Reisebilder aus der Ukraine, der Slowakei, Rumänien und Osteuropa. Reflexionen zum Alltag, Reiseberichte, Kurioses und Interessantes vom Zusammenleben der Völker, Privates für Freunde und Bekannte...

Sonntag, 10. Mai 2015

Ivano- Frankivsk vom Fluss aus gesehen

Der Vormittag war ruhig und sonnig. Ich hatte noch Zeit und ging vom Heldenpark aus zum Fluss, an dem ich - ich gestehe es ungern - früher eher selten war. Warum eigentlich? Wie schön die nahe Umgebung von Ivano ist! (Bild oben) Ganz naturbelassen, nur an den Rändern gegen Hochwasser eingedeicht, sieht das Flussbild natürwüchsig aus! Ich beobachtete Störche und Reiher. (Zweites Bild) Man kann ein paar Stunden dort spazieren gehen...


Aber alles ist eben auch vernachlässigt. Industrieruinen prägen das Bild längs der Schienenstränge. An den Stadt- Randgebieten sieht man, wieviel zu tun ist. (Bild drei- Busstation vor einem vergamnmelten Park) Das Land braucht Frieden, Hilfe, Kreativität und Optimismus. Das Land braucht Straßen, die den Namen verdienen. (Bild vier, fünf und Bild unten) Die Menschen brauchen Gehälter, von denen man leben kann. Meine Kolleginnen stritten ein bisschen, weil die eine ihren Verdienst mit 150 Euro/ Monat angab, was die anderen beiden aber nicht erreichen. Rentner haben immer noch nicht mehr als 60- 100 Euro! Und es mangelt an Perspektiven für die Jugend. Beide Töchter der Freunde sind in Deutschland; eine wird dort heiraten. Von "meiner Clique" ist Julia schon länger in Litauen und Taras setzt seine Hoffnungen auf die USA. Wer kann, geht. Wohin soll das führen?

Aber, so die übereinstimmende Meinung aller meiner Gesprächspartner: Es ist eben ALLES wieder wie früher. Die Korruption blüht und an die Ukraine denken die Menschen bloß mit den Sprechblasen der Propaganda. "Slawa Ukraina!" - "Heroem Slawa!", aber selbst nicht mal Steuern zahlen! Man kauft sich vom Wehrdienst frei, kauft Jobs, kauft Abschlüsse, kauft einen Operationstermin... Wann wird der Stolz auf die eigene Leistung diese hohlen Phrasen verdrängen, die niemanden satt, keinen glücklich (aber Viele unglücklich) machen? Das Land ist groß und die Menschen sind doch gut. Sie müssen sich die Chance, es auch leben zu können, erst noch erkämpfen.Es braucht einen neuen Maidan, einen wirklich Volksaufstand mit sozialen Zielen! Die Phrasen stören nur...

Was es Neues gäbe?- fragte Vita. Katastrophen? Was ist schon eine Katastrophe? - Aber dann benannte sie die wirkliche Katastrophe: "Wenn einer den Brief bekommt. Wenn am anderen Morgen die Nachbarin weint und der Junge weg ist, den du seit der Schule kennst. Das ist eine Katastrophe!" Und dann erzählen sie mir, dass nicht einmal die Entschädigung des Staates für ein im Kampf gefallenes Familienmitglied bei den Familien ankommt. Auf dem Einberufungsbefehl stehe unten ein großes "F" für "freiwillig", obwohl es doch ein Gestellungsbefehl des Staates ist. Niemand habe das ernst genommen, erst langsam begreifen die Betroffenen, dass sie auch mit dem "Heldentod" betrogen wurden. Auch hier zeige sich das Vaterland für den Einsatz des Lebens seiner Bürger nur in der Propaganda erkenntlich; in Wirklichkeit fehlt der Sohn, der Vater, der Mann und der Ernährer. Es fehlt die erhoffte Rentenversicherung der Eltern, die Sozialversicherung der jungen Mutter, die Hoffnung des Kindes. Dafür gibt es viele Plastikblumen und falsche Kränze mit hohlen Sprüchen auf dem Heldengrab. Was für ein Elend! Immer und immer wieder- nicht nur in der Ukraine!   




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