verdoppelung der Lehrergehälter versprochen, bis jetzt aber noch keinen Lei mehr gezahlt hat. Allerdings scheint das nur Sturm im Wasserglas gewesen zu sein, es gibt Unmut, aber niemand will etwas tun. Da freut sich jede Regierung drüber. Meckern könnt ihr ja, Hauptsache ihr geht zur Arbeit...

Aber nicht alles ist schwarz. Am Donnerstag ging es auf nach Medias zum jährlichen Treffen der deutschen (und rumänischen) Lehrer an deutschen oder DSD- Schulen. Hm, naja, der Eröffnungsabend war nicht eben ein kulinarischer Höhepunkt- Medias ist ein Kleinstadt (vgl. Bild 1) und die dortigen Restaurants (z.B. das auf Bild 2) sind mit 100 Personen überfordert, obwohl wir schon früher ansagen mussten, für welches der drei gebotenen Gerichte wird uns entscheiden. Die "Lieferung" dauerte trotzdem Stunden und das Essen war kalt. Davon ab gab es ein paar nette Begegnungen und neue Bekannte, die vielleicht interessant werden. Vor allem Waldemar, ein polnischstämmiger Deutscher, der hier seinen Lebensabend verbringen will und daher bei Suceava ein Häuschen baut, war mir auf Anhieb sympathisch. Wir tranken jeden Abend diverse Bierchen zusammen und hatten schnell eine Wellenlänge gefunden.

Mein Workshop zum Debattieren kam gut an und ich strich Komplimente ohne Ende ein. Ja, man ist dann stolz und zufrieden. Leider wird - wie Uta zu sagen pflegt - "wer gut ist, wieder genommen", so dass ich schon Anfragen für weitere Veranstaltungen in der Tasche habe. Mal sehen...

Medais selbst ist die erste "Sachsensiedlung" in Siebenbürgen, die ich bewusst als solche aufgenommen habe. Die kleinen Häuser der Mittelstadt (historisch- heute eher Kleinstadt) erinnerten mich an den Baustil der Zipser in der Slowakei. Häuser und Toreinfahrten (Bild 5) erinnern sehr an Medzev und andere slowakische Städte der Deutschen. Was dort allerdings fehlt, sind die markanten Kirchenburgen. Viele Dörfer in der Gegend haben sich solch einen Schutz- und Rückzugsraum gegen Tartaren und nomadisierende Osmanen geleistet, in Medias steht im Zentrum eine der ältesten als Burg ausgebauten Kirchen. (Bilder 3 und 4). Das meint, dass die Kirche kaum Fenster aufweist und im Turmbereich eine Verteidigungsanlage ist; zudem ist sie durch Wehrmauern und einen Torturm geschützt. (Bild 3) Dass die Anlage dennoch nicht wirklich eine "Veste" geworden ist, verdankt sich dem Aufstieg des Ortes zur Stadt, die sich endlich mit eigenen Wehrmauern. Wehrtürmen etc. umgab. (Letztes Bild)

Insgesamt hat der Ort eine schöne Atmosphäre (vgl. vorletztes Bild) und die restaurierte Altstadt mit den Wehrmauern ist durchaus sehenswert. Für Individualtouristen reicht das gastronomische Angebot auch aus und insbesondere die oben im Bild gezeigte "Kneipe" bot schmackhaftes Essen. Leider mussten wir aber auch dort 1,5 h auf das Essen warten. :-( Ansonsten findet dieses jährliche Treffen in Medias statt, weil hier ein mit deutscher Hilfe ausgebautes Weiterbildungszentrum für rumänische Deutschlehrer angesiedelt ist, das ohne solche Veranstaltungen von der Schließung bedroht wäre. Daher bleibt uns der Ort sicher für weitere Treffen erhalten...

Samstag, 9. September 2017

Wiesbaden bei Lutze

Apropos Besuch bei Herrn Salm... Natürlich soll man über die wieder neu geknüpften Kontakte nicht seine alten Freunde vergessen! Von Gondenbrett aus fuhr ich nach Wiesbaden, wo ich Lutze traf. (Bild vier) Der hatte den Tag frei und so konnten wir in Ruhe einen schönen Nachmittag verbringen, ehe ich zum abendlichen Termin mit Dascha, meiner ukrainischen Freundin und nunmehrigen Psychologie- Studentin in Mainz weiterfuhr. Das Wetter war immer noch prächtig und Wiesbaden gefiel mir. Vor allem die Parks (Oben hinter dem Theater und unten der Kurpark) sind doch schön- Lutz hat sich mittlerweile auch mit der Hessenmetropole angefreundet, jedenfalls mischt er wieder ein bisschen am Theater (Bild drei) mit und hat so neue Kontakte, die mal nicht so miefig sind wie die mit seinen Kolleg/innen. Aber nach Dresden zurück will er doch! ;-)

Wir aßen einen Happen gegenüber dem Parlament und ehemaligen Stadtschloss, (Bild zwei) das mich natürlich an Büchner und seinen "Hessischen Landboten" erinnerte. Verdrängt oder vergessen hatte ich schon, dass auch Dostojewski sich hier herumgetrieben und Linderung gesucht hat. Man spielt ihn heute in der Stadt. Gut so. Dann noch ein Bierchen im Kurpark und Lutz musste zu einem Termin, ich zu meiner Verabredung. Schade, zu kurz. Aber Uta wird im Herbst auch hinfahren und so bleibt die Familie präsent, ehe Lutz als Adoptiv- Sohn mal wieder in Freiberg vorbei sehen wird. Lach. ;-)

Der Abend mit Dascha war dann sowieso zu kurz, aber er reichte, um mir das ganze Elend der deutschen Universitäten, des Bologna- Systems und der MINT- Hysterie lebhaft vor Augen zu stellen. Das Mädel kämpft nicht nur mit der Mathematisierung der Fachrichtung, aus der bald alles Humanistische zugunsten statistischer Erhebungen über die Wirksamkeit von Pillen getilgt ist, sondern auch mit den Mieten, den (verdeckten) Studiengebühren und den sprunghaft gestiegenen Kosten für die KV ab ihrem 30. Lebensjahr. Auch deshalb hätte es sich gar nicht gelohnt zu bleiben, denn sie arbeitet jeden freien Tag in einer Pizzeria (für Mindestlohn- versteht sich, und das Trinkgeld teilt sich die Stammbelegschaft). Ich hoffe, sie schafft das alles. Die erste Probeklausur war wohl nicht so berauschend, aber immerhin bestanden! Ich fuhr dann noch bis Aschaffenburg, um am anderen Tag schnell um Frankfurt rum zu kommen... Hat nix genutzt. Ich stand dann sowieso durch Bayern durch im Dauerstau bis spät in die Nacht hinein!