Reisebilder aus der Ukraine, der Slowakei, Rumänien und Osteuropa. Reflexionen zum Alltag, Reiseberichte, Kurioses und Interessantes vom Zusammenleben der Völker, Privates für Freunde und Bekannte...

Sonntag, 3. November 2019

01.11. - Buzau und nicht Halloween

Nein, schön ist anders. Aber praktisch war's. Der Chef hatte am 01.11. um 14.00 Uhr das Halbfinale "Jugend debattiert in Rumänien" (unserem an Jdi angelehnten, botschaftsfinanzierten Wettbewerb) anberaumt und da ich keine Lust hatte, in der Nacht in Suceava abzufahren, gönnte ich mir eine Übernachtung in Buzau. Ich wollte eigentlich prüfen, ob die Stadt wirklich so hässlich ist, wie sie bei den Durchfahrten erscheint, und ich wollte Geld für die Übernachtung sparen- klar. Letzteres klappte ausgesprochen gut, denn 32 Euro/ Nacht waren angesichts des Komforts wirklich nicht zuviel. Ein kleines, sauberes, modernes, sehr geschmackvolles Hotel fünf Gehminuten vom Zentrum entfernt und trotzdem völlig ruhig gelegen, dazu ein Restaurant, dessen Angebot auch nicht zu kritisieren ist - was will man mehr? 

Ansonsten hat Buzau doch so etwas wie eine Altstadt. Es gibt ein paar repräsentative Bauten wie Gymnasien, Polizei usw. und ansonsten Kleinbürgerhäuser in historistischem Stil. Die waren allerdings eher schlecht gepflegt und ohnehin macht die Stadt nicht gerade einen wohlhabenden Eindruck. Die kleinen Geschäfte am Straßenrand erinnerten sehr stark an Kleinstadtläden in der DDR in den 60er Jahren. Keine modernen Regale, Präsentationen usw., sondern halt Rohre und Anschlüsse im Schaufenster und drinnen ein Raum, wo das alles irgendwo rumsteht.

Das eigentliche Zentrum besteht aus einem sehenswerten Rathaus (zweites Bild), einem riesigen Platz mit sozialistischer Einheitsarchitektur davor (Bild drei) und einem Platz, an dem zwei Großkirchen und der Palast des Episkopats stehen, (Bild oben) Dort wurde ich vom Wachschutz verjagt: Fotografieren verboten! Ok, offensichtlich weiß man um das Unchristliche des protzend zur Schau gestellten Reichtums des Klerus inmitten einer ansonsten nicht so arrivierten Stadtgesellschaft. Egal.


Der Rest der Stadt besteht aus monoton aneinandergereihten Wohnscheiben (letztes Bild), die in Zentrumsnähe ab und an durch modernistische Glasarchitektur (viertes Bild) etwas aufgelockert sind. Wenigstens wachsen in den Innenhöfen die Bäume schon in den Himmel- da ist es nicht ganz so trist. Deprimierend allerdings die Kinderknäste, sprich die überall eingezäunten Spielplätze (Bild unten) inmitten der "Autolandschaft" drumherum. Die Prioritäten der neuen Gesellschaftsordnung sind deutlich zu sehen.

Ansonsten nahte Halloween und in der ganzen Stadt lagen die Kürbisse rum. In Bukarest Scharen von wild bemalten Schülern und Jugendlichen auf der Straße. Ich habe mich schon gefragt, warum meine Schüler immer wieder meinen, "ihre Kultur" sei von Überfremdung durch die bösen Flüchtlinge und Migranten bedroht. Dass sie zu ihrem Traditionshemd sowieso nur noch in amerikanischen Jeans rumlaufen, fällt ihnen nicht auf und dass der Valentinstag so wenig eine rumänisch- orthodoxe Kirchentradition ist wie der Muttertag, wissen sie gar nicht. Und Halloween? Darüber denken sie - wie so oft - gar nicht nach...

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